Blankenese ist ein westlicher Stadtteil von Hamburg im Bezirk Altona und gehört zu den Elbvororten; es war Sitz des gleichnamigen Ortsamtes, zu dem auch die Stadtteile Nienstedten, Osdorf, Lurup, Iserbrook, Sülldorf und Rissen gehörten.
Namensherkunft mini|Frühe Ansichtskarte von Brück & Sohn, 1898 Blankenese liegt an einem Geesthang am Binnendelta der Elbe, in einem Bereich, in dem sich früher zahlreiche Sandbänke und Elbinseln bildeten, die meist Schweinsand genannt wurden. Aus einer dieser Sand-Aufwerfungen leitete sich der Ortsname ab: das niederdeutsche Wort blank steht für „unbedeckt, glatt, glänzend“, Nes, Nees, Nääs wiederum für „Nase“. Diese glänzende Nase bezeichnete eine Landzunge, die vom nördlichen Elbufer in den Fluss ragte und von den Gezeiten regelmäßig überspült wurde, so dass deren Sand in der Sonne glänzte, da sie vermutlich völlig unbewachsen war. Diese Landzunge wurde jedoch 1634 bei der Burchardiflut weggespült.Daniel Tilgner (Red.): Hamburg von Altona bis Zollenspieker. Das Haspa-Handbuch für alle Stadtteile der Hansestadt. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-11333-8.
Auch in anderen Sprachen ist die Ähnlichkeit mit dem plattdeutschen „blanke Nees“ zu finden, französisch mit „nez blanc“, schwedisch mit „blank näsa“, dänisch mit „bare næse“ oder auch niederländisch mit „kale neus“. Eine weniger vertretene Deutung der Herkunft des Namens Blankenese bezieht sich auf den markanten Süllberg, dessen früher unbebaute Kuppe deutlich hervortrat.
Eine andere Auslegung führt den Namen vom plattdeutschen Wort Ness auf „Nest“ zurück, mit der Bedeutung eines tief gelegenen oder in einer Bucht liegenden Landes. Auch diese Erklärung hat ihre Entsprechung in den örtlichen Gegebenheiten, denn Blankenese liegt auch heute noch in einer sichtbaren Mulde des Geesthangs.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten. 2. Auflage. Die Hanse, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 25.
Geographie mini|Blankenese aus der Luft mini|Das Treppenviertel an der Elbe rund um den Süllberg in Blankenese mini|Am Strand mini|Blankenese im Winter (2010) Geographische Lage Blankenese liegt auf dem nördlichen Geestrücken an der Unterelbe, der im Ortskern ein Steilufer bildet. Seine bekannteste Erhebung ist der Süllberg (74,7 m), an dessen Hang sich eine beliebte Ausflugsgaststätte und auf dessen Kuppe sich ein Hotel mit Restaurants befinden. Die höchste Erhebung Blankeneses ist mit 91,6 m der Baurs Berg mit dem markanten Turm des Wasserwerks Altona, der die zweithöchste Erhebung Hamburgs bildet.
Geologie mini|Blankenese, von der Elbe aus gesehen Blankenese ist den hier recht steilen Südhang der Geest hinauf gebaut; im Süden jenseits der Elbe liegt die Elbmarsch (genauer: das „Alte Land“).
Nachbarstadtteile Benachbarte Stadtteile sind Nienstedten im Osten, Iserbrook und Sülldorf im Norden sowie Rissen im Westen, wobei Blankenese und Rissen durch ein bewaldetes Gebiet (Falkenstein) voneinander getrennt sind.
Geschichte mini|Blick vom Süllberg auf Blankenese um 1895 mini|Blankeneser Elbstrand 1827 mit Blick auf den markanten Süllberg Blankenese ist ein ehemaliges Fischerdorf, das 1301 erstmals urkundlich erwähnt wurde. In der lateinisch abgefassten Urkunde wurde den Rittern von Raboisen der Ertrag der Fährverbindung zur anderen Elbseite durch Graf Adolf VI. zuerkannt.Joachim W. Frank (Red.): Drunter oder drüber – Elbquerungen – gestern und heute. Freie und Hansestadt Hamburg – Staatsarchiv, Hamburg, ISBN 3-89907-016-X, S. 10.
Zuvor bestanden bereits die Burg auf dem Süllberg und eine Propstei auf dem Süllberg, die Erzbischof Adalbert von Bremen um 1060 errichten ließ. Die Burg diente der Sicherung der Fährverbindung über die Elbe. Als die Nordalbier die Burg zerstört hatten, exkommunizierte der Erzbischof sie 1070. 1258 entstand auf dem Süllberg eine zweite – diesmal gräfliche – Burg, die von den Brüdern Johann I. und Gerhard I. (Schauenburger Grafen), ebenfalls zur Sicherung der Fähre angelegt wurde. Nach Protest der Hamburger musste sie 1262 wieder abgerissen werden, weil sie deren Interessen störte.
Die Familie Breckwoldt gehörte schon früh zur Geschichte von Blankenese. Viet Breckwoldt, 1490 geboren, war der Erste dieser Ahnenreihe. Er erhielt Anfang des 16. Jahrhunderts die Blankeneser Elbfähre als Lehen, dazu den Fährkrug samt Schank-, Brau- und Brenngerechtigkeit.
mini|Der Süllberg, Restaurant mit Aussichtsturm Blankenese gehörte zunächst zur schauenburgischen Grafschaft Holstein-Pinneberg, danach zum Herzogtum Holstein, das ab 1460 in Personalunion von den dänischen Königen regiert wurde, und fiel 1866 an Preußen. Auf einer Grünfläche im Mühlenberger Weg wurde deswegen der Gedenkstein für die Erhebung Schleswig-Holsteins errichtet. Auf den Segeln der Ewer und Kutter stand danach SB (für „Schleswig-Holstein Blankenese“), plattdeutsch als seil bedächtig! (= segel vorsichtig!) ausgelegt.
1919 vergrößerte sich die pinnebergische Landgemeinde durch den Zusammenschluss mit dem benachbarten aufstrebenden Bauerndorf Dockenhuden (wo es mehr Platz für Villenanlagen gab) zu Neu-Blankenese inklusive Mühlenberg, Hirschpark und Iserbrook. 1927 wurde Blankenese durch das Groß-Altona-Gesetz gegen den Willen vieler Blankeneser zum Vorort der Großstadt Altona/Elbe und ging 1938 zusammen mit Altona in Hamburg auf. Zwischen 1919 und 1939 gehörte auch der heutige Ortsteil Mühlenberg erstmals gänzlich zu Blankenese, dann wurde der Ostteil zu Nienstedten zugeschlagen. Ursprünglich war Mühlenberg um den Bootslandeplatz Dockenhudens entstanden. Der ehemalige Nordteil Dockenhudens mit zusätzlichen Teilen von Sülldorf und Osdorf wurde jedoch ab 1951 der Stadtteil Iserbrook.
Blankenese, ursprünglich ein schmuckes Hangdorf, in dem Kapitäne und Lotsen ihren Lebensabend verbrachten, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem großbürgerlichen Villenviertel, dessen Bevölkerung nicht so homogen war (und ist), wie es erscheint: Im Gemeinderat beispielsweise saßen 1924 neben 18 Abgeordneten der bürgerlichen Parteien auch fünf Vertreter der SPD und ein KPD-Vertreter.
Vom Januar 1946 bis April 1948 befand sich in Blankenese auf dem Besitz der Familie Warburg am Kösterberg das Warburg Children Health Home. Es war deutschlandweit eines von über zwei Dutzend Children’s Centers und diente in Hamburg jüdischen Waisenkindern, die den Holocaust überlebt hatten. Sie stammten zumeist aus Ungarn und Polen und siedelten anschließend nach Palästina über.Ina Lorenz: Ein Heim für jüdische Waisen. AJDC Warburg Children Health Home Blankenese. In: Marion Kaplan, Beate Meyer (Hrsg.): Jüdische Welten. Juden in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart (= Hamburger Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden. Bd. 27). Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-888-4, S. 336–358.
Die Geschichte des Heims ist eng verbunden mit Erik Warburg und dessen Cousine Eva Warburg-Unger. Der als US-amerikanischer Offizier nach Hamburg zurückgekehrte Eric sorgte dafür, dass zwei Villen der Familie Warburg für das Kinderheim zur Verfügung gestellt werden konnten, seine Cousine arbeitete dort als Betreuerin. Im Weißen sowie im Roten Haus, den beiden Villen, erfuhren die aus dem KZ befreiten Kinder „Zuwendung und Wärme. Ihre Erzieher und Erzieherinnen umarmten sie, küßten sie, kämmten ihnen ihre Haare, umhegten und versorgten die verängstigten Kinder. Die meisten von ihnen haben diese Zärtlichkeit nie vergessen. In Israel gründeten sie einen Verein und hielten immer Kontakt zu Eva Warburg-Unger, der Cousine von Eric Warburg, die sie betreute und heute in Israel lebt.“Gabriela Fenyes: Noch einmal mit Gefühl. „Kinder von Blankenese“ treffen sich.
Die Bedeutung des Heims für die jüdischen Kinder, denen Blankenese zur bleibenden Erinnerung wurde, kontrastiert stark damit, dass die Blankeneser Bevölkerung davon das Wenigste wusste und weiß.Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese (Hrsg.): Kirschen auf der Elbe. Erinnerungen an das jüdische Kinderheim Blankenese 1946–1948. Vorwort: Martin Schmidt. Verlag Klaus Schümann, Hamburg 2006, ISBN 3-9810907-5-6; vgl. auch: Martin Schmidt zur Eröffnung der Ausstellung „Viermal Leben – Jüdisches Schicksal in Blankenese“ (PDF; 75 kB). Das Schicksal der Kinder von Blankenese während des Zweiten Weltkrieges ist Gegenstand eines deutschen TV-Dokudramas aus dem Jahr 2010.
Bevölkerung (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023)
Anteil der unter 18-Jährigen: 18,1 % (Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (Dezember 2023)) Anteil der über 64-Jährigen: 27,4 % (Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (Dezember 2023)) Ausländeranteil: 9,2 % (Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (Dezember 2023)) Arbeitslosenquote: 2,4 % (Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (Dezember 2023))
Blankenese zählt zu den reichsten Hamburger Stadtteilen. Das durchschnittliche Einkommen beträgt hier 130.298 Euro jährlich (2020) und ist somit knapp dreimal so hoch wie der Hamburger Gesamtdurchschnitt (48.035 Euro).
Politik Für die Wahl zur Bürgerschaft gehört Blankenese zum Wahlkreis Blankenese. In dem bürgerlich geprägten Stadtteil wurde die SPD 2011 erstmals stärkste Partei.
Wahlergebnisse CDUSPDGrüneFDPLinkeAfDÜbrigeBürgerschaftswahl 202537,9 %26,5 %16,4 %5,6 %4,7 %4,5 %4,4 %Bürgerschaftswahl 202016,7 %35,3 %25,1 %11,2 %4,2 %4,0 %3,5 %Bürgerschaftswahl 201520,4 %35,9 %12,4 %19,6 %3,6 %5,5 %2,6 %Bürgerschaftswahl 201129,0 %36,4 %10,5 %18,2 %2,6 % –3,3 %Bürgerschaftswahl 200857,4 %20,8 %9,3 %9,1 %2,4 % –0,9 %Bürgerschaftswahl 200463,7 %16,7 %11,7 %5,2 % – –2,7 %Bürgerschaftswahl 200136,9 %22,4 %8,7 %15,1 %0,1 % –16,8 %Bürgerschaftswahl 199745,8 %21,2 %12,5 %9,0 %0,3 % –11,2 %Bürgerschaftswahl 199338,3 %23,1 %15,3 %9,0 % – –14,3 %Bürgerschaftswahl 199151,4 %26,5 %7,9 %12,3 %0,3 % –1,6 %Bürgerschaftswahl 198752,9 %26,6 %6,5 %13,5 % – –0,5 %Bürgerschaftswahl 198655,2 %22,7 %9,8 %11,7 % – –0,6 %Bürgerschaftswahl Dez. 198258,0 %27,6 %6,9 %7,2 % – –0,3 %Bürgerschaftswahl Juni 198262,0 %22,1 %8,4 %6,5 % – –1,0 %Bürgerschaftswahl 197857,9 %26,9 %4,8 %7,7 % – –2,7 %Bürgerschaftswahl 197459,9 %22,0 % –15,0 % – –3,1 %Bürgerschaftswahl 197049,5 %32,4 % –13,2 % – –4,9 %Bürgerschaftswahl 196647,8 %34,9 % –11,6 % – –5,7 %
Bei Bezirksversammlungswahlen gehört der Stadtteil zum Wahlkreis Blankenese / Rissen / Sülldorf. Bei Bundestagswahlen zählt Blankenese zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Altona.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Süllbergstreppe Das Treppenviertel Sehenswert ist das Treppenviertel, das früher den Dorfkern des alten Blankenese bildete. Dieser Ortsteil liegt am steilen Elbhang; verwinkelte Treppen und schmale Gassen führen mit vielen Varianten von der Straße beim Goßlers Park oben Am Kiekeberg hinab zur Straße Strandweg unten an der Elbe, wo auch der Schiffsanleger, der sogenannte Bull’n, zu finden ist. Unter den Treppen finden sich Charitas-Bischoff-Treppe, Lesemanns Treppe und die lange Strandtreppe mit 170 Stufen. Der begleitende, meist eng zusammenstehende Gebäudebestand ist durch kleinmaßstäbliche, teilweise mit Reet gedeckte Häuser gekennzeichnet.
Traditionen mini|Drei Osterfeuer