SS-Ehren- und Rangführer zur besonderen Verwendung war der Titel einer Reihe von Dienstgraden, die am 23. Juni 1933 durch Heinrich Himmler in der Schutzstaffel (SS) eingeführt und in die Personen ehrenamtlich eingesetzt werden konnten.Reichsführung SS: SS-Personalbefehl Nr. 8. München, Braunes Haus, am 23. Juni 1933. Die neuartigen Auszeichnungen wurden für „außerordentliche Verdienste um die Belange der SS sowie des öffentlichen Lebens“ verliehen; die Rangordnung entsprach in etwa derjenigen der Stellung à la suite während der Deutsches Kaiserreich. Die ersten Titelträger entstammten dem damaligen Freundeskreis Reichsführer SS, als Himmler von den 32 nicht der SS angehörenden Mitgliedern 15 in den Rang von Ehrenführern erhob.Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Weltbild Verlag 1992, ISBN 3-89350-549-0, S. 132.

Die Position der Ehren- und Rangführer zur besonderen Verwendung wurde Mitte der 1930er-Jahre außer Kraft gesetzt. Neue, ehrenhalber in die SS aufgenommene Angehörige mussten nun innerhalb von sieben Tagen ihren Aufnahme- und Verpflichtungsschein einreichen sowie einen Führereid ablegen. Durch diese Vorgehensweise wurden sie in den festen Bestand des SS-Führerkorps aufgenommen. Im Unterschied zu den übrigen SS-Mann wurden sie jedoch keiner rassischen Musterung unterzogen.Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925–1945. S. 172. Daher wurden in dem 1937 veröffentlichten Organisationsbuch der NSDAP die ehemaligen Ehren- und Rangführer nun auch als SS-Führer in den unteren Dienstgraden und als Mitglieder des regulären SS-Führerkorps aufgeführt.

Ehren- und Rangführer gab es in der SA seit 1931. Erster Träger des Titels dieser Art wurde August Wilhelm von Preußen, der im November dieses Jahres ehrenhalber als Standartenführer in diese NS-Parteiorganisation aufgenommen wurde. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung im Jahr 1933 wurden zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie namhafte Förderer der NSDAP mit dem Titel eines Ehren- und Rangführers ausgezeichnet, ohne dass eine Mitgliedschaft in der Partei oder einer ihrer Gliederungen erforderlich war. Auch „verdiente Parteigenossen“, wie Hermann Göring, wurden mit dem Titel eines Ehren- und Rangführers ausgezeichnet: Göring, dessen regulärer SA-Dienstgrad der eines Obergruppenführers war, wurde als „Ehrenstandartenführer“ ausgezeichnet und der SA-Standarte „Feldherrnhalle“ zugeordnet.

SS-Ehren- und Rangführer wurden auch offiziell in den ersten beiden Ausgaben der SS-Dienstalterslisten geführt. Darüber hinaus gab es für diese Personengruppe auch das eigenständige „Verzeichnis der Ehren- und Rangführer der SS“, welches im April 1934 erschien.

Am 23. Januar 1936 fiel das bisherige System der Ehren- und Rangführer mit den bis dahin verwendeten Kragenspiegeln und Ärmelstreifen, welche diese bisher gekennzeichnet hatten, in allen NS-Organisationen weg: Ehrenführern der SS wurden nun die regulären Dienstgradspiegel und bis spätestens 1938 reguläre SS-Nummern verliehen. Allein das NSFK führte ab 1940 wieder einen gesonderten Kragenspiegel für seine Ehrenführer ein, da es nicht als Parteiorganisation, sondern als ein der NSDAP angeschlossener Verband galt.

Als letzte SS-Ehrenführer schlug Himmler Albert Speer (Dezember 1944), Hermann Göring und Hans-Adolf Prützmann (beide April 1945) vor. Diese drei sollten ehrenhalber in den Stand eines SS-Oberst-Gruppenführers eingesetzt werden. Speer lehnte diese zweifelhafte Ehre allerdings ab. Göring, der gerne Titel sammelte, fiel wenig später bei Adolf Hitler in Ungnade und bei Prützmann in seiner Eigenschaft als Generalinspektor für Spezialabwehr kam es wegen des Kriegsendes nicht mehr zu einer Ernennung.

SS-Ehrenführer SS-Ehrenführerschaften wurden erstmals am 15. März 1932 verliehen, als Max Amann an diesem Tag ehrenhalber zum SS-Gruppenführer wurde. Generell wurden alle Ehrenmitglieder der SS ab dem Dienstgrad eines SS-Standartenführer als „Ehrenführer“ bezeichnet.

Ehrenführer waren meist im höheren Verwaltungsdienst eingesetzt und anfangs einem Oberabschnitt, einem Abschnitt oder einer Standarte zugeteilt. Der Ehrentitel wurde auch sogenannten „Alten Kämpfern“ verliehen.

Ehrenführer brauchten kein eingeschriebenes Mitglied der SS oder gar der NSDAP sein. Zudem waren sie vom aktiven „SS-Dienst“ befreit, hatten aber gegenüber anderen SS-Angehörigen keinerlei Befehlsgewalt.Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, Weltbild Verlag 1992, ISBN 3-89350-549-0, S. 129. Einzige Verpflichtung des Trägers war, bei besonderen Anlässen die Uniform der SS zu tragen und weiterhin die SS finanziell über den „Freundeskreis Reichsführer SS“ zu unterstützen.

Der Historiker Bastian Hein hält fest, dass sich im obersten SS-Führerkorps sehr viele Ehrenführer befunden haben müssen, da es sich binnen kürzester Zeit mehr als verdoppelte, während die Wachstumsquote der SS nur bei 16 Prozent lag.Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925–1945, S. 173. Er zitiert zum Beweis dafür die Feststellung August Heißmeyers vom November 1937:

Letzter Ehrenführer der SS vor der Reform vom 23. Januar 1936 war laut der Dienstaltersliste der SS von 1935 Johann Engel (SS-Nr. 186.488, NSDAP-Nr. 72.201), der mit Wirkung zum 20. April 1935 zum SS-Oberführer ernannt und dem Oberabschnitt Ost zugeordnet wurde. Nach der Einstellung der „Ehren- und Rangführerschaft“ mit der Reform vom 23. Januar 1936 wurden Ehrenführer offiziell in die Allgemeine SS übernommen und dort erscheinen sie zumeist als Angehörige einer im Stab RFSS eingesetzten Personengruppe. Auch waren sie teilweise einer Stammabteilung zugeteilt. Neue Ehrenführer waren verpflichtet, nach Verleihung ihrer „Ehrendienststellung“ innerhalb einer Woche einen „Aufnahme- und Verpflichtungsschein“ einzureichen, der sie – mit der anschließenden Vergabe einer SS-Nummer – zu offiziellen SS-Angehörigen machte. Überdies wurden Ehrenführer im Unterschied zu regulären Anwärtern „rassisch“ nicht „gemustert“.

Uniformierung und Abzeichen mini|Die verschiedenen Ärmelstreifen der SS

SS-Ehrenführer trugen jeweils die aktuellen schwarzen Uniformen der Allgemeinen SS. In dieser wurden zwischen dem 23. Juni 1933 und dem 23. Januar 1936 Kragenspiegel nach dem Vorbild der Standardkragenspiegel für SA-Ehrenführer verwendet: Diese bestanden aus dem Dienstgrad-Spiegel eines Standartenführers, welche beidseitig ein einzelnes Eichenblatt aufwiesen. Hinzu kamen bei den Ehrenführern drei messingfarbene Rangsterne, dazu auf dem rechten Kragenspiegel noch eine 7 mm große Metallziffer, die unter dem Eichenblatt des rechten Kragenspiegels getragen wurde. Diese Nummer entsprach der SS-Standarte, die der jeweilige Ehrenführer zugeteilt wurde. Angesichts dessen führte die Reichsleitung SS sie auch als „zugeteilte SS-Führer“.

Allerdings war bei der SS der Spiegeluntergrund schwarz und die Kordel-Einfassung silbern gehalten, während bei den übrigen NS-Organisationen die Standardkragenspiegel der SA beibehalten wurden, die einen hellblauen Untergrund und goldfarbene Kordel-Einfassungen aufwiesen. Das NSFKK führte spätestens 1940 einen eigenen Kragenspiegel für seine Ehrenführer ein, der deutlich von der SA-Vorgabe abwich.

Am linken Ärmelaufschlag wurde auf der schwarzen Uniform anstelle des üblichen „Sturmstreifens“ anfänglich ein goldfarbener Ärmelstreifen getragen, der in Goldstickerei und Frakturschrift die Bezeichnung „Ehrenführer“ (teilweise mit Zusatzangaben) aufwies. Bereits 1934 wich der goldfarbene Ärmelstreifen einem silberfarbenen, der nun eine graue Inschrift beinhaltete. Dieser eigenständige Ärmelstreifen wies jetzt aus, dass die SS seit Sommer dieses Jahres eine von der SA-Führung völlig eigenständige NS-Organisation darstellte.

Nach der Reform vom 23. Januar 1936, bei der die Ehrendienst-Stellung „Ehrenführer“ aufgegeben und deren Inhaber als reguläre SS-Angehörige auswiesen, wurde nun in der Allgemeinen SS ein besonderes Uniformrecht eingeführt, welches beispielsweise einen Leo von Jena berechtigte, die Dienstgradabzeichen und -titel seines in der Allgemeinen SS erreichten Dienststellung auch in der Waffen-SS zuführen, obgleich er diesen dort bislang nicht erreicht hatte.

SS-Rangführer SS-Rangführerschaften wurden zeitgleich mit den Ehrenführerschaften eingeführt und umfassten alle Dienstgradgruppen ab Untersturm- bis Obersturmbannführer.

Was diese Personengruppe von den Ehrenführern unterschied, war die Tatsache, dass diese reguläre SS-Angehörigen waren und dementsprechend über eine offizielle SS-Nummer verfügten und dass sie dem unteren und mittleren Führungskorps einer SS-Stammabteilung oder eines SS-Sturmbanns zugeordnet waren. In der Regel wurde dieser Personenkreis aus ehemaligen Reichswehr- und Polizeioffizieren gebildet, die aufgrund ihres Fachwissens in die Allgemeine SS aufgenommen worden waren.

Rangführer der Verfügungstruppe und der Totenkopfverbände waren aktive Angehörige der Reichswehr und der Polizei, die ebenfalls aufgrund ihres Fachwissens in diese überstellt wurden.

Was Rangführer von „normalen“ SS-Angehörigen unterschied, war die Tatsache, dass sie bei Überstellung in die SS nicht „rassisch gemustert“ wurden, also nicht das Auswahlverfahren der SS-Bewerber zu durchlaufen hatten. Diese Personengruppe bildete den Vorläufer der späteren SS-Fachführer.

Die „Rangführerschaft in der SS“ wurde spätestens im Oktober 1935 ersatzlos eingestellt, nachdem im Januar desselben die letzten Rangführer ernannt worden waren: Letzter SS-Rangführer wurde vor der Reform vom 23. Januar 1936 laut der SS-Dienstaltersliste von 1935 Hans Perko (SS-Nr. 261.324), der mit Wirkung vom 30. Januar 1935 als Untersturmführer der SS-Sammelstelle Dachau zugeordnet wurde.

Uniformierung und Abzeichen SS-Rangführer trugen in der Allgemeinen SS sowie in den bewaffneten SS-Verbänden (Verfügungstruppe, Totenkopfverbände) ebenfalls die schwarzen Uniformen der SS. Im Gegensatz zu den ihnen übergeordneten Ehrenführern trugen sie auf ihren Uniformen die standardmäßigen Kragenspiegel ihrer Einheiten, denen sie zugeordnet waren.

Als Unterscheidungsmerkmal zu „normalen“ Angehörigen ihrer Einheit, wiesen Rangführer einen besonderen Ärmelstreifen auf, die wie jener der Ehrenführer gestaltet war: 1933–1934 war der Untergrund dieses Ärmelstreifens goldfarben und wies in Goldstickerei den Fraktur-Schriftzug „Rangführer“ auf, der mit Zusatzangaben ergänzt werden konnte. Ab 1934 wich die goldfarbene Untergrundfarbe einer silberfarbenen und der Schriftzug war nun in Grau gehalten.

Tabelle der SS-Ehrenführer (1934)