mini|hochkant=1.2|Laos: Heiratsfähige Hmong-Frauen in Phonsavan beim traditionellen Ballspiel mit potentiellen Ehemännern. Die Hmong () sind ein indigenes Volk Ost- und Südostasiens. Sie leben in den bewaldeten Berggebieten des südlichen China (Provinzen Guizhou, Sichuan, Yunnan und das Autonome Gebiet Guangxi), in Laos, Vietnam und Thailand. In China sind sie der übergreifenden Miao-Nationalität zugeordnet, die über 15 Millionen Menschen zählt.Lemoine, Jacques (2005). "What is the actual number of (H)mong in the world?" (PDF). Hmong Studies Journal. 6.

In den 1960er und 1970er Jahren rekrutierte die CIA in Laos Hmong-Truppen für einen geheimen Krieg, um sie gegen die prokommunistischen Pathet Lao und später gegen die Truppen der nordvietnamesischen Volksarmee und der südvietnamesischen FNL („Vietcong“) einzusetzen.Amerikas geheimer Krieg in Laos - Die größte Militäroperation der CIA. Dokumentarfilm von Marc Eberle, 2008.Sven Hansen: Arte-Doku Amerikas geheimer Krieg in Laos. Die größte Militäroperation der CIA. In: taz.de, 16. Februar 2010. Als die Pathet Lao die Regierung in Laos übernahmen, flohen tausende Hmong in die USA und nach Thailand, wo sie um politisches Asyl baten. 2004 haben die USA ein Umsiedlungsprojekt in Angriff genommen, wodurch die meisten der staatenlosen Flüchtlinge binnen zwei Jahren in die USA überführt werden sollten, vorwiegend nach Fresno und Merced (Kalifornien) sowie St. Paul (Minnesota).

Geschichte Wurzeln Die Geschichte der Hmong wird aus mündlichen Überlieferungen, d. h. vor allem aus Mythen und Sagen abgeleitet. Darüber hinaus gibt es seit etwa 2000 Jahren reichhaltige schriftliche Aufzeichnungen über die Hmong in den chinesischen Chroniken und Geschichtsbüchern. Eigene schriftliche Überlieferungen sind erst seit dem 17. Jahrhundert vorhanden, als europäische Missionare ihre Arbeit in China aufnahmen. Die ethnischen Wurzeln der Hmong gehen vermutlich 4000 Jahre zurück und befinden sich im Zentralen China. links|mini|hochkant|Ein hellhaariger Hmong-Mann Die hauptsächlich befürwortete Ansicht ist, dass die Hmong ihren Ursprung im Bereich des Gelben Flusses in China haben. Sie lebten dort in einigem Abstand mit den Han-Chinesen. Linguistische Erkenntnisse vermuten ihren Ursprung im südlich zentralen China.Ratliff, Martha. "Vocabulary of Environment and Subsistence in Proto-language," S. 160.

Manche Wissenschaftler glaubten früher, dass sie ursprünglich aus der westlichen Mongolei bis ans Gelbe Meer und ins Einzugsgebiet des Huang He wanderten. Als Beweis für diese widerlegte Theorie wurde die helle Haarfarbe einiger Hmong angesehen, was unter ostasiatischen Menschen sonst nur bei manchen Kasachen und einigen sibirischen Völkern vorkommt und auf einen anderweitigen genetischen Einfluss hinweisen könnte. 1. April 2007. Da aber großteils keine genetische Verbindung zwischen Zentralasiaten und Hmong besteht, handelt es sich wahrscheinlich um eine unabhängig entstandene genetische Mutation, ähnlich dem Vorkommen blonden oder braunen Haares bei Filipinos, Indonesiern und bei Melanesischen Völkern Papua-Neuguineas. Genetisch sind die Hmong nahezu identisch mit anderen Völkern Ost- und Südostasiens.

Weiter heißt es, dass sie sich mit den Han-Chinesen an diesen Orten niederließen und beide ethnische Gruppen später über einige Jahrtausende miteinander koexistierten. Während die Han-Chinesen einen expandierenden Agrarstaat errichteten, wurden die Hmong (Miao) von der schnell wachsenden han-chinesischen Bevölkerung immer weiter nach Süden und in die Berggebiete zurückgedrängt. So wurden sie zu einer ethnischen Minderheit Chinas. Besonders während der mandschurischen Qing-Dynastie (1644–1911) kam es immer wieder zu Aufständen der Miao, die blutig niedergeschlagen wurden. Erst mit Gründung der Volksrepublik China erlangten die Miao eine gleichberechtigte Stellung in der chinesischen Gesellschaft.

Heutzutage sind die Hmong eine der zerstreutesten Bevölkerungsgruppen weltweit. Sie leben vor allem in China, Vietnam, Laos und Thailand. Sie wanderten aber auch in die USA, nach Kanada, Australien und Europa aus.

mini|Schwarze Hmong in Sa Pa (Nordvietnam) Je nachdem, auf welches Territorium man sich bezieht, dienen die Namen „Hmung“, „Hmu“, „Meo“ oder „Meau“ als Synonym für „Miao“ und „Hmong“. Viele Hmong außerhalb Chinas bevorzugen Varianten von „Hmong“ als Eigenbezeichnung. Einige glauben, dass „Miao“ im Chinesischen „Barbaren“ bedeute. Tatsächlich war „Miao“ vor Gründung der Volksrepublik China eine Sammelbezeichnung für verschiedene Völker Südchinas, unter der auch viele ethnische Gruppen geführt wurden, die sich nicht zu den Miao zählen. Miaozu (), also „Miao-Volk“, hat jedoch nichts mit den chinesischen Begriffen für Barbaren zu tun und würdigt die Miao in keiner Weise herab. Aus diesem Grund ist auch von den Miao Chinas keinerlei Unzufriedenheit mit ihrer Bezeichnung bekannt. Aus der Sicht vieler Hmong außerhalb Chinas bedeutet Hmong „freie Menschen“,Rice: Hmong Women and Reproduction. 2000, S. 4. was ihren Wunsch nach einem Leben in Freiheit zum Ausdruck bringt. Die tatsächliche Bedeutung des Wortes ist allerdings unklar.

Weltweit sind 70–80 verschiedene Gruppen bekannt, die sich vor allem an der Kleidung beziehungsweise deren Farbe unterscheiden.Nicholas Tapp: Miao. In: Encyclopaedia Britannica Online, 2015.

Die Hmong-Königreiche Bis ins 17. Jahrhundert gab es in den unzugänglichen Bergen des Südens von China mehrere autonome Hmong-Königreiche in den Provinzen Sichuan, Yunnan, Hunan, und Guizhou. Solange die Hmong-Herrscher Peking Tribut entrichteten, konnten sie autonom regieren. Erst während der Qing-Dynastie versuchte Peking, die Gebiete unter direkte Kontrolle zu stellen. Jedes dieser kleinen Königreiche wurde von einem Hmong-Clan regiert und die Mitglieder hatten auch denselben Nachnamen. Peking vergab den Führern klangvolle Namen und Titel, anstatt sie zu bekämpfen. Das Gebiet der Hmong wurde von China als nicht strategisch wichtig angesehen. Deswegen wurden neue Königreiche gegründet, welche die Einheit der Hmong zerstören sollten, anstatt sie militärisch zu unterdrücken. Die Qing-Dynastie beendete diese indirekte Form der Verwaltung und die Hmong wurden nach Süden in die Berge zurückgedrängt. Gegen rebellierende Clans gingen die chinesischen Herrscher mit großer Härte und Gewalt vor.

Einige Hmong-Führer flüchteten nach Nordvietnam in das Delta des Roten Flusses (Tonkin), wurden aber von den Vietnamesen in die Berge zurückgedrängt. Es kam zu Schlachten zwischen den Vietnamesen und den anstürmenden Hmong. Der Clan der Ly, welcher ursprünglich aus der chinesischen Provinz Sichuan kam, zog sich 1856 in die Berge westlich von Dien Bien Phu im Grenzgebiet zwischen Laos und Vietnam zurück. Ihr Führer Ly Nhiavu führte die Clanmitglieder in einem einjährigen Marsch in die kaum bevölkerten Berge des Distriktes Nong Het der Provinz Xieng Khouang in Laos. Die Mitglieder des Clans siedelten in den Bergen und begannen den Brandrodungsfeldbau. Auch trafen sie auf weitere Hmong-Clans der Mua und Lo, welche bereits vor ihnen aus China geflüchtet waren. Nachdem sich in China herumgesprochen hatte, dass die Hmong in dieser Gegend siedeln konnten, flüchteten weitere Hmong-Clans nach Laos.McCoy, Alfred: The Politics of Heroin. 1972, Kapitel: The Meo of Laos: Politics of the Poppy

Opium (1893–1944) Nachdem die Franzosen 1893 die Vorherrschaft Siams über das heutige Gebiet von Laos gebrochen hatten, führten sie Expeditionen zu den Hmong-Siedlungen durch. Sie forderten von den Clans eine Erhöhung der Produktion von Opium und einen Exklusivverkauf an das französische Opiummonopol. Die Clanführer wurden in diese Entscheidung nicht eingebunden und wehrten sich. Die Führer des Clans der Lo beschlossen daraufhin, die Provinzhauptstadt von Xieng Khouang mit gleichem Namen anzugreifen. Aber sie hatten mit ihren veralteten Waffen gegen die Kolonialarmee der Franzosen keine Chance und mussten sich zurückziehen. Aber die Franzosen beschlossen trotz ihres Sieges, in Zukunft nur noch indirekt aufzutreten und die Clanführer in das Geschäft mit Opium einzubinden und diese entscheiden zu lassen, wie viel sie produzierten, ob und an wen sie verkauften. Erst nach Beginn des Zweiten Weltkriegs versuchten die Franzosen wieder, direkt Einfluss auf die Opiumgewinnung zu nehmen und die Hmong zu höherer Produktion zu zwingen. Vor dem Krieg bezog das französische Opiummonopol das Rohmaterial primär aus Indien und China. Das Opiummonopol stellte eine große finanzielle Quelle für die französischen Kolonien dar. Für die durch den Krieg ausfallenden Opiumimporte benötigte es Ersatz.

Männer wie Ly Foung und sein Sohn Touby Ly Foung vom Ly-Clan kooperierten mit den Franzosen, obwohl sie nicht zur ursprünglichen Führung des Clans um Ly Nhiavu gehörten. Die Familie von Ly Foung war erst 1865 aus der chinesischen Provinz Yunnan nach Xieng Khouang in Laos gekommen und gründete ein eigenes Dorf, da die Familie nicht in den Clan um Ly Nhiavu aus Sichuan aufgenommen wurde. Die Familie um Ly Foung wurde mit der Zeit aber immer mächtiger. Touby Ly Foung wurde als einziger Hmong in die Führung des Opiummonopols aufgenommen. Er erhöhte die Steuer pro Familie von 3 auf 8 Silberpiaster pro Jahr für seinen Clan, erlaubte aber, dass die Steuer mit 3 Kilogramm Opium entrichtet werden konnte. Die meisten Hmong-Familien produzierten ein Kilogramm Opium pro Jahr. Da sie das Geld für die Steuer nicht hatten, musste die Produktion erhöht werden. Ein Opiumboom brach im Distrikt Nong Het aus. Der Distrikt wurde über Nacht zu einem der größten Opiumanbaugebiete in Asien. Nach diesem Erfolg wurde diese Strategie auch auf weitere Distrikte in Laos übernommen. Die Hmong wurden quasi gezwungen, Opium anzubauen und ihre Selbstversorgungslandwirtschaft zu reduzieren.

Im Nordwesten von Vietnam verlief die Geschichte etwas anders. Das Gebiet wurde von Fürstentümern der Tai dominiert. Die Franzosen heuerten die Fürsten an, um mit den Hmong Geschäfte zu machen, und versuchten nicht direkt die Hmong zur Opiumproduktion zu zwingen. Die Taifürstentümer setzten die Hmong unter Druck und die Hmong-Gemeinden mussten 1940 fünf Tonnen Opium an die Tai liefern, welche sie an die Raffinerien des Opiummonopols in Saigon weiterverkauften. Viele Hmong akzeptierten diesen Druck nicht, mussten doch ihre wenigen, guten Anbauflächen für die Produktion von Opium verwendet werden. Zudem diktierten die Tai die Preise und zahlten einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes des Opiums. Viele schlossen sich den Việt Minh an und dienten später in der Schlacht um Điện Biên Phủ. Aber auch viele Hmong in Laos, welche mit der Führung von Touby Ly Foung nicht einverstanden waren, schlossen sich der mit den Việt Minh verbündeten Befreiungsbewegung Pathet Lao an.

Hilfe für Frankreich (1945) Nachdem sich die Japaner im August 1945 aus Laos zurückzogen, wurden große Teile des Nordostens und auch Xieng Khouang von vietnamesischen und laotischen Nationalisten überrannt. Bereits in den Monaten davor hatten Hmong um Touby Ly Foung den Franzosen geholfen, geheime Militärstützpunkte zu errichten. Lange Zeit hatten die Japaner es Frankreich erlaubt, die bestehende Kolonialverwaltung weiter zu betreiben, und sich aus der internen Verwaltung des Landes herausgehalten. Erst nach der Niederlage Vichy-Frankreichs wurde die französische Verwaltung 1945 entmachtet und die französischen Truppen verhaftet. Frankreich reagierte mit dem Absprung von Fallschirmjägern, welche von den Hmong um Touby Ly Foung versteckt und versorgt wurden. Am 3. September 1945 konnten die französischen Fallschirmjäger mit Hilfe der Hmong die Hauptstadt der Provinz Xieng Khouang zurückerobern.

Erster Indochinakrieg (1946–1954) und Laotischer Bürgerkrieg