Atari VCS 2600 280px|Atari Logo Atari Video Computer System 280px|Atari VCS Verkaufsstart: 1977 1979 Atari 2600 280px|Atari 2600 Verkaufsstart: 1982 1982 Atari 2600 Junior 280px|Atari 2600 Junior Verkaufsstart: 1984 1984 Hauptprozessor MOS 6507 Arbeitsspeicher 128 Byte Grafik- und Tonerzeugung Television Interface Adaptor (TIA) Speichermedium Steckmodul, Kompaktkassette Verkaufte Geräte (1977–1992) ca. 30 Millionen weltweit Nachfolgekonsolen Atari 5200, Atari 7800 Meistverkauftes Spiel Pac-Man (7,7 Millionen Stk.)
Das Atari Video Computer System oder auch Atari VCS ist eine der ersten Spielkonsolen des US-amerikanischen Herstellers Atari, Inc. Es basiert auf dem Mikroprozessor MOS 6507, einer eigens für Atari produzierten Variante des MOS 6502. Das Gerät kam 1977 zunächst nur in den Vereinigten Staaten in den Handel, später weltweit. Ende der 1970er Jahre war es auch in der Bundesrepublik Deutschland erhältlich.
Mit Einführung der Nachfolgekonsole Atari 5200 im Jahr 1982 benannte Atari das Gerät in Atari 2600 um. Dem gingen verschiedene Änderungen des äußeren Erscheinungsbildes voraus, die sich nach einem Eigentümerwechsel Ataris 1984 fortsetzten. So folgte noch im selben Jahr mit der umgangssprachlich Atari 2600 Junior genannten Konsole eine weitere Variante mit verschlanktem Gehäuse. Die Produktion wurde Ende 1991 eingestellt.
Atari verkaufte weltweit etwa 30 Millionen Atari VCS 2600, wie die Gesamtheit aller Modelle zusammenfassend auch genannt wird. Ataris VCS 2600 gilt als eine der wirtschaftlich und kulturell bedeutendsten Konsolen der Videospielgeschichte.
Geschichte Im Sommer 1975 standen die Entwicklungsarbeiten an Ataris erster Spielkonsole Pong, einem Gerät zum Anschluss an das heimische Fernsehgerät, kurz vor dem Abschluss. Etwa zur selben Zeit beauftragte Atari Inc. sein Tochterunternehmen Cyan Engineering, eine neue, mikroprozessorbasierte Konsolengeneration zu entwerfen. Ein Spiel würde dann durch Programmanweisungen, die der Mikroprozessor aus einem Speichermedium las und abarbeitete, möglich werden. Auf ein und derselben Konsole könnten so verschiedene – auch zukünftig zu erstellende – Spiele ausgeführt werden. Ihr Austausch würde lediglich den Austausch eines Speichermediums für die Programmanweisungen erfordern. Die Abmessungen und Kosten eines solchen Mediums wären im Vergleich zu der in ihrer Gesamtheit auszutauschenden Konsole der alten Generation sehr viel geringer. Atari versprach sich deshalb von dieser neuen Technik eine effizientere und somit profitablere Umsetzung seiner anderen erfolgreichen Arcade-Spiele wie zum Beispiel Tank und Jetfighter für den Heimbereich.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 329. Unternehmen wie Radio Corporation of America (RCA) und Fairchild Camera and Instrument Corporation arbeiteten derweil an ähnlichen Geräten.
Entwicklung
Machbarkeitsstudie mini|Prototyp vom Dezember 1975 Die Ingenieure im kalifornischen Grass Valley gingen von einer nur kurzen Produktlebensdauer aus. Sie beschränkten daher die technischen Möglichkeiten der neuen Konsole von vornherein darauf, lediglich Ataris damalige Arcade-Spiele ausführen zu können.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 331. Bei einem angestrebten Verkaufspreis von 200 US-Dollar durfte der Preis des zentralen Bauelements, des Mikroprozessors, 30 US-Dollar nicht übersteigen.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 330. Ein solch günstiger Schaltkreis war mit dem MOS 6502 schließlich im September 1975 erhältlich. Er sollte später als MOS 6507, einer speziell für Atari abgerüsteten und damit noch preiswerteren Ausführung, zum Einsatz kommen. Eine erste Machbarkeitsstudie der Konsole mitsamt einer vereinfachten Umsetzung des Automatenspiels Tank stellten die Entwickler unter Leitung von Ron Milner und Steve Meyer Anfang Dezember 1975 fertig.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 332.
Projekt Stella Für eine Grafik und Tonuntermalung, die den Automaten besser angepasst war, entwickelte Joseph Decuir ab Dezember weitere Baugruppen mit fortgeschrittenen grafischen Darstellungstechniken. Diese sollten mit einem Großteil der restlichen Elektronik in einem speziellen integrierten Schaltkreis, der auch die Fernsehsignale erzeugte, zusammengefasst werden. Dessen firmeninternen Codenamen Stella verwendeten die Ingenieure fortan synonym für das gesamte, strenger Geheimhaltung unterliegende Konsolenprojekt. Im März 1976 begann Jay Miner den Gatelevel-Prototyp DecuirsTekla Perry, Paul Wallich: Design case history: the Atari Video Computer System. In: IEEE Spectrum. vom März 1983, S. 45. in seine hochintegrierte Form, den Television Interface Adaptor (kurz TIA), zu überführen. Parallel dazu erfolgten am neuen Entwicklungsstandort im kalifornischen Campbell weitere Anpassungen an der Konsole.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 332 ff. Die Konstruktion der mechanischen Komponenten geht auf Douglas A. Hardy zurück, dem Erfahrungen aus seiner Zeit bei Fairchild zugutekamen.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 335. Die endgültigen technischen und wirtschaftlichen Kennzahlen für das Projekt Stella legten die Entwickler der Unternehmensleitung von Atari im Mai 1976 vor.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 334.
Für die Gestaltung des Konsolengehäuses aus gerilltem schwarzen Plastik zeichnete der Industriedesigner Frederick Thompson verantwortlich. Es wurde kompakter und schwerer als technisch nötig ausgeführt, um potentiellen Kunden eine höhere Wertigkeit des Geräts zu suggerieren. Das Design orientierte sich weitestgehend am Aussehen damaliger Raumausstattung und Heimunterhaltungselektronik, wozu auch die Holzimitatverblendung und auffällige silberfarbene Bedienschalter gehörten. Die Gehäuseform war dergestalt ausgelegt, dass Spiele leicht gewechselt werden konnten und Anschlussbuchsen beispielsweise für die Joysticks problemlos erreichbar waren. Das Aussehen des Joysticks geht auf Kevin McKinsey zurück, der sich wiederum von den Bedienelementen des Automatenspiels Tank inspirieren ließ.
Übernahme durch Warner und Produktionsvorbereitungen Weil abzusehen war, dass die finanziellen Reserven Ataris nicht ausreichen würden, um das neue System rechtzeitig zum geplanten Verkaufsstart im Weihnachtsgeschäft 1977 fertigzustellen, strebte die Unternehmensleitung die Unterstützung durch einen finanzkräftigen Investor an.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 338. Nach der Übernahme von Atari durch Warner Communications Anfang Oktober 1976Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 340. war die Fortführung des Projekts mit mehr als 100 Millionen weiteren US-Dollar gesichert worden.Scott Cohen: Zap! The Rise and Fall of Atari. S. 60. Kurz darauf begannen Ataris Ingenieure und Programmierer verstärkt die Portierung der Automatenspiele voranzutreiben.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 335 ff. Gleichzeitig starteten die Vorbereitungen zur Überführung der Konsole in die Produktion im kalifornischen Sunnyvale. Der Abnahmetest zur elektromagnetischen Verträglichkeit durch die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) wurde im Juni 1977 erfolgreich absolviert – eine maßgebliche Voraussetzung zur Verkaufbarkeit des Gerätes in Nordamerika. Die Produktion startete im Juli.Peter Corcoran, Joe Decuir: Champions in our Midst. In: Consumer Electronics Magazine. vom Juli 2015, S. 65. Verzogene Gehäuseteile, Lieferprobleme bei elektronischen Komponenten und aufwendige Qualitätskontrollen verzögerten indes die Auslieferung der Geräte.Alexander Smith: They Create Worlds. Boca Raton FL 2020, S. 341.
Vermarktung
Vorstellung und Markteinführung mini|Video Computer System (Modellnummer CX-2600, umgangssprachlich auch Heavy Sixer genannt)
Anfang Juni stellte Atari seine Konsole mitsamt Controllern erstmals auf der Summer Consumer Electronics Show (CES) in Chicago unter dem Motto „We take fun seriously“ („Bei uns wird Spaß ernstgenommen“) vor.Victor K. McElheny: Gamble With High Stakes. In: New York Times, 7. Juni 1977, S. 58. Der Hersteller präsentierte dort sein Video Computer System zusammen mit den Spielen Combat, Indy 500, Video Olympics, Air-Sea Battle, Space Mission und Street Racer.Atari Unveils Six New Videos At Chicago Consumer Show. In: Cash Box, 17. Juni 1977, S. 52; . Nur wenig später, Anfang August 1977, begann die Auslieferung der ersten Geräte für den US-amerikanischen Markt.Game Plans. In: Television Digest. 1. August 1977, S. 11. Der unverbindliche Verkaufspreis betrug bei Verkaufsstart 189,95 US-Dollar, was heute inflationsbereinigt ca. Euro entspricht. Mit der Konsole samt Netzteil erwarb der Käufer gleichzeitig zwei Joysticks, ein Paar Drehregler und das Spielmodul Combat.Atari. In: Television Digest. 13. Juni 1977, S. 12. Fünf weitere, bereits auf der CES vorgestellte Spiele waren zusätzlich erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers lag dafür bei je 19,95 US-Dollar. Das Rennspiel Indy 500, dem ein spezieller Controller beigelegt war, kostete 39,95 US-Dollar.Atari, Inc. Merchandising, Juni 1977, S. 88.
Die Veröffentlichung der Konsole fiel in die Zeit des Dedicated Console Crash von 1977, eines Zusammenbruchs des Videospielmarktes in den USA.Mirko Ernkvist: Down Many Times, but Still Playing the Game Creative Destruction and Industry Crashes in the Early Video Game Industry 1971–1986. History of Insolvency and Bankruptcy, Januar 2008, S. 175. Ein Überangebot an älteren Geräten hatte im Laufe des Jahres zu einem ruinösen Preiskampf geführt, in dessen Folge viele Hersteller zahlungsunfähig wurden. Zudem boten zur selben Zeit mit Fairchild und RCA bereits zwei weitere Hersteller mit Channel F und Studio II ebenfalls mikroprozessorgesteuerte Spielkonsolen an.Mark J. P. Wolf: The Video Game Industry Crash of 1977. In: Mark J. P. Wolf (Hrsg.): Before the Crash: Early Video Game History. Wayne State University Press, Detroit 2012, ISBN 978-0-8143-3450-8, S. 87; books.google.de Atari bemühte sich daher in seinem Werbematerial die vermeintlichen Vorteile des Video Computer System sowohl gegenüber der veralteten Konkurrenz als auch den technisch gleichwertigen Geräten herauszustellen. So betonte man mit Hinblick auf die einfachen Pong-Konsolen die Zukunftsfähigkeit und Flexibilität der eigenen Konsole. Zur Abgrenzung von Channel F und Studio II wurde dagegen die Qualität der Spiele herausgestellt: Der Unterhaltungswert von Ataris Spielen sei durch die eingebrachten Erfahrungen aus der Automatenbranche und die vielen Variationsmöglichkeiten pro Spiel unerreicht.Tim Lapetino, Stephan Freundorfer, Winnie Forster: Atari: Kunst und Design der Videospiele. Utting 2018, S. 14.
Lieferschwierigkeiten und Verluste mini|Video Arcade Cartridge System