Rottweil (schwäbisch RautweilSchwäbisches Wörterbuch, Band V, Seite 444.), die älteste Stadt Baden-Württembergs, liegt etwa 80 Kilometer südwestlich von Stuttgart. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des gleichnamigen Landkreises sowie ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Rottweil ist seit dem 1. Juni 1970 eine Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Deißlingen, Dietingen, Wellendingen und Zimmern hat die Stadt eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.
Rottweil war von der Stauferzeit bis 1802 durchgehend eine Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, was sich im Stadtwappen widerspiegelt.
Geographie mini|Blick vom Rottweiler Hochturm. Im Hintergrund die Schwäbische Alb mini|Hochbrücktorstraße mit Kapellenkirche mini|Rottweil – Hauptstraße während des Narrentreibens
Lage Die Stadt befindet sich in Nord-Süd-Richtung etwa auf halbem Weg zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Bodensee. Sie liegt direkt am Neckar, zwischen dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb, deren höchster Berg (Lemberg) nur etwa 10 Kilometer Luftlinie von Rottweil entfernt ist.
Folgende größere Städte liegen im Umkreis von Rottweil: Spaichingen, 15 km südöstlich; Oberndorf am Neckar, 20 km nördlich; Balingen, 24 km nordöstlich; Schramberg im Schwarzwald, 27 km nordwestlich; Tuttlingen, 27 km südöstlich; Trossingen, 18 km südlich und Villingen-Schwenningen, 24 km südwestlich.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rottweil. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Zimmern unter der Burg und Schömberg (beide Zollernalbkreis), Wellendingen (Landkreis Rottweil), Frittlingen und Aldingen (beide Landkreis Tuttlingen) sowie Deißlingen, Zimmern ob Rottweil, Dunningen, Bösingen, Villingendorf und Dietingen (alle Landkreis Rottweil).
Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt, dem bereits 1939 eingegliederten Bühlingen und den im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden Feckenhausen, Göllsdorf, Hausen ob Rottweil, Neufra, Neukirch und Zepfenhan.
Die in den 1970er Jahren eingegliederten Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne von §§ 67 ff. der Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl direkt zu wählenden Ortschaftsrat, mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzendem.
Zu einigen Stadtteilen gehören weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Gebiete:
zur Kernstadt: sogenannte „Altstadt“ (nicht zu verwechseln mit dem mittelalterlichen Stadtkern), Bettlinsbad, Bollershof, Bühlingen, Eckhof, Hardthaus, Hegneberg, Hochwald (eine Exklave), Markenhöhe, Neckarburg, Neckartal, Ziegelhütte, Römerhof, Rottenmünster, Saline Wilhelmshall, Charlottenhöhe, Charlottenwäldle und Schafwasen zu Feckenhausen: Jungbrunnen zu Göllsdorf: Haslerhof zu Hausen ob Rottweil: Lehrhof, Oberrotenstein, Unterrotenstein zu Neukirch: Vaihingerhof zu Zepfenhan: Sonthof
Raumplanung Rottweil bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, deren Oberzentrum die Stadt Villingen-Schwenningen ist. Zum Mittelbereich Rottweil gehören neben der Stadt Rottweil die Städte und Gemeinden Bösingen, Deißlingen, Dietingen, Dornhan, Epfendorf, Fluorn-Winzeln, Oberndorf am Neckar, Sulz am Neckar, Villingendorf, Vöhringen (Württemberg), Wellendingen und Zimmern ob Rottweil des Landkreises Rottweil.
Naturschutzgebiete In Rottweil gibt es drei Naturschutzgebiete: Das Naturschutzgebiet Neckarburg an der nördlichen Gemeindegrenze, das Naturschutzgebiet Schwarzenbach bei Neukirch und das Naturschutzgebiet Linsenbergweiher nördlich von Göllsdorf. Des Weiteren hat die Stadt Anteil an sieben Landschaftsschutzgebieten und an drei FFH-Gebieten (Prim-Albvorland, Baar, Eschach und Südostschwarzwald und Neckartal zwischen Rottweil und Sulz). Südlich von Hausen und Bühlingen hat die Stadt zudem Anteil am Vogelschutzgebiet Baar.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Touristische Unterrichtungstafel: Älteste Stadt Baden-Württembergs
Antike
mini|Römisches Orpheus-Mosaik aus Arae Flaviae
Die römische Siedlung auf dem Stadtgebiet von Rottweil wurde im Jahre 73 n. Chr. von den Römern unter Kaiser Vespasian im Zuge des Baus der römischen Kinzigtalstraße gegründet, Rottweil gilt damit als die älteste Stadt Baden-Württembergs – auch wenn sie nicht seit der Römerzeit ständig als Stadt existiert hat. Der lateinische Name der Stadt war Arae Flaviae („Altäre der Flavier“). Der Name deutet darauf hin, dass hier ein Zentrum des Kaiserkultes entstehen sollte – der Name der damals herrschenden Familie, der Vespasian angehörte, war gens Flavia. Das römische Rottweil war Hauptort einer Civitas und hatte – offenbar als einzige römische Stadt im heutigen Baden-Württemberg – die Rechtsstellung eines Municipiums inne. Mit einer Fläche von rund 18 Hektar war Arae Flaviae in Hinblick auf seine Ausdehnung eine der größten römischen Städte in Südwestdeutschland bzw. im Dekumatland, repräsentative Bauten prägten das Stadtbild. Da es sich aber um eine „politische“ Gründung handelte und der Ort seit dem Vorschieben der Grenze unter Vespasians Sohn Domitian bereits um 90 n. Chr. an wenig attraktiver Stelle im Hinterland lag, scheint sich die Stadt in den folgenden knapp zwei Jahrhunderten nur noch wenig weiter entwickelt zu haben. Das Stadtgebiet war offenbar niemals vollständig bebaut, die Zahl der Einwohner blieb wohl relativ gering.
Erst im Jahre 1950 wurde das antike Arae Flaviae, dessen Name durch die sogenannte Peutingertafel (Tabula Peutingeriana) und bei Claudius Ptolemäus überliefert ist, durch einen außergewöhnlichen Inschriftenfund sicher mit Rottweil identifiziert: Auf dem hölzernen Schreibtäfelchen aus dem Jahr 186 sind die Worte actum municipio Aris – zu Deutsch: „ausgestellt in der Stadt Arae“ – zu lesen.. – – Fotos (mit weiteren Informationen und Literaturhinweisen): Commons-Kategorie.
Nachdem die Römer um 260 n. Chr. die Kontrolle über die Gegend an die Alemannen verloren hatten, ging die römische Stadt unter; offenbar existierte aber eine deutlich reduzierte Siedlung weiter – mit dem Verschwinden der römischen Bewohner verlor sich aber auch der lateinische Name des Ortes.
Mittelalter Wegen der für die germanische Bevölkerung guten Verkehrslage entstand hier ein alemannischer Herzogshof, aus dem der Königshof „Rotuvilla“ wurde, der bereits im Jahre 771 n. Chr. erstmals in den Urkunden erscheint. Dieser Königshof erlangte unter den Karolingern große Bedeutung als Gerichtsort und Verwaltungszentrum. Das Hofgericht Rottweil zählte lange danach im Spätmittelalter zu den bedeutendsten Gerichten des deutschen Reiches. Am 19. Januar 1299 wird es erstmals genannt. Bis zum 7. September 1418 lag die Hofgerichtsstätte unter der Pürschgerichtslinde, welche an der Ecke Heerstraße/Lindenstraße steht, und wurde dann in den Tiergarten vor dem Hochbrücktor an die offene Königstraße verlegt. Der Hofgerichtsstuhl erinnert an das Kaiserliche Hofgericht, das an dieser Stelle seit 1418 tagte. An der Königstraße rechts neben dem Landgericht ist eine Kopie. Das Original von 1781 befindet sich im Stadtmuseum. Das Erbhofrichteramt lag bei den Grafen von Sulz.
Das hochmittelalterliche Rottweil wurde in der Stauferzeit auf einem Felssporn oberhalb des Neckars etwa zwei Kilometer westlich der ehemaligen Römerstadt neu angelegt. Die Staufer errichteten die Stadt an ihrem heutigen Standort nach dem Zähringer Muster (Gliederung durch das Straßenkreuz in vier Teile). Aus dieser Zeit stammt der spätmittelalterliche Stadtkern mit seinen erkergeschmückten Bürgerhäusern, den geschmiedeten Stechschildern, die im 16. Jahrhundert vorgeschrieben waren, und den zahlreichen Rottweiler Kirchen.
Vorgänger dieser Siedlung sind die Mittelstadt und die Altstadt, auf Teilen der Fundamente des römischen Rottweils. Es ist wahrscheinlich, dass bedeutende Ruinen des römischen Arae Flaviae bis ins Mittelalter hinein sichtbar blieben, worauf auch Gewann und Hofgut „Hochmauren“ im ehem. Siedlungsgebiet hinweisen.
Der heutige Name der Stadt leitet sich nicht aus dem antiken Namen ab. Rottweil findet sich erstmals 771 als Rotuvila überliefert. Der zweite Namensbestandteil geht auf althochdeutsch wîlâri (von vulgärlateinisch villare ‚Gehöft, Vorwerk‘), der erste vermutlich auf althochdeutsch rôt ‚rot‘ zurück. Der Ortsname hat damit wohl ursprünglich die Bedeutung „Siedlung bei dem römischen Gutshof aus roten Ziegeln“.Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 536 f. mini|Fachwerkhaus in der Lorenzgasse mini|Rottweiler Pulverturm
Reichsstadt Gegen Ende des 11. Jahrhunderts war Rottweil ein Ort herzoglicher Herrschaft des Herzogtums Schwaben. Nach dem Aufstieg schwäbischer Herzöge aus der Stauferdynastie zur deutschen Königswürde stand die Stadt ab Beginn des 13. Jahrhunderts auch wieder in enger Beziehung zum Königtum.
Seit 1230 wurde Rottweil als Reichsstadt bezeichnet und war damit ein unmittelbares Territorium des Heiligen Römischen Reichs. Anfangs verwaltet durch einen königlichen Schultheiß kamen später Bürgermeister (1299) sowie ein Großer und ein Kleiner Rat (1311), als Interessenvertretung der Bürgerschaft, zur Leitung der Reichsstadt hinzu. Die Beisitzer des kaiserlichen Hofgerichts waren zugleich auch Mitglieder im Großen Rat. Als Grundlage dafür gab sich die Stadt eine eigene reichsstädtische Ratsverfassung, die ihr eine gewisse innere Unabhängigkeit gewährte.
Nach dem Niedergang der Stauferherrschaft ab 1250 und der Wahl des Habsburgers Rudolf zum römisch-deutschen König am Ende des Interregnums 1273 stand Rottweils Reichsunmittelbarkeit auf dem Spiel, als der neue König das Reichs-Schultheißenamt 1285 an Graf Albrecht von Hohenberg verpfändete. Jedoch gelang es dem Rat der Reichsstadt, das Schultheißenamt 1344 vorübergehend und 1383 dann endgültig vom Reich zu erwerben. Schon 1359 war Rottweil das Recht zur Ausübung der Blutgerichtsbarkeit verliehen worden. 1401 wurde die Reichsunmittelbarkeit – und somit der Status einer Reichsstadt – durch König Ruprecht bestätigt und hatte über die nächsten vierhundert Jahre Bestand, bis zur Übernahme Rottweils und seiner Landgebiete durch das Herzogtum Württemberg 1802Geschichte Rottweils auf leo-bw.
Die Reichsstadt Rottweil konnte sich im Verlauf ihres Bestehens ein ansehnliches eigenes Landterritorium aufbauen. Es umfasste eine Fläche von ca. 220 km² und war damit nach Ulm und Hall das drittgrößte reichsstädtische Landgebiet im Schwäbischen ReichskreisLandeskunde BW bei Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Historische Territorien im Südwesten, Abschnitt Reichsstädte.
Zugewandter Ort der Schweizerischen Eidgenossenschaft mini|Hofgerichtssiegel, Rottweil 1661 mini|Rottweil vor 1898
1463 schloss Rottweil ein befristetes Bündnis mit den Schweizer Kantonen. 1476 kämpften die Rottweiler in der Schlacht bei Murten auf deren Seite gegen Karl den Kühnen. Im Jahre 1512 erhielt die Stadt von Papst Julius II. eigens ein wertvolles Juliusbanner für die 1508–1510 im „Großen Pavier Feldzug“ geleisteten Dienste zur Vertreibung der Franzosen.Winfried Hecht: Das Juliusbanner des zugewandten Ortes Rottweil. In: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins Zentralschweiz. Band 126/7 (1973/4), S. 141–150. Das Bündnis wurde 1519 im sogenannten Ewigen Bund auf dem Rottweiler Hauptstraßenkreuz unter Anwesenheit aller Schweizer Bündnispartner unbefristet verlängert, womit Rottweil zu einem zugewandten Ort der Alten Eidgenossenschaft wurde.