163px|Ismail Enver Pascha Die Jungtürken unter Ismail Enver übernehmen die Macht im Osmanischen Reich. 177px|Grenzveränderungen durch die Balkankriege Im Zweiten Balkankrieg wird das im Ersten Balkankrieg eroberte Gebiet neu aufgeteilt. 350px|Stadttaufe Canberras In Australien wird mit dem Bau von Canberra als neuer Hauptstadt begonnen. 1913 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1361/62 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1905/06 (10./11. September) Baha'i-Kalender 69/70 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1318/19 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2456/57 (südlicher Buddhismus); 2455/56 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Wasser-Büffels 癸丑 (seit 6. Februar, davor Wasser-Ratte 壬子) Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch’e 2 Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1275/76 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4246/47 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1291/92 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1331/32 (29./30. November) Japanischer Kalender Taishō 2 ();Kōki 2573 Jüdischer Kalender 5673/74 (1./2. Oktober) Koptischer Kalender 1629/30 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1088/89 Minguo-Kalender (China) Jahr 2 der Republik Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1328/29 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2223/24 (Jahreswechsel April) Syrien: 2224/25 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2455/56 (1. April) Tibetischer Kalender 1659 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1969/70 (April)

Das Jahr 1913 bringt weitere Krisen und Kriege auf dem Balkan. Nach dreimonatigem Waffenstillstand flackern die Kämpfe im Ersten Balkankrieg zwischen mehreren Balkanstaaten und dem Osmanischen Reich wieder auf. Der Krieg endet schließlich auf Vermittlung Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Russlands, Österreich-Ungarns und Italiens endgültig mit dem Londoner Vertrag. Das Osmanische Reich muss umfangreiche Gebietsverluste in Europa akzeptieren.

Wenige Wochen später beginnt der Zweite Balkankrieg zwischen den Siegern um die Aufteilung der Beute. Bulgarien, dem es im ersten Krieg gelungen ist, die als uneinnehmbar geltende Stadt Adrianopel zu erobern, greift in Überschätzung der eigenen Stärke die früheren Verbündeten Serbien und Griechenland an, sieht sich aber bald auch mit Rumänien als Gegner konfrontiert, das innerhalb weniger Tage bis in die Vororte von Sofia vordringt. Und auch das Osmanische Reich nutzt die Gelegenheit, kürzlich verlorene Gebiete inklusive Adrianopel zurückzugewinnen. Im Frieden von Bukarest muss Bulgarien praktisch alle gewonnenen Gebiete wieder abgeben, obwohl es im Vertrag von Konstantinopel mit russischer Unterstützung zumindest Zugang zur Ägäis erhält, was einen schwelenden Konflikt mit Griechenland hervorruft.

Österreich-Ungarn erlebt eine Krise in den Ländern der böhmischen Krone um den von der tschechischen Mehrheit geforderten Österreichisch-Tschechischen Ausgleich und den Spionageskandal um Oberst Alfred Redl, der noch schwere militärische Folgen haben wird.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Balkankriege

23. Januar: Im Osmanischen Reich übernehmen die Jungtürken durch einen Putsch die Macht. Sie unterbrechen eine Sitzung der Hohen Pforte, erschießen den Kriegsminister Nazım Pascha und setzen den Großwesir Kıbrıslı Kâmil Pascha ab. Mahmud Şevket Pascha wird vom Sultan zum neuen Großwesir, Außen- und Kriegsminister ernannt. 2. Februar: Nach einem knapp dreimonatigen Waffenstillstand beginnen im Ersten Balkankrieg neuerlich Kampfhandlungen zwischen Bulgarien und dem Osmanischen Reich.

mini|links|hochkant|Konstantin I. von Griechenland

18. März: Georg I., König von Griechenland, wird von Alexander Schinas in Thessaloniki ermordet. Nachfolger wird sein Sohn Konstantin I. Der Attentäter wird für unzurechnungsfähig erklärt und stirbt nach Folterungen durch die Polizei. 26. März: Bulgarische Truppen erobern nach viermonatiger Belagerung die als uneinnehmbar geltende Stadt Adrianopel, nachdem ihnen zwei serbische Divisionen zu Hilfe gekommen sind. Bei der Belagerung sind zum ersten Mal in der Geschichte Flugzeuge zur strategischen Bombardierung eingesetzt worden. 19. Mai: Serbien und Griechenland schließen ein gegen Bulgarien gerichtetes Verteidigungsbündnis.

mini|Unterzeichnung des Londoner Vertrags 30. Mai: Nachdem die Osmanen bereits am 1. Mai einen Waffenstillstand erreicht haben, endet der Erste Balkankrieg auf Vermittlung Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Russlands, Österreich-Ungarns und Italiens mit dem Londoner Vertrag. Vertragsschließende Staaten sind Serbien, Griechenland, Bulgarien und Montenegro auf der einen Seite und deren Kriegsgegner das Osmanische Reich auf der anderen Seite. Die Osmanen verzichten auf alle europäischen Gebiete westlich der Linie zwischen Midia am Schwarzen Meer und Enez an der Ägäisküste, die Insel Kreta vereinigt sich offiziell mit Griechenland. Die Unabhängigkeit Albaniens wird von den europäischen Mächten anerkannt und die ungefähren Grenzen des neuen Fürstentums festgelegt. Dabei können Russland und Italien als Verbündete Serbiens durchsetzen, dass ein großer Teil des albanischen Siedlungsgebietes dem serbischen Staat zugeschlagen wird, darunter der Kosovo. Für die Region Epirus kann jedoch keine Lösung gefunden werden, sie bleibt unter griechischer Besatzung und wird vom ehemaligen griechischen Außenminister Georgios Christakis-Zografos verwaltet, der als Generalgouverneur für Nordepirus bis Ende des Jahres im Amt bleibt.

mini|links|hochkant|Mahmud Şevket Pascha 11. Juni: Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen wird der osmanische Großwesir Mahmud Şevket Pascha bei einem Attentat ermordet. Ein informelles Triumvirat bestehend aus Enver Pascha, Cemal Pascha und Talât Pascha übernimmt die Macht im Reich. 29. Juni: Mit einer gleichzeitigen Offensive Bulgariens gegen Griechenland und Serbien beginnt der Zweite Balkankrieg. Die Verteidiger, die auf den Angriff vorbereitet sind, können die bulgarischen Einheiten zurückschlagen. 8. Juli: Serbien und Griechenland erklären Bulgarien den Krieg. 9. Juli: Rumänien erklärt Bulgarien den Krieg. Innerhalb weniger Tage erreicht die Armata Română ohne nennenswerten Widerstand die Vororte von Sofia. 11. Juli: Das Osmanische Reich erklärt Bulgarien den Krieg und kann in den nächsten Tagen Teile der im Ersten Balkankrieg verlorenen Gebiete wieder zurückgewinnen. Am 21. Juli wird Adrianopel zurückerobert. 25. Juli bis 31. Juli: Die serbische Armee scheitert bei der Belagerung der bulgarischen Stadt Widin.

mini|hochkant|Grenzen Bulgariens nach der Konferenz von London und dem Friedensvertrag von Bukarest 10. August: Der Friede von Bukarest besiegelt die Niederlage Bulgariens im Zweiten Balkankrieg. Der größte Teil der Region Makedonien, das sogenannte Ägäis-Makedonien, fällt an Griechenland, Serbien erhält das sogenannte Vardar-Mazedonien, der Süden der Dobrudscha geht an Rumänien und Ostthrakien mit Adrianopel zurück an das Osmanische Reich. 31. August/1. September: Die Republik Westthrakien wird ausgerufen. 29. September: Bulgarien und das Osmanische Reich schließen den Vertrag von Konstantinopel, den letzten der Bulgarischen Friedensverträge, in dem das Osmanische Reich die Oberhoheit Bulgariens über Westthrakien und damit dessen Ägäiszugang anerkennt. September: Der von den Bulgarischen Makedonien-Adrianopeler Revolutionären Komitees gemeinsam mit albanischen Revolutionären organisierte Ohrid-Debar-Aufstand gegen die serbischen Besatzer wird nach zwei Wochen von serbischen Einheiten niedergeschlagen. 19. Oktober: Bulgarische Truppen marschieren mit osmanischer Unterstützung in Westthrakien ein und beseitigen bis zum 29. Oktober die Republik. Dezember: Liman-von-Sanders-Krise

Deutsches Reich/Österreich-Ungarn/Italien

11. Januar: Gottlieb von Jagow wird von Kaiser Wilhelm II. als Nachfolger des verstorbenen Alfred von Kiderlen-Waechter als deutscher Außenminister eingesetzt. 18. April: Karl Liebknecht macht im Reichstag geheime Informationen öffentlich, die zum Kornwalzer-Skandal führen.

mini|Alfred Redl 25. Mai: Nach seiner Enttarnung als Spion für Russland erschießt sich der österreichische Generalstabsoffizier Alfred Redl. 30. Juni: Der deutsche Reichstag verabschiedet eine Wehrvorlage, die eine stufenweise Aufstockung des Heeres vorsieht. 26. Juli: Der aufgrund der Konfrontation zwischen Deutschsprachigen und Tschechen gelähmte böhmische Landtag wird durch kaiserliches Patent aufgelöst, der letzte Oberstlandesmarschall Ferdinand von Lobkowitz seines Amtes enthoben. Statt des bisherigen Landesausschusses wird eine vom Kaiser berufene Landesverwaltungskommission für Böhmen eingesetzt, die aus fünf tschechischen und drei deutschen Mitgliedern unter dem Vorsitz von Adalbert Graf Schönborn besteht. 29. Juli: In Österreich-Ungarn wird die Slowakische Volkspartei unter Leitung von Andrej Hlinka gegründet. 26. Oktober und 2. November: Im Königreich Italien werden zum ersten Mal Wahlen mit „Allgemeinem Wahlrecht“ ('suffragio universale') durchgeführt. Das am 25. Mai 1912 eingeführte Wahlgesetz gibt allen Männern über 21 Jahren, die lesen und schreiben können, und allen männlichen Analphabeten über 30 Jahren das Wahlrecht, das sind insgesamt 27 % der Bevölkerung. 1. November: Marinekonvention zwischen dem Deutschen Reich, Österreich-Ungarn und Italien. (Einheitliche Verwendung der Seestreitkräfte im Mittelmeer.) 5. November: Ludwig III. wird nach einer Verfassungsänderung zum König von Bayern ausgerufen. Das Land hat vorübergehend zwei Könige, denn sein geisteskranker Vorgänger Otto I. von Bayern bleibt ebenfalls nominell bis zu seinem Tod Herrscher.

mini|links|Militärpatrouille in den Straßen von Zabern Anfang Dezember 1913 6. November: Zabern-Affäre: Nach dem Bekanntwerden diskriminierender Äußerungen deutscher Offiziere gegenüber der Bevölkerung in der elsässischen Garnisonsstadt Zabern kommt es zu öffentlichen Protesten.

Frankreich

mini|hochkant|Raymond Poincaré 17. Januar: Raymond Poincaré wird gestützt auf ein Mitte-rechts-Bündnis zum französischen Präsidenten gewählt. Er tritt das Amt am 18. Februar an, nachdem er am 21. Januar das Amt des Ministerpräsidenten zurückgelegt hat, das von Aristide Briand interimistisch übernommen wird. 22. März: Louis Barthou wird neuer französischer Ministerpräsident. Seine Regierung besteht hauptsächlich aus Vertretern der Parti républicain démocratique (der späteren Alliance démocratique, der er selbst angehörte) und der linksliberalen Parti radical-socialiste. 7. August: Die Wehrpflicht in Frankreich wird auf drei Jahre verlängert. 9. Dezember: Der Radikalsozialist Gaston Doumergue wird neuer Ministerpräsident.

Großbritannien und Irland

3. April: Die Suffragette Emmeline Pankhurst wird wegen eines Bombenanschlags auf das Landhaus des britischen Schatzkanzlers David Lloyd George zu drei Jahren Haft verurteilt. 25. April: Nachdem die brutale Zwangsernährung hungerstreikender inhaftierter Suffragetten der Women’s Social and Political Union (WSPU) zu einem öffentlichen Aufschrei geführt hat, beschließt das britische Parlament den Prisoners (Temporary Discharge for Ill Health) Act 1913, der bald als Cat and Mouse Act bekannt wird. Das Gesetz ermöglicht die Freilassung der Gefangenen, damit sie sich von den Folgen eines Hungerstreiks erholen können, während die Polizei die Möglichkeit hat, die Frauen nach ihrer Genesung wieder inhaftieren zu lassen. Das Gesetz, dass der sinkenden Unterstützung durch die männliche Wählerschaft entgegenwirken soll, erweist sich bald als kontraproduktiv.

mini|Davison beim Zusammenstoß mit dem Rennpferd des Königs 4. Juni: Beim Galopprennen in Epsom läuft die englische Suffragette Emily Davison auf die Rennbahn, vermutlich um für das Frauenwahlrecht zu demonstrieren. Sie stößt mit dem Pferd König George V. zusammen und erleidet dabei so schwere Kopfverletzungen, dass sie vier Tage später daran stirbt.