Als Artikel (von ), in der traditionellen Grammatik auch Geschlechtswort oder Begleiter, wird ein Wort bezeichnet, das regelhaft in Verbindung mit einem Substantiv (einschließlich Substantivierungen) gebraucht wird und es vor allem hinsichtlich seiner Definitheit kennzeichnet.

Im Deutschen herrscht Kongruenz, also Merkmalsübereinstimmung, zwischen Artikel und Substantiv in Genus, Numerus und Kasus. Das Genus des Substantivs ist im Deutschen und manchen anderen Sprachen dadurch nur am Artikel direkt zu sehen. Für den Begriff des Artikels ist es jedoch nicht wesentlich, dass solche Merkmale ausgedrückt werden; daher wird die deutsche Bezeichnung „Geschlechtswort“ in der Grammatik nicht allgemein benutzt. Es ist möglich, dass eine Sprache Genus bei Substantiven unterscheidet, aber zugleich nicht bei Artikeln, so im Walisischen.

Ein Artikel hat keine eigene inhaltliche Bedeutung, sondern setzt die inhaltliche Beschreibung, die das begleitete Substantiv gibt, in Beziehung zu konkreten Individuen, zum Beispiel in folgender Weise: Er führt mithilfe der gegebenen Beschreibung ein neues Individuum ein: In diesem Auto sitzt ein Säugling. (a) Er greift ein bereits erwähntes und nach der Beschreibung eindeutig bestimmbares Individuum wieder auf: Gib mir mal den Säugling! (b) Es wird ein noch nicht erwähntes Individuum bezeichnet, dessen Existenz aber sowohl Sender als auch Empfänger eindeutig erschließbar ist: Sie muss ins Krankenhaus, das Baby kommt. (c) Es wird eine generelle Aussage gemacht über etwas, das seiner Art nach bekannt ist: Ein Säugling beherrscht noch nicht die Rechtschreibung. (d)

Solche Bedeutungsmerkmale nennt man in der Grammatik indefinit (a), definit (b), spezifisch (c) und generisch (d); sie werden in der grammatischen Kategorie Determination zusammengefasst.

Diese Bedeutungsmerkmale müssen nicht zwangsläufig von selbständigen Wörtern ausgedrückt werden, sondern können auch durch Affixe angezeigt werden, die keinen Status als eigenständige Wörter haben (etwa in den skandinavischen oder in den Balkansprachen). Artikel als selbständige Wörter sind jedoch insofern prominent, als sie in den großen Sprachen Westeuropas auftreten, die über den ganzen Globus verbreitet sind: im Englischen, im Französischen, im Spanischen, im Portugiesischen und eben auch im Deutschen.

Linguistische Zuordnung

Aufgrund ihrer Funktion als Begleiter von Nomina werden Artikel in der jüngeren Linguistik zu den Determinativen (auch Determinantien, Determinierer, Artikelwörter; DET) gezählt. Unter der erweiterten Begriffsbestimmung der Wortart werden als Artikelwort auch die adjektivischen Pronomen einbezogen. Dabei ist zu beachten, dass Artikelwörter nur dann als solche bewertet werden, wenn sie ein Hauptwort begleiten. Ohne dieses Merkmal sind es gewöhnliche Pronomina.

Zu solchen Determinativen zählen neben dem Artikel im engeren Sinne solche von Pronomina abgeleitete Formen, die den Artikel ersetzen können, zum Beispiel kein/dieses/jenes/manches/jedes Computerprogramm statt das/ein Computerprogramm.

Sprachen, die weder Artikel i.e.S. noch ein Artikelwort besitzen, sind artikellos, auch unter Einbeziehung des Artikelworts in die weitere Definition der Wortart ‚Artikel‘ (ART). Doch kann ein i. e. S. artikelloser Sprachtyp (wie etwa slawische Sprachen) durchaus Artikelwörter aufweisen, zum Beispiel: bzw. für .Quelle: Metzler, Bisle-Müller, Helbig.

Syntaktischer Status Durch die Hinzufügung eines Artikels entsteht eine abgeschlossene syntaktische Phrase. Es bestehen jedoch unterschiedliche Ansichten darüber, ob in dieser Verbindung der Artikel den syntaktischen Kopf darstellt oder das Substantiv; entsprechend wird entweder von Determinansphrase oder von Nominalphrase gesprochen.

Erscheinungsformen Es gibt zwei semantisch zu unterscheidende Artikel, nämlich den definiten (bestimmten) und den indefiniten (unbestimmten) Artikel. Zu ihrer Funktion siehe das Stichwort Definitheit. Deutsch verfügt über beide (der und ein). Andere Sprachen wie Altgriechisch haben bloß einen definiten, noch andere wie Türkisch nur einen indefiniten Artikel, während die meisten Sprachen gar keinen Artikel besitzen, darunter Latein.

Sprachen mit Artikel unterscheiden sich darin, inwieweit seine Verwendung in nominalen Ausdrücken möglich oder obligatorisch ist. Im Deutschen erhalten Nominalsyntagmen, die auf unbestimmte, nicht zählbare oder unverwechselbar einmalige Gegenstände Bezug nehmen, häufig einen sogenannten Nullartikel, d. h. sie werden vor allem beim Fehlen unterscheidender Adjektive ohne bestimmten Artikel verwendet. Darunter fallen z. B. indefinite Abstrakta und Massensubstantive (wie Kannst du mir Geld leihen?) oder Eigennamen (Das Geld ist von Peter oder Wir fahren nach Berlin). Auch indefinite pluralische Bildungen, also die Pluralform des unbestimmten Artikels, werden mit Nullartikel realisiert (Da läuft ein Kind wird zu Da laufen Kinder).Nullartikel. In: Mein Deutschbuch, abgerufen am 13. September 2026.Der Nullartikel. In: der-artikel.de, abgerufen am 13. September 2026.

Wie auch in anderen Sprachen kongruieren deutsche Artikel mit dem Substantiv, zu dem sie gehören, in grammatischen Kategorien wie Genus, Numerus und Kasus. Im Deutschen sind diese Kategorien oft stärker am Artikel erkennbar als an der Endung des Substantivs, beispielsweise ändert sich in den Ausdrücken die Frau im Nominativ und Akkusativ und der Frau im Genitiv und Dativ die Nominalform selbst nicht, sondern nur der begleitende Artikel. Insofern dient der Artikel zur Kennzeichnung dieser Kategorien. Beispielsweise wird in deutschen Wörterbüchern das Genus oft nicht in Form von Kürzeln für maskulin, feminin, neutrum angegeben, sondern durch Voranstellung des definiten Artikels der, die, das.

Historische Entwicklung der Artikel mini|Verbreitung der bestimmten und unbestimmten Artikel in den Sprachen von Europa:

Die indogermanische Ursprache, aus der sich in den letzten 5000 Jahren die meisten Sprachen Europas entwickelten, hatte nach heutigem Wissen noch keinen Artikel. Die Artikel entstanden erst in den verschiedenen Tochtersprachen.

Der unbestimmte Artikel Der unbestimmte Artikel entwickelte sich in vielen Sprachen aus dem Numerale (Zahlwort) für 1 und ist deshalb häufig mit diesem in der Form identisch.

lateinisch ūnus/ūna/ūnum (von altlateinisch oinosFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 157 f. (Stichwort „ein“).) (m./f./n.) → italienisch uno/una → französisch un/une → katalanisch un/una → spanisch un/una → portugiesisch um/uma

Jedoch wird er im Gegensatz zum Zahlwort meist nicht oder nur schwach betont und hat sich darum auch in seiner Form in manchen Sprachen und Dialekten so stark verändert, dass er vom Zahlwort klar zu unterscheiden ist:

lateinisch ūnus/ūna/ūnum (m./f./n.) → rumänisch unu/una (Zahlwort) → rumänisch un/o (unbestimmter Artikel)

altenglisch ān → neuenglisch one (Zahlwort) → neuenglisch a, an (unbestimmter Artikel)

althochdeutsch einer/einiu/einaz (m./f./n.) → mittelhochdeutsch ein/eine/ein (m./f./n.) → bairisch oa (Zahlwort, Einheitsform für alle Genera) → bairisch a (unbestimmter Artikel, Einheitsform für alle Genera)

Man vergleiche zur unterschiedlichen Funktion von Numerale und unbestimmtem Artikel folgende deutsche Sätze, wo der Satzakzent fett markiert ist:

Ich möchte einen Bleistift. (Satzakzent auf dem Zahlwort: genau einen, nicht zwei oder mehr) Ich möchte einen Bleistift. (Satzakzent auf dem Objekt: und nicht etwas anderes, z. B. einen Kugelschreiber) Ich möchte einen Bleistift. (Satzakzent auf dem Subjekt: und nicht jemand anderes, z. B. meine Kollegin) Ich möchte einen Bleistift. (Satzakzent auf dem Prädikat: und habe ihn nicht bereits)

Nur im ersten Satz ist einen die Form des Zahlworts für 1, und es ist als solches auch stets betont. In den übrigen Sätzen ist einen unbestimmter Artikel und bedeutet einen beliebigen; als solcher trägt es den Satzakzent nicht, sondern lehnt sich in der Betonung an das dazugehörige Substantiv (in diesem Fall: Bleistift) an.

Der Unterschied wird auch dadurch erkennbar, dass der unbestimmte Artikel – im Gegensatz zum Zahlwort für 1 – in der deutschen Umgangssprache zum Klitikon reduziert werden kann und so seinen Status als eigenständiges Wort mit Betonung vollständig verliert:

Ich möcht’ ’nen Bleistift. Ich möcht’ ’n Bleistift.

In neueren Formen der Umgangssprache wird der unbestimmte Artikel jedoch neu gebildet durch Anreicherung mit der ihrer deiktischen Funktion entledigten Partikel so:

Ich möcht’ so’n Bleistift.

Der bestimmte Artikel Die älteste Sprache, für die sich der Gebrauch eines bestimmten Artikels nachweisen lässt, ist das Griechische. Das entsprechende Morphem geht dabei auf ein urindogermanisches Demonstrativum zurück, welches im Laufe der Entwicklung der griechischen Sprache seine demonstrative Funktion soweit eingebüßt hat, dass es zum bestimmten Artikel umfunktioniert werden kann:

urindogermanisch *só deh₂mos (demonstrativ: „diese Leute“) → (ho dēmos, definit: „das Volk“; auch „die ganze Bevölkerung eines Gebiets“) Auch in Wulfilas gotischer Bibelübersetzung lassen sich Artikel nachweisen, deren Gebrauch Ingerid Dal auf den Einfluss des griechischen Ausgangstextes zurückführt, in dem Artikel verwendet wurden. Im Althochdeutschen (das keine Fortsetzung des Gotischen ist) ist die Artikelverwendung ebenfalls belegt, wenn auch noch nicht in aller Konsequenz: Der bestimmte Artikel entwickelte sich aus den Demonstrativpronomen dër, diu, daz und wurde auch schon als Relativpronomen gebraucht. Infolgedessen entstanden die so genannten zusammengesetzten Demonstrativpronomen aus dem einfachen Demonstrativpronomen und dem unflektierbaren Demonstrativpartikel se. Daher wird zunächst auch nur der erste Teil flektiert; die Endflexion wird hier erst später die Regel.

Im Mittelhochdeutschen ist das Vorkommen von artikellosen Substantiven schon sehr stark eingeschränkt; der Gebrauch des bestimmten wie auch des unbestimmten Artikels wird im Mittelhochdeutschen die Regel. In dieser Sprachperiode findet sich auch die im Neuhochdeutschen unmögliche Form der Artikelsetzung vor Possessivpronomen und Substantiv: die iuweren schoenen tohter. Eine weitere heute ungebräuchliche Konstruktion ist die gleichzeitige Verwendung von bestimmtem und unbestimmtem Artikel, die sich vor allem vor einem Relativsatz oder beim Superlativ nachweisen lässt: ein daz schoenste gras. Erst allmählich erreichte die Entwicklung den Stand, dass dem alternativen Gebrauch von bestimmtem oder unbestimmtem Artikel oder Artikellosigkeit konkrete Bedeutungsunterschiede entsprachen. Vor Personennamen schwankt die Artikelverwendung; viele deutsche Varietäten kennen sie,Zum Vorkommen in der deutschsprachigen Schweiz siehe Schweizerisches Idiotikon, Band XIII, Spalte 1154 ff. (Artikel dër II, Bed. A3b); Sprachatlas der deutschen Schweiz, Band III, Karte 141 sowie Syntaktischer Atlas der deutschen Schweiz, hrsg. von Elvira Glaser, Francke, Tübingen 2021, Band 2, S. 35–45. die Standardsprache hingegen nicht. Im Schweizerdeutschen etwa heißt es: i ha der Marco gseh = „ich habe [den] Marco gesehen“, obwohl dies in neuerer Zeit seltener geschieht.

Dieser Trend lässt sich heute in Ansätzen auch in einigen baltischen und slawischen Sprachen beobachten. Im Tschechischen wird kontextgebundenen Substantiven oft ein Demonstrativpronomen vorangestellt, ebenso im Litauischen. Im Polnischen tauchen fallweise nachgestellte Demonstrativpronomina auf, die vorerwähnte Ausdrücke hervorheben.