mini|Luftaufnahme des Ortsteils Dorum-Neufeld

Dorum ist eine Ortschaft in der Gemeinde Wurster Nordseeküste im niedersächsischen Landkreis Cuxhaven. Dorum trug früher die Bezeichnung Nordseebad.

Geografie Lage

Neben dem Hauptort Dorum existiert in sechs Kilometer Entfernung Dorum Altendeich und in sieben Kilometer Entfernung Dorum-Neufeld. Letztgenannter Ortsteil von Dorum liegt direkt an der Nordseeküste und hat einen Sielhafen. Im Lande Wursten stellt Dorum die Mitte dar und liegt zwischen der Geest und dem Nordseedeich.

Cuxhaven liegt 20 Kilometer nördlich und Bremerhaven 20 Kilometer südlich von Dorum.

Nachbarorte

(Quelle:)

Geschichte

Das Gebiet von Dorum wie das Land Wursten wurden seit dem 6. Jahrhundert von Friesen besiedelt, nachdem die Sachsen das Gebiet verlassen hatten.

Mittelalter und Frühe Neuzeit Es wurden erste besiedelte Warften errichtet, die dann bis ins Mittelalter zusammenwuchsen, so dass die zwei Dorfwurten Dorum und Alsum entstanden sowie die Siedlungs- und Hofwurten Altendeich, Blickhausen, Dorumer Tief, Feldsating, Helmenburg, Heuhausen, Knakenburg, Krähenburg, Marren, Neufeld, Oberhausen, Strich, Süderwarden, Themeln und Valge.

Im 11. Jahrhundert wurde der erste durchgehende Winterdeich mit dem Namen Niederstrich errichtet. Von 1238 an zählte Dorum zur alten freien Wurster Bauernrepublik, die von 16 Ratgebern beherrscht wurde. Bei Streitfragen wurde das Dorumer Landgericht angerufen.

Die ältesten Bauteile der auf dem Marktplatz befindlichen St.-Urbanus-Kirche reichen auf das 13. Jahrhundert zurück. 1312 wurde Dorum erstmals urkundlich als „Dornem“ erwähnt. Der Bremer Erzbischof Christoph von Braunschweig-Wolfenbüttel besiegte 1517 die Wurster am Wremer Tief und 1524 auf dem Mulsumer Friedhof, sodass fortan auch Dorums Bestandteil der freien Wurster Bauernrepublik unterging und dem Erzbistum Bremen unterstellt wurde. 1534 ist Dorum evangelisch geworden. Seit dem 17. Jahrhundert trägt Dorum den heutigen Namen. Der Bremer Erzbischof Johann Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf gestattet 1601, dass im Ort eine Lateinschule gegründet wird. 1619 wurde der Bau des damals 3,60 Meter hohen Seedeichs abgeschlossen, der jedoch in den Folgejahren immer von Sturmfluten beschädigt wurde.

Die Schweden herrschten eine Zeit über Dorum, wovon auch heute noch Schwedentafeln in der St.-Urbanus-Kirche zeugen. Sie stationierten ihre Steuereintreiber im Ort. Nachdem Dorum bis 1715 unter schwedischer Herrschaft stand, wurde es 1717 Teil vom Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Am 16. Juli 1757 zerstörte ein Großfeuer innerhalb von zwei Stunden nahezu den gesamten Ort. Es brannten etwa 200 Häuser nieder. Dies überstanden unbeschadet nur neun Häuser, das Armenhaus und die Kirche ohne Turmspitze. Unter den damaligen Flüchtlingen war auch der spätere bekannte Lilienthaler Pastor Johann Wilhelm Hönert.

19., 20. und 21. Jahrhundert 1805 wurde Dorum von den Franzosen besetzt gehalten. Der König von Westfalen Jérôme Bonaparte stattet in dieser Zeit dem Ort einen Besuch ab. In der Zeit der französischen Besetzung leistete der Dorumer Rektor Johann Georg Repsold Widerstand. Mit dem Wiener Kongress wurde Dorum ab 1815 Teil des Königreichs Hannover. 1852 wurde das Amtsgericht Dorum gebildet. 1854 wurde aus der einstigen Lateinschule eine eigenständige Rektorenschule. Ab 1866 gehörte Dorum zu Preußen.

Dorum erhielt 1921 Strom und 1936 mit dem Bau einer 6,5 Kilometer langen Wasserleitung eine Wasserversorgung. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war das Ortswesen ländlich durch eine Vielzahl an Bauernhöfen und Dorfläden gekennzeichnet. Daran hat sich in der Weimarer Republik und im Dritten Reich wenig geändert.

NS-Zeit Dorum gehörte ab 1932 zum Landkreis Wesermünde, vorher gehörte es zum Kreis Lehe. Das Amt Dorum liegt auf dem Gebiet der am 1. Januar 2015 gegründeten Einheitsgemeinde Wurster Nordseeküste. Die Verwaltung der neuen Gemeinde befindet sich teils in Dorum, teils in Nordholz. Nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 fand in Dorum am Sonnabendabend (3. Februar 1933) im „Landeshaus“ eine gut besuchte Kundgebung der Hitlerjugend statt. Der Hitlerjugendführer Döscher (Cuxhaven) erläuterte den Gedanken der Hitlerjugend. Am Sonntagmorgen marschierte ein Teil der Bremerhavener SA, der Cuxhavener SS, der Wurster SA und der HJ Cuxhaven nach voraufgegangenem Kirchgang durch den Ort. Bei der Kreistagswahl am 12. März 1933 im Landkreis Wesermünde erzielte die NSDAP in Dorum mit 34,2 % der Stimmen die Stimmenmehrheit, weitabgeschlagen folgte die SPD auf dem zweiten Platz mit 26,8 %. Ebenso bei der Provinzallandtagswahl 1933. Die lokale SPD stand in ihrer Auseinandersetzung mit der NSDAP, die sie auf dem politischen und propagandistischen Sektor geführt hatte, allein. Die KPD war nicht wie die SPD bereit, die parlamentarische Republik zu verteidigen, und die bürgerlichen Parteien dachten schließlich nur an die 'ordnungsgemäße' Weiterführung der Verwaltung.Die "Machtergreifung" der Nationalsozialisten in Lunestedt (damals Westerbeverstedt und Freschluneberg) und der Unterweser-Region; aufgerufen: 14. April 2024

Nach der Machtergreifung wurde auch bei der Dorumer Feuerwehr das Führerprinzip eingeführt. Das gesamte Feuerwehrwesen wurde dem Chef der Deutschen Polizei unterstellt. Während der Kriegsjahre versahen Frauen und ältere Schüler den Feuerlöschdienst. 05.09.2022 – 140 Jahre Feuerwehr Dorum. Abgerufen am 14. April 2024. Während des Krieges hatte die NSDAP im Kreis Wesermünde nicht nur die politische Arbeit im engeren Sinne übernommen, sondern auch die Organisation des Luftschutzes. Beauftragter der Partei war Kreishauptstellenleiter Hortung. 1944 kam noch die Organisation des Volkssturms dazu.Herbert Schwarzwälder: „Das Ende an der Unterweser: Brmerhaven (Wesermünde) und Umgebung am Kriegsende, 1945“. Hrsg.: Burchard Scheper, Stadtarchiv Bremerhaven, Band 1, 177 S.; hier S. 41

Auch in Dorum wurden im Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter oft unter unmenschlichen Bedingungen eingesetzt, meist in der Landwirtschaft oder im Straßen- und Deichbau. So verstarb zum Beispiel Jan Schaposchnikow aus Dorum nach 11 Wochen im Zwangsarbeitslager am 8. Oktober 1944 an „Herzschwäche“, andere an „Lebensmüdigkeit“ usw.Hans-Jürgen Kahle: "Verschleppt nach Cuxhaven: eine Dokumentation über das Schicksal der ausländischen Arbeiter und Kriegsgefangenen in Cuxhaven, im Kreis Land Hadeln und dem Landkreis Wesermünde während der Zeit des Nationalsozialismus." Wilhelm-Heidsiek-Verlag, 1995, 165 Seiten; hier: S. 96 Im Zweiten Weltkrieg gingen auf Dorum Bomben und Tieffliegerangriffe nieder, die jedoch den Ort nicht zerstörten.

Nachkriegszeit Das Ortsbild hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Ausweisung von Baugebieten mit dem Vorhandensein junger Familien und einem günstigen Preisniveau für Bauland wesentlich verändert. Jetzt überwiegt der Bestand von Einfamilienhäusern und Einzelhandelsketten. Bei der Ortsentwicklung wurden teilweise vorhandene historische Gebäude durch Neubauten ersetzt. Am Standort des Franzosenhauses wurde der Parkplatz der Kreissparkasse geschaffen und auf dem Gelände des früher existierenden Ringsche Hof wurde ein Einkaufszentrum errichtet.

Am 1. Januar 2011 verlor Dorum den Status Nordseebad.

Herkunft des Ortsnamens Erstmals wurde der Name „Dorum“ 1312 urkundlich erwähnt. Bevor der Ortsname endgültig zu „Dorum“ geworden ist, hieß der Ort „Dornem“ oder auch „Thornum“. „Dorn“-„hem“ gehört zu friesisch (und niederdeutsch) „thorn, dorn“ und bedeutet wahrscheinlich „Dornen“-„Siedlung“. Andere Formen waren „Dornum“, „Dhornem“ und „Dorumb“ und hat den heutigen Namen Dorum im 17. Jahrhundert erhalten.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, schlossen sich die Gemeinden Dorum, Mulsum, Midlum, Padingbüttel, Cappel, Misselwarden und Wremen zur Samtgemeinde Land Wursten zusammen.

Zum 1. Januar 2015 bildeten die Samtgemeinde Land Wursten und die Gemeinde Nordholz die neue Gemeinde Wurster Nordseeküste im Landkreis Cuxhaven.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1885 1774 1910 1974 1933 2179 1939 2307 1950 3699 1956 3098 1961 2923 1970 2760 1973 2762 1975 2636 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1980 2489 ¹ 1985 2461 ¹ 1990 2605 ¹ 1995 2756 ¹ 2000 3344 ¹ 2005 3595 ¹ 2010 3654 ¹ 2014 3837 ¹ 2017 3588 ¹ jeweils zum 31. Dezember

Politik

Ortsrat Der Ortsrat von Dorum setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026. Aus den Ergebnissen der vergangenen Ortsratswahlen ergaben sich folgende Sitzverteilungen: WahljahrCDUSPDGrüneGesamt20212215 Sitze201632 –5 Sitze Ortsbürgermeister mini|Rathaus Die Ortsbürgermeisterin von Dorum ist Hanna Bohne (CDU). Ihr Stellvertreter ist Wilfried Grotheer (SPD).

Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Dorum stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der zahlreiche Wappen im Landkreis Cuxhaven erschaffen hat.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Deichmuseum Das Deichmuseum Land Wursten veranschaulicht die Auseinandersetzung des Menschen mit dem Meer, die seit jeher im Mittelpunkt des Lebens der norddeutschen Küstenbewohner steht. In diesem Museum wurde erstmals die Entwicklung des Küstenschutzes von der Steinzeit bis in die Gegenwart dargestellt. Das ehemalige Deichmuseum Dorum hieß später Niedersächsisches Deichmuseum, bis es seinen heutigen Namen bekam. Das Deichmuseum Land Wursten ist von Mai bis Oktober für Besucher geöffnet.

Bauwerke

Kirche mini|St.-Urbanus-Kirche Die St.-Urbanus-Kirche gehört mit den Gotteshäusern in Wremen und Imsum zu den Hauptkirchen des Landes Wursten. Erbaut wurde sie um 1200. In der Größe und Ausstattung der Kirche spiegelt sich der damalige Wohlstand der Wurster Schiffer und Bauern wider. Neben dem Taufstein aus dem 12. Jahrhundert zählt das romanische Kruzifix aus dem 13. Jahrhundert zum ältesten Kircheninventar im Lande. Ein weiteres Kruzifix ist aus dem 15. Jahrhundert. Bekannt ist vor allem der Sakramentsbaum, der einer Sage nach bei einem Schiffbruch an die Küste gespült wurde.

Weitere Bauwerke Altenheim Alsumer Straße 52 (grodes Huus) von 1856 der Allersstiftung, heute Wohnhaus Hofanlage Dorumer Niederstrich 16 von 1868 Wohn- und Wirtschaftsgebäude Dorumer Altendeich 14 von um 1880 Superintendentur Dorum Eichenhamm 14 von 1912 Amtsgerichtsgebäude Dorum von um 1890, heute Rathaus

Hafen in Dorum-Neufeld mini|Kutterhafen am Dorumer Tief in Dorum-Neufeld mini|Panoramablick vom Leuchtturm Dorum besitzt einen kleinen Hafen, den Sielhafen Dorum-Neufeld. Hier landen Krabbenkutter täglich ihren Fang für die Krabbenfischerei an. Neben dem Hafenbecken befindet sich ein Plateau mit Gastronomiebetrieben. Auf dem Deich hinter dem Hafen steht ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer der Sturmfluten an der Nordseeküste.

Leuchtturm Unmittelbar vor der Dorumer Küste, in Sichtweite des Hafens, steht der Leuchtturm Obereversand, der 2003 mittels eines Schwimmpontons nach Dorum verbracht wurde, nachdem seine Unterhaltung am ursprünglichen Standort Obereversand nicht mehr sinnvoll war. Über eine Seebrücke gelangt man über einen Treppenturm auf den historischen Leuchtturm.

Denkmäler Das Deichbauer-Denkmal in Dorum-Neufeld von Leo Wirth erinnert Einheimische, Zugezogene und Touristen an die historischen Epochen des Deichbaues und die existentielle Bedeutung des Deiches für die Marschen. Initiator war der frühere Oberkreisdirektor des Landkreises Cuxhaven, Jürgen H. Th. Prieß, der die Errichtung mit dem Preisgeld des ihm verliehenen Hermann-Allmers-Preises förderte. Es trägt auf den vier Seiten des Sockels Inschriften. Ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges steht an der Straße vor dem Eingang zur St.-Urbanus-Kirche und Friedhof in Dorum