Dieselkraftstoff (auch Diesel oder Dieselöl genannt) ist ein Gemisch aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen, das als Kraftstoff für einen Dieselmotor geeignet ist. Davon abweichend gibt es die Spezifikation für Marine-Diesel (Schiffsdieselöl).
Begriff
Diesel ist ein Deonym nach Rudolf Diesel, dem Erfinder des Dieselmotors. In einigen Ländern werden für den Kraftstoff an Tankstellen Begriffe wie Gazole, Gasolio verwendet, abgeleitet von Gasöl, dem zugehörigen Mitteldestillat aus der Erdölfraktionierung, Grundlage für Dieselkraftstoff und für Heizöl EL."Gazole" im "Dictionnaire de l'Académie française, Centre national de ressources textuelles et lexicales." Abgerufen am 29. Dezember 2025 (Im amerikanischen Englisch steht Gasoline jedoch für Motorenbenzin.Longman, abgerufen am 29. Dezember 2025.)
Biodiesel ist zwar unter Vorkehrungen auch zum Betrieb von Motoren nach dem Dieselverfahren geeignet, ist aber chemisch ein anderer Stoff.
Sorten Auf dem deutschen Markt werden derzeit mehrere Sorten auf Mineralöl basierender Dieselkraftstoffe für PKW angeboten, die alle gemäß § 4 der 10. BImSchV die Anforderungen der DIN EN 590 erfüllen müssen: „Standard“-Diesel Premium-Diesel mit GtL- oder HVO-Beimischung, erhöhter Cetanzahl sowie speziellen Additiven
Gerade bei den Premium-Kraftstoffen ist zu erkennen, dass Markenfirmen durch spezielle Zusätze bzw. Qualitätsverbesserung versuchen, sich von Mitanbietern abzugrenzen.
Nach Anpassung der DIN EN 590 (Ausgabe Mai 2010) an die Anforderungen der EG-Richtlinie 98/70/EG ist zur Erfüllung der Biokraftstoffquote eine FAME-Zumischung von bis zu 7 Vol.-% („B7-Diesel“) erlaubt. Die nationale Norm DIN 51628 (letzte Ausgabe August 2008) für B7-Diesel wurde nicht mehr benötigt und zurückgezogen.
Seit dem Jahr 2013 ist ein Dieselkraftstoff mit erhöhtem Anteil an regenerativen Komponenten entwickelt worden, der R33 genannt wird. Dabei wird, zusätzlich zum Biokraftstoff, hydriertes Pflanzenöl zugemischt, so dass 33 % aus nicht fossilen Quellen kommen. paraffinischer Dieselkraftstoff nach der DIN EN 15940 Das Europäische Komitee für Normung (CEN) hat eine neue europäische Norm für Paraffin-Dieselkraftstoff verabschiedet: EN 15940. Diese Norm legt Anforderungen und Prüfverfahren für Paraffin-Dieselkraftstoff fest, der bis zu 7 % (V/V) Fettsäuremethylester (FAME) enthält und in Dieselmotoren von Fahrzeugen verwendet werden darf. Paraffin-Dieselkraftstoffe sind flüssige Kraftstoffe, die synthetisch aus verschiedenen Rohstoffen wie Erdgas (GTL), Biomasse (BTL) oder Kohle (CTL) oder durch Hydroverarbeitung von Pflanzenölen und tierischen Fetten (HVO) gewonnen werden können. Diese Kraftstoffe sollen sauberer als herkömmliche Dieselkraftstoffe sein, die aus Erdöl gewonnen werden, und zu einer geringeren Luftverschmutzung beitragen. Ihre Verbrennung soll weniger schädliche Stickoxide und Feinstaub erzeugen, als herkömmliche Dieselkraftstoffe. Zudem enthalten sie keine weiteren Schadstoffe, was die Luftqualität weiter verbessert. Daher kann es nicht nur als 100%iger Kraftstoff verwendet, sondern auch in einem bestimmten Verhältnis mit Dieselkraftstoffen gemischt werden, um deren Eigenschaften zu verbessern und Schadstoffemissionen zu reduzieren. Das Bundesumweltministerium sieht den Einsatz von paraffinischen Dieselkraftstoffen kritisch. Die Herstellung aus fossilen Kohlenwasserstoffen könne keinesfalls als nachhaltig eingestuft werden. Selbst wenn das Ausgangsmaterial pflanzlichen Ursprungs ist (Hydriertes Pflanzenöl, HVO), muss mit den Auswirkungen von Landverbrauch und Landnutzungsänderung, speziell Rodung von Wäldern oder Trockenlegung von Mooren sowie dem Verlust von Biodiversität gerechnet werden.
Herstellung Diesel ist ein Gemisch aus Kerosin, verschiedenen Mitteldestillatfraktionen, derzeit bis zu sieben Volumenprozent Biodiesel sowie verschiedenen Additiven (im ppm-Bereich). Kerosin und Gasöl werden großteils durch Fraktionierung von Erdöl als Mitteldestillatfraktionen gewonnen und für die Dieselherstellung entschwefelt (siehe: Hydrodesulfurierung). Daneben kommen Mitteldestillatfraktionen aus Crackanlagen zum Einsatz [z. B. Hydrocracker-Kerosin (HCU), HCU-Gasöl]. Diesel ist eine auf die erforderlichen Qualitäten zugeschnittene Mischung, ein Blend. Die zur Verfügung stehenden Komponenten können stark schwankende Qualitäten (rohölabhängig) aufweisen, so dass jede Charge ggf. mit unterschiedlichen Mischungsverhältnissen (Kerosin/Leichtgasöl/Schwergasöl) hergestellt werden muss, um alle erforderlichen Spezifikationen erfüllen zu können. Weiterhin stehen die Produkte Heizöl EL und Jet bzgl. (fast) aller Komponenten in direkter Konkurrenz zum Dieselkraftstoff (siehe auch: Kuppelproduktion). Unterschiedliche Bedarfsvolumina der Mitteldestillatprodukte haben deshalb einen Einfluss auf die Zusammensetzung des Diesels.
Um die Kälteeigenschaften von Dieselkraftstoff zu beeinflussen, insbesondere das Ausflocken zu verhindern, muss im Winter ein erhöhter Anteil Kerosin beigemischt werden (s. u. CFPP).
Dieselkraftstoff ist wesentlich kürzer haltbar als Motorenbenzin. Luftdicht verschlossen (Kraftstofftanks sind nicht luftdicht) wird zumeist eine Lagerdauer von 6 Monaten angenommen. Hersteller garantieren gemäß EN 590 eine 90-tägige Lagerfähigkeit in Tanks und Fahrzeugen.
Additive Um die Zündwilligkeit auf vorgegebene Spezifikationswerte anzuheben und so die Zündwilligkeit des Dieselkraftstoffes zu verbessern, kann Amylnitrat oder 2-Ethylhexylnitrat zugegeben werden. Diese Zusätze erhöhen zum Teil die Giftigkeit (Toxizität) des Kraftstoffs. Maßstab für die Zündwilligkeit ist die Cetanzahl (CZ). Je höher die Cetanzahl, desto geringer der Zündverzug, welcher die Zeitspanne zwischen Einspritzbeginn und Selbstzündung des Kraftstoffs kennzeichnet.
Der Cloudpoint sowie die Filtrierbarkeitsgrenze (engl. , ) können durch entsprechende Additive reduziert werden. Speziell im Winter sind solche Additive erforderlich, damit der Dieselfilter des Fahrzeugs bei Minusgraden nicht verstopft. Alternativ können auch geringe Mengen an Kerosin (CZ ≈45) dem Diesel (CZ >51) (Winterdiesel) zugemischt werden, wodurch jedoch die Cetanzahl etwas absinkt.
Durch schmiereigenschaftserhöhende Zusätze () kann die Schmierfähigkeit des Dieselkraftstoffes garantiert werden (s. u.). Die Schmiereigenschaft wird mit dem HFRR-Wert spezifiziert.
Neben diesen wichtigsten Additiven werden noch eine Vielzahl weiterer Additive, wie Oxidationsinhibitoren, Anti-Schaum-Mittel, Korrosionsschutzmittel, Detergentien zum Schutz vor Ablagerungen im Einspritzsystem, Leitfähigkeitsverbesserer, Aromastoffe und Biozide zugesetzt.
In Deutschland wurden 2007 circa 35,3 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff (inkl. Binnenschifffahrtsdiesel) hergestellt.
Eigenschaften Die Hauptbestandteile des Dieselkraftstoffes sind vorwiegend Alkane, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe mit jeweils etwa 10 bis 22 Kohlenstoff-Atomen pro Molekül und einem Siedebereich zwischen 170 °C und 390 °C. Dieser Kraftstoff hatte vor 1995 einen sehr breiten Fraktionierbereich, weshalb die vergleichsweise vielen schweren Anteile zum Rußen des Motors führen konnten. Die verschärften Spezifikationen (Dichte, 95-%-Punkt, s. u.) haben dieses Risiko jedoch reduziert.
Weitere Eigenschaften werden durch die Spezifikationen bestimmt.
Spezifikationen Andere Inhaltsstoffe und Eigenschaften werden durch die Europäische Norm EN 590 geregelt. Die Norm wurde in Deutschland als DIN-Norm veröffentlicht und hat hier als DIN EN 590 die früher gültigen DIN 51601 und DIN 51628 abgelöst. Weiterhin setzen viele Markenfirmen zusätzliche interne Spezifikationen bzw. verschärfen die Spezifikationen bzgl. der Norm.
Zapfsäulenaufkleber in Deutschland mini|hochkant|Zapfsäulenaufkleber Dieselkraftstoff schwefelfrei
Nach § 13 der 10. BImSchV ist die Qualität von Kraftstoffen an den Zapfsäulen sowie an der Tankstelle deutlich sichtbar zu machen. In Deutschland findet man deshalb an allen Diesel-Zapfsäulen die in der 10. BImSchV (Anlage 3) geforderten runden Aufkleber mit dem Text Dieselkraftstoff schwefelfrei.
B7 und B10 B7 Diesel ist konventioneller Diesel, dem sieben Prozent Biodiesel beigemischt werden darf. B10 Diesel darf 10 Prozent Biodiesel beigemischt werden. Vor Betankung mit B10 sollten Autofahrer überprüfen, ob ihre Fahrzeuge eine Freigabe des Herstellers für die Kraftstoffe haben, warnt das deutsche Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV). Dieselkraftstoff ohne Bioanteile entspricht der EN 590.
XTL Das Tankstellensymbol XTL steht für Dieselkraftstoff, der synthetisch aus einer beliebigen Quelle erzeugt worden ist. Die Buchstaben TL sind dabei das Kürzel für to liquid und X ist der Platzhalter für ein beliebiges Ausgangsmaterial. XTL-Diesel wird mittels Fischer-Tropsch-Verfahren aus Kohle, Erdöl, Erdgas oder Biomasse hergestellt. Sofern der Kraftstoff ausschließlich aus Pflanzenöl hergestellt wird, darf er sich auch HVO (Hydrogenated Vegetable Oil), in reiner Form HVO100 nennen. In der 10. BImSchV §4(3) wird das alles als paraffinischer Dieselkraftstoff bezeichnet und unterliegt der DIN EN 15940.
Alle Fahrzeughalter, die keinen Nachweis über die Verträglichkeit von XTL haben, sollten ausschließlich die bisherige Dieselsorte „Diesel B7“ tanken. Der Energiebedarf kann nicht mit Anbau von Pflanzen gedeckt werden und der Anbau von Pflanzen zur Energiegewinnung wird in der Gesamtschau eher kritisch bewertet, da die Flächen nicht für die Nahrungsproduktion eingesetzt werden können und Naturflächen, etwa Regenwälder, der Produktion zum Opfer fallen. Zudem könnten Erzeuger dazu neigen, deutlich mehr Pestizide und Düngemittel zu verwenden. Altspeiseöle kommen als Ausgangsbasis zwar auch in Frage, werden aber bereits heute vollständig als Beimischung eingesetzt.
USA Der Dieselkraftstoff in den USA hat im Vergleich mit europäischen Standards eine geringere Cetanzahl und kannte bis 2006 keine verpflichtende Reduktion des Schwefelanteils. Seit 1. Juni 2006 müssen die Raffinerien zu 80 % schwefelarmen Diesel produzieren und seit dem 15. Oktober 2006 darf nur noch dieser für den Gebrauch im Straßenverkehr verwendet werden. Der sogenannte ultra-low sulfur diesel (kurz ULSD; für ultra-schwefelarmer Diesel) setzt die neue Höchstgrenze auf 15 ppm fest – vorher waren 500 ppm in den USA erlaubt. Übergangsregelungen existierten für andere Verwendungen, etwa Schiffsdiesel in der Seefahrt, die jedoch in mehreren Schritten bis zum 1. Juni 2010 ausgelaufen sind. Ein unmittelbarer Übergang konnte nicht erfolgen, da schwefelarmer Diesel geringere Schmiereigenschaften hat, die durch synthetische Additive oder die Beimengung von Biodiesel angeglichen werden müssen. Kalifornien meldet einen Anteil von 50 % Dieselkraftstoff aus erneuerbaren Quellen im Jahr 2023.
Marine-Diesel (Schiffsdieselöl)
Inhaltsstoffe und Eigenschaften für Marinedieselöl werden durch die Norm ISO 8217 geregelt; Diesel für die deutsche Binnenschifffahrt durch § 4 der 10. BImSchV. Es handelt sich dabei um einen dichteren Diesel als den für Kraftfahrzeuge. Er kommt beispielsweise in kleineren Schiffsdieselmotoren zum Einsatz.
Größere Schiffsdiesel laufen jedoch meist mit Schiffstreibstoff, einem Gemisch aus Schweröl und Diesel. Abgasreinigung ist technisch mit Katalysatoren und Partikelfiltern machbar; für ältere Schiffe, die die Mehrheit ausmachen, jedoch aufwändig, teuer und noch nicht vorgeschrieben. Die Grenzwerte für Stickoxide werden oft überschritten, zudem werden Schwefeloxide und Feinstaub freigesetzt.Marlene Weiss: Dicke Luft über dem Wasser. Im Vergleich zu vielen Schiffsmotoren sind Dieselfahrzeuge im Strassenverkehr geradezu sauber. Auf hoher See wird Schweröl verbrannt, auf Flüssen wie dem Rhein sind Partikelfilter und Katalysoren unüblich. In: Tages-Anzeiger. 16. August 2017, S. 36.