mini|Marlene Dietrich (1963) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image notpageimage Marlene Dietrich (eigentlich Marie Magdalene Sieber, geborene Dietrich; * 27. Dezember 1901 in Schöneberg, heute Berlin; † 6. Mai 1992 in Paris)MD-Kurzbiografie. In: marlene4ever.com, zitiert den Geburtsregister-Eintrag Nr. 7 vom 2. Januar 1902 im Standesamt Schöneberg. war eine deutsch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Dietrich gilt als Hollywood- und Stilikone und ist eine der wenigen deutschsprachigen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die auch international Ruhm erlangten. Das American Film Institute wählte sie 1999 unter die 25 größten weiblichen Leinwandlegenden aller Zeiten.AFI’s 50 Greatest American Screen Legends. American Film Institute; abgerufen am 17. Mai 2017. Charakteristisch waren ihre rauchig-erotische Stimme, ihre langen Beine und ihre Hosenanzüge, die sie in den 1930er Jahren für Frauen als Kleidungsstück salonfähig machte.
mini|Marlene Dietrich (1920er Jahre) Dietrich begann ihre Karriere als Schauspielerin am Theater und in Stummfilmen der Goldenen Zwanziger in Berlin. Der Aufstieg zum Weltstar gelang ihr 1930 mit der Hauptrolle in dem Film Der blaue Engel von Regisseur Josef von Sternberg. Mit ihm ging sie Anfang der 1930er Jahre nach Hollywood, wo sie von Paramount unter Vertrag genommen wurde. An der Seite von Gary Cooper drehte sie das Drama Marokko (1930), für das sie eine Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin erhielt. Mit Filmen wie Shanghai-Express (1932) und Der große Bluff (1939) etablierte sie sich als erster deutscher Filmstar in Hollywood.
Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland weigerte sich die Schauspielerin, die nationalsozialistische Propaganda zu unterstützen. Stattdessen nahm sie 1939 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten an und unterstützte die US-Truppen während des Zweiten Weltkriegs, indem sie im Rahmen der Truppenbetreuung für die Soldaten sang und Verwundete in Lazaretten besuchte.Alice Schwarzer: In: Emma, März/April 1993. 1947 verlieh ihr US-Präsident Harry S. Truman die Freiheitsmedaille.
Ab den 1950er Jahren stand Dietrich überwiegend als Sängerin auf der Bühne. Zu ihren berühmtesten, auch international erfolgreichen Liedern zählen Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, Lili Marleen, Ich hab noch einen Koffer in Berlin und Sag mir, wo die Blumen sind. Anerkennung für ihre schauspielerischen Leistungen erhielt sie in diesen Jahren für Zeugin der Anklage (1957) unter der Regie von Billy Wilder und für Urteil von Nürnberg (1961) an der Seite von Spencer Tracy. Nach ihrem Rückzug aus dem Showgeschäft Ende der 1970er Jahre lebte sie bis zu ihrem Tod zurückgezogen in ihrer Pariser Wohnung.
Leben und Werk Frühe Jahre mini|links|hochkant|Das Geburtshaus in der Leberstraße 65 in Berlin () mini|hochkant|Marlene (links) mit Schwester Liesel im Jahr 1905 (Hoffotograf Erich Sellin, Unter den Linden 19) mini|links|hochkant|Gedenktafel an ihrem Geburtshaus in Berlin-Schöneberg, Leberstraße 65 Marlene Dietrich kam am 27. Dezember 1901 in der Sedanstraße 53 (ab 1947: Leberstraße 65) in Schöneberg im heutigen Berlin zur Welt. Ihre Eltern waren der PolizeileutnantBirgit Haustedt: Die wilden Jahre in Berlin. Eine Klatsch- und Kulturgeschichte der Frauen. edition ebersbach, Dortmund 1999, ISBN 3-931782-59-X, Kapitel Leni und Marlene, S. 158. Louis Erich Otto Dietrich (1867–1908)Die Angaben zum Sterbedatum und zur Todesursache variieren. Laut der Dokumentation Marlene Dietrich – Her own song (2002), bei der Marlene Dietrichs Enkel John Michael Riva als Regisseur und Produzent mitwirkte, starb Louis Erich Otto Dietrich 1907 an Herzversagen. Nach Karin Wielands Dietrich & Leni Riefenstahl. Der Traum von der neuen Frau. (Carl Hanser Verlag, München 2011, ISBN 978-3-446-23770-4, S. 13) erlag Dietrichs Vater 1908 in einer psychiatrischen Heilanstalt der Syphilis. Das Munzinger-Archiv nennt 1911 als Sterbedatum. Laut der Todesurkunde des Standesamtes Berlin-Charlottenburg starb er am 5. August 1908 in Berlin-Charlottenburg in seiner Wohnung in der Akazienallee 48. und dessen Ehefrau Wilhelmine Elisabeth Josephine geborene Felsing (1876–1945), die Tochter des Berliner Juweliers Felsing. Die Familie Felsing war eine renommierte Juweliersfamilie mit dem traditionsreichen Stammgeschäft Unter den Linden. Felsing war königlich-kaiserlicher Hofuhrmacher. mini|Königlicher Hof-Uhrmacher Conrad Felsing in Berlin, Unter den Linden 20, aufgenommen zwischen 1886 und 1892 Marlene und ihre ältere Schwester Elisabeth (1900–1973)Heinrich Thies, Fesche Lola, brave Liesel. Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester. Hoffmann und Campe, ISBN 978-3-455-00161-7. Ders.: Elisabeth Will. Im Schatten des blauen Engels. In: Die Zeit, Nr. 40/2017, S. 23. verbrachten ihre ersten Lebensjahre in einem als „gutbürgerlich“ zu bezeichnenden Elternhaus auf der Roten Insel in Berlin.Später wohnte die Familie unter anderem in der Kaiserallee 54 (seit 1950 Bundesallee), vgl. Marlene Dietrich in Berlin. Stiftung Deutsche Kinemathek; abgerufen am 25. Januar 2015.
Schon früh erhielt Marlene Geigen- und Klavierunterricht vom Geiger Bernhard Dessau und lernte Französisch sowie Englisch. Über ihre Kindheit schrieb sie später in ihren Memoiren: „Meine Eltern waren wohlhabend, ich habe die denkbar beste Erziehung genossen.“Marlene Dietrich: Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin. Memoiren. Ullstein, Berlin 1997, ISBN 3-548-24537-4, S. 11. Im Frühjahr 1907 wurde sie in die Berliner Auguste-Viktoria-Schule in der Nürnberger Straße eingeschult. Nach dem Tod des Vaters heiratete ihre Mutter zunächst 1909Heiratsregister Standesamt Charlottenburg I, Nr. 395/1909 den geschiedenen Oberlehrer Ulrich Bünger (1869–?) und, nachdem diese Ehe bereits 1911 geschieden wurde, 1914 in Braunschweig den Offizier Eduard von Losch (1875–1916). Die Familie zog nach Dessau, wo Marlene am Antoinetten-Lyceumspäter in Goethe-Oberschule II umbenannt, vgl. Jörg Müller: Große Tradition lebt weiter. In: Mitteldeutsche Zeitung, 8. März 2007, abgerufen am 27. Mai 2021. unterrichtet wurde. Von Losch starb 1916 an der Ostfront an einer Kriegsverletzung.Liste der Gefallenen in der Regimentsgeschichte des Infanterieregiment 77 bei denkmalprojekt.org (eingesehen am 1. Januar 2020) Zu einer Adoption der beiden Töchter war es nicht gekommen. Ab dem 13. April 1917 besuchte Marlene die Victoria-Luisen-Schule (heute Goethe-Gymnasium) in Berlin, die sie zu Ostern 1918 ohne Abitur verließ.Kiezspaziergänge. In: Berlin.de, abgerufen am 25. Januar 2015.
Anfang Oktober 1920 ging sie nach Weimar und wohnte zunächst in einem Mädchenpensionat in der Wörthstraße 49 (heute Thomas-Müntzer-Straße 49). Hier begann sie bei Robert Reitz (mit dem sie zeitweise eine Affäre haben sollteIngrid Czaika: Arthur Rösel. Leben und Werk des Weimarer Komponisten. AVM.Edition, München 2015, ISBN 978-3-95477-046-5, S. 47.) als Privatschülerin eine Ausbildung zur Konzertgeigerin. Weit verbreitete Annahmen, sie habe an der Staatlichen Musikschule Weimar studiert oder sie sei schon 1919 nach Weimar gekommen, sind falsch. Nach den Sommerferien 1921, die sie bei ihrer Mutter in Berlin verbrachte, wohnte sie bis Ende Oktober 1921 in einer Pension, die sich im Weimarer Haus der Frau von Stein, Ackerwand 27, befand. mini|hochkant|Marlene Dietrich in Weimar (Zeichnung von Friedrich Neuenhahn, 1921) Während ihres Aufenthaltes in Weimar hatte sie Begegnungen mit dem am Bauhaus tätigen Künstler Lothar Schreyer und mit Alma Mahler, der geschiedenen Frau des Bauhaus-Direktors Walter Gropius.Stadtmuseum: Marlene Dietrich in Weimar. Sensationelle Entdeckungen der Freunde des Stadtmuseums. In: Rathauskurier, Amtsblatt der Stadt Weimar, Nr. 2, 2021, S. 26 (). In Weimar entstand die wohl erste künstlerische Darstellung der Marlene Dietrich, eine im Stadtmuseum Weimar aufbewahrte Zeichnung von Friedrich Neuenhahn. Die in Weimar erworbenen Fertigkeiten ermöglichten ihr später – längst zum Filmstar avanciert – das virtuose Spiel auf der Singenden Säge, mit dem sie in Drehpausen ihre Kollegen zu unterhalten pflegte.Hermann G. Weinberg in: Aus der Zeit im Weimarer Mädchenpensionat sind die wahrscheinlich allerersten schauspielerischen Posen von Marlene Dietrich überliefert, mit denen sie ihre Pensionatsschwestern gerne unterhielt. Sie mimte dabei u. a. eine „Pagode“, eine damals beliebte Nippesfigur in Gestalt einer asiatischen Figur mit wackelndem Kopf.Volker Wahl: Marlene, mach mal Pagode! Marlene Dietrich in Weimar, ein Nachtrag. In: Jahresschrift des Vereins der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Weimar im Bertuchhaus – Beiträge zur Weimarer Geschichte. 2022, S. 85–103. Siehe auch: Stadtgeschichte kompakt, reich illustrierte Jahresschrift zur Weimarer Geschichte. Erschienen in: Rathauskurier – Amtsblatt Stadt Weimar, 13. April 2022, S. 30 (). 1921 setzte sie ihr Studium in Berlin fort, musste es aber im Jahr darauf wegen einer Sehnenentzündung abbrechen, woraufhin sie beschloss, Schauspielerin zu werden.
Zunächst schloss sie sich einer Mädelstruppe an und tingelte mit ihr singend und tanzend durch die Varietés Deutschlands.Birgit Haustedt: Die wilden Jahre in Berlin, Kapitel Leni und Marlene, S. 167. Ihre ersten Bühnenerfahrungen stellten Marlene Dietrich jedoch nicht zufrieden, sie wollte ans Theater: „Das Theater war der einzige Ort, wo man schöne Texte und schöne Verse vortragen konnte wie die von Rilke, die mir das Herz brachen und doch zugleich auch wieder Mut machten.“Marlene Dietrich: Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin. Memoiren, Berlin 1997, S. 59.
Anfang der Karriere in den 1920er Jahren Nach einem Vorsprechen am Deutschen Theater erhielt sie 1922 ihre erste Theaterrolle am Großen Schauspielhaus im Shakespeare-Stück Der Widerspenstigen Zähmung, das Iwan Schmith als Regisseur nach der Inszenierung von Max Reinhardt neu eingerichtet hatte.Werner Sudendorf: Marlene Dietrich. Dokumente, Essays, Filme. Aktualisierte Fassung. Ullstein, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1980, ISBN 3-548-27506-0, S. 392; s. a. Programmheft Der Widerspenstigen Zähmung. In: Blätter des Deutschen Theaters 9, Heft 2 (1922). Irrtümlich wird deshalb häufig angenommen, dass Dietrich auch ihre Schauspielausbildung an Reinhardts Schauspielschule in Berlin absolviert hätte. Tatsächlich nahm sie jedoch zusammen mit Grete Mosheim privaten Unterricht bei Mitgliedern des Reinhardt-Ensembles, wo sie in rhythmischer Bewegung und Gymnastik, im Fechten sowie in der Stimmbildung geschult wurde. Von September 1922 bis April 1923 spielte sie – meist als Statistin – in 92 Theateraufführungen.Birgit Haustedt: Die wilden Jahre in Berlin, Kapitel Leni und Marlene, S. 168.
Ihr Onkel Willi Felsing vermittelte Dietrich den ersten Kontakt zu einem Filmregisseur und sie wurde zu Probeaufnahmen geladen. Ihr Leinwanddebüt gab Dietrich bald darauf in der Rolle einer Zofe in So sind die Männer (1923) unter der Regie von Georg Jacoby. Später bezeichnete sie sich selbst in dem Film als „eine Kartoffel mit Haaren“.Birgit Haustedt: Die wilden Jahre in Berlin, Kapitel Leni und Marlene, S. 163.
Bei den Dreharbeiten zum vierteiligen Stummfilmdrama Tragödie der Liebe (1923) unter der Regie von Joe May lernte Dietrich den damaligen Aufnahmeleiter Rudolf Sieber (1897–1976) kennen und heiratete ihn am 17. Mai 1923 in Berlin.Steven Bach: Marlene Dietrich: Life and Legend, S. 62. Am 13. Dezember 1924 kam die gemeinsame Tochter Maria Elisabeth zur Welt. Dietrich und Sieber trennten sich in den 1930er Jahren; sie blieben jedoch bis zu seinem Tod verheiratet.