zentriert|350px|Proklamation der Portugiesischen Republik, Plakat von 1910 Nach dem Sturz von König Manuel II.wird in Portugal die Erste Republik proklamiert. zentriert|170px|Francisco Ignacio Madero Francisco Madero ruft die Mexikanische Revolutiongegen PräsidentPorfirio Díaz aus. zentriert|170px|George V. George V.wird König vonGroßbritannienund Kaiser von Indien. 1910 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1358/59 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1902/03 (Jahreswechsel 10./11. September) Baha'i-Kalender 66/67 (Jahreswechsel 20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1315/16 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2453/54 (südlicher Buddhismus); 2452/53 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Metall-Hundes 庚戌 (seit 10. Februar, davor Erde-Hahn 己酉) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1272/73 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4243/44 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1288/89 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1327/28 (12./13. Januar) Japanischer Kalender Meiji 43 ();Kōki 2570 Jüdischer Kalender 5670/71 (3./4. Oktober) Koptischer Kalender 1626/27 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1085/86 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1325/26 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2220/21 (Jahreswechsel April) Syrien: 2221/22 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2452/53 (1. April) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1966/67 (Jahreswechsel April)

Das herausragende Ereignis des Jahres 1910 ist der Sturz der Monarchie in Portugal. Der letzte König Manuel II. muss das Land verlassen. Der neu gegründeten Ersten Republik gelingt es jedoch in den nächsten Jahren nicht, Stabilität zu erlangen.

Auch in Mexiko bricht unter der Führung von Francisco Madero eine Revolution gegen den Langzeitpräsidenten Porfirio Díaz aus und in mehreren Kolonien Afrikas, Asiens und Ozeaniens gibt es Aufstände gegen die Kolonialherren aus Europa.

mini|links|hochkant|Britische Suffragette um 1910

Selbst das sonst sehr stabile Großbritannien erlebt unruhige Zeiten: Wegen des Sozialprogramms der liberalen Regierung unter Premierminister Herbert Henry Asquith und Finanzminister David Lloyd George kommt es zu einem Machtkampf zwischen den beiden Häusern des Parlaments, König Edward VII. stirbt und wird von seinem Sohn George V. beerbt, Suffragetten fordern immer vehementer das Frauenwahlrecht ein und im November kommt es zum Tonypandy-Aufstand von Bergarbeitern in Wales.

Mit einem Telegramm von Roald Amundsen an Robert Falcon Scott beginnt der „Wettlauf zum Südpol“ zwischen der britischen Terra-Nova-Expedition unter Scotts Führung und der norwegischen Fram-Expedition unter der Leitung von Amundsen. Und auch eine japanische Expedition unter der Leitung von Shirase Nobu bricht während dieses „Goldenen Zeitalters der Antarktis-Forschung“ in antarktische Gewässer auf.

Kulturelle Höhepunkte des Jahres sind die Uraufführung einer späten Oper von Jules Massenet, Don Quichotte, in Monte Carlo nach dem gleichnamigen Roman von Miguel de Cervantes und Igor Strawinskys erster Erfolg, das Ballett Der Feuervogel, aufgeführt von Sergei Pawlowitsch Djagilews Ballets Russes in Paris.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Deutsches Reich

6. März: In Berlin schließen sich die Freisinnige Volkspartei, die Freisinnige Vereinigung und die Deutsche Volkspartei (DVP) zur Fortschrittlichen Volkspartei zusammen. 13. September: In Danzig plädiert der Deutsche Juristentag gegen die Abschaffung der Todesstrafe. Demonstration gegen das Dreiklassenwahlrecht in Berlin Wyk auf der Nordseeinsel Föhr erhält die Stadtrechte

Schweiz

1. Januar: Der Freisinnige Robert Comtesse wird zum zweiten Mal Bundespräsident der Schweiz.

mini|links|hochkant|Plakat, welches das Absinthverbot in der Schweiz kritisiert, um 1910 7. Oktober: Auf Basis einer Volksinitiative aus dem Jahr 1908 wird in der Schweiz der Absinth verboten. Vor allem das Val de Travers leidet unter dem Verbot, vielfach wird die Destillation illegal fortgeführt. Das französische Unternehmen Pernod verlagert seine Produktion nach Spanien.

Russland/Großfürstentum Finnland

1./2. Februar: Bei der Parlamentswahl in Finnland 1910 gewinnen die Sozialdemokraten neuerlich Stimmen und Mandate dazu und werden wie bei der Wahl 1909 stärkste Partei im Einkammerparlament in Helsinki. 2. Juni: Die russische Duma beschließt die Aufhebung der Autonomie Finnlands.

Balkan

17. Februar: Nachwirkungen der Bosnische Annexionskrise: Österreich-Ungarn gibt dem annektierten Bosnien und Herzegowina eine Verfassung (Landesstatut). Darin ist eine Landesregierung mit Landeschef und ein Landtag vorgesehen.

28. August: Anlässlich seines 50. Regierungsjubiläums wandelt Fürst Nikola das bisherige Fürstentum Montenegro in ein Königreich um und lässt sich zum König krönen.

Osmanisches Reich

10. Januar: Sultan Mehmed V. ernennt İbrahim Hakkı Pascha zum Großwesir des seit dem Vorjahr von den Jungtürken dominierten Osmanischen Reiches. Er löst damit Hüseyin Hilmi Pascha in diesem Amt ab. Frühjahr: Von Priština ausgehend beginnt ein Aufstand der Albaner im Kosovo gegen das Osmanische Reich, der sich auch auf das Gebiet des heutigen Albanien ausdehnt und über ein Jahr dauert.

Großbritannien

mini|links|hochkant|David Lloyd George Januar/Februar: Nachdem der „Volks-Haushalt“ von Finanzminister David Lloyd George vom britischen Oberhaus zu Fall gebracht worden ist, finden Wahlen statt, bei denen die Konservativen gestärkt werden. Die liberale Regierung unter Premierminister Herbert Henry Asquith kann sich nur mit Unterstützung der Labour Party und der irischen Nationalisten an der Macht halten. 6. Mai: Der britische König und Kaiser von Indien Edward VII., ein lebenslanger exzessiver Zigarrenraucher, stirbt an einem akuten Schub einer chronisch gewordenen Bronchitis im Buckingham Palace, ausgebrochen nach einer Erkältung, die er sich bei einem Spaziergang auf Sandringham zugezogen hatte. Sein 44-jähriger Sohn George V. folgt ihm auf den britischen Thron. 1. November: Der Tonypandy-Aufstand von Bergarbeitern in Wales beginnt. Er wird bis zum 8. November mit Zustimmung von Innenminister Winston Churchill niedergeschlagen.

18. November: Bei einer von der Women’s Social and Political Union organisierten Suffragettendemonstration für das Frauenwahlrecht kommt es nach einer Rede von Premierminister Herbert Henry Asquith zu blutigen Auseinandersetzungen. Achtzig Frauen werden in der Folge verhaftet. Der Tag erhält später den Namen Schwarzer Freitag wegen der (teilweise sexuellen) Gewalt, die von der Londoner Polizei und von männlichen Zuschauern gegen die Demonstrantinnen verübt wird. Dezember: Wahlen, bei denen das Ergebnis vom Januar bestätigt wird.

Das Ende der Monarchie in Portugal

mini|links|hochkant|Manuel II., der letzte König Portugals Zwei Jahre nach der Ermordung seines Vaters Karl I. und seines Bruders Ludwig Philipp ist es dem jungen König Manuel II. aus dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha trotz seiner Politik der Beruhigung, im Zuge derer die meisten autoritären Maßnahmen seines Vorgängers zurückgenommen worden sind, nicht gelungen, die unbeliebte Monarchie in Portugal zu stabilisieren. Regierungen wechseln einander in rascher Folge ab. Der erst am 22. Dezember des Vorjahres vereidigte Ministerpräsident Francisco António da Veiga Beirão stürzt bereits am 26. Juni über einen Skandal bei der Bank Credito Predial, in den mehrere Mitglieder seiner Regierung verwickelt sind. Nachfolger wird der bisherige Innenminister António Teixeira de Sousa.

mini|hochkant|Teófilo Braga Bei den Parlamentswahlen am 28. August erringt der republikanische Partido Republicano Português (PRP), der seit Anfang des Jahres für eine Abschaffung der Monarchie auch mit Waffengewalt eintritt, einen historischen Erfolg. Unter anderem werden Teófilo Braga und Miguel Bombarda in die Cortes gewählt.

Bombarda, Psychiater und Vordenker der republikanischen Bewegung, wird am 3. Oktober von einem psychisch kranken ehemaligen Patienten ermordet. Die Gewalttat hat vermutlich keinen politischen Hintergrund, trotzdem führt sie in der gleichen Nacht zu Aufständen gegen König Manuel II. und die portugiesische Monarchie.

Zwei Tage später wird die erste Portugiesische Republik proklamiert. König Manuel II., der bereits am Vortag vom Militär zur Flucht aus Lissabon gezwungen worden ist, verlässt das Land und erreicht am 17. Oktober sein Exil in England. Teófilo Braga wird erster Präsident einer provisorischen Regierung des Landes. Der bekannte Schriftsteller und Intellektuelle versucht, eine überparteiliche Regierung zu bilden.

Die neue Regierung ist strikt antiklerikal und laizistisch und beginnt mit einer radikalen Trennung von Staat und Kirche. Sämtliche Jesuitenkloster werden aufgelöst, die Gefängnisse in Lissabon füllen sich mit katholischen Priestern und Ordensbrüdern. Der Religionsunterricht wird verboten, ebenso alle religiösen Bezüge bei Staatsakten, die Adelstitel werden aufgehoben. Der apostolische Nuntius verlässt unter Protest Lissabon. Das Tragen religiöser Habits in der Öffentlichkeit wird verboten, die Zivilehe und die Ehescheidung eingeführt. Die Republik ist trotz der anfänglichen Euphorie in den folgenden Jahren aber von einem großen Maß an politischer Instabilität gekennzeichnet.

Vereinigte Staaten von Amerika

21. Januar: Der US-Senat in Washington beschließt die Annexion von Spitzbergen. 25. Juni: In den Vereinigten Staaten tritt der Mann Act in Kraft. Dieses nach James Robert Mann benannte Gesetz verbietet es, Frauen oder Mädchen zur Prostitution oder für andere „unmoralische Zwecke“ von einem Bundesstaat in einen anderen zu bringen.

Lateinamerika

28. August: Die Asamblea Nacional Nicaraguas nimmt den Rücktritt des von den USA nicht anerkannten José Madriz entgegen und übergibt die Präsidentschaft an den Abgeordneten José Dolores Estrada Morales, dieser gibt sie innerhalb einer Stunde an seinen Bruder Juan José Estrada weiter. 27. Oktober: Im Zuge der US-Militärintervention werden in Nicaragua die Pactos Dawson unterzeichnet.

mini|links|hochkant|Mexikos Langzeitpräsident Porfirio Díaz 20. November: Die Mexikanische Revolution gegen Langzeitpräsident Porfirio Díaz beginnt unter der Führung von Francisco Madero sowie Emiliano Zapata und Pancho Villa. 22. November: Revolta da Chibata – Aufstand hauptsächlich schwarzer brasilianischer Seeleute gegen die Strafe des Auspeitschens durch hellhäutige Vorgesetzte 27. November: Die Revolta da Chibata endet in Rio de Janeiro nach fünftägigen Verhandlungen.

Asien und Ozeanien

mini|hochkant|Thubten Gyatso in Kalkutta 12. Februar: Chinesische Truppen erreichen die tibetische Hauptstadt Lhasa. Der Dalai Lama Thubten Gyatsho flieht nach Indien. 6. Februar bis Mitte Mai: Im Fürstenstaat Bastar kommt es zu Bhumkal, einem Aufstand gegen die britische Kolonialherrschaft in Britisch-Indien, nachdem der Raja Rudra Pratap Deo von den Briten im Vorjahr entmachtet worden ist. 20. Mai: Die Verschwörung Taigyaku Jiken wird aufgedeckt. 22. August: Das bisherige Protektorat Korea wird mit dem erzwungenen Japan-Korea-AnnexionsVertrag unter dem Namen Chōsen von Japan annektiert und als neue Provinz ins Reich eingegliedert. 18. Oktober: Der Aufstand der Sokehs auf Pohnpei, einer der Inseln der Karolinen in der ozeanischen Kolonie Deutsch-Neuguinea, beginnt. Er dauert bis 1911. 28. Oktober: Die offizielle Gründung Deganias, des ersten Kibbuz in Palästina, erfolgt durch eine Gruppe zionistischer Einwanderer aus Weißrussland. Das australische Parlament schafft die rechtlichen Grundlagen für das Federal Capital Territory, wo die zukünftige Planhauptstadt Canberra errichtet werden soll.

Afrika 20. Februar: Ermordung des ägyptischen Ministerpräsidenten Boutros Ghali