Der Landkreis Tuttlingen ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er gehört zum Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg im Regierungsbezirk Freiburg. Das Kreisgebiet entspricht in etwa der mittelalterlichen Scherragrafschaft.
Geographie Lage Der Landkreis Tuttlingen umfasst überwiegend Teile der Schwäbischen Alb (Heuberg, Baaralb und Hegaualb mit Übergang zum oberschwäbischen Alpenvorland) sowie der Gäulandschaft des Albvorlandes (Baar) im Westen. Der Lemberg ist mit der höchste Berg der Schwäbischen Alb und gleichzeitig die höchste Erhebung im Kreisgebiet, der tiefste Punkt befindet sich im Hattinger Tal mit . Die größten Ausdehnungen des Landkreises betragen 31 km (Ost-West) bzw. 38 km (Nord-Süd).
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Rottweil, Zollernalbkreis, Sigmaringen, Konstanz und Schwarzwald-Baar-Kreis.
Klima
Der Landkreis Tuttlingen gehört aufgrund seiner Nähe zu den Alpen zu den blitzreichsten Gegenden Deutschlands und ist mit 3,0 Blitzen pro Quadratkilometer der blitzreichste in Baden-Württemberg (2010–2021).
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015
Naturschutzgebiete
Der Landkreis Tuttlingen besitzt folgende 28 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 2703,41 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 3,68 Prozent.
Albtrauf Baar: 365,6 ha; Städte Bad Dürrheim, Geisingen und Immendingen Alter Berg: 45,5 ha; Gemeinde Böttingen Bächetal: 71,1 ha; Gemeinde Wurmlingen, Stadt Tuttlingen Buchhalde-Oberes Donautal: 302,9 ha; Städte Fridingen an der Donau und Mühlheim an der Donau Dürbheimer Moos: 63,9 ha; Gemeinden Balgheim und Dürbheim Feuchtwiesen Schwandorf: 114,4 ha; Gemeinden Neuhausen ob Eck und Sauldorf Galgenberg: 12,9 ha; Stadt Mühlheim an der Donau Galgenwiesen: 28,0 ha; Gemeinden Bärenthal, Egesheim und Nusplingen Grasmutter: 10,1 ha; Gemeinde Dürbheim Hintelestal: 19,1 ha; Gemeinde Kolbingen Hohenkarpfen: 13,7 ha; Gemeinde Hausen ob Verena Höwenegg: 20,7 ha; Gemeinde Immendingen Hüttenberg: 37,1 ha; Gemeinde Bärenthal Irrendorfer Hardt: 104,9 ha; Gemeinde Irndorf Klippeneck: 9,2 ha; Gemeinde Denkingen Kraftstein: 59,8 ha; Stadt Mühlheim an der Donau Lupfen: 107,1 ha, Gemeinde Talheim Mühlebol-Wolfental: 90,3 ha; Gemeinden Immendingen und Emmingen-Liptingen Ortenberg: 71,6 ha; Gemeinde Deilingen Schloßhalde-Mannsteighalde: 55,8 ha; Gemeinde Wehingen Schopfeln-Rehletal: 173,0 ha; Gemeinde Immendingen und Stadt Engen Simonstal: 46,3 ha; Gemeinde Irndorf Stäudlin-Hornenberg: 62,9 ha; Gemeinde Immendingen Stettener Halde: 8,3 ha; Stadt Mühlheim an der Donau Stiegelesfels-Oberes Donautal: 342,4 ha; Stadt Fridingen an der Donau und Gemeinde Buchheim Triebhalde: 9,2 ha; Stadt Mühlheim an der Donau Trobenholz-Vogelbühl: 78,3 ha; Gemeinden Bärenthal und Irndorf Unterhölzer Wald: 633,9 ha; Städte Bad Dürrheim und Donaueschingen, Gemeinde Geisingen
Geschichte
mini|hochkant=1.5|Scherragrafschaft mit umgebenden Klöstern
Frühgeschichtlich lag der Landstrich um Tuttlingen vermutlich im Siedlungsgebiet der keltischen TulingerWolfgang Menzel: Geschichte der Deutschen bis auf die neuesten Tage, Band 1, Cotta, 1843, S. 54., welche ab dem Jahre 15 v. Chr. vom Römischen Reich unterworfen und romanisiert wurden. Als Teil der späteren römischen Provinz Obergermanien lag der Landstrich bis ungefähr 95 n. Chr. am Obergermanisch-Raetischen Limes auf der Donausüdstraße (via iuxta Danuvium). Auf dem Gebiet der heutigen Tuttlinger Altstadt befand sich zu dieser Zeit vermutlich ein Kastell. Wegen der heutzutage dichten Besiedlung des Gebiets wurde von Ausgrabungen bisher abgesehen, sodass recht wenig über das Tuttlinger Kastell bekannt ist. Nach dem Rückzug der römischen Legionen besiedelten die Sueben und/oder Alamannen das hiesige Gebiet. Das heutige Kreisgebiet hat eine bewegte Geschichte seiner territorialen Zugehörigkeit. In der Karolingerzeit war es Herrschaftsgebiet verschiedener Adelsgeschlechter, die obere Donau z. B. der Alaholfinger oder Bertholde. Nach dem Zerfall des Frankenreichs 843 gehörte das Gebiet zum Ostfrankenreich und ab etwa 920 zum Herzogtum Schwaben, wo es innerhalb der Scherragrafschaft verwaltet wurde. 1273 kam das Gebiet unter Rudolf II. großteils zum habsburgischen Vorderösterreich bzw. zum Fürstentum Fürstenberg des Schwäbischen Reichskreises.
Nach den napoleonischen Kriegen wurde das Gebiet 1806 überwiegend dem Königreich Württemberg zugeschlagen, doch gab es zu Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen, die 1849 gemeinsam in den dann preußischen Hohenzollernschen Landen aufgingen, mehrere kleine ExklavenSiehe: territoriale Besonderheiten in Südwestdeutschland nach 1810, die erst spät durch Gebietstausch bereinigt wurden.
Schon im 15. Jahrhundert wurde das württembergische Oberamt Tuttlingen errichtet, das 1806 neu umschrieben und auch danach noch einige Male verändert wurde. So wurde 1842 die Gemeinde Schwenningen am Neckar an das Oberamt Rottweil abgegeben. Aus meist österreichischen Gebieten war 1806 das Oberamt Spaichingen gebildet worden. Beide Oberämter gehörten ab 1810 zur Landvogtei am obern Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis, der 1924 aufgelöst wurde. 1934 wurden beide Oberämter in Landkreise umbenannt und 1938 wurde der Landkreis Spaichingen aufgelöst. Die meisten Gemeinden kamen dabei zum Landkreis Tuttlingen, einige zum Landkreis Balingen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der Landkreis Tuttlingen 1945 in die Französische Besatzungszone und kam in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Seit der Länderneugliederung am 25. April 1952 gehört der Landkreis zum Land Baden-Württemberg und bis zum 31. Dezember 1972 zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern.
Bei der Kreisreform erhielt der Landkreis Tuttlingen am 1. Januar 1973 einige badische Gemeinden der aufgelösten Landkreise Donaueschingen und Stockach sowie die Gemeinde Bärenthal vom Landkreis Sigmaringen; er gab die Gemeinde Tuningen an den Schwarzwald-Baar-Kreis ab. Seither gehört der Landkreis Tuttlingen zum Regierungsbezirk Freiburg.
Bereits am 1. Juni 1972 kam die Gemeinde Eßlingen aus dem Landkreis Donaueschingen hinzu. Sie wurde in die Kreisstadt Tuttlingen eingemeindet.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Tuttlingen 35 Gemeinden, darunter sechs Städte und mit Tuttlingen eine Große Kreisstadt. Größte Stadt ist Tuttlingen, kleinste Gemeinde ist Reichenbach am Heuberg.
Bevölkerung
Der Landkreis Tuttlingen hat mit 50,4 % einen leichten Männerüberschuss.Landkreis Tuttlingen Bevölkerung am 30.09.2023, abgerufen am 11. Juni 2024 Es leben dort mit 12,9 pro 10.000 Einwohner viele Einkommensmillionäre.zak.de: Die Zahl der Einkommensmillionäre steigt, abgerufen am 11. Juni 2024 Der Anteil der Bewohner unter 15 Jahren ist vergleichsweise hoch, ebenso die Anzahl der Einpendler aus anderen Landkreisen sowie der Anteil der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe.efre-bw.de: Landkreis Tuttlingen, abgerufen am 11. Juni 2024
Konfessionsstatistik
2011 waren über 50 % der Kreisbevölkerung christlichen Glaubens katholischer Konfession.Zensus 2011: Was uns der Zensus über die Religion in Baden-Württemberg verrät, abgerufen am 11. Juni 2024 Der Anteil der evangelische und katholische Kirchenmitglieder im Kreis ist seitdem jährlich um einen Prozentpunkt gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren 2022 39,3 % der Einwohner katholisch, 19,9 % evangelisch, und 40,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 15. August 2024
Einwohnerstatistik
rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Tuttlingen (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Tuttlingen, Alter und Geschlecht.)
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohner 31. Dezember 1973 111.460 31. Dezember 1975 110.283 31. Dezember 1980 111.317 31. Dezember 1985 111.423 25. Mai 1987¹ 112.885 31. Dezember 1990 120.344 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 129.491 31. Dezember 2000 132.916 31. Dezember 2005 135.297 31. Dezember 2010 134.189 31. Dezember 2015 136.606 31. Dezember 2020 141.682
Die Fertilitätsrate im Jahr 2008 von 1,6 Kindern je Frau war die höchste in Baden-Württemberg, außerdem gehört der Landkreis demographisch zu den am besten aufgestellten in ganz Deutschland.
Politik Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet. Der Kreistag wählt den Landrat für eine Amtszeit von 8 Jahren. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu dem in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.landkreis-tuttlingen.de
Ergebnisse vorangegangener Kreistagswahlen
Parteien und Wählergemeinschaften %2024Sitze2024 %2019Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Stimmenverteilung der Kreistagswahlen 1989–2009 Sitze2009 Sitzverteilung der Kreistagswahlen 1989–2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands38,71836,218 43,0 19 42,2 21 47,6 25 48,4 23 44,4 23 46,9 24 FW Freie Wähler20,0920,639 20,8 8 18,9 9 - - - - - - - - WG Wählervereinigungen - - - - - - - - 29,2 13 20,2 9 17,8 8 21,4 9 OGL Offene Grüne Liste11,6417,58 14,2 6 12,4 5 - - - - - - - - GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen - - - - - - - - - - 7,3 3 8,5 3 - - SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands8,2310,55 13,8 6 13,7 6 15,0 6 17,8 6 20,2 8 20,6 8 FDP Freie Demokratische Partei8,5410,35 8,4 4 12,8 6 8,2 4 6,2 3 6,6 3 6,0 3 AfD Alternative für Deutschland13,053,62–– - - - - - - - - - - Sonst. Sonstige - -1,61 – – - - - - - - 2,5 - 5,1 1 Gesamt1004310048 100 43 100 47 100 48 100 44 100 45 100 45 Wahlbeteiligung56,2 %54,9 % 48,3 % 51,6 % 53,3 % 56,8 % 70,7 % 68,0 %
WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen. Sonstige: der 1 Sitz in den Jahren 1989 bis 1994 war Martin Mußgnug (NPD).
Landrat mini|Das Landratsamt Tuttlingen Der Landrat wird vom Kreistag für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Er ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts von 1807 bis 1934 sind unter Oberamt Tuttlingen dargestellt.
Die Landräte des Landkreises Tuttlingen seit 1934
Amtszeit Name Bemerkung 1933–1937 Hermann Rieger, NSDAP 1938–1946 Eduard Quintenz, NSDAP 1946–1947 Erich SchariryAmtsverweser 1947–1949 Fritz Erler, SPD 1950–1963 Kurt Geiger, CDU 1963–1978 Hans Köpf, CDU 1979–2003 Hans Volle, CDU 2003–2011 Guido Wolf, CDU seit 2012 Stefan Bär, Freie Wähler
Kreisfinanzen