Niger ([], amtlich Hausa Jamhuriyar Nijar, Republik Niger) ist ein Binnenstaat in Westafrika. Der namensgebende Fluss Niger durchfließt den relativ dicht besiedelten Südwesten des Wüsten- und Savannenstaates.
Niger grenzt im Norden an Algerien und Libyen, im Westen an Mali und Burkina Faso, im Osten an den Tschad und im Süden an Nigeria und Benin. Es ist ein Binnenstaat mit Anteil an der Sahara, dem Sahel und dem Sudan. Die größte Stadt Nigers ist die Hauptstadt Niamey. Weitere Großstädte sind Zinder, Maradi und Agadez.
Die ehemalige französische Kolonie ist seit 1960 unabhängig und ist die Heimat einer Vielzahl verschiedener ethnischer Gruppen. Seit der Unabhängigkeit wurden sieben verschiedene Verfassungen verabschiedet und vier Militärdiktaturen installiert, auch seit dem Militärputsch 2023 herrscht wieder eine Militärdiktatur.
Existenzbedrohend für den größten Teil der nigrischen Bevölkerung sind regelmäßig wiederkehrende Dürren und Hungersnöte bei einer zu schnell wachsenden Bevölkerung aufgrund mangelnder Geburtenkontrolle.Jon Gambrell: 10 million face famine in West Africa. The Independent, 30. Mai 2010. Niger zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zählt Niger zu den Ländern mit geringer menschlicher Entwicklung.
Geographie mini|Landschaft im Südwesten Nigers Niger liegt zwischen den Breiten 11° und 24° Nord und den Längen 0° und 16° Ost.
Im Zentrum Nigers liegt das Gebirge Aïr, dessen höchster Gipfel Idoukal-n-Taghès mit gleichzeitig höchster Punkt des Landes ist. Das Aïrgebirge (Massif Aïr) ist die südöstliche Fortsetzung des algerischen Hoggar- oder Ahaggar-Gebirges und bildet die geographische Grenze zum Tschadbecken. Südöstlich des Aïr liegt das Termit-Massiv. Von dessen südlichen Ausläufern erstreckt sich das nahezu 200 km lange Tal der Dilia de Lagané, an dessen südlichem Ende noch die Ausläufer des Mega-Tschad-Sees erkennbar sind.
Im Westen, Süden und Osten ist der Aïr von Wüsten umgeben, deren größte der östlich gelegene Erg du Ténéré ist. Er nimmt etwa 30 % des Staatsgebietes ein, das nur am südwestlichen Rand dicht besiedelt ist. Weiter östlich liegt der Grand Erg de Bilma mit dem Kaouar-Tal. Diese Saharagebiete reichen östlich bis zur Grenze des Tschad. Im Norden geht der Ténéré in das Djadoplateau über, im Nordosten ins Tibestigebirge. Diese Wüsten, die sämtlich zur Sahara gehören, nehmen insgesamt etwa zwei Drittel der Staatsfläche ein. Große Teile der Ténéré und des Aïr gehören zum 77.000 km² großen Naturschutzgebiet Aïr und Ténéré, einem Weltnaturerbe der UNESCO. Im Süden des Aïr-Gebirges liegt die bedeutende Fossilfundstätte Gadoufaoua aus der Zeit der Unterkreide (Albium-Aptium, 126,3 bis 100,5 mya). Wegen der zahlreichen Dinosaurierüberreste, beispielsweise Nigersaurus oder Ouranosaurus nigeriensis, gilt das Gebiet als ein „Saurierfriedhof“ der Sahara.
Etwa ein Drittel Nigers im Süden und Südosten ist Teil des Sahels (Sahel = arab. „Ufer“ der Wüste). Dieser Streifen befindet sich am nördlichen Rand der Trockensavanne. Seit Ende der Sechzigerjahre traten in der Dornbuschsavanne mehrere Dürren auf und verwandelten diese zunehmend in eine wüstenartige Landschaft. Im Südosten liegt ein Teil des Tschadsees auf dem Gebiet Nigers, dessen Ausdehnung sich jedoch bei starker Trockenheit hinter die Grenze zum Tschad zurückzieht.
Der Südwesten ist vom Niger dominiert, dem drittgrößten Fluss Afrikas. Er durchfließt als Fremdlingsfluss auf 650 Kilometern Länge eine besonders fruchtbare Region des Landes und bildet im unteren Teil die Grenze zu Benin, bevor er das Land im Süden auf knapp Höhe nach Nigeria verlässt.
1954 wurde der länderübergreifende Nationalpark W als einziger Nationalpark in Niger ausgewiesen.
Klima mini|hochkant=1.3|Klimadiagramm von Zinder in Niger; die Temperaturkurve ist die rote Linie, die Balken verdeutlichen den Niederschlag mini|Die Klimazonen in Niger
Das Klima Nigers ist durchgehend heiß und trocken. Da es sich um einen Wüstenstaat handelt, ist ein Leben in Niger von Dürren und Nahrungsknappheit geprägt. Dem Süden des Landes bringt der westafrikanische Monsun eine von den Monaten Juni bis Oktober andauernde Regenzeit. Während dieser Zeit fällt beinahe der ganze Niederschlag des Jahres, der im Mittel zwischen 400 und 700 Millimeter beträgt. Etwa die Hälfte des Niederschlages ist im August zu erwarten. In den nördlichen Teilen des Landes (Wüstengebiete) gibt es in letzter Zeit praktisch keine Niederschläge.
Die Tagestemperaturen in den Wüstengebieten liegen im Januar durchschnittlich bei 17 °C, im Juni bei 34 °C. Im Süden werden im Januar 22 bis 24 °C und im Juni 32 bis 34 °C gemessen.
Dem trockenen Klima entsprechend geht die Trockensavanne von Süden nach Norden hin in Dornstrauchsavanne und bald in Halb- und Vollwüste über. Im Norden sind weite Flächen Sand- und Steinwüste. Als Folge der fünfjährigen Dürreperiode zwischen 1969 und 1974 in der gesamten Sahelzone ist der Grundwasserspiegel gesunken, die natürliche Vegetation ist teilweise komplett abgestorben, zum Teil auch durch Viehbestände vernichtet. Dies hat wiederum die Viehbestände reduziert und Menschenleben gekostet. Der nur durch Nomaden nutzbare Raum hat sich in der Folge um etwa 50 km weiter nach Süden ausgedehnt.
Hydrologie mini|290px|Die Wasserläufe in Niger Der Staat Niger entwässert über zwei Einzugsgebiete; das des Nigers und das des Tschadsees. Allerdings trägt das Territorium Nigers zu beiden Einzugsgebieten kaum etwas bei. Im großen Teilen des Landes liegen die Niederschlagsmengen unter 200 mm. Viele Flussbetten führen, wenn überhaupt, nur kurze Zeit im Jahr Wasser und erreichen meist weder den Tschadsee noch den Niger.
Das größte Einzugsgebiet ist das des Azawagh mit dem Dallol Bosso als Mündungsfluss. Es erstreckt sich als ein System von Wadis über das Aïr, das Ahaggar in Algerien und das Adrar des Ifoghas Gebirge in Mali als Grenze und entwässerte zu humideren Zeiten das Ullemmeden-Becken.
Einzugsgebiet Quadratkilometer Prozent der LandesflächeFAO – The Niger River basin. Niger 563.939 44,5 Tschadsee 703.061 55,5 Gesamt 1.267.000 100,0
Flora Im Süden finden sich in der Trockensavanne vorwiegend heimische Gräser, Dornenbüsche und Trockenwald. In der tiefer gelegenen Region wachsen Tamarinden, Affenbrotbäume, Kapokbäume und Mahagonigewächse. Aufgrund von Überweidung und Trockenheit hat der Pflanzenbestand der Savanne in den vergangenen Jahren sehr gelitten. Die Gebiete des Nordens sind praktisch vegetationslos.
Fauna Die Tierwelt großer Teile des Landes ist, bedingt durch die karge und wachsende Wüstenvegetation, nicht sehr artenreich. Die Wüstenregionen dominieren den gesamten Norden des Landes. Hier leben Fenneks und Gazellen, während in den Bergen des Aïr unter anderem Anubispaviane und Aïr-Mähnenspringer anzutreffen sind. Gleichzeitig befindet sich im Aïr eines der größten Schutzgebiete der Erde, das Naturschutzgebiet Aïr und Ténéré. Die südlichen Landesteile, in denen natürlicherweise Savannen vorherrschen, sind naturgemäß artenreicher. Wie in ganz Westafrika ist die Großtierwelt jedoch inzwischen auf Reliktvorkommen beschränkt. Im Südwesten Nigers liegt der W-Nationalpark, der zusammen mit dem angrenzenden Pendjari-Nationalpark in Benin und dem Arli-Nationalpark in Burkina Faso eines der wichtigsten Großtierschutzgebiete ganz Westafrikas bildet. Hier kommen noch Löwen, Antilopen, Giraffen, Büffel, Strauße, Elefanten und Flusspferde vor.
Humangeografie – Städte Im Jahr 2023 lebten 17 Prozent der Einwohner Nigers in Städten. Die 5 größten Städte sind (Stand Zensus 2012):citypopulation.de Niamey: 978.029 Einwohner Maradi: 267.249 Einwohner Zinder: 235.605 Einwohner Tahoua: 117.826 Einwohner Agadez: 110.497 Einwohner
Bevölkerung mini|271x271px|Bevölkerungsentwicklung, Fertilitäts- und Nettoreproduktionsraten von 1950 bis 2021; Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2032; Schätzung der Vereinten Nationen 2022Blaue Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in TausendBlaue gepunktete Kurve (linke y-Achse): Gesamtbevölkerung jeweils zum 1. Juli in Tausend, „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Rote Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau)Rote gepunktete Kurve (rechte y-Achse): Gesamtfruchtbarkeitsrate (Lebendgeburten pro Frau), „Mittlere Prognose“ („Medium variant“)Gelbe Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau)Gelbe gepunktete Kurve (rechte y-Achse): Nettoreproduktionsrate (überlebende Töchter pro Frau), „Mittlere Prognose“ („Medium variant“) mini|Bevölkerungspyramide Nigers (2020); Niger hat die jüngste Bevölkerung der Erde
Demografie Niger hatte 2023 27,2 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug + 3,7 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein Geburtenüberschuss (Geburtenziffer: 45,0 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 7,8 pro 1000 Einwohner) bei. Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1960 wuchs die Bevölkerung Nigers von 3,5 auf 27,2 Millionen Menschen, was mehr als einer Versiebenfachung der Bevölkerungszahl entspricht. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 6,7, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9. Nigers Geburtenrate geht seit dem Höchststand von 1985 (7,9) zurück, seit 2000 betrug der jährliche Rückgang durchschnittlich 0,6 %. Die Lebenserwartung der Einwohner Nigers ab der Geburt lag 2022 bei 62,1 Jahren. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 14,5 Jahren. Im Jahr 2023 waren 48,8 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 2,4 Prozent der Bevölkerung betrug.
Die meisten Bräute in Niger sind noch nicht volljährig, wenn sie heiraten – einer Untersuchung des nigrischen Ministeriums für Öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2012 zufolge sind 75 % der Mädchen erst zwischen 15 und 19 Jahre alt, wenn sie verheiratet werden. In einem Bericht des United Nations Children’s Fund von 2011 rangiert Niger damit auf Platz 1 der Liste mit den Ländern, in denen Kinderheiraten am meisten vorkommen.„Most Brides in Niger Are Children“, Bericht der Agentur IPS von Souleymane Maâzou aus Niamey, 30. Juli 2013, abgerufen am 2. Okt. 2013.
Es gibt vor allem im Norden des Landes viele Oasenbewohner, Nomaden und Halbnomaden. Viele von ihnen geben jedoch den Nomadismus auf und ziehen in die zum Teil überbevölkerten Städte. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt im Süden, zumeist an der Grenze zu Nigeria und Benin.
Bevölkerungsstruktur mini|hochkant=1.8|Siedlungsgebiete der Volksgruppen Die politisch im Nigergebiet dominierenden Volksgruppen der Zarma und Songhai stellen etwa 21 % der Gesamtbevölkerung. Etwa 55,4 % gehören zur Bevölkerungsmehrheit der Hausa. Die Hausa bewohnen den mittleren Süden an der Grenze zu Nigeria. Bereits zu Zeiten der französischen Kolonialzeit wurden bei der Vergabe politischer Schlüsselpositionen an Nigrer zumeist die Songhai und Zarma bevorzugt. Diese Unverhältnismäßigkeit in Ansehung der Repräsentanz in der Bevölkerung wurde während der Zeit der unabhängigen Republik fortgesetzt.Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon Dritte Welt. Länder, Organisationen, Theorien, Begriffe, Personen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2000, ISBN 3-499-60684-4, S. 560. Die drei ersten Präsidenten Nigers waren allesamt Zarma, 1993 wurde mit Mahamane Ousmane erstmals ein Hausa zum Präsidenten gewählt. Mit Mohamed Bazoum wurde 2021 das erste Mal ein Staatsbürger, der aus der Minderheit der Diffa-Araber, einer arabisierten Bevölkerungsgruppe in Niger, stammt, zum Präsidenten gewählt.