Eine höhere technische Lehranstalt (HTL) ist in Österreich eine berufsbildende höhere Schule mit technischen, gewerblichen und kunstgewerblichen Ausbildungsschwerpunkten. Als Oberbegriff steht sie für entweder
Höhere technische Lehranstalt (HTL, HTLA), Höhere technische Bundeslehranstalt (HTBL, HTBLA) oder Höhere technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt (HTBLVA, HTBLuVA).
Typische Fachrichtungen (Ausbildungsbereiche) sind Bau–Holz, Chemie, Elektrotechnik–Elektronik, Maschinenbau und Textil. Insgesamt gibt es in Österreich 75 HTLs (Stand 2016).Organisation & Standorte. In: HTL.at. Eine nahezu vollständige Auflistung ergibt sich aus der untenstehenden Liste der Höheren Technischen Lehranstalten.
Bildungssystem und -anliegen Ausbildungsformen An Höheren Technische Lehranstalten werden typischerweise drei Ausbildungsformen angeboten:
Die Normalform der Höheren Abteilungen wird in der Regel nach der achten Schulstufe besucht. Die fünfjährige Ausbildung schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab. Nach drei Jahren ingenieurmäßiger Berufspraxis kann auf Antrag die Qualifikationsbezeichnung Ingenieur (Ing.) verliehen werden. Die Reifeprüfung berechtigt zum Studium an allen Hochschulen und entspricht dem ISCED-Level 5. Die Fachschulen sind meist vierjährige Lehrgänge der berufsbildenden mittleren Schule, die ebenfalls in der Regel nach Absolvierung der achten Schulstufe besucht werden. Nach dem Verfassen einer Technikerarbeit schließt diese Ausbildungsform mit einer Abschlussprüfung ab. Die Abschlussprüfung erlaubt reglementierte Berufsberechtigungen und Gewerbeberechtigungen nach zweijähriger Berufspraxis. Die Ausbildung entspricht dem ISCED-Level 3. Als Zusatz kann eine Berufsreifeprüfung abgelegt werden. Die Berufsreifeprüfung berechtigt zum Studium an Fachhochschulen und Universitäten. Eine Besonderheit stellen die Fachschulen für Kunsthandwerk und Design dar, diese sind historisch bedingt (Gewerbe- oder/und Kunstgewerbeschulen) an den Technischen Lehranstalten in meist eigenen Abteilungen organisiert. Postsekundäre Sonderformen der HTL werden für Personen mit Lehrabschluss, Meisterprüfung oder Matura in Tagesform oder der berufsbegleitenden Abendform geführt. Dazu gehören Kollegs und Meisterschulen (Meisterklassen). Die Ausbildungsdauer ist nach Vorbildung gestaffelt. Kollegs dauern acht Semester für Personen mit einschlägigem Lehrabschluss, sechs Semester für Personen mit Fachschulabschluss, Meisterprüfung, vier Semester für Maturanten. Meisterschulen dauern, je nach angestrebter beruflicher Qualifikation (wie Meister, Polier oder einem anderen Berufszeugnis) 1–4 Semester. Alle diese Formen werden meist schulisch und als Abendschule oder im Kurssystemen blockweise als berufsbegleitende Weiterbildung angeboten. Die Ausbildung entspricht dem ISCED-Level 5.
Ausbildungsbereiche mini|Edithathon an der HTL Pinkafeld mit Vertretern von Wikimedia Austria
Typische Fachrichtungen sind: Betriebstechnik, Bautechnik, Holztechnologie, Elektronik, Elektrotechnik, Nachrichtentechnik, Informationstechnologie, Informatik, Maschinenbau, Mechatronik, Agrartechnik, Bergbau, Chemie, Wirtschaftsingenieurwesen, Textiltechnologie und Kunststofftechnik.
Daneben wird der gesamte allgemeinbildende Stoff zur Matura angeboten, meist in angewandten Formen (Fokus auf fachsprachliches Englisch, angewandte Mathematik).
Relation zu Hochschulen Anders als in der Schweiz wurde die HTL nicht in die Fachhochschule überführt. Das für die österreichische Wirtschaft sehr erfolgreiche und in Europa einzigartige Ausbildungsmodell „HTL“ sollte beibehalten werden. Mit gesetzlicher Einrichtung der Fachhochschulen wurde übergangsweise bis 2006 für HTL-Absolventen die Möglichkeit geschaffen, die Bezeichnung „Dipl.-HTL-Ing.“ zu erlangen: dazu war eine sechsjährige einschlägige Berufspraxis, die Abfassung einer schriftlichen Arbeit sowie die Ablegung einer kommissionellen Prüfung vor einem Sachverständigenkollegium erforderlich. Mit dieser Regelung sollte HTL-Absolventen die Möglichkeit gegeben werden, vor flächendeckender Verfügbarkeit von FHs einen höherwertigen Abschluss zu erlangen, der ihre Ausbildung berücksichtigt.
Der HTL-Ingenieur ist dem Bachelor gleichgestellt, beide werden durch den nationalen Qualifikationsrahmen der Qualifikationsstufe 6 zugeteilt.
Für HTL-Absolventen werden daher berufsbegleitend Weiterbildungsstudien an Fachhochschulen angeboten, wobei von zwei bis vier Semester auf das Studium angerechnet werden können. Auch an den Universitäten in Österreich wird fallweise eine einschlägige HTL-Vorbildung anerkannt, generell jedoch in viel geringerem Ausmaß.
Relation zum Wirtschaftsleben Die HTLs werden wirtschaftsnah geführt, die technischen Unterrichtsfächer haben einen hohen Praxisbezug und die Schüler besitzen einen Berufsabschluss. Die praktischen schulischen Arbeiten und vorgeschriebenen Ferialpraktika erfolgen meist in direkter Zusammenarbeit beziehungsweise in Auftrag der örtlichen Wirtschaft, und dem Berufsalltag entsprechender Kundenkontakt, Präsentation und Durchführung einer praktischen Arbeit ist das vorrangige Bildungsziel und Benotungsgrundlage.
Versuchsanstalten an höheren technischen Lehranstalten (HTLVA) Eine HTL mit angeschlossener Versuchsanstalt wird als HT(B)L(u)VA geführt. Diese Einrichtungen betreiben neben Lehre auch Forschung und Entwicklung, Normung und Begutachtung.
Diese enge Verknüpfung von Forschung und Entwicklung, Berufsausbildung, und wissenschaftlicher Dienstleistung unter einem Dach fördert eine schulische Ausbildung, die der aktuellen Lage der Wirtschaft entspricht. Die meisten dieser Anstalten beruhen auf noch kaiserzeitlicher Tradition und sind aus den frühen polytechnischen Schulen hervorgegangen, wo ein Lehrforschungsinstitut (Ingenieursschule) auch im Schulbereich einschlägige Vorbildung anbieten wollte. Hier geht in den letzten Jahren der Trend noch weiter zur Zusammenlegung staatlicher beziehungsweise länderfinanzierten Forschungseinrichtungen und Schulen zu Kompetenzzentren.
Liste der höheren technischen Lehranstalten mini|Eingangsbereich der HTL Vöcklabruck
Die größte HTL Österreichs befindet sich in Mödling. Mit 3.500 Schülern ist sie gleichzeitig die größte Schule Europas. Die älteste berufsbildende Schule Österreichs ist die HTBLuVA Wien 5 Spengergasse. Sie wurde 1758 von Maria Theresia gegründet. Die Schulen unterstehen üblicherweise der Bildungsdirektion, vier der hier angeführten Anstalten haben aus historischen Gründen und wegen ihrer Einmaligkeit den Status einer Technischen und Gewerblichen Lehranstalt (TGLA) und unterstehen direkt dem Ministerium.
In den letzten Jahrzehnten wurden innerhalb von Wien manche HTLs neu geschaffen, einige wurden übersiedelt bzw. geteilt. Da das Namenskonzept HTL Wien [I, III, IV usw.] war, mussten auch die Namen angepasst werden. Weiters wurde dazu übergegangen, entweder den Schulen überhaupt sprechende Namen zu geben, oder, so überhaupt weiterhin der Bezirk in der Bezeichnung verblieben ist, diesen statt in römischen in arabischen Ziffern beizusetzen oder den Bezirk als Bezirksname auszuschreiben. (In der Tabelle ist deshalb bei den Wiener HTLs der frühere Name in Klammer angegeben.)
Name Bundesland Ort Abteilungen Schüler HTBLA EisenstadtHTL Eisenstadt Burgenland Eisenstadt Maschinenbau, Mechatronik, Flugtechnik, Werkstoffingenieurwesen; Fachschule Maschinenbau 1000 HTBLuVA Pinkafeld Burgenland Pinkafeld Bautechnik, Computer- & Leittechnik, Informatik (seit Schuljahr 2010/2011, zuvor EDV & Organisation), Maschineningenieurwesen, Fachschulen für Bautechnik und Maschinenbau (4-jährig), Kolleg Facility Management (Technische Gebäudeausrüstung, 2-jährig), Kolleg Informatik (2-jährig) 1400 HTL1 Lastenstraße Klagenfurt Kärnten Klagenfurt Maschineningenieurswesen, Fahrzeugtechnik und Motorenbau, Mechatronik, Elektrotechnik, Fachschulen für Mechatronik und Elektrotechnik 1100 HTL Mössingerstraße, Klagenfurt Kärnten Klagenfurt Telekommunikation, Elektronik u. Technische Informatik, Biomedizinische Technik, Energietechnik u. Industrielle Elektronik, Informationstechnik und Fachschulen für Computer- und Kommunikationstechnik 1150 HTBLuVA VillachHTBLuVA Villach Kärnten Villach Hochbau, Tiefbau, Innenraumgestaltung und Holztechnik, Informatik bzw. Informatik und Management, Informationstechnologie mit den Ausbildungsschwerpunkten Netzwerktechnik und Cybersecurity sowie Internet- und Medientechnik; Baustoffprüfstelle 1450 HTBLuVA FerlachHTBLuVA Ferlach Kärnten Ferlach Fertigungstechnik, Industriedesign, Schmuck & Gravur, Waffentechnik 600 HTL WolfsbergHTL Wolfsberg Kärnten Wolfsberg Betriebsinformatik, Betriebsmanagement, Automatisierungstechnik, Mechatronik/Kunststofftechnik 500 HTBL KremsHTBL Krems Niederösterreich KremsundZwettl Standort Krems: Hochbau, Tiefbau, Revitalisierung/Stadterneuerung, Informationstechnologie, Fachschule für Bautechnik, Kolleg für Revitalisierung/StadterneuerungStandort Zwettl: Informationstechnologie 900 HTL Waidhofen an der YbbsHTL Waidhofen an der Ybbs Niederösterreich Waidhofen/Ybbs Maschinenbau, Elektrotechnik, Informationstechnologie, Wirtschaftsingenieurwesen; Fachschulen für Mechatronik; Aufbaulehrgang und Kolleg für Mechatronik; sportlicher Schwerpunkt Fußball; VA Maschinenbau, Materialprüfung und EMV Messung 800 HTBLuVA St. Pölten Niederösterreich St. Pölten Elektronik und Technische Informatik, Elektronik, Informatik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen 2000 HTBLuVA Wiener NeustadtHTBLuVA Wiener Neustadt Niederösterreich Wiener Neustadt Maschinenbau-Automatisierungstechnik, Elektrotechnik, Informationstechnik, Hochbau, EDV und Organisation; VA Bautechnik 1300 HTL Baden Malerschule LeesdorfHTL Baden Schloss Leesdorf Niederösterreich Baden bei Wien Fachschule für Malerei und Gestaltung, Kolleg für Bautechnik (Privatschule, mit Internat) 250 HTL HollabrunnHTL Hollabrunn Niederösterreich Hollabrunn Elektronik und Technische Informatik, Informationstechnologie, Elektrotechnik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen 1250 HTL für Lebensmitteltechnologie HollabrunnHTL Hollabrunn Niederösterreich Hollabrunn Lebensmitteltechnologie – Lebensmittelsicherheit (Privatschule) 140 IT-HTL YbbsIT-HTL Ybbs Niederösterreich Ybbs an der Donau Medientechnik/-design und Web Development, Netzwerktechnik und Cybersecurity 300 HTL MistelbachHTL Mistelbach Niederösterreich MistelbachundZistersdorf Standort Mistelbach: Biomedizin- und Gesundheitstechnik (entspricht Elektronik-HTL);Standort Zistersdorf: Gebäudetechnik (entspricht Maschinenbau-HTL) 300 HTBLuVA Mödling Niederösterreich Mödling Hochbau, Tiefbau, Umwelttechnik, Elektronik, Elektrotechnik, Fahrzeugtechnik, Holztechnik, Innenraumgestaltung, Maschineningenieurwesen, Mechatronik, Wirtschaftsingenieurwesen; VA Bautechnik, Baustoffe und Straßenbau; VA Holzindustrie 3500 HBLFA Wieselburg (Francisco-Josephinum) Niederösterreich Wieselburg Landwirtschaft, Landtechnik, Lebensmitteltechnologie 850 HTL KarlsteinHTL Karlstein Niederösterreich Karlstein an der Thaya Mechatronik, Fachschule für Mikroelektronik, Fach- und Berufsschule für Uhrmacher HTL Innviertel-Nord AndorfHTL Andorf Oberösterreich Andorf Höhere Lehranstalt für Kunststoff- und Umwelttechnik, Produktdesign; Fachschule für Maschinenbau 250 HTL Bau und Design LinzHTL1 Bau und Design Linz Oberösterreich Linz Höhere Lehranstalt für Bautechnik, Grafik- und Kommunikationsdesign, Medien – Multimedia; Fachschule für Bautechnik;
Bauhandwerkerschule für Maurerei, Zimmerei;
Meisterschule für Kommunikationsdesign;
Kollegs für Grafik- und Kommunikationsdesign, Innenarchitektur und Holztechnik, Bautechnik 2100 HTL Linz 2 Linzer Technikum – LiTEC Oberösterreich Linz Höhere Lehranstalt für Elektrotechnik, Informationstechnologie, Maschinenbau, Mechatronik; Fachschule für Elektrotechnik, Maschinenbau;