Leoben [] ist eine Stadtgemeinde im österreichischen Bundesland Steiermark und mit  Einwohnern (Stand ) nach der Landeshauptstadt Graz dessen zweitgrößte Stadt. Bezirks- und Landesgericht sowie die Bezirkshauptmannschaft des gleichnamigen Bezirkes haben hier ihren Sitz. Zudem befindet sich die Montanbehörde Süd in Leoben.

Die Stadt hat eine lange Tradition im Berg- und Hüttenwesen. Mit einem Werk der Voestalpine im Stadtteil Donawitz ist sie einer der bedeutendsten Standorte der österreichischen Eisen- und Stahlindustrie. Sie ist das Zentrum des obersteirischen Industrieraums und Sitz der Montanuniversität.

Geographie Leoben liegt im oberen Murtal, rund acht Kilometer östlich von Sankt Michael in Obersteiermark und 15 Kilometer westlich von Bruck an der Mur. Der alte Stadtkern wurde in der Murschleife begründet, einer Flussschlinge knapp unter der Mündung des von Nordwesten kommenden Vordernberger Baches. Damit bildet die Stadt den südlichen Ausgangspunkt der österreichischen Eisenstraße. Heute erstreckt sie sich auf beiden Seiten des Flusses bis an die Bergflanken. Diese sind im Norden die Ausläufer des Hochschwabs, im Süden die Abhänge der Gleinalpe und im Westen die Ausläufer der Eisenerzer Alpen.

Die Fläche der Stadtgemeinde beträgt rund 108 km², wovon knapp 79 % bewaldet sind. Der tiefstgelegene Punkt in der Stadt liegt auf 515 m Seehöhe, der höchstgelegene Punkt ist der Gipfel des Wetterkogels der Hochalpe (Hochalm) auf im äußersten Südosten des Stadtgebietes.

Stadtgliederung mini|Lage der Katastralgemeinden von Leoben

Stadtteile Leoben gliedert sich in sechs Ortschaften bzw. Stadtteile (Bevölkerung Stand ): Donawitz ( Ew. mit Neuwerk und anderen Ortsteilen) Göß ( Ew. mit Schladnitzdorf, Windischberg u. a.) Hinterberg ( Ew. mit Steinleitensiedlung u. a.) Judendorf ( Ew. mit Münzenberg, Prolebersiedlung, Seegraben, Veitsberg u. a.) Leitendorf () Leoben ( Ew. mit den Stadtteilen Maßenberg, Mühltal, Nennersdorf, Pölzgraben u. a.)

Katastralgemeinden Die Stadt besteht aus zehn Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Donawitz (; im Nordwesten der Stadt) Göß (; im Süden) Gößgraben-Göß () Judendorf (; im Norden und Nordosten der Stadt; Judendorf war bis 1496 eine jüdische Siedlung in einer Murschleife östlich der Innenstadt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Stadtteil zu einer Bergarbeitersiedlung. Seegraben bildet den nördlichen und östlichen Teil der KG Judendorf. Ursprünglich zum Stadtteil Judendorf gehörig, wird es heute als eigener Stadtteil bezeichnet. Es ist für den stillgelegten Bergbau Seegraben bekannt.) Leitendorf (; Hinterberg ist der westliche, Leitendorf der östliche Teil der gleichnamigen KG; Leitendorf verbindet die Waasenvorstadt mit Göß) Leoben (; mit Josefee – im Zentrum der Stadt im nördlichen Teil der KG Leoben gelegen; Ende des 19. Jahrhunderts als „Neustadt“ planmäßig errichtet) Mühlthal (; südöstlich der Innenstadt gelegen; Lerchenfeld ist im östlichen Teil der KG Mühlthal, östlich der Innenstadt gelegen) Prettach () Schladnitzgraben () Waasen (; westlich der Innenstadt als Vorstadt gelegen)

Straßen

In der Gemeinde Leoben existieren mit Stand 2020 insgesamt 249 Straßen. 2018 wurden die Resultate einer kritischen Prüfung vorgestellt: Drei Namen gehen auf „nationalsozialistisch belastete“ Persönlichkeiten zurück (Ottokar Kernstock, Hans Kloepfer und Friedrich Mayer-Beck). In Absprache mit Opferverbänden wurden Erläuterungstafeln in den betroffenen Straßen in Leitendorf bzw. Göss angebracht.mini|Leoben vom Kalvarienberg. Ansicht von Süden

Grünräume Im Stadtgebiet gibt es sieben Parkanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 6,4 Hektar. Die größten Parks mit einer Fläche von jeweils rund 2,5 Hektar sind der Stadtpark (auch Glacis genannt) und der Augarten (auch einfach Au oder aufgrund des nahegelegenen Asia Spa auch Asia-Spa-Park genannt). Weitere Parks sind der Gärnerpark mit rund 4800 m², der Pestalozzipark mit etwa 4000 m², der Park des Eggenwald’schen Gartenhauses mit rund 2000 m², der Peter-Tunner-Park mit ungefähr 1500 m² sowie der etwa 1300 m² große Jakobipark. Außerdem gibt es zahlreiche nicht namentlich bezeichnete Grünflächen, vor allem entlang der Mur, sowie rund 20 Hektar städtischen Wald, wie etwa am Maßenberg oder am Kalvarienberg.

Im Gemeindegebiet überwiegen besonders im Süden große bergige Waldflächen außerhalb der Siedlungsgebiete in den Tallagen.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte

Die erste Nennung des Namens „Liupina“ findet sich in einer Schenkungsurkunde von König Ludwig dem Kind an den Gaugrafen Aribo II., Graf zu Göss-Schladnitz, im Jahr 904. Eine Siedlung unter dem Namen „Forum Liuben“ wurde erstmals im Jahr 1173 genannt, diese befand sich rund um die Jakobikirche am Fuß der Maßenburg. Ab 1261 wurde unter König Ottokar II. die Stadt nordwärts an die jetzige Stelle der Altstadt in der Murschleife verlegt, mit quadratischem Grundriss und einer Befestigungsmauer, deren nordwestliche Eckbefestigung die einstige „Burg“ an der Stelle des heutigen Rathauses und deren nordöstliche Ecke das Dominikanerkloster bildete. In die Zeit der Verlegung fällt auch die Verleihung des Stadtrechts. 1314 findet sich die erste Erwähnung als Eisenhandelsplatz („Raueisenverlagsort“).

mini|Leoben um 1900 Im Jahr 1480 wurde beim Türkensturm die „Waasenvorstadt“ im Westen in Brand gesteckt, auch die dortige Kirche „Maria am Waasen“ fiel dem Feuer zum Opfer.

In den Wirren von Reformation und Gegenreformation diente die Stadt im Jahr 1525 als wichtiger Stützpunkt zur Niederschlagung des Knappenaufstandes im Ennstal und rund um Schladming. Trotzdem trat die Stadt 1572 am Brucker Ausschusslandtag offiziell dem Augsburger Bekenntnis bei, was jedoch nur bis 1613 von Bestand war. In diesem Jahr begann die Rekatholisierung; der Jesuitenorden gründete eine Niederlassung in Leoben. 1620 eröffnete er in der einstigen Burg eine Lateinschule und errichtete 1660–1665 die Kirche St. Xaver. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde die Schule geschlossen. Von 1786 bis 1808 gab es, nach der Verlegung des Admonter Stiftsgymnasiums nach Leoben, wieder ein Gymnasium, das jedoch im ehemaligen Dominikanerkloster untergebracht war. mini|Der Vorfrieden von Leoben wurde im Eggenwald’schen Gartenhaus unterzeichnet

Im Jahr 1797 trafen sich französische und österreichische Gesandtschaften in Leoben. Dort schlossen Napoleon und die Vertreter Österreichs den Vorfrieden von Leoben. 1805 wurde die Stadt von den durchziehenden Franzosen besetzt.

Von etwa 1782 bis 1859 war die Stadt Zentrum des Bistums Leoben und damit Bischofssitz. 1859 erfolgte die Vereinigung mit der Diözese Graz-Seckau.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts gab es eine langsame, aber stetige Weiterentwicklung. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnten sich zahlreiche Betriebe in Leoben etablieren.mini|Hacklhaus am Hauptplatz, 1895 Im Jahr 1939 wurden die beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Göss und Donawitz eingegliedert, wodurch sich die Einwohnerzahl der Stadt verdreifachte.

Schwierige wirtschaftliche Zeiten musste die Stadt in den 1960er (Schließung des Kohlebergbaus Seegraben) und 1980er Jahren (Einschränkung der Eisen- und Stahlproduktion in der Hütte Donawitz) überstehen. Mit einer wirtschaftlichen Umorientierung wurde die Krise bewältigt: moderne Technik (z. B. Leiterplattenwerk Hinterberg) Kongressstadt (Errichtung des Kongresszentrums) Kultur und Tourismus (Landesausstellung 1997 und jährlich neue ethnologische Ausstellungen)

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Schwammerlturm und Murbrücke mini|Hauptplatz mit Altem Rathaus (2022) mini|Das Hacklhaus am Hauptplatz mini|Altes Museumsgebäude mit den Anbauten von 1997 mini|hochkant|Pfarrkirche Leoben-Göss des ehemaligen Stiftes Göss

Katholische Pfarrkirche Leoben-St. Xaver mit der Rektoratskirche St. Jakob zu Leoben Katholische Pfarrkirche Leoben-Göss hl. Andreas, ehemalige Klosterkirche vom ehemaligen Stift Göß Katholische Pfarrkirche Leoben-Waasen Mariä Himmelfahrt Katholische Pfarrkirche Leoben-Donawitz hl. Joseph Katholische Pfarrkirche Leoben-Hinterberg hl. Schutzengel Katholische Pfarrkirche Leoben-Lerchenfeld Hl. Geist Evangelische Gustav-Adolf-Kirche Stadttheater Leoben: Das am 6. Juli 1790 gegründete Theater wird noch heute bespielt und ist damit das älteste bürgerliche Theater Österreichs. Mautturm Schwammerlturm, auch Stadtturm genannt: Ursprünglich 1280 errichtet, wurde der frühere Wehrturm 1615 von Grund auf neu errichtet. Durch ein Erdbeben im Februar 1794 wurde er schwer beschädigt. Bei der Instandsetzung erhielt er die pilzförmige Haube, die das ursprüngliche Spitzdach ersetzte und der er seinen heutigen volkstümlichen Namen verdankt. Altes Rathaus: Das alte Rathaus am Hauptplatz wurde 1485 erbaut und erhielt 1568 einen fünfseitigen Eckturm. 1607 wurde es um die südlich angrenzenden Nachbarhäuser erweitert. Anlässlich des Besuches von Kaiser Karl VI. 1728 wurde die Wappenreihe der habsburgischen Länder an der Frontseite des Hauses hinzugefügt. Bis 1973 war es Sitz der Stadtverwaltung. Nach Errichtung des Rathaus-Neubaus wurde 2022 nach einer zweijährigen Umbauphase der Live Congress Leoben fertiggestellt. Das Einkaufszentrum wurde durch ein neues Gebäude ersetzt und an die Räumlichkeiten des Alten Rathauses angefügt. Vier Säle, deren größter ein Fassungsvermögen von 580 Personen hat, bilden den Kern des Veranstaltungszentrums. Hauptplatz: Auf dem 1997 nach Plänen von Architekt Boris Podrecca neu gestalteten Hauptplatz sind neben dem alten Rathaus noch folgende Bauten erwähnenswert: Hacklhaus: Am Hauptplatz befindet sich dieses Haus aus dem 16. Jahrhundert mit reich verzierter Stuckfassade von 1680 (Darstellung der von Gewappneten flankierten vier Jahreszeiten von rechts beginnend: Winter, Herbst, Sommer, Frühling in der unteren Reihe und der christlichen Tugenden in der oberen Reihe von rechts beginnend: Stärke, Liebe, Glaube, Gerechtigkeit, Hoffnung, Wahrheit). Benannt ist das Haus nach einem seiner früheren Besitzer, Georg Hackl. Dreifaltigkeitssäule: Als Pestsäule wurde sie von Johann Jacob Schoy gestaltet und 1718 errichtet. Die Mittelsäule wird von insgesamt sechs Heiligenfiguren flankiert. Bergmannsbrunnen: Der Bergmannsbrunnen befindet sich am südlichen Ende des Hauptplatzes. Er wurde 1799 vom Steinmetzmeister Franz Pack errichtet. Er ist mit der Darstellung eines Bergknappen versehen. Engelsbrunnen: Der Engelsbrunnen befindet sich am nördlichen Ende des Hauptplatzes. Er wurde 1794 von Josef Carlone errichtet. Über seinem Becken befindet sich die Darstellung eines Engels, der einen Schild mit den Wappen von Leoben hält. Ehemaliges Dominikanerkloster: Wurde 1280 gegründet, überstand die Wirren der Reformationszeit und die Klosteraufhebungen durch Kaiser Joseph I. 1811 wegen Personalmangels aufgelöst, von 1855 bis 2005 Gerichtsgebäude und Justizanstalt, ab 2007 Bestandteil des Innerstädtischen EinkaufszentrumsAlfred Joham, Wolfram Hoyer (Hrsg.): Vom Kloster zum Einkaufszentrum. Die Geschichte des Dominikanerklosters in Leoben. Leoben 2011. (Leoben City Shopping – LCS)