mini|hochkant|Thaksin Shinawatra (2005) Thaksin Shinawatra (Thai: , RTGS-Umschrift: Thaksin Chinnawat, Aussprache: [], ) (* 26. Juli 1949 in San Kamphaeng, Provinz Chiang Mai) ist ein thailändischer Politiker und Unternehmer, der auch die montenegrinische Staatsbürgerschaft besitzt. Von Februar 2001 bis September 2006 war er Premierminister von Thailand.

Der ehemalige Polizeioffizier und promovierte Strafrechtler gründete 1987 das IT-, Telekommunikations- und Medienunternehmen Shin Corp., das ihn zu einem der reichsten Männer Thailands machte. 1994 ging er in die Politik, wurde Außenminister und von 1995 bis 1997 stellvertretender Ministerpräsident. Nach einem Erdrutschsieg der von ihm gegründeten Thai-Rak-Thai-Partei (TRT) wurde Thaksin 2001 Ministerpräsident.

Seine Regierung bekämpfte die Armut, besonders in ländlichen Gebieten, führte allgemeinen Zugang zur Gesundheitsversorgung ein und investierte in die Infrastruktur.Funston: Divided over Thaksin. 2009, S. xviii.Aurel Croissant: Wohlfahrtsregime in Ostasien. Strukturen, Leistungsprofile und Herausforderungen. In: Soziale Sicherung in Entwicklungsländern. Leske + Budrich, Opladen 2004, S. 136.Andrew Walker: Thailand’s Political Peasants. Power in the Modern Rural Economy. University of Wisconsin Press, Madison 2012, S. 54, 209, 220.Mark R. Thompson: Class, charisma, and clientelism in Thai and Philippine political parties. In: Party Politics in Southeast Asia: Clientelism and Electoral Competition in Indonesia, Thailand, and the Philippines. Routledge, Abingdon Oxon/New York 2013, S. 72.Mely Caballero-Anthony: Political Transitions in Southeast Asia. In: Southeast Asian Affairs 2005. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 2005, S. 35.Michael Kelly Connors: Thailand. The Facts and F(r)ictions of Ruling. In: Southeast Asian Affairs 2005. 367.Joe Studwell: Asian Godfathers. Money and Power in Hong Kong and South East Asia. Profile Books, London 2008, S. 243. Thaksin erklärte einen „Krieg gegen Drogen“, in dem über 2500 Menschen starben, und bekämpfte den muslimischen Aufstand in den Südprovinzen gewaltsam.

Thaksin war der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident, der die volle vierjährige Amtszeit ausüben konnte. Seine Partei erhielt bei der Parlamentswahl am 6. Februar 2005 60,48 % der Stimmen und 377 der 500 Sitze. Nachdem er milliardenschwere Anteile an seinem Unternehmen steuerfrei an ausländische Investoren verkauft hatte, kam erhebliche Kritik auf. Eine Bürgerbewegung gegen Thaksin, die Volksallianz für Demokratie („Gelbhemden“), führte Massenproteste durch, warf ihm Korruption, Amtsmissbrauch und Streben nach Alleinherrschaft vor. Thaksin reagierte mit einer vorgezogenen Neuwahl am 2. April 2006, die die Opposition boykottierte und die später vom Verfassungsgericht für ungültig erklärt wurde.

Am 19. September 2006 putschte das Militär, die TRT-Partei wurde verboten und Thaksin mit einem Politikverbot belegt. 2008 wurde er wegen Amtsmissbrauchs zu einer Haftstrafe verurteilt. Er war zuvor ins Ausland geflohen und blieb dort bis 2023. Bei seiner Rückkehr aus dem Exil wurde er wegen Korruption inhaftiert und wenig später in ein Polizeikrankenhaus verlegt. Thailands König Maha Vajiralongkorn reduzierte die gegen Thaksin verhängte achtjährige Haftstrafe im September 2023 auf ein Jahr. Am 18. Februar 2024 wurde er auf Bewährung entlassen.tagesschau.de 18. Februar 2024. Im September 2025 urteilte der Oberste Gerichtshof, dass Thaksin weiterhin zu einer einjährigen Haftstrafe verpflichtet sei. Das Gericht entschied, dass seine Unterbringung im Jahr 2023 in einer VIP-Krankenhausstation anstelle einer regulären Haftanstalt nicht als vollständig verbüßte Strafe anzusehen sei.

Thaksin beeinflusste die Politik Thailands auch während seiner Zeit im Exil: durch die von 2007 bis 2008 regierende Partei der Volksmacht und deren Nachfolgeorganisation Pheu Thai sowie durch die ihm nahestehende Massenorganisation United Front for Democracy Against Dictatorship („Rothemden“). Von 2011 bis zur vorgezogenen Parlamentswahl am 2. Februar 2014 war seine Schwester Yingluck Shinawatra Ministerpräsidentin. Von dem 16. August 2024 bis zum 1. Juli 2025 war seine Tochter Paetongtarn Shinawatra Ministerpräsidentin.

Herkunft und Familie Thaksin stammt aus einer chinesischstämmigen Familie wohlhabender Seiden- und Reishändler. Sein Urgroßvater Seng Sae Khu, der zur Volksgruppe der Hakka gehörte, wanderte in den 1860er-Jahren aus der chinesischen Provinz Guangdong nach Siam (das heutige Thailand) ein. Er wurde Steuerpächter, zunächst in Chanthaburi, dann in Chiang Mai. Sein Großvater Chiang gründete um 1932 die Seidenfabrik. Im Rahmen der Thaiisierungs-Kampagne der Regierung nahm die Familie 1938 den thailändischen Namen Shinawatra an. Thaksins Vater war der Geschäftsmann Lert Shinawatra, seine Mutter Yindee Ramingwong, die mütterlicherseits aus der Fürstenfamilie von Chiang Mai stammte.

Thaksin hat acht Geschwister. Seine ältere Schwester Yaowalak wurde die erste weibliche Bürgermeisterin von Chiang Mai, seine jüngere Schwester Yaowapa eine wichtige Politikerin von Thaksins TRT-Partei und Frau des kurzzeitigen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat. Thaksins jüngste Schwester ist Yingluck Shinawatra, die 2011 erste Premierministerin Thailands wurde. Der Vater betätigte sich ebenfalls politisch.The Shinawatra family tree. In: New Mandala. 8. August 2011, Australian National University College of Asia and the Pacific. Er war von 1969 bis 1976 Parlamentsabgeordneter und Mitglied der rechten, militärnahen Chart-Thai-Partei. Die Familie wohnte bis zu Thaksins 15. Lebensjahr in der Kleinstadt San Kamphaeng, dann zog sie nach Chiang Mai, wo er auf das Montfort College, eine teure und prestigeträchtige Privatschule, ging.Pasuk, Baker: Thaksin. 2004, S. 36.

Im August 1976 heiratete Thaksin Potjaman Damapong, die Schwester eines Freundes von der Polizeiakademie, Tochter eines hohen Polizeigenerals und einer Adeligen. Im Laufe ihrer Ehe bekamen sie einen Sohn, Panthongtae (* 1978), und zwei Töchter, Pintongtha (* 1982) und Paetongtarn (* 1986).

Ausbildung und Polizeikarriere Nach seinem Abschluss der Vorbereitungsschule der Streitkräfte machte Thaksin eine Ausbildung an der Polizeikadetten-Akademie von Thailand in Nakhon Pathom. Thaksin bekam ein Stipendium für ein Studium in den USA, wo er einen Master-Grad in Strafrechtspflege (Criminal Justice) an der Eastern Kentucky University erwarb. Nach seiner Rückkehr nach Thailand 1975 wurde Thaksin der persönliche Wachpolizist von Prida Patthanathabut. Dieser war ein Parteikollege von Thaksins Vater und hatte ein Ministeramt. Hier sammelte Thaksin erste politische Erfahrungen. Er arbeitete tatsächlich weniger als Polizist als vielmehr als Sekretär des Politikers. Er schrieb Reden für ihn und brachte als Geldbote Zahlungen an Abgeordnete, deren Loyalität gesichert werden sollte. Prida verlor sein Amt im Januar 1976, und Thaksin musste in einer normalen Polizeiwache in Bangkok Dienst tun.Pasuk, Baker: Thaksin. 2004, S. 38.

Thaksin bekam ein weiteres Stipendium, um seine Studien in den USA fortzusetzen, diesmal an der Sam Houston State University im Bundesstaat Texas. Seine Frau begleitete ihn. Seine DissertationAn Analysis of the Relationship Between the Criminal Justice Educational Process and the Attitude of the Students Toward the Rule of Law. Dissertation zum Doctor of Philosophy. Institute of Contemporary Corrections and the Behavioral Sciences, Sam Houston University, 1979. beschäftigte sich mit der Frage, ob es eine Korrelation zwischen dem Strafrechtsstudium und der Einstellung der Studenten zu Rechtsstaatlichkeit gibt. 1979 erhielt er den Doktorgrad.Pasuk, Baker: Thaksin. 2004, S. 40. Anschließend lehrte er an der Polizeiakademie und leitete das Informationszentrum der Polizei. Thaksin schied 1987 im Range eines Oberstleutnants aus dem Polizeidienst aus.

Karriere als Geschäftsmann Noch während seines Polizeidienstes begann Thaksin, sich als Unternehmer zu betätigen. Die erste Firma von Thaksin und Potjaman war ein Seidenwarengeschäft im Bangkoker Trocadero-Hotel. Der Absatz war jedoch sehr schlecht, und sie mussten nach nur einem Monat wieder aufgeben. Anschließend versuchte sich Thaksin im Vermarkten von Kinofilmen, was aber nach ersten Erfolgen ebenso misslang. Im Jahr 1979 kaufte er ein altes Kino im Zentrum Bangkoks. Weil auch dieses keine befriedigenden Einnahmen erbrachte, ließ Thaksin es abreißen und an der Stelle Apartments errichten. Auch dieses Projekt missglückte, und Thaksin, der von verärgerten Geldgebern und Kunden verfolgt wurde, musste es verlustbringend verkaufen. Zu dieser Zeit betrugen seine Schulden 200 Millionen Baht.

Dann stieg Thaksin 1981 in das aufkommende Geschäft mit Computern ein. Er kaufte IBM-Rechner und vermietete diese an Regierungsstellen, zunächst an die Thailändische Staatseisenbahn und die Chulalongkorn-Universität. Nach und nach konnte er immer mehr Behörden und Staatsunternehmen zu seinen Kunden zählen. Im Jahr 1983 gründete er die Shinawatra Computer and Communications Group (Shin Corp.) und 1986 Advanced Info Service (AIS). Als Leiter des Informationszentrums der Polizei regte er 1986 die Anschaffung von Computern an und bewarb sich dann mit seiner eigenen Firma auf die Ausschreibung. Dieser Auftrag trug stark zum Wachstum seines Unternehmens bei.Pasuk, Baker: Thaksin. 2004, S. 41.

Thaksins Unternehmen waren bei der Einführung des Mobilfunks und der Satellitenübertragung in Thailand erfolgreich tätig. Shin Corp. bekam weitere Vorzugsrechte von der Regierung, so die Lizenz für den ersten Kabelfernsehsender des Landes, den ersten thailändischen Kommunikationssatelliten (Thaicom) und eine von zwei Lizenzen für private Mobilfunkanbieter. Auf diese Weise wurde Thaksin zu einem der reichsten Männer Thailands. 1992 wurde er vom ASEAN-Institut in Jakarta (Indonesien) zum „Businessman of the Year“ gewählt.

Beginn der politischen Karriere 1994 trat er der Palang-Dharma-Partei bei und wurde im November 1994 zum Außenminister im ersten Kabinett von Chuan Leekpai ernannt. Nach drei Monaten zerbrach die Regierung jedoch. Mitte 1995 wurde er zum Parteichef gewählt. Von 1995 bis 1997 war er mit Unterbrechungen Stellvertretender Ministerpräsident unter Banharn Silpa-archa und Chavalit Yongchaiyudh.

Am 14. Juli 1998 gründete er die Thai-Rak-Thai-Partei (TRT – „Thais lieben Thais“) und ließ sich zum Parteivorsitzenden wählen. Im September 2000 leitete die Nationale Korruptionsbekämpfungskommission ein Verfahren gegen Thaksin mit dem Vorwurf ein, er habe seine Vermögenswerte nicht ausreichend offengelegt. Thaksin hatte 1997, während seiner Amtszeit als Minister, Aktienpakete seiner Unternehmen an seine Haushaltshilfen, seinen Chauffeur und seinen Wachmann übertragen. Diese tauchten dadurch in der Liste der reichsten Aktienbesitzer Thailands auf.Pasuk, Baker: Thaksin. 2004, S. 1–2.

In der Kampagne zur Wahl im Januar 2001 warb Thaksin mit einem Investitionsprogramm für den ländlichen Raum von einer Milliarde US-Dollar. Vier Jahre zuvor hatte die Asienkrise Thailand schwer getroffen; ein Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Entschuldung des Landes verpflichtete die zweite Regierung von Chuan Leekpai zur Sparpolitik. Thaksin versprach dagegen Hilfen für angeschlagene Banken, niedrigere Steuern und die Privatisierung von Staatsunternehmen. Er erklärte, ein „CEO-Ministerpräsident“ sein zu wollen, das Land also mit der gleichen Effizienz und dem gleichen Geschäftssinn zu führen wie seine Wirtschaftsunternehmen.

Amtszeit als Ministerpräsident hochkant|mini|Thaksin 2002