mini|hochkant=1.7|Älteste gedruckte Ansicht Nürnbergs in der Schedelschen Weltchronik, 1493 Die Geschichte der Stadt Nürnberg reicht von der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt im Jahr 1050 und ihrer ersten Blütezeit als Reichsstadt und Hauptort eines größeren Territoriums des Heiligen Römischen Reichs über die Eingliederung ins Königreich Bayern 1806 und den Aufstieg als Industriestadt im 19. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus und in die Gegenwart.
Unter den Staufern und Luxemburgern entwickelte sich Nürnberg im Mittelalter zu einer der wichtigen Reichsstädte. Dank ihres blühenden Fernhandels und Handwerks wurde die Stadt im 15. und 16. Jahrhundert eines der bedeutendsten kulturellen Zentren der Renaissance nördlich der Alpen sowie des Humanismus und der Reformation. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) verlagerten sich die politischen Gewichte im Reich, so dass Nürnberg seine herausragende Stellung einbüßte. Die Stadt und ihr reichsunmittelbares Territorium blieben aber bis zum Ende des Alten Reichs weiter selbstständig und profitierten von Handel und Handwerk. In der Rheinbundakte wurde Nürnberg 1806 dem neugegründeten Königreich Bayern zugeschlagen. Im 19. Jahrhundert erlebte seine Wirtschaft dank der Industrialisierung einen starken Aufschwung. Zugleich sahen in dieser Zeit Anhänger der Romantik und des Historismus im spätmittelalterlichen Stadtbild ihr Ideal verwirklicht.
Seit 1927 fanden in Nürnberg die Reichsparteitage der NSDAP statt. Die Nationalsozialisten nutzten den Mythos der Stadt für ihre propagandistischen Zwecke. Auf dem fast 17 km² großen Reichsparteitagsgelände im Südosten Nürnbergs ließen sie einige Kolossalbauten errichten. Im Zweiten Weltkrieg flogen die Alliierten zahlreiche Luftangriffe auf Nürnberg und beschädigten Teile der Stadt schwer.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Nürnberg als Ort der Kriegsverbrecherprozesse der Alliierten ausgewählt, teils aus pragmatischen, teils wiederum aus symbolischen Gründen. Beim Wiederaufbau hielt man an den gewachsenen Strukturen fest. Die Wirtschafts- und Infrastruktur wurde weiter ausgebaut und trug zum Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit bei.
Heute zählt Nürnberg zu den wichtigen Großstädten Deutschlands und stellt das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Frankens dar.
mini|hochkant=1.7|Die Anfänge Nürnbergs liegen auf dem Burgberg rund um die Kaiserburg
Spuren früher Besiedlungen im Raum Nürnberg mini|hochkant|Südöstlich von Nürnberg gefundener Goldhut von Ezelsdorf/Buch aus der Bronzezeit, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Der bedeutende Goldhut von Ezelsdorf/Buch und ein Schatzfund im heutigen Mögeldorf belegen eine frühe Besiedlung des Nürnberger Raums bereits in der Bronzezeit. Die Bevölkerung am Ende der Bronzezeit wird im Nürnberger Raum der Urnenfelderkultur zugeschrieben. Aus dieser gehen die Kelten hervor, die um 400 v. Chr. das erste Mal in schriftlichen Quellen genannt werden. Etwa 100 v. Chr. werden diese von germanischen Stämmen, etwa den Markomannen verdrängt. Rund 50 km vom Limes entfernt lag das heutige Stadtgebiet Nürnbergs im grenznahen Einflussgebiet des Römischen Reiches. Das Areal war bewaldet, doch der durch Auswaschung des Keuperfels entstandene sandreiche Boden war für eine damalige landwirtschaftliche Nutzung nur wenig geeignet. Daher ist eine frühe Besiedlung unterhalb des Burgbergs unwahrscheinlich.
Bei Ausgrabungen im Jahr 2015 wurden erste slawische SiedlungsspurenArchäologische Funde: Nürnberg wird älter, Webseite der IHK Nürnberg, abgerufen am 20. Juli 2021 (PDF, 11. März 2015) in der Nähe des heutigen Hauptmarktes um das Jahr 850 datiert.
mini|hochkant|links|Herzogtum Franken um 800, Karte von 1895 Im Frühen Mittelalter wird die 30 km vom heutigen Nürnberg entfernte Pfalz Forchheim im Diedenhofener Kapitular erstmals erwähnt und gewinnt mit Karl dem Großen schnell an Bedeutung.Regesta Imperii I, Nr. 413 Dieser plante im Gebiet südlich der späteren Stadt Nürnberg eine Wasserwegverbindung zwischen Main und Donau, die Fossa Carolina.
Das Gründungsjahr der Stadt ist unsicher, sie könnte zwischen 1000 und 1040 im Zuge der Sicherung des zentral im Reich gelegenen Grenzlands zwischen Sachsen, Bayern, Ostfranken und Böhmen am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege erfolgt sein. Im Jahr 1007 wird die Nachbarstadt Fürth erstmals erwähnt und von Heinrich II. an das neugegründete Bistum Bamberg geschenkt.RI II n. 1658 In den Jahren 1025 und 1030 wird Mögeldorf als Ausstellungsort von Urkunden Konrads II. bei dessen Durchreise erwähnt.Regesta Imerii III, 1 Nr. 30 sowie Regesta Imperii III, 1 Nr. 159 Es lassen sich heute mehrere frühe Siedlungszentren der späteren Stadt Nürnberg ausmachen. Dazu gehören vermutlich zwei Königshöfe um St. Egidien und St. Jakob sowie das Areal zwischen Sebalduskirche und Burg. Neuere archäologische Grabungen lassen sogar auf einen Wehrbau aus dem 9. oder 10. Jahrhundert auf dem Burgberg schließen.Birgit Friedel: Die Nürnberger Burg. Geschichte, Baugeschichte und Archäologie. Imhof-Verlag, Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-036-5. (Rezension, online) Bei archäologischen Ausgrabungen im Innenhof der heutigen Kaiserburg fand man 2 Meter dicke Mauerreste eines Bergfrieds, der kurz vor das Jahr 1000 datiert, sowie in tieferen Schichten auch vorsalische Baureste. Der Bergfried als Vorgängerbau der Nürnberger Burg gehörte wahrscheinlich zum Besitz der Markgrafen von Schweinfurt und wurde 1003 in der Auseinandersetzung mit Heinrich II. zerstört.Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg Bd. 52. 1963/64, S. 449.
Anfänge der Stadt unter dem Schutz der Salier In den schriftlichen Quellen wird die Stadt erstmals am 16. Juli 1050 als Norenberc in der „Sigena-Urkunde“ Kaiser Heinrichs III. aus der Familie der Salier greifbar. In dieser anlässlich eines Hoftages ausgestellten Urkunde wird einer Leibeigenen namens Sigena aus Norenberc die Freilassung gewährt.Urkunde 253 in Die Sigena-Urkunde gehört zur Gruppe der Freilassungsurkunden (Denarialdiplome), von denen nur fünf Stück erhalten sind. Heinrich III. protegierte die Siedlung am Nürnberg und verfolgte dabei wohl den Zweck, das unter seinem Vorgänger mächtig gewordene Bistum Bamberg zurückzudrängen. Das zuvor dem Bistum geschenkte Gebiet zwischen den Flüssen Schwabach und Pegnitz um den Nürnberg sowie einige andere nahe SiedlungenRI II n. 2003 wurden von ihm wieder der Krondomäne hinzugefügt. Außerdem übertrug er Markt-, Münz- und Zollrecht von der Nachbarstadt Fürth,RI III, 2, 3 n. 262 die damals zum Stift Bamberg gehörte, auf Nürnberg. Damit leitete er den Aufschwung der Stadt ein und verschaffte ihr im neugewonnenen Reichsgebiet eine wichtige Stellung. Privilegien lassen schon in dieser frühen Phase auf rege Handelstätigkeit schließen. Spätestens ab 1070 begann die Verehrung des Heiligen Sebaldus in Nürnberg, wie Erwähnungen in den Annalen aus Augsburg, Hersfeld und dem elsässischen Weißenburg belegen. Zahlreiche Wallfahrer zogen an sein Grab und trugen so zum wirtschaftlichen Aufblühen der Stadt bei.
Im Jahr 1105 war Nürnberg in die Auseinandersetzung zwischen Kaiser Heinrich IV. und seinem Sohn Heinrich V. geraten und als kaisertreue Stadt zerstört worden. Um das Reichsgut besser schützen zu können, ernannte der Kaiser in diesem Jahr den österreichischen Grafen Gottfried von Raabs zum Burggrafen von Nürnberg, der den offiziellen Titel „Castellan“ trug und als sein Stellvertreter fungierte. Gottfrieds Stammsitz war die Burg des niederösterreichischen Ortes Raabs an der Thaya. Es ist umstritten, ob vor der Ernennung zum Burggrafen irgendwelche Verbindungen zur Nürnberger Gegend existierten.
Aufstieg Nürnbergs unter den Staufern mini|links|hochkant|Heidenturm und die doppelgeschössige Kaiserkapelle wurden wohl noch zu Lebzeiten Kaiser Barbarossas fertiggestellt. Der Sinwellturm war der Bergfried der staufischen Anlage. Sein Dach wurde um 1560 umgestaltet.Dehio Franken, S. 751–753. mini|hochkant|Das Nassauer Haus ist ein Beispiel für ein wehrfähiges mittelalterliches Turmhaus, wie es sich wohl mehrfach in der Stadt im 12. Jahrhundert als Stadtsitz von Ministerialen fand. Es wurde im 15. Jahrhundert erhöht, da der Platz davor aufgeschüttet wurde, und im gotischen Stil umgebaut. Der ehemalige 1. Stock ist heute das Kellergeschoss.Naussauerhaus
Nach dem Tod Heinrichs V. geriet die Stadt in den Kronstreit zwischen Welfen und Staufern und wurde von Lothar III. nach einer zunächst vergeblichen BelagerungRI IV, 1, 1 n. 141 im Jahr 1130 eingenommen und geplündert,RI IV, 1, 1 n. 248 nachdem sie für die staufische Seite Partei ergriffen hatte. Lothar übergab die Stadt Heinrich dem Schwarzen von Bayern, dem er sie wohl für seine Unterstützung bei der Königswahl 1126 zugesagt hatte.RI IV, 1, 1 n. 115 Im Jahr 1138 nahm der staufische König Konrad III.Konrad III., RI IV, 1, 2 n. 111 Nürnberg wieder ein. Konrad hielt sich in den kommenden Jahren häufig und anscheinend auch längere Zeit in der Stadt auf, wie die Orts- und Datumsangaben der von ihm ausgestellten Urkunden belegen. Er festigte das königliche Gut und es begannen die Umbauarbeiten der bestehenden Wehranlage zur späteren Kaiserburg. Er übertrug dem Adelsgeschlecht der Raabser, die bislang das Amt des Kastellans der Burg bekleideten, die neugeschaffene Burggrafschaft Nürnberg. Zudem wurde jenseits der Pegnitz eine neue Siedlung angelegt, die später zum Lorenzer Stadtteil wurde. Noch heute zeigt die Lorenzer Altstadt in ihrer Bebauungsstruktur die planmäßige, langovale Anlage der damaligen Neustadt. Zur Wasserversorgung wurde der Fischbach aus dem Reichswald in die Lorenzer Stadt umgeleitet und durch die heutige Karolinenstraße geführt. Auch die Sebalder Siedlung erhielt wohl bereits zu dieser Zeit ihre erste Stadtbefestigung.
Friedrich Barbarossa setzte den unter seinem Vorgänger begonnenen Um- und Ausbau der Nürnberger Burg fort und erweiterte sie zur Kaiserpfalz. Als Pfalzstadt wurde Nürnberg vom Geleitgeld, Pfund- und Marktzoll befreit. Seit 1163 ist das Schultheißenamt belegt. Als 1188 das Geschlecht der Grafen von Sulzbach ausstarb, fiel ihr Lehen, das eisenerzreiche Gebiet der heutigen Oberpfalz, an die Krone zurück und wurde dem Reichsgut um Nürnberg zugeschlagen. Damit wurde die Grundlage für das aufblühende Schmiede- und Gusshandwerk der Stadt gelegt. Als mit Konrad II. 1192 auch das Nürnberger Burggrafengeschlecht der Raabser ausstarb, belehnte Heinrich VI. dessen Schwiegersohn aus dem bis dahin kaum in Erscheinung getretenen schwäbischen Geschlecht der Hohenzollern mit der Nürnberg Burggrafschaft. In Verbindung damit wurden die Befugnisse des Burggrafen eingeschränkt: Verwaltung und Gerichtsbarkeit für die Reichsstadt außerhalb der Burg wurden dem Reichsschultheißen übertragen, der ebenfalls als Stellvertreter des Kaisers fungierte. In der Folgezeit nahm die Selbstständigkeit der Stadt gegenüber dem Burggrafen zu. Schließlich gelang es dem Stadtrat, das Reichsschultheißamt zu kaufen und somit selbst die Stadtverwaltung zu übernehmen.
mini|Nürnberger Pfennig z. Zt. Friedrich II. (1212–50)