mini|299px|Lage mini|Panorama von Süden
Zirndorf (, fränkisch: Dsian-doafW. Wiessner: Stadt- und Landkreis Fürth, S. 106. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: dsiʳndoʳf.) ist die Kreisstadt des Landkreises Fürth im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Die Stadt ist Teil der Metropolregion Nürnberg.
Geographie Geographische Lage Zirndorf liegt südlich von Fürth und westlich von Nürnberg am Fluss Bibert, der im Stadtgebiet naturnah kanalisiert ist.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn) Fürth, Oberasbach, Stein, Roßtal, Ammerndorf und Cadolzburg.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat zwölf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bronnamberg, Leichendorf (Gemarkungsteil 1), Weinzierlein (Gemarkungsteil 1) und Zirndorf. Die Gemarkung Zirndorf hat eine Fläche von 7,938 km². Sie ist in 7283 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1089,99 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Alte Veste.
Geschichte Etymologie Der Name der Stadt findet sich in Urkunden 1297 als „Zirendorf“ sowie 1306 als „Zirndorf“ und stammt wohl vom slawischen Personennamen „Čiŕna“, der 864 als „Zirna“ bekannt war. Eine weitere Herkunftsmöglichkeit ist das slawische Wort „čirny“ für „schwarz“.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsname. S. 253.W. Wiessner: Stadt- und Landkreis Fürth. S. 106 f.
Vorgeschichte und Mittelalter mini|Bibert, naturnah kanalisiert
Archäologische Funde (Steinwerkzeuge, Steinbohrer, Tonkrüge usw.) wie im Stadtteil Hirtenacker und die Hügelgräber im Gemeindeteil Weinzierlein belegen, dass das Gebiet bereits ca. 4000–1000 v. Chr., also schon in der Jungsteinzeit, besiedelt war. Die Einwohner betrieben Ackerbau und Viehzucht. Auf diese germanische bzw. keltische Vorzeit geht auch der Name für den Heimatfluss Zirndorfs, die Bibert, zurück. Im Jahr 260 n. Chr. durchbrachen die Alemannen in Südmittelfranken den Limes (Grenzwall) bei Weißenburg und griffen auch in weitere Gebiete der heutigen Region Franken aus. 496 besiegte der Frankenkönig Chlodwig I. die Alemannen und setzte die Grundvoraussetzungen für die Bildung des Frankenreiches. Spätestens sein Sohn Theuderich I. (511–533) und dessen Sohn Theudebert I. (533–547/48) dürften im Zuge der Eroberung des Thüringerreiches (531) auch für den Anschluss der heutigen Region Franken an das Frankenreich gesorgt und erste planmäßige Besiedlungen durch Franken gefördert haben. Es ist aber wahrscheinlich, dass im 5. und 6. Jahrhundert aufgrund der dichten Wälder nur Streusiedlungen (z. B. Leichendorf) im Zirndorfer Raum bestanden.
Durch diese erste fränkische Siedlungswelle kamen auch die ersten Ortsnamen auf, die sich aus einem Personennamen und -heim oder -dorf zusammensetzten. Allerdings ist bis heute ungeklärt und fachkundlich umstritten, von welchem Namen sich Zirndorf herleiten lässt. Vermutlich ist der Ortsname aber slawischer Herkunft (zirrow = „schwarz“). Im frühen Mittelalter waren Slawen westwärts bis zur Regnitz vorgedrungen (→ Bavaria Slavica).
Unter Frankenkönig Dagobert I. (623–639) bewirkte im 7. Jahrhundert eine zweite fränkische Siedlungswelle, dass vom Main her die Flusstäler von Regnitz und Rednitz stärker besiedelt wurden. Zu dieser Zeit dürften auch der Königshof Fürth und die Stützpunkte Langenzenn und Roßtal entstanden sein.
Mit dem Übertritt des Frankenkönigs Chlodwig I. zum Christentum (wohl 497) hatte bereits die Christianisierung des Frankenreichs begonnen, aber erst der Angelsachse Bonifatius (Winfried), der von Papst Gregor II. 719 mit der Germanenmission beauftragt worden war, schuf die Bistümer Würzburg und Eichstätt für diesen Raum. Im Jahr 741 zählte der Zirndorfer Raum zum Eigenbesitz des Bistums Eichstätt.
Das Biberttal war weiterhin wegen der starken Bewaldung und Versumpfung siedlungsfeindlich, weshalb es für das Bistum Eichstätt nur eine Nebenrolle spielte. Daher ist eine nachhaltige Besiedlung erst für die spätkarolingische Zeit (Ende 9. Jahrhundert) anzunehmen. Ob Zirndorf als Sprengel von Roßtal entstand oder aber eine eigenständige Entwicklung nahm, ist unklar. 1040 wurde drei Zirndorfer Bauern das Recht zuerkannt, im Reichswald rechts der Rednitz Holz und Streu zu holen.
Mitte des 10. Jahrhunderts baute das Bistum Eichstätt in Zirndorf eine Kirche, die dem Heiligen Clemens geweiht wurde. Eichstätts Bischof Gundekar II. (1057–1075) weihte in seiner Amtszeit 126 Kirchen; eine davon war die St.-Matthäus-Kirche in Vach, die als Tochterkirche von Zirndorf gilt. Dies wurde aber erst im 15. Jahrhundert urkundlich bestätigt. Der Zirndorfer Kirchensprengel dehnte sich aufgrund der zahlreichen Siedlungsaktivitäten auf die Orte Altenberg, Anwanden, Kreutles, Lind, Oberasbach, Rehdorf und Unterasbach aus.
In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbauten Reichsministerialen eine Vorläuferin der Alten Veste, die Burg Berch, auf einem Höhenrücken nördlich von Zirndorf. Die erste urkundliche Erwähnung des Orts fällt ins späte 13. Jahrhundert. Am 12. September 1288 überschrieb der Zirndorfer Reichsministeriale Heinrich von Berg in dieser Urkunde drei Güter in Dambach und einen Hof in Oberasbach dem Nürnberger Klarissenkloster; eine weitere Urkunde von 1297 erwähnt ebenfalls Kloster und Heinrich von Berg.
Am 29. April 1306 gingen die zuvor bereits an einen Nürnberger Kaufmann verpfändete Burg und der Ort nach Verkauf in den Besitz der Burggrafen von Nürnberg über, weil die Familie von Berg in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war. Der Ort bestand damals aus einer Kirche, neun Höfen, einer Schmiede, einer Mühle und dem Badehaus. Eine Schenkung der Burggrafen aus dem Jahr 1321 belegt, dass die Zirndorfer Kirche zu diesem Zeitpunkt unter dem Doppelpatrozinium der heiligen Clemens und Blasius stand.
Die neuen Besitzer entwickelten sich in Franken zu einer bedeutenden Macht. Ab diesem Zeitpunkt gehörte Zirndorf zum Oberamt Cadolzburg. 1316 tauchte der Ort in den Büchern des Klarissenklosters als Cyerndorf auf.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab es in Zirndorf drei Nürnberger Grundbesitzer (Rindsmaul, Grundherr und Strohmayer). Die wohlhabende Handelsstadt Nürnberg entwickelte sich zur Reichsstadt; dies führte immer wieder zu Spannungen mit den benachbarten Territorialherren. Die Alte Veste wurde 1388 von den mächtigen Nürnbergern im Städtekrieg geschleift. Ob in Zirndorf Schaden entstand, ist nicht dokumentiert.
Markgrafenzeit Ab 1412 wurden der massive Wehr- und Glockenturm und eine Wehrmauer der frühgotischen Kirche errichtet, die man um das Jahr 1450 durch ein Seitenschiff erweiterte. Im Ersten Markgrafenkrieg 1449–1450 wurde Zirndorf von den Nürnbergern bei einem Überfall niedergebrannt, doch anschließend schnell wiederaufgebaut. 1457 wurde eine erste Gemeindeordnung eingeführt; der so genannte „Gemein-Brieff“ (unter anderem mit einer Weideordnung, verschiedenen Nutzungsrechten und feldpolizeilichen Regelungen) sollte helfen, ein friedliches Miteinander markgräflicher und nürnbergerischer Herren bzw. Untertanen herzustellen. Außerdem wurden Dorfmeister gewählt und eingesetzt. In einem Lehensbrief des römisch-deutschen Königs Maximilian I. aus dem Jahre 1495 ist von einem „Zyrndorff“ die Rede. Vor Beginn der Reformation wurde Zirndorf 1504 in einer Nürnberger Aufzeichnung wie folgt beschrieben: „Zirndorf, ein dorf, ein kirch, ist Nurmbergisch und margrevisch, fraisch Zenn“.
Wohl 1510 wechselte die Zirndorfer Kirche von Clemens und Blasius zum Patrozinium des Pestheiligen Rochus. Im Jahre 1532 fielen der halbe Ort und die Kirche, und mit ihr die Aufzeichnungen der Pfarrei, einer Feuersbrunst zum Opfer.
Mit der Gemeindeordnung von 1580, bestätigt durch die Markgrafen von Brandenburg und die Reichsstadt Nürnberg, begann die weitgehende Selbstverwaltung Zirndorfs. Im Jahr 1604 gelangte der Ort bei einer Erbteilung im markgräflichen Haus zur Linie Brandenburg-Ansbach.
Während des Dreißigjährigen Krieges war Zirndorf vom 18. Juli bis 22. September 1632 Mittelpunkt des Heereslagers des kaiserlichen Feldherrn Albrecht von Wallenstein, das am 3. September 1632 vom Schwedenkönig Gustav II. Adolf in der Schlacht an der Alten Veste bestürmt wurde. Etwa zwei Drittel der Zirndorfer Bevölkerung fielen dem Krieg zum Opfer; erst etwa 75 Jahre später erreichte die Bevölkerungszahl wieder den Stand von vor dem Krieg. Nach 1648 entstand durch den Wiederaufbau das heutige Ortsbild mit Fachwerkhäusern und Sandsteinbauten.
1674 ließ Markgraf Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach das hochfürstliche Brauhaus errichten. In der Folge siedelten sich weitere Gewerbetreibende wie Drahtwarenfertiger, Weber, Drechsler und Schuhmacher an.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Zirndorf aus 121 Anwesen. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Oberamt Cadolzburg aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft übten das Kastenamt Cadolzburg und das Landesalmosenamt der Reichsstadt Nürnberg gemeinsam aus. Grundherren waren Brandenburg-Ansbach: Kastenamt Cadolzburg: 1 Mühle, 2 Halbhöfe, 28 Güter, 31 Häuser, Pfarrhaus, Schulhaus, Wildmeisterhaus, Kaplaneihaus, Synagoge; Gotteshaus- und Heiligenstiftung Zirndorf: 1 Wirtshaus, 2 Güter, 6 Häuser; die Reichsstadt Nürnberg: Klarenamt: 1 Viertelhof, 1 Gütlein; Landesalmosenamt: 1 Halbhof, 1 Gut, 1 Haus; Rieterische Stiftungsverwaltung Kornburg: 1 Hof, 5 Güter; Schlüsselfelder-Stiftung: 1 Halbhof, 2 Viertelhöfe, 1 Gut; Waldamt Laurenzi und von Löffelholz: 3 Halbhöfe; Nürnberger Eigenherren: von Ebner: 1 Haus; von Holzschuher:1 Halbhof; Hörl: 1 Hof, 2 Güter, 2 Häuser; von Kreß: 1 Gut, 2 Häuser; von Löffelholz: 2 Hintersassen; von Murr: 1 Hof, 1 Halbhof, 6 Güter, 3 Häuser; von Tucher: 1 Wirtshaus, 3 Viertelhöfe, 4 Güter, 2 Häuser; von Volckamer: 1 Halbhof.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth. S. 191 f.
1791/92 trat der letzte Markgraf von Brandenburg-Ansbach Karl Alexander sein Territorium an Preußen ab; dadurch wurde auch Zirndorf preußisch. Der Ort zählte zu diesem Zeitpunkt 121 Anwesen. Von Langenzenn wurde 1801 der Dekanatssitz nach Zirndorf verlegt; dadurch besaß der Ort in den folgenden Jahrzehnten eine herausgehobene kirchliche Stellung in der Umgebung. 1885 wurde das Zirndorfer Dekanat nach Fürth verlegt.
Anschluss an Bayern Mit der Thronbesteigung König Maximilians I. fiel Zirndorf im Jahr 1806 an Bayern. Der Ort zählte mittlerweile 135 Gebäude mit 1494 Einwohnern.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Cadolzburg. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Zirndorf gebildet, zu der die Alte Veste gehörte. Im selben Jahr entstand die Ruralgemeinde Zirndorf, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Nürnberg zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Fürth (1919 in Finanzamt Fürth umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden 7 Anwesen bis 1812 und von 1822 bis 1834 dem Patrimonialgericht (PG) Lohe und Behringersdorf, drei Anwesen bis 1812 und von 1822 bis 1835 dem PG Lohe, 2 Anwesen von 1825 bis 1835 dem PG Gibitzenhof, ein Anwesen von 1818 bis 1846 dem PG Neunhof, ein Anwesen von 1822 bis 1836 dem PG Haimendorf, zwei Anwesen bis 1812 dem PG von Volckamer und 13 Anwesen bis 1812 der Rieterschen Verwaltung Kornburg.H. H. Hofmann: Nürnberg-Fürth. S. 235. Ab 1862 gehörte Zirndorf zum Bezirksamt Fürth (1939 in Landkreis Fürth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit ging 1862 an das Landgericht Fürth über (1879 in das Amtsgericht Fürth umbenannt).