Jersey (englische Aussprache [], französische Aussprache , normannisch Jèrri ) ist die größte und mit gut 100.000 Einwohnern zugleich bevölkerungsreichste Kanalinsel. Sie liegt im Ärmelkanal in der Bucht von Saint-Malo, rund 150 km vor Großbritannien und etwa 25 km vor der Westküste der nordfranzösischen Halbinsel Cotentin. Zu den anderen Kanalinseln betragen die (Luftlinien-)Entfernungen 28 km nach Guernsey, 20 km nach Sark und 50 km nach Alderney. Jersey ist die sonnenreichste aller britischen Inseln und verfügt über ausgedehnte Strände. Die Hauptstadt ist Saint Helier.

Jersey ist wie die anderen Kanalinseln kein Teil des Vereinigten Königreiches, sondern als Kronbesitz (, ) direkt der britischen Krone unterstellt.zoll.de

Die Insel gehört mit den kleineren Inseln Minquiers und Écréhous zur Bailiwick of Jersey (Vogtei Jersey), die auch weitere Insel- und Felsengruppen umfasst, die heute nicht permanent bewohnt sind: Vor allem sind dies Pierres de Lecq und Les Dirouilles sowie weitere Inseln im Süden und Südosten. Weitere Kanalinseln in der Umgebung gehören zur Bailiwick of Guernsey.

Nach der Insel wurde der US-Bundesstaat New Jersey benannt, welcher zu den Dreizehn Kronkolonien gehörte. Der Stoff Jersey ist ebenfalls nach der Kanalinsel benannt.

Größe Jersey ist 119,6 km² großJersey in Figures 2014 S. 1: Size and Land Cover of Jersey, Information der States of Jersey Statistics Unit (PDF, englisch), abgerufen am 20. April 2016. – von Norden nach Süden 8 km breit und 14,5 km lang von Osten nach Westen. Die Insel besitzt ein 570 km umfassendes Straßennetz. Allein rund 80 km nimmt das Wegesystem der „Green Lanes“ ein. Dies sind kleine, verkehrsberuhigte Straßen und Wege, auf denen eine Höchstgeschwindigkeit von 24 km/h gilt. Wanderer, Fahrradfahrer und Reiter haben hier Vorrang.Green Lanes Jersey Tourist Information Centre, abgerufen am 20. April 2016.

Einwohner Die Insel hatte beim letzten Zensus (2011) 97.857 Einwohner.Report on the 2011 Jersey Census Bericht der States of Jersey Statistics Unit (PDF, englisch), abgerufen am 20. April 2016. Bis Ende 2014 ist die Einwohnerzahl auf geschätzt ungefähr 100.800 angestiegen. Von den Bewohnern sind etwa 50 % auf Jersey und weitere 33 % auf den anderen Britischen Inseln geboren. In der Inselhauptstadt St. Helier leben rund 33.500 Einwohner (Zensus 2011). Jeder fünfte Einwohner arbeitet im Finanzsektor.

Sprache Auf Jersey wird neben Englisch heute noch ein normannischer Dialekt gesprochen. Dieser Dialekt wird von den Einheimischen auch oder Jèrriais genannt. Er weicht aber so stark vom Französischen ab, dass er nur von den einheimischen Inselbewohnern verstanden wird. Jersey-French ist in den Schulen Jerseys kein Pflichtfach mehr, kann jedoch als Nebenfach belegt werden. Es wird an den meisten Grundschulen des Landes gelehrt, an den weiterführenden Schulen jedoch nicht mehr. In den meisten Familien wird Jersey-French nicht mehr gesprochen und ist somit vom Aussterben bedroht.

Klima Jersey verzeichnet die meisten Sonnenstunden der Britischen Inseln. Vom Golfstrom beeinflusst hat die Insel im Sommer eine durchschnittliche Tageshöchsttemperatur von 21 °C. Das Klima ist ganzjährig mild und die Wintermonate sind fast immer frostfrei. Das Meer ist, durch den starken Tidenhub bedingt, relativ kühl. Normalerweise erreicht es im Hochsommer, durch den Golfstrom begünstigt, maximal 22 bis 23 °C.

Natur, Vegetation links|mini|Orchideenwiese „Le Noir Pré“ mini|Klippen an der Nordwestküste Aufgrund des milden Klimas, bedingt durch den Golfstrom, findet sich eine Mischung aus mediterraner Vegetation (z. B. Palmen, Drachenbäume, Kamelien) und solcher gemäßigterer Breiten (z. B. Ginster, Nadelgewächse). Auf der Insel wachsen auch wilde terrestrische Orchideen (Naturschutzgebiet Pré Noir an der Westküste), darunter einige, die dort endemisch sind. Der größte Teil der Insel ist entweder landwirtschaftlich bewirtschaftet oder bebaut, wobei vor allem in den kleineren Orten die Häuser oft mit Gärten oder Parkanlagen umgeben sind. Daneben gibt es noch Reste von Mischwäldern in den Tälern (z. B. im St. Peter’s Valley), wo auch Wanderwege angelegt sind. An einem Teil der Küsten, vor allem im Norden der Insel, findet man steil abfallende Klippen, die mit Ginster, Farnen sowie niedrigen Sträuchern und Kräutern bewachsen sind. Diese Klippen können über die Klippenpfade erwandert werden (Ausgangspunkt z. B. Plémont Bay oder Bouley Bay). Im Südwesten sind auch noch Sanddünen zu finden.

Der Gezeitenunterschied beträgt bis zu zwölf Meter. Bei Ebbe werden große Bereiche von Felsen oder Watt freigelegt, insbesondere im Südosten der Insel. Es gibt verschiedene Seevögel, darunter Möwenarten oder Austernfischer. Mitunter verirrt sich auch ein Papageitaucher von den benachbarten Inseln an die Klippen der Nordküste. Es gibt eine große Zahl von Fasanen, die auf der ganzen Insel anzutreffen sind.

Geschichte mini|Dolmen La Ville ès Nouaux, Saint Helier mini|„Little Menhir“ von Les Blanches Banques Die Kanalinseln gehören zu den Gebieten, die vor dem nacheiszeitlichen Meeresanstieg, der etwa 5000 v. Chr. abgeschlossen war, Teil des kontinentalen Festlands waren und als solche bereits früh besiedelt wurden. Älteste Funde stammen aus der Höhle von La Cotte de St. Brelade. Sie reichen bis zu 250.000 Jahre zurück. Dort fanden sich mehr Neandertalerwerkzeuge als im gesamten übrigen Großbritannien. Außerdem wurden hier die bisher einzigen bekannten Reste eines späten Neandertalers in Nordwesteuropa freigelegt.

Von der Ankunft des Ackerbaus zeugen noch 15 von ursprünglich 60 Megalithanlagen der Kanalinseln (Dolmen) und einige Menhire.

Ursprünglich waren alle Kanalinseln Teil der Ländereien des Herzogs der Normandie und noch davor Teil von Neustrien. Im Jahre 1066 eroberte Herzog Wilhelm der Eroberer England und wurde englischer König. Als der Festlandteil der Normandie im Jahre 1204 unter der Regentschaft von Johann Ohneland verlorenging, blieben die Kanalinseln als Rest des Herzogtums im Besitz der Könige von England, und es entstanden Befestigungen wie Grosnez Castle. Die Kanalinseln gehören nicht zu Großbritannien, sondern unterstehen als Kronbesitz dem britischen Königshaus. Bis zum Jahr 1569 hingen die Inselkatholiken vom Bistum Coutances (heute von Portsmouth) ab.

In der Schlacht um Jersey versuchte Frankreich erfolglos Jersey als Stützpunkt für britische Freibeuter auszuschalten, die eine ständige Bedrohung für die französische und amerikanische Schifffahrt waren. Der britische Major Francis Peirson fiel in dieser Schlacht. An der Fassade eines Gebäudes am Royal Square in Saint Helier sind noch Einschusslöcher aus dieser Schlacht zu sehen. mini|Hinweisschild auf Schlacht um Jersey (1781) in St. Helier, Royal Square Jersey wurde im Zweiten Weltkrieg ab 1940 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Zuvor waren ca. 30.000 Bewohner nach Großbritannien evakuiert worden. In dieser Zeit wurden Festungsbauten (Bunker etc.) an der Küstenlinie installiert. So wurde die Insel Teil des Atlantikwalls. Außerdem ließen die Deutschen durch Zwangsarbeiter eine Tunnelanlage (Jersey War Tunnels, Hohlgangsanlage 8 – HO 8) errichten, die im letzten Kriegsjahr in ein unterirdisches Krankenhaus (englisch „Underground Hospital“) umgestaltet wurde, das aber nie zum Einsatz kam. Es sollte der Versorgung deutscher Soldaten dienen, die im Kampf verwundet wurden. Beim Bau dieser Tunnelanlage kamen viele Zwangsarbeiter ums Leben.

Im September 1942 wurden von den Kanalinseln auf Anordnung Hitlers etwas mehr als 2000 Zivilisten – Männer, Frauen, Kinder – ins Deutsche Reich (u. a. nach Bad Wurzach) deportiert, als Reaktion auf die Internierung von deutschen Staatsbürgern durch die Briten im Iran. Sie wurden bis zum Kriegsende in Internierungslagern (ILAG) festgehalten.

Von der Invasion in der Normandie war Jersey nicht betroffen. Offiziell wurde erklärt, man wolle sich nicht mit der Befreiung der „unwichtigen“ Insel aufhalten; über mögliche, tiefer reichende staatsrechtliche und politische Gründe wird spekuliert. So kam es, dass die Besatzer das Kriegsende abwarteten und erst am 9. Mai 1945 kapitulierten. Aus dieser Zeit sind noch viele Gebäude und Anlagen erhalten, die heute als Museen genutzt werden. So gibt es eine Ausstellung in den „Jersey War Tunnels“, die das Leben während der Besatzungszeit darstellt.

Alte Namen

Andium (?) 4. JahrhundertItinéraire d’Antonin, 4e J. insula Gersoi 1022/1026Marie Fauroux: Recueil des actes des ducs de Normandie (911–1066). Mémoire de la Société des Antiquaires de Normandie XXXVI, Caen 1961, S. 161, § 49. insula Gerseii, auch Gersey, Gersei, Gersoii 1042ibid. S. 255, § 99. insula Gersoi 1037/1046ibid. S. 271, § 110. Giriacensis insula ~1050/1066ibid. S. 386, § 198. insula Gersoii 1056/1066ibid. S. 407, § 214. in Gersoio 1063/1066ibid. S. 430, § 224. insula de Gersoi 1066ibid. S. 444, § 231. Gersus ~1070Adrian Room: Dictionary of place names in the British Isles. Bloomsbury, London 1988, S. 188. insula de Gerzoi 1080/~1082Lucien Musset: Les actes de Guillaume le Conquérant et de la Reine Mathilde pour les abbayes caennaises. Mémoires de la société des Antiquaires de Normandie XXXVII, Caen 1967, S. 84, § 8. insula de Gersoi 1066/1083ibid. S. 94, § 11. insula Gersoi 1066/1083ibid. S. 97, § 12. l’isle de Gersui 1160/1174Wace: Roman de Rou (1160/1174). Hugo Andersen Verlag, Heilbronn 1877, III, v. 5302, 5305. in Gersoio 1223/1236Julie Fontanel: Le cartulaire du chapitre cathédral de Coutances. Archives départementales de la Manche, Saint-Lô 2003, S. 411, § 273. Gersuy 1339Léopold Delisle: Les actes normands de la Chambre des Comptes sous Philippe de Valois (1328–1350). Le Brument, Rouen 1871, S. 208, § 116. Gersui 1339Ibid. S. 209, § 117. insula de Jersey 1372Rôles Normands et Français et autres pièces tirées des archives de Londres par Bréquigny en 1764, 1765 et 1766. Mémoires de la société des Antiquaires de Normandie XXIII (Serie 3, Band 3), Erster Teil, Paris 1858, S. 4b, § 42. insula de Jereseye 1372ibid. S. 4b, § 46. insula de Jeresey 1375ibid. S. 5a, § 52. insula de Jersey 1385ibid. S. 5b, § 59. insula de Gersey 1386ibid. S. 5b, § 61. insula […] de Jersey 1419ibid. S. 72a, § 393. Iarsay [lire Jarsay] 1585Gerard Mercator (1512–1594): Britannia et Normandia cum confinibus regionibus. Duisbourg 1585 [NBF, Collection d’Anville, cote 00456 bis] Jarsey 1693Greenville Collins: Chart of the channell, Manche. 1693 [BNF, Collection d’Anville, cote 00757] Jerzey 1753Herman van Loon: D2.me [= Deuxième] carte particuliere des costes de Normandie contenant les costes du Cotentin depuis la Pointe de la Percée Jusqu’a Granville ou sont Comprises les Isles de Jersey, Grenezey, Cers, et Aurigny, avec les Isles de Brehat. Comme elles paroissent a basse Mer dans les grandes marées. Atlas Van Keulen, Amsterdam 1753 [BN] Isle de Gersey 1753/1785Carte de Cassini. Ile de Jersey 1854V. Lavasseur: Atlas National Illustré des 86 départements et des possessions de la France. A. Combette éditeur, Paris 1854.

Verwaltung

Kindesmissbrauch 2008 erschütterte ein Missbrauchskandal die Insel. Die Polizei startete eine zunächst verdeckte Untersuchung zu dem Verdacht, ob in dem Kinderheim Haut de la Garenne Kinder missbraucht worden waren. Seit Jahren hatte es hierzu Gerüchte gegeben. Strafverfahren waren immer wieder eingestellt worden. Es wurden schließlich 192 Opfer ermittelt, die als Zeugen aussagten und schlimmste Verbrechen belegten. Die Kriminalpolizei untersuchte im Zuge der weiteren Ermittlungen auch zugeschüttete Kellerräume des Heims auf Leichenfunde, da es hieß, dass Kinder immer wieder verschwunden seien. Von den schließlich 150 mutmaßlichen Straftätern wurden letztlich nur 8 verurteilt. Auch der Pädophile Jimmy Savile hat sich nachweislich mehrfach in dem Heim aufgehalten.