[ { "type": "ExternalData", "service": "geoshape", "ids": "Q7943", "properties": { "fill": "#00FF00", "fill-opacity": 0.1,"stroke": "#000000" } }] mini|Historische Karte der Oberlausitz mini|hochkant|Das Wappen der Oberlausitz
Die Oberlausitz, , (, , , ), ist eine ursprünglich politisch eigenständige Region, die heute zu etwa 67 % zu Sachsen sowie 30 % zu Polen und 3 % zu Brandenburg gehört. In Sachsen umfasst die Oberlausitz etwa die Landkreise Görlitz und Bautzen mit einer nördlichen Grenze zwischen Hoyerswerda und Lauta und in Brandenburg den südlichen Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz um die Stadt Ruhland sowie einige Orte östlich und südlich davon. Der seit 1945 polnische Teil der Oberlausitz zwischen den Flüssen Queis im Osten und der Lausitzer Neiße im Westen gehört administrativ zur Woiwodschaft Niederschlesien (polnisch Dolnośląskie); nur ein kleiner Zipfel um Łęknica (Lugknitz) gehört zusammen mit dem polnischen Teil der Niederlausitz zur Woiwodschaft Lebus. Im Süden entspricht die Grenze der Oberlausitz der sächsisch-tschechischen Grenze von Steinigtwolmsdorf im Westen bis nach Zittau und östlich davon der polnisch-tschechischen Grenze bis zur Tafelfichte.
Die alte Hauptstadt der Oberlausitz ist Bautzen. Größte Stadt der Region ist aber das zwischen Deutschland und Polen geteilte Görlitz-Zgorzelec. Ihren Namen hat die Oberlausitz Ende des 15. Jahrhunderts von ihrem nördlichen Nachbarland Niederlausitz bekommen. Ursprünglich wurde nur dieses Lausitz genannt, was sich vom dort lebenden slawischen Volksstamm der Lusici ableitete (vom alten sorbischen Wort ług für Sumpf). Das Gebiet der jetzigen Oberlausitz trug zunächst den slawischen Namen Milska, benannt nach den ebenfalls slawischen Milzenern. Später, um 1410, wurde der Name Lausitz auch für das Land Budissin übernommen. Von da an unterschied man zwischen Ober- und Niederlausitz. In beiden Lausitzen ist das westslawische Volk der Sorben beheimatet.
Die gelbe oder goldene dreigezinnte Mauer auf blauem Grund im Wappen der Oberlausitz ist historisch dem Wappen der Stadt Bautzen entlehnt. Bautzen vertrat den Oberlausitzer Sechsstädtebund nach außen hin, wodurch Wappen und Siegel der Stadt mit der Zeit als Hoheitszeichen der Sechsstädte und später ihres gesamten Landes anerkannt wurden.
Geographie und Natur
Geomorphologisch wird die Oberlausitz durch das einheitliche Lausitzer Granitmassiv geprägt; lediglich der Norden und Nordosten ist pleistozän geformt. Der Norden des Landes wird vom flachen Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet eingenommen. Die UNESCO hat den zentralen Teil dieses Naturraumes 1996 zum Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft erklärt – insbesondere zum Schutz des Fischotters. Der mittlere Teil ist hügelig, während der Süden vom Lausitzer Bergland geprägt ist. Die höchsten Erhebungen des heute deutschen Teils der Oberlausitz befinden sich im Zittauer Gebirge, einem Teil des Lausitzer Gebirges, welches sich jedoch größtenteils in Tschechien befindet. Die wichtigsten Berge der Oberlausitz sind: Lausche (793 m), Hochwald (749 m), Landeskrone (420 m), Löbauer Berg (448 m), Kottmar (583 m), Czorneboh (561 m), Bieleboh (499 m), Valtenberg (587 m) und Mönchswalder Berg (447 m). Der höchste Punkt der historischen Oberlausitz liegt mit 1072 m etwa 500 m nordöstlich des Gipfels am Hang der Tafelfichte im Dreiländereck Oberlausitz–Schlesien–Böhmen, der niedrigste Punkt mit 92 m am ehemaligen Zusammenfluss der Grenzpulsnitz und der Schwarzen Elster (Elsterbrücke zwischen Lauchhammer-West und Schraden) auf der Gemarkung Tettau OL, westlich von Ruhland OL.
Alle größeren Flüsse der Oberlausitz fließen von Süden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz früher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im Süden des Landes und fließt durch Bautzen. Die Lausitzer Neiße (poln. Nysa Łużycka) bildet heute die deutsch-polnische Grenze. Sie entspringt im böhmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchfließt Görlitz und verlässt das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz. Die meisten kleineren Fließgewässer sind als „Wasser“ benannt, oft in Kombination mit einem durchflossenen Ort. Auffällig sind die Skala genannten felsigen Engtäler einiger Fließgewässer wie dem Hoyerswerdaer Schwarzwasser oder dem Löbauer Wasser. Sie haben sich während der Elsterkaltzeit in der hügeligen Zone vor dem Bergland tief in den anstehenden Fels eingeschnitten.
Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeiströmt und weiter nördlich auf schlesischem Gebiet in den Bóbr (Bober) mündet. Besonders das mittlere offene Hügel- und Gefildeland zwischen Kamenz und Löbau mit Bautzen im Zentrum, das Oberlausitzer Gefilde, war gut für die Landwirtschaft geeignet und ist heute noch sehr ertragreich.
Im 19. Jahrhundert wurde in der nördlichen Oberlausitz und im Osten zu beiden Seiten der Neiße und um Hoyerswerda herum Braunkohle gefunden. Besonders der Abbau im Tagebau hat große Teile der alten Kulturlandschaft zerstört. Derzeit wird noch in den Tagebauen Nochten und Reichwalde südlich von Weißwasser/Oberlausitz sowie im polnischen Teil bei Bogatynia im Tagebau Turów Kohle gefördert. Viele der alten Braunkohletagebaue wurden seit den 1970er Jahren rekultiviert, wobei vor allem nach 1990 besonders viel Wert auf die Rekultivierung und Neugestaltung der Abbau- und Industrielandschaft gelegt wird. Die dabei neu entstandenen und entstehenden Seen werden bereits als Lausitzer Seenland bezeichnet (siehe auch: Lausitzer Braunkohlerevier).
Klima Das Klima der Oberlausitz ist mild bis warmgemäßigt und niederschlagsreich (Bautzen: 599 mm pro Jahr). Die effektive Klimaklassifikation nach Köppen-Geiger beschreibt die Region als „Cfb“. Die menschengemachten Klimaveränderungen sind auch in der Oberlausitz deutlich spürbar. Zwischen 1990 und 2010 ist die Jahresmitteltemperatur im Landkreis Bautzen von 8,7 Grad Celsius um 0,6 Grad auf 9,3 Grad gestiegen; im selben Zeitraum ist die Anzahl der Sommertage (Tage mit Temperaturen über 25 Grad) von 34 auf 41 Tage gestiegen.Sebastian Kositz: Der Klimawandel und die Folgen. In: Sächsische Zeitung, 11. August 2017. Trockenheitsperioden haben in Sachsen statistisch insgesamt zugenommen; die Oberlausitz ist davon überdurchschnittlich betroffen. Zwar haben sich in der Oberlausitz die jährlichen Niederschlagsmengen im Rahmen der Klimakrise kaum verändert; sie sind nun aber anders verteilt: So regnet es im Frühjahr weniger und im Sommer kommt es vermehrt zu Starkregen. Dies führt zu spürbaren Problemen in der Landwirtschaft und verheerenden Überschwemmungen durch übertretende Bachläufe.
Einwohner mini|Der nördliche Teil der Oberlausitz gehört zum sorbischen Siedlungsgebiet, was unter anderem an zweisprachigen Wegweisern und Ortsschildern erkennbar ist. In der Oberlausitz leben heute etwa 780.000 Menschen, knapp 157.000 davon im polnischen Teil östlich der Neiße. Ein Teil des Landes gehört zum Siedlungsgebiet der Sorben. Zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda sprechen etwa 20.000 Menschen Sorbisch. Noch im ausgehenden 19. Jahrhundert war die Einwohnerschaft der Gebiete nördlich der Linie Bischofswerda–Wilthen–Löbau–Görlitz überwiegend sorbischsprachig. Aber auch die deutsche Bevölkerung vor Ort ist kulturell nicht homogen. Die kulturellen Grenzen lassen sich recht gut an den unterschiedlichen Dialektregionen ausmachen. Während im Bautzener Gefilde nahezu Hochdeutsch gesprochen wird, spricht der Süden (→ Lausitzer Bergland) die Oberlausitzer Mundart. Im Osten (→ Östliche Oberlausitz) hingegen wird teilweise noch Schlesisch gesprochen, und im Norden hört man die Niederlausitzer Mundart. Die größte Verdichtung der Bevölkerung weist die deutsch-polnische Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec auf. Hier leben zurzeit ca. 85.000 Einwohner, davon ca. 30.000 im polnischen Teil.
Durch einen nach der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 einsetzenden Trend der Abwanderung, besonders junger Einwohner und oftmals bedingt durch mangelnde berufliche Perspektiven, und eine gleichzeitige geringe Geburtenrate, ist die deutsche Bevölkerung der Oberlausitz teils stark überaltert. Derzeit (Stand 2020) hat die Schlesische Oberlausitz 35.369 Kirchenmitglieder, das entspricht nur noch 17 % der Gesamtbevölkerung.Steffen Gerhardt: Warum die Glocken verstummen. In: Sächsische Zeitung, 1. Mai 2021.
Auch die polnische Oberlausitz ist, abgesehen von Zgorzelec, Lubań (Lauban) und Bogatynia (Reichenau), dünn besiedelt. Das Gebiet gehört zu den strukturschwachen Regionen Polens. Nur das Kohlekraftwerk Turów (Türchau) bietet in größerem Umfang Industriearbeitsplätze.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Nach dem gegenwärtigen Stand der ur- und frühgeschichtlichen Forschung ist das Gebiet der Oberlausitz bereits von Jägern der Mittelsteinzeit genutzt worden. Für das Neolithikum lässt sich die Kultur der Stichbandkeramik nachweisen, gefolgt von der Trichterbecherkultur, der Kugelamphoren-Kultur und dann der Schnurkeramischen Kultur des Endneolithikums. Das keramische Formenspektrum der Schnurkeramik lässt sich auch noch in der Bronzezeit, die mit der Aunjetitzer Kultur beginnt, beobachten. Ist die Bevölkerungszahl während des Neolithikums aufgrund der Sesshaftigkeit bereits stark angestiegen, so wird durch das neue kulturprägende Material Bronze ein weiterer Entwicklungsschub befördert. Mit der mittleren Bronzezeit bildet sich im Bereich der Ober- und Niederlausitz die Lausitzer Kultur heraus. An die Lausitzer Kultur schließt sich die eisenzeitliche Billendorfer Kultur an.
Für die jüngere Bronzezeit lassen Funde einen Weg erkennen, der die Siedlungsgebiete um Bautzen und Zittau verbindet. An diesem Weg hat die befestigte Höhensiedlung auf dem Schafberg bei Löbau im 10. Jahrhundert v. Chr. eine besondere Rolle gespielt. Eine weitere bedeutende Höhensiedlung der Bronze- und Eisenzeit entstand auf dem Felsen über der Spree, im heutigen Bautzener Altstadtgebiet.
Slawische Landnahme mini|Die Milzener in den sorbischen Stämmen. Die Landnahme durch die Slawen setzte seit dem 7. Jahrhundert in den Altsiedellandschaften ein. Im Gebiet zwischen den heutigen Städten Kamenz und Löbau ließ sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war die Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen. Auch im Neißetal hat es schon früh eine slawische Besiedlung gegeben. Die bäuerliche sorbische Bevölkerung errichtete zahlreiche Burgwallanlagen, die einerseits Stammesmittelpunkte und Fluchtburgen, andererseits aber bereits die Wohnsitze des slawischen Adels waren, was auf frühfeudale Entwicklungsansätze hindeutet.
Deutsche Ostsiedlung mini|Die spätere Oberlausitz, auf der Karte als brandenburgischer Besitz (ca. 1253–1319) eingezeichnet mini|Die spätere Oberlausitz, damals Land Bautzen genannt, aus dem 1268 das Görlitzer Land abgespalten wurde