Der Ortenaukreis ist der flächengrößte Landkreis in Baden-Württemberg. Er gehört zum Verband Region Südlicher Oberrhein im Regierungsbezirk Freiburg. Kreisstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt des Ortenaukreises ist Offenburg.
Geographie Lage Der Ortenaukreis hat Anteil an der Oberrheinischen Tiefebene, am Mittleren Schwarzwald und am Nordschwarzwald, dessen höchste Erhebung, die Hornisgrinde, im nordöstlichen Kreisgebiet liegt. Den Ortenaukreis durchschneiden viele Täler, darunter die Flusstäler der Schutter, Kinzig, Rench und Acher, alle vier rechte Nebenflüsse des Rheins, wobei die Kinzig der bedeutendste Schwarzwald-Fluss des Kreises ist.
Nachbarkreise Der Ortenaukreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Rastatt, Freudenstadt, Rottweil, Schwarzwald-Baar-Kreis und Emmendingen. Im Westen bildet der Rhein die natürliche Grenze zur Region Grand Est (bis 2015 Elsass) in Frankreich mit den dortigen Arrondissements Sélestat-Erstein und Strasbourg innerhalb des Départements Bas-Rhin.
Natur
Der Ortenaukreis besitzt folgende 23 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024. stehen 3.107,40 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 1,68 Prozent.
Oftmals erstrecken sich die Naturschutzgebiete über die Gemarkungen mehrerer Gemeinden; teilweise auch über das Gebiet anderer Landkreise (Schliffkopf, Elzwiesen, Taubergießen und Schlossberg-Hauberg).
Naturschutzgebiet Größe(in Hektar) Kreisanteil(in Hektar) Gemeinde, Gemarkung Schliffkopf 1396,3 520,1 Stadt Oppenau (Gemarkungen Lierbach und Maisach), Ottenhöfen, Seebach Hoher Geisberg 21,0 21,0 Schuttertal Sauscholle 29,2 29,2 Neuried (Gemarkung Ichenheim) Langwald 34,5 34,5 Hohberg (Gemarkung Niederschopfheim) Glaswaldsee 22,0 22,0 Bad Peterstal-Griesbach (Gemarkungen Schapbach und Bad Peterstal) Gottschlägtal-Karlsruher Grat 151,0 151,0 Ottenhöfen im Schwarzwald Waldmatten 58,9 58,9 Schwanau (Gemarkung Wittenweier) Roßwört 13,4 13,4 Stadt Kehl (Gemarkung Leutesheim) Elzwiesen 410,8 129,3 Ringsheim, Rust (Baden) Hornisgrinde-Biberkessel 95,1 95,1 Sasbach (Gemarkung Obersasbach), Sasbachwalden Hinterwörth-Laast 82,4 82,4 Stadt Rheinau (Baden) Altwasser Goldscheuer 6,1 6,1 Stadt Kehl (Gemarkung Goldscheuer) Mittelgrund Helmlingen 103,0 103,0 Stadt Rheinau (Baden) (Gemarkungen Helmlingen und Freistett) Talebuckel 37,5 37,5 Stadt Offenburg (Gemarkung Rammersweier) Salmengrund 185,0 185,0 Meißenheim, Neuried (Baden) Saure Matten 18,5 18,5 Ettenheim Thomasschollen 219,5 219,5 Meißenheim, Schwanau Sundheimer Grund 20,2 20,2 Stadt Kehl, Willstätt Eckenfels 32,1 32,1 Stadt Oppenau Taubergießen 1697,0 1349,7 Kappel-Grafenhausen, Rust (Baden) Unterwassermatten 324,4 324,4 Hohberg, Schutterwald, Neuried (Baden) Schlossberg-Hauberg 107,0 17,2 Hornberg Dörlinbacher Grund-Münstergraben 34,7 34,7 Ettenheim, Ringsheim, Kappel-Grafenhausen Gesamt 5099,6 3504,8
Geologie Die Rheinebene
Die Rheinebene in der Ortenau unterscheidet sich deutlich von der Ebene im südlichen Abschnitt des Oberrheingrabens. In der Ortenau fehlt das dort bis zu 15 m hohe Hochgestade, das eine klare Abgrenzung schafft zwischen der höher gelegenen Niederterrasse, die in der letzten Kaltzeit, der Würm-Kaltzeit, vom Rhein und seinen Nebenflüssen aufgeschüttet wurde, und der Aue, dem Ergebnis der nacheiszeitlichen Eintiefung des Rheins und seiner Zuflüsse in die Niederterrassenschotter. Stattdessen ist die Rheinebene in der Ortenau gekennzeichnet durch zahlreiche kiesige, vielfach mit Hochflutlehm oder Sand bedeckte, für Ackerbau und als Siedlungsstandort geeignete Flächen, die sich nur wenig, meist ohne Geländestufe über nacheiszeitlich entstandene (einst) feuchte Niederungen erheben. Tektonische Senkungsbewegungen in diesem Bereich des Oberrheingrabens haben ein tieferes nacheiszeitliches Einschneiden des Rheins und seiner Zuflüsse und damit die Entstehung von Niederterrassenplatten mit stärker ausgeprägtem Hochgestade verhindert.
Etwas nördlich Mahlberg setzt als breiter Streifen die ehemals durchgehend feuchte Unditz-Schutter-Niederung mit Niedermoor- und Torfböden ein. Sie entstand bereits im Eiszeitalter als Sammelrinne der aus dem Schwarzwald kommenden Gewässer, die in ihr den Rhein erst weiter nördlich erreichten. Früher führten hier die hohen Grundwasserstände zur Versumpfung und Vermoorung. Auch nördlich Offenburg zieht sich eine solche feuchte, einst dem Grünland und Wald überlassene Randniederung, die „Kinzig-Murg-Rinne“, der Vorbergzone entlang. Heute sind in diesen Niederungen und in der Ebene allgemein viele einstige Feuchtgebiete trockengelegt und so ackerbaulich nutzbar geworden.
Seit der Tullaschen Rheinkorrektion sind von der einst breit ausgreifenden amphibischen Auenlandschaft nur noch Reste vorhanden. Das Naturschutzgebiet Taubergießen gibt ein gutes Bild von den früheren Verhältnissen. Eine besondere Erscheinung sind die Gießen. Es handelt sich um Grundwasseraustritte, deren Wasser nach ausgiebiger Filterung im Schotterkörper sehr nährstoff- und sauerstoffarm ist und deshalb auffallend klar an die Oberfläche gelangt.
Das geringe Gefälle der durch die Ebene ziehenden Gewässer hin zum relativ wenig eingetieften Vorfluter Rhein sorgte immer wieder für Hochwasser, Überschwemmungen und Grundwasserprobleme. Das erforderte erhebliche Eingriffe des Menschen in das Gewässernetz. Flüsse und Bäche wurden begradigt und kanalisiert (Kinzig, Unditzkanal, Endingerkanal und andere mehr), Entlastungskanäle geschaffen (zum Beispiel die beiden Rench- und Acher-Flutkanäle oder der Schutter-Entlastungskanal) und eine Vielzahl Entwässerungsgräben angelegt. Im Rahmen des integrierten Rheinprogramms wurden Rückhalteräume im Auenbereich geschaffen. Die Altenheimer Rückhaltepolder und das Kehler Kulturwehr sind seit 1988 im Hochwassereinsatz. Außerdem wurden hier seit 1989 um die 200 Mal ökologische Flutungen durchgeführt.
Der Gefahr einer schädlichen Grundwasserabsenkung durch den Bau des Rheinseitenkanals, aber auch bereits durch die Tullasche Rheinbegradigung begegnete man ab Breisach durch die Schlingenlösung, bei der sich Kanal und Rhein immer wieder vereinigen. Ein neueres Landschaftselement sind auch die zahlreichen Baggerseen.
Die Vorbergzone
Zwischen der Ebene und dem Schwarzwald breitet sich eine wechselnd breite Vorbergzone aus. Deren Untergrund besteht Schollen des Deckgebirges, die bei der Rheingrabenbildung im Tertiär abgesunken sind. Das Deckgebirge (vom Rotliegend und Buntsandstein bis zum Jura) bedeckte ursprünglich auch das Gebiet des Schwarzwaldes, ist dort aber bei dessen Aufsteigen weitgehend der Abtragung anheim gefallen. Die Randschollen des Oberrheingrabens sind weithin mit Löss oder Lösslehm bedeckt, sodass ihre Gesteine kaum aufgeschlossen sind. Durch den Erzabbau bei Ringsheim ergab sich ein größerer Einblick: hier bilden Mitteljura-(Dogger-)Schichten den Untergrund unter dem Löss. Am Galgenberg südwestlich Schmieheim sind in einem aufgelassenen Steinbruch die Trochitenbänke des oberen Muschelkalks aufgeschlossen.
Im Süden sind den durch zahlreiche NNO-streichende Verwerfungen zergliederten Lahr-Emmendinger Buntsandsteinbergen stark zertalte, Lösshügel vorgelagert. In den weithin bewaldeten, oft tafelförmigen Buntsandsteinbergen geben zahlreiche aufgelassene Steinbrüche zwischen Lahr und Diersburg Einblick in den Untergrund. Im westlich vorgelagerten Lösshügelland sind die unzähligen in den Löss-(Lehm) geschnittenen Reb- und Ackerterrassen charakteristisches Landschaftselement. (Guter Überblick vom Heubergturm über Ringsheim.) Nördlich der Kinzig bis zu den Ortenau-Bühler Vorbergen grenzen die Lösshügel direkt an die Hänge des Grundgebirgsschwarzwaldes. Vereinzelt begleiten Buntsandsteinschollen die Verwerfungen, die die Vorbergzone vom kristallinen Grundgebirge trennen. Bei Zunsweier erhebt sich die etwas größere Buntsandsteinscholle des Bruderbergs.
Der Schwarzwald
Der Schwarzwald im Bereich der Ortenau gehört teils dem Mittleren, teils dem Nordschwarzwald an. Als Grenze kann etwa eine Linie Offenburg – Freudenstadt gelten, wobei der nach Süden ausgreifende Oberlauf der Rench bereits zum Nordschwarzwald gehört.
Die Landschaft am Westrand des Nordschwarzwaldes wird als Nördlicher Talschwarzwald bezeichnet. Hier sind die Schichten des Deckgebirges vollständig abgeräumt. Den Untergrund des durch meist gerundete Geländeformen charakterisierten Gebietes bilden im Ortenaukreis hauptsächlich Granite (Oberkirchgranit, Seebachgranit) und nordöstlich Sasbachwalden Gneis (Paragneis). Weiter östlich lagert eine um die 200 Meter mächtige Buntsandsteindecke dem Grundgebirge auf. Hornisgrinde, Melkereikopf, Schliffkopf, Plankopf und Brandkopf sind westliche Bastionen der sich nach Osten fortsetzenden, dabei allmählich abfallenden Buntsandsteindecke. Die Schwarzwaldhochstraße folgt über größere Strecken in etwa der Grenze Grundgebirge/Buntsandstein oder verläuft in dessen Zechsteinsockel. Charakteristisches Landschaftselement auf den Buntsandsteinhochflächen sind die durch Wiederbewaldung bedrohten Feuchtheiden der Grinden.
Der Mittlere Schwarzwald mit der Kinzigmulde erreicht nicht die Höhen wie der Süd- und Nordschwarzwald. Es ist ein Gebiet mit vorwiegend gerundeten Bergformen, das vor allem durch die Kinzig mit ihren Nebenbächen stark zertalt ist. Hier besteht das Grundgebirge hauptsächlich aus Gneisen (Paragneis und Flasergneis). Erst weiter östlich, im Gebiet Triberg-Hornberg-Schiltach ist ein großer Granitpluton freigelegt. Auch um Nordrach steht Granit an. Die Buntsandsteindecke ist im Mittleren Schwarzwald stärker der Abtragung zum Opfer gefallen, lediglich im Mooswald-Gebiet vom Mooskopf und Edelmannskopf bis zum Taschenkopf und dem Gutschkopf haben sich größere Reste von Buntsandstein (über einem Rotliegend-/Zechsteinsockel) erhalten.
An verschiedenen Stellen lagern Quarzorphyrdecken (Rhyolithe), Zeugnisse permischen Vulkanismus', dem Grundgebirge auf, so etwa vom Binzenbühl, wo ein aufgelassener Steinbruch die Säulenstruktur des erstarrten Glutflusses erkennen lässt, bis zum Rauhkasten oder vom Brandeckkopf bis zur Hesselbacher Allmend und um den Lierbach oberhalb Oppenau. In der Landschaft fallen die Quarzporphyre durch schroffe Felsbildungen auf, so zum Beispiel beim Karlsruher Grat bei Ottenhöfen. Granit dagegen neigt zur Wollsackverwitterung, die zu den aus (kanten-)gerundeten Blöcken bestehenden „Felsburgen“ führen kann. Beispiele sind der Kutzenstein bei Renchen und der Dasenstein bei Kappelrodeck.
In einem schmalen tektonischen Graben zwischen Berghaupten und Diersburg haben sich Steinkohle führende Oberkarbonsedimente erhalten. Der Abbau der Kohle endete Anfang 20. Jahrhundert. Das ganze Grundgebirge ist von erz- und mineralführenden Gängen durchzogen, die schon im Mittelalter ausgebeutet wurden. Erwähnt werden müssen auch die Mineralquellen, die an tiefe Verwerfungen im Grundgebirge gebunden sind und schon früh zur Entstehung von Heilbädern führten (in Griesbach schon seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts).
Eine Hinterlassenschaft des Eiszeitalters sind die zahlreichen Karbildungen im Buntsandstein des Nordschwarzwaldes, von denen die Mummelseenische am bekanntesten ist.
Radonvorsorgegebiet Der Ortenaukreis liegt in einem der vom Land Baden-Württemberg ermittelten Radonvorsorgegebiete. Diese sind laut Strahlenschutzgesetz verpflichtend zu ermitteln sowie festzulegen und betreffen folgende Gemeinden (Stand 15. Dezember 2020):, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vom 15. Dezember 2020, abgerufen am 4. Januar 2021. Gutach (Schwarzwaldbahn) (Gemeinde-Kennziffer 8317039)
Geschichte Der Landkreis hat seinen Namen von der historischen Landschaft Ortenau.