Der Spion, der mich liebte (Originaltitel: The Spy Who Loved Me) ist der zehnte Film aus der James-Bond-Reihe, gedreht von Lewis Gilbert in den Jahren 1976 und 1977. Der Film hatte am 7. Juli 1977 Weltpremiere in London und am 26. August 1977 Premiere in Deutschland.
Handlung Nach dem rätselhaften Verschwinden eines britischen Atom-U-Boots auf hoher See beauftragt der MI6 James Bond mit der Aufklärung des Falls. Die Sowjets, die auf dieselbe Weise ein Atom-U-Boot verloren haben, setzen ihre Agentin Anya Amasova (Deckname Triple X) ein.
Nachdem Bond in Österreich bei einer Verfolgungsjagd auf Skiern den Anführer der zunächst unbekannten Angreifer erschossen hat, reist er nach Kairo, wo die Pläne eines geheimen U-Boot-Ortungssystems auf dem Schwarzmarkt angeboten werden. Sein Studienfreund Scheich Hosein bringt Bond auf die Spur von Aziz Fekkesh, doch der Agent muss zusehen, wie Fekkesh bei den Pyramiden von Gizeh vom Beißer getötet wird, einem riesenhaften Killer mit Stahlgebiss. Hier trifft Bond auf Anya und buhlt mit ihr bei Max Kalba um den Erwerb der Pläne, die sich auf einem Mikrofilm in dessen Besitz befinden. Noch vor Abschluss des Handels taucht der Beißer erneut auf, tötet Kalba und entwendet den Mikrofilm. Bond und Anya nehmen die Verfolgung auf und können ihm den Film in der Tempelanlage von Karnak wieder abjagen. Nachdem Bond von Anya mit Betäubungsgas außer Gefecht gesetzt wird, trifft er sie zusammen mit ihrem Chef, General Gogol, in der ägyptischen Außenstelle des MI6 wieder. Hier eröffnet ihm sein Vorgesetzter M, dass ihre beiden Regierungen sie gemeinsam auf die Lösung des Falls ansetzen wollen. Eine Spur auf dem Mikrofilm führt zum Reeder und Meeresbiologen Karl Stromberg, der bei Sardinien ein Meeresforschungslabor in einer Tauchstation besitzt.
Auf dem Weg nach Italien werden Bond und Anya im Zug erneut von Beißer angegriffen. Bond kann ihn jedoch aus dem Fenster stoßen und verbringt mit Anya die Nacht in ihrem Abteil. Als Meeresforscher und dessen Frau getarnt, besuchen sie Stromberg in dessen Tauchstation Atlantis. Beißer identifiziert sie als Agenten und Stromberg befiehlt, sie zu beseitigen. Auf dem Rückweg im Lotus Esprit, den Bond von Q erhalten hat, werden sie von Beißer und weiteren Leuten Strombergs verfolgt, können sie jedoch abschütteln. Auf der Flucht vor den Bordwaffen eines von Strombergs Assistentin Naomi gesteuerten Hubschraubers fährt Bond den Lotus ins Meer, verwandelt ihn per Knopfdruck in ein U-Boot und schießt den Hubschrauber mit einer Rakete ab. Unter Wasser stellen sie an Strombergs Station fest, dass er der Drahtzieher hinter den U-Boot-Entführungen ist. Sie werden von dessen Tauchern angegriffen, können sich jedoch verteidigen und fliehen. Stromberg hat die Morde an Fekkesh und Kalba veranlasst und ebenso seine verräterische Sekretärin und die beiden Erfinder des Ortungssystems als Mitwisser liquidiert. Zurück im Hotel findet Anya heraus, dass Bond bei der Skijagd in Österreich ihren Geliebten, ebenfalls Agent des sowjetischen Geheimdienstes, erschossen hat und schwört, Bond nach Erledigung des Auftrags zu töten.
Die gestohlenen U-Boote befinden sich im Inneren von Strombergs Supertanker Liparus, den Bond und Anya im US-amerikanischen U-Boot von Kapitän Carter verfolgen. Hierbei wird ihr U-Boot ebenso von der Liparus „geschluckt“ und die Besatzung gefangen genommen. Strombergs Plan ist es, unter Wasser eine neue Zivilisation zu erschaffen. Die gestohlenen U-Boote sollen Atomraketen auf New York und Moskau abfeuern, um so einen globalen Atomkrieg zu provozieren, der die in seinen Augen dekadente Zivilisation auslöscht. Mit Anya als Gefangene macht sich Stromberg in Richtung seiner Atlantis-Station davon. Bond kann sich und die anderen U-Boot-Besatzungen befreien und mit deren Hilfe nach einem schweren Gefecht gegen Strombergs Truppen mit einem aus einer Atomrakete ausgebauten Sprengkopf den Kommandobunker der Liparus aufsprengen. Er lässt Carter den bereits ausgelaufenen U-Booten mit Strombergs Mannschaften an Bord den Standort des jeweils anderen Bootes als neue Zielkoordinate übermitteln, so dass sie sich gegenseitig zerstören. Mit dem verbliebenen amerikanischen U-Boot verlassen die Überlebenden die durch den Kampf schwer beschädigte, sinkende Liparus.
Carter erhält von der US-Regierung den Befehl, Strombergs Station Atlantis zu torpedieren. Bond, der Anya retten will, erwirkt bei Carter eine Galgenfrist von einer Stunde. Mit einem von Q entwickelten Jet-Ski erreicht er die Station, wo er auf Stromberg trifft und ihn erschießt. Es gelingt ihm, den Beißer in Strombergs Haifischbecken zu werfen, eben als die Frist verstrichen ist und Carter die Tragstützen der Station torpedieren lässt. Bond findet Anya und entkommt mit ihr in Strombergs Rettungskapsel aus der versinkenden Station an die Wasseroberfläche. Auch der Beißer rettet sich, nachdem er den Hai besiegen konnte. Schließlich kann Bond unter Aufbietung seines ganzen Charmes Anya überzeugen, ihn doch nicht zu töten. Als die Rettungskapsel geborgen wird und die Vorgesetzten durch deren Bullauge blicken, sehen sie Bond und Anya in inniger Umarmung unter der Bettdecke liegen.
Produktion Drehbuch Ian Fleming war mit seinem Roman Der Spion, der mich liebte nicht zufrieden und hatte bestimmt, dass lediglich der Titel für einen Film benutzt werden dürfe, nicht jedoch Teile der Handlung.
Eine ganze Reihe von Autoren wurde mit der Arbeit an einem Drehbuch beauftragt, darunter Stirling Silliphant, John Landis, Ronald Hardy, Anthony Burgess und Derek Marlowe. Letztlich war es wieder Richard Maibaum, der ein Drehbuch entwickelte, in das er Ideen der anderen Schriftsteller einfließen ließ. Sein Buch handelte von einer Gruppe Terroristen, die durch die Absetzung Blofelds und Übernahme der Organisation SPECTRE eine neue Weltordnung erschaffen wollen. Dieser Entwurf wurde aber von Broccoli abgelehnt, der ihn als zu politisch einstufte.
Regisseur Lewis Gilbert schlug vor, das Drehbuch von Christopher Wood überarbeiten zu lassen, mit dem er bereits für den 1977 veröffentlichten Film Königliche Hoheit in Japan zusammengearbeitet hatte. Wood entwickelte aus dem vorhandenen Stoff das endgültige Drehbuch, für das er im Abspann gemeinsam mit Richard Maibaum genannt wurde.
Titel Der Titel wurde von Ian Flemings gleichnamigem Roman übernommen, hat aber nichts mit dessen Handlung zu tun. Er wird im Film auch nicht genannt.
Besetzung Roger Moore hatte ursprünglich einen Vertrag über drei Bond-Filme geschlossen, von denen Der Spion, der mich liebte der dritte war. Für die Rolle des Bond-Widersachers Karl Stromberg wurde aufgrund seiner Darstellung des Kapitän Nemo in 20.000 Meilen unter dem Meer zunächst James Mason in Betracht gezogen. Die Rolle wurde dann aber mit Curd Jürgens besetzt, der im Abspann als „Curt Jurgens“ geführt wird. Die Rolle der von Barbara Bach gespielten russischen Agentin Major Amasova sollte ursprünglich von Lois Chiles gespielt werden, die dann im folgenden James-Bond-Film Moonraker – Streng geheim die Rolle der Dr. Goodhead erhielt. Im Abspann wird der von Walter Gotell dargestellte General Gogol zumeist mit dem Vornamen „Anatol“ wiedergegeben; in diesem Film (seinem ersten Auftritt) spricht M ihn jedoch als „Alexis“ an.Der Spion, der mich liebte, RC2-DVD, bei 51'26". In derselben Szene wird M von Gogol ausnahmsweise mit seinem Vornamen „Miles“ angesprochen. Auch der wieder von Desmond Llewelyn gespielte Q wird in diesem Film (zum zweiten Mal) namentlich erwähnt: Bei der Ankunft von Bond und Major Amasova auf Sardinien begrüßt Amasova ihn mit den Worten „Guten Morgen, Major Boothroyd“. Zuvor war dies bereits in James Bond jagt Dr. No der Fall. Damals wurde Q jedoch noch von Peter Burton dargestellt und nicht mit „Q“ angesprochen. Die Rolle des Beißers wollte Broccoli ursprünglich mit Will Sampson besetzen, entschied sich dann aber für Richard Kiel, der in dieser Rolle in Moonraker einen weiteren Auftritt hatte, weil das Publikum begeistert von ihm war. Die Stimme in der Pyramidenveranstaltung wurde im Original von Charles Gray gesprochen, der bereits bei Man lebt nur zweimal (als Henderson) und in Diamantenfieber (als Blofeld) mitgewirkt hatte. In der deutschen Version wurde dieser Teil von Manfred Schott synchronisiert. Als Running Gag wurde ein von Victor Tourjansky gespielter Tourist eingeführt, der meist ungläubig auf sein alkoholisches Getränk schaut, wenn Bond in ungewöhnlicher Weise auftaucht. Er taucht in diesem Film am Strand, in Moonraker auf dem Markusplatz und in In tödlicher Mission auf einer Skihütte auf und glaubt, Bonds Auftritte wären eine Folge seines Alkoholgenusses. Seit Octopussy (in dessen Finale dieser Gag mit einem anderen Darsteller ein letztes Mal gezeigt wird) wurde die Figur nicht mehr eingesetzt.
Titelgestaltung Für die Titelgestaltung war erneut Maurice Binder verantwortlich. Die Einleitungsszene geht nahtlos in den Titelvorspann über, in dem zum dritten Mal in der Reihe James Bond selbst zu sehen ist. In den hauptsächlich in Zeitlupe dargestellten Szenen der ohne sichtbare Schnitte auskommenden Sequenz sind neben Bond die Silhouetten verschiedener Frauen zu sehen, die Turnübungen an abstrakten Waffendarstellungen durchführen.Ben Radatz: James Bond: 50 Years of Main Title Design. In: artofthetitle.com, 18. Dezember 2012 (englisch).
Zum ersten Mal in der Geschichte der Bond-Filme wurde dem Autor Ian Fleming in den Filmtiteln lediglich die Figur James Bond zugeschrieben, während sein Name bei den vorherigen Filmen noch vor dem Titel des Films erschien. Man verwendete also „Ian Fleming’s James Bond in The Spy Who Loved Me“ an Stelle von „Ian Fleming’s The Spy Who Loved Me“. Dies resultierte daraus, dass für Der Spion, der mich liebte erstmals ein völlig eigenständiges Drehbuch geschrieben wurde, ohne dabei Elemente aus Flemings Roman zu übernehmen. Diese Art der Nennung im Vorspann wurde ab In tödlicher Mission zum Standard der Serie.
In der in den meisten James-Bond-Filmen vorkommenden Sequenz zu Beginn des Films, in der Bond von rechts scheinbar am Zuschauer vorbeigeht, dann aber in dessen Richtung und damit anscheinend in einen Pistolenlauf schießt, trägt der Agent hier erstmals Smoking und Fliege.
Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden vom 31. August 1976 bis 26. Januar 1977 statt. Bei den Dreharbeiten entstand die „Halle 007“, die damals größte Filmhalle der Welt, in die ein Atom-U-Boot-Nachbau (fast im Maßstab 1:1) passte. Einige Jahre später brannte sie nieder. Sie hatte 2,5 Millionen Dollar gekostet, bei Gesamtproduktionskosten von 13 Millionen Dollar. Bei der Beleuchtung in den Tankerszenen hatte der Regisseur Stanley Kubrick – ohne dass das Film- und Produktionsteam etwas davon wusste – seine Hände im Spiel, indem er Ken Adam, der für die Bauten zuständig war, bei Fragen der Be- und Ausleuchtung beriet. Die Skifahrsequenzen entstanden unter der bewährten Aufsicht von Willy Bogner junior, die Unterwasseraufnahmen lagen in der Hand von Lamar Boren. mini|Mount Asgard, auf dem der Sprung für die Eröffnungsszene des Films gedreht wurde