mini|Deckblatt der US-amerikanischen Originalausgabe mini|Der kleine Prinz auf der Rückseite eines 50-Francs-Scheins, 1992 Der kleine Prinz (Originaltitel: ) ist eine mit eigenen Illustrationen versehene Erzählung des französischen Autors Antoine de Saint-Exupéry. Das Buch erschien 1943 in New York, wo sich Saint-Exupéry im Exil aufhielt, und wurde zu seinem bekanntesten Werk. Der kleine Prinz gilt als literarische Umsetzung des moralischen Denkens und der Welterkenntnis seines Autors und als Kritik an einem Werteverfall der Gesellschaft. Das populärste Zitat aus Der kleine Prinz ist die Aussage des Fuchses, den der Prinz während seiner Reise trifft: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Die Erzählung ist ein modernes Kunstmärchen und wird als Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit interpretiert.
Veröffentlichungen Die Erstausgabe des Kleinen Prinzen wurde am 6. April 1943 von Reynal & Hitchcock in New York veröffentlicht. Das Buch erschien gleichzeitig im französischen Original (Le Petit Prince) und in einer englischen Übersetzung (The Little Prince) von Katherine Woods. Von der Erstauflage wurden auch limitierte und signierte Ausgaben auf Englisch (525 Exemplare) und Französisch (260 Exemplare) verkauft.
Weil Saint-Exupéry einen Vertrag mit dem Verlag Éditions Gallimard hatte, verklagte dieser den amerikanischen Verleger. Die erste Ausgabe in Frankreich erschien bei Gallimard mit einem Copyrightvermerk von 1945, der in späteren Auflagen mit 1946 angegeben wurde, da die Ausgabe erst 1946 in den Handel gekommen sein soll. Die postum erschienene Ausgabe von Gallimard brachte einen leicht veränderten Text: Im Unterschied zur Originalausgabe sieht der kleine Prinz an einem Tag die Sonne 43 Mal untergehen (Kapitel VI) statt 44 Mal. Auch die Farben der Illustrationen wurden verändert, so dass der Prinz einen marineblauen Mantel (Kapitel II) statt eines grünen trägt. Diese Änderungen wurden weltweit in fast allen Ausgaben übernommen.
1950 erschien die erste deutsche Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb beim Arche Verlag in Zürich und beim Karl Rauch Verlag in Bad Salzig. Bis heute wurde das Buch weltweit in 618 verschiedene Sprachen und Dialekte übersetzt und ist damit nach religiösen Werken wie der Bibel das am zweithäufigsten übersetzte literarische Werk.
Zeichnungen:
Das handschriftliche Manuskript des Kleinen Prinzen befindet sich heute in der Morgan Library in New York.
Inhalt Inhaltsangabe Der namenlose Erzähler berichtet zunächst, wie er als sechsjähriges Kind seine erste Zeichnung vollendet hatte. Diese sollte eine Riesenschlange darstellen, die einen Elefanten verdaut. Außer dem Erzähler erkennen „große Leute“ jedoch nur einen Hut und empfehlen dem Erzähler, mit dem Zeichnen aufzuhören. Dieser passt sich an die Welt der „großen Leute“ an, fühlt sich jedoch allein und unverstanden.
Zufällig begegnet der Erzähler, nachdem er mit seinem Flugzeug in der Sahara notgelandet ist, dem kleinen Prinzen, der ihn bittet: „Zeichne mir ein Schaf …“ Der Erzähler zeichnet ihm zunächst die Riesenschlange und wider Erwarten hat der kleine Prinz keine Probleme, Schlange und Elefanten zu erkennen. Also versucht der Erzähler, ein Schaf zu zeichnen, aber der kleine Prinz ist mit allen Zeichnungen unzufrieden. Letztlich zeichnet der Erzähler eine Kiste und erklärt: „Das Schaf, das du willst, steckt da drin.“ Damit ist der kleine Prinz zufrieden.
Tag für Tag erzählt nun der kleine Prinz dem Erzähler von den Stationen seiner Reise zur Erde. Er stammt nicht von der Erde, sondern – wie der Erzähler vermutet – von einem kleinen Planeten, „kaum größer als ein Haus“, der auch als Asteroid bezeichnet wird – denn der Verfasser gebraucht die Begriffe „Planet“ und „Asteroid“ sprachlich und inhaltlich synonym. Auf diesem kleinen Asteroiden war der kleine Prinz hauptsächlich damit beschäftigt, seine drei Vulkane zu reinigen (einer davon erloschen) und die Affenbrotbäume herauszureißen, damit sie nicht den gesamten Planeten überwucherten und schließlich sprengten. Das soziale Umfeld des kleinen Prinzen bestand aus einer sprechenden Rose, die meist nur „die Blume“ genannt wird. Schließlich verließ der kleine Prinz seinen Planeten.
Auf der Suche nach Freunden besucht er weitere Asteroiden in der Umgebung, deren jeder das Lebensfeld eines ichbezogenen, in seiner Welt eingeschlossenen Menschen darstellt. So trifft er eine Reihe von einsamen Personen: einen König, der über ein fiktives Reich herrscht und für den der kleine Prinz nur ein Untertan ist; einen Eitlen, der ihn als Bewunderer sieht; einen Alkoholiker, der trinkt, um seine Trunksucht zu vergessen; einen Geschäftsmann, der behauptet, die Sterne zu besitzen; einen pflichtbewussten Laternenanzünder und einen Geografen, der riesige Bücher schreibt, in denen jedoch zum Kummer des Prinzen die nach seiner Ansicht wichtigen Dinge des Lebens nicht beschrieben werden. Der Geograf rät dem kleinen Prinzen, den Planeten Erde zu besuchen.
Und so kommt der kleine Prinz auf den siebten Planeten, die Erde. Zunächst trifft er dort auf eine kluge, ihm wohlgesinnte Giftschlange. Diese bietet ihm an, ihm bei der Rückkehr auf seinen Planeten zu helfen. Der kleine Prinz versteht, dass diese Hilfe aus einem tödlichen Biss besteht, obwohl die Schlange freundliche, jedoch rätselhafte Formulierungen benutzt.
Anschließend durchquert der kleine Prinz die afrikanische Wüste und trifft schließlich einen Fuchs, der ihm das Geheimnis einer einmaligen Bindung zwischen zwei Wesen erklärt: „Man kennt nur die Dinge, die man zähmt“ und „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ Dann verrät er dem Prinzen sein Geheimnis: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Als der Trinkwasservorrat des Erzählers aufgebraucht ist, machen sich die beiden auf, um einen Brunnen zu suchen, den sie schließlich finden. Der kleine Prinz deutet dem Erzähler gegenüber erneut an, dass er durch seinen Tod zu seinem Planeten mit seiner Blume zurückkehren kann. Er erkennt, dass seine Blume das einzige ist, was er wirklich liebt. Außerdem ermahnt er den Erzähler, weiter an der Reparatur seines Flugzeuges zu arbeiten. Als dieses startklar ist, sucht der Erzähler den Brunnen erneut auf und erfährt dort, wie sich der kleine Prinz mit der Giftschlange verabredet, um sich von dieser beißen zu lassen, d. h., um zu seinem Planeten zurückzukehren.
Auch der Erzähler kehrt in seine Welt zurück, bittet aber die Leser, ihn bei der weiteren Suche nach dem kleinen Prinzen zu unterstützen.
Interpretationsansätze Der kleine Prinz ist aus unterschiedlichen Perspektiven gedeutet worden.vgl. Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. Königs Erläuterungen Nr. 378. C. Bange Verlag, E-Book.
Hugo Dyserinck stellt vor allem den Gegensatz zwischen der (positiven) Sichtweise der Welt des Kindes (imagination) und der negativen Sichtweise des Erwachsenen (raison) heraus.Der kleine Prinz – Das Wichtigtse auf einen Blick. C. Bange-Verlag, abgerufen am 23. September 2024.
Ernst August Racky sieht in der Darstellung der Typen die menschliche Unfähigkeit und Unwilligkeit, selbst das als negativ Erkannte zu ändern.Ernst August Racky: Die Auffassung vom Menschen bei Antoine de Saint-Exupery. Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 1954.Besprechung von Claudio Guillén, Romanische Forschungen 1956, S. 210–214.
Für Pierre Pagé kehrt der Autor zu den Tugenden der Freundschaft, Liebe und Humanität zurück, die allein das Leben lebenswert machen.
Monika Bosse und Eva-Maria Knapp-Tepperberg kritisieren in der gesellschafts- und ideologiekritischen Zeit der 1970er Jahre die im kleinen Prinzen positiv dargestellte bürgerliche Gesellschaft. Die poetischen Intentionen des Textes bleiben dabei unbeachtet.
Edward J. Capestany betrachtet in seiner psychologischen Studie die Entwicklung vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter.Edward J. Capestany: La dialèctica de „El Pricipito“. Buenos Aires, 1975 (spanisch).
Yves Le Hir stellt im kleinen Prinzen Anklänge an das Leben Jesu heraus und sieht in ihm eine christusähnliche Lichtgestalt.
Trivia Inspirationen für den Kleinen Prinzen empfing Saint-Exupéry sehr wahrscheinlich zwischen 1927 und 1929 während seiner wiederholten Stationierungen in Tarfaya in Marokko. Das von Saint-Exupéry selbst illustrierte Buch wurde mehrmals verfilmt und für das Theater adaptiert. Die erste Theateradaption war die von Rudolf Fischer aus dem Jahr 1950, entstanden noch vor der deutschen Ausgabe des Buchs. Auch ein Chanson von Gilbert Bécaud (Le Petit Prince est revenu) geht auf den Roman zurück. Die im Buch eine Hauptrolle einnehmende Rose symbolisiert laut einer weit verbreiteten Interpretation Saint-Exupérys Muse Consuelo de Saint-Exupéry. Eugen Drewermann kommt in seinem Buch Das Eigentliche ist unsichtbar zur tiefenpsychologischen Interpretation, dass in der Blume des kleinen Prinzen die Mutter des Dichters gesehen werden müsse. Tatsächlich hatte Saint-Exupéry zu seiner Mutter eine tiefe und innige Beziehung. Während der Militärdiktatur in Argentinien von 1976–1983 war das Buch verboten, mutmaßlich da es autoritätskritische Erzählungen verbreitet und zum freien Denken animiert. mini|Der kleine Prinz im Rahmen eines Street-Art-Projektes in Funchal (Madeira)In der japanischen Kleinstadt Hakone befindet sich ein Museum zum Stoff der Erzählung: The Museum of The Little Prince. Der Mond des Asteroiden (45) Eugenia wurde nach dem kleinen Prinzen Petit-Prince benannt. Der Asteroid (46610) Bésixdouze ist nach dem Asteroiden B 612 benannt, von dem der kleine Prinz stammt. B612 ist die hexadezimale Schreibweise der Zahl 46610. Die NASA benannte ein Sternbild nach dem kleinen Prinzen.Neue „Sternbilder“ aus Gammastrahlenquellen: Astronomen taufen 21 neue Konstellationen – von Einstein bis zum Raumschiff Enterprise, Artikel auf Scinexx vom 22. Oktober 2018, abgerufen am 26. August 2022 (mit Bildern) In Baden-Baden gibt es das nach dem Roman benannte Hotel Der Kleine Prinz. Im Innern begleiten Motive der Geschichte die Gäste durch das Haus. Bis zum 16. Juli 2013 lief ein Aufruf „Let’s meet with Le Petit Prince! Million Campaign 2“ der japanischen Weltraumorganisation JAXA zur Teilnahme an der Weltraummission Hayabusa 2.Let’s meet with Le Petit Prince! Menschen waren eingeladen, ihren Namen und eine Botschaft zum Asteroiden (162173) 1999 JU3 zu senden. Im Juli 2014 eröffnet bei Ungersheim im Elsass der Luft- und Wasser-Themenpark Le Parc du Petit Prince („Der Park des kleinen Prinzen“). Dort gibt es rund 30 Attraktionen, darunter Labyrinthe, einen Flugsimulator, drei Kinos und eine Schmetterlingsfarm. 1997 erschien das Buch Der kleine Prinz kehrt zurück von Jean-Pierre Davidts. Dies ist eine Fortsetzung von Der kleine Prinz und ist eine Hommage an Saint-Exupéry.http://www.rotbuch.de/buch/sku/72165/der-kleine-prinz-kehrt-zurueck.html 2019 wurde Der kleine Prinz mit dem Retro Hugo Award 1944 in der Kategorie Best Novella (Bester Kurzroman) ausgezeichnet. 2022 erschien das Buch Il sorriso del Piccolo Principe (Edizioni Wip) von Donato Sperduto: Der kleine Prinz kann endlich lächeln.
Sammlung und Stiftung Jean-Marc Probst In Solothurn eröffnete 2025 eine Ausstellung im Palais Besenval der Sammlung der Stiftung von Jean-Marc Probst mit vermutlich allen je erschienenen Ausgaben des Kleinen Prinzen. Die Sammlung umfasst neben 7659 Ausgaben in 648 Sprachen auch die gesamte Literatur über den Kleinen Prinzen sowie wertvolle Einzelobjekte. Die Stiftung hinter der Sammlung lässt Exemplare nachdrucken in Sprachen, die nicht mehr erhältlich waren und verteilt sie gratis. Die Webseite der Stiftung ist die Referenz weltweit.Jean-Marc Probst, Unternehmer und Sammler60 bereits publizierte Bücher
Buchausgaben Le Petit Prince. Éditions Gallimard, Paris 1943, ständige Neuauflagen, ISBN 978-0-15-246503-2.