Die Schönburg ist eine Burganlage über dem Dorf Schönburg in der Nähe von Naumburg (Saale) im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.
Anlage Die Höhenburg erhebt sich auf einem Sandsteinfelsen etwa 40 Meter über der Saale. Die Anlage besteht aus der Vor- und der Kernburg, auf nahezu trapezförmigem Grundriss. Zwischen beiden liegt ein schmaler Zwinger, durch den ein Kammertor mit romanischen Kantensäulen in der Torlaibung führt. Sehenswert ist vor allem der 32 Meter hohe, besteigbare Bergfried (3,60 m Mauerstärke, ursprünglicher Hocheingang in 8 Meter Höhe) mit seinem schönen Kamin im Turmgemach und der Wachstube an der Turmspitze. Der Turm stammt aus der Zeit um 1230. Die Plattform des Bergfriedes hat einen umlaufenden Zinnenkranz, ist darin aber noch mit einer aufgemauerten Kegelspitze (mit Ausgangstür) bekrönt.
Das letzte in der Kernburg noch erhaltene Gebäude wurde als Gerichtshaus bezeichnet – heute als Rittersaal, in dem auch Trauungen stattfinden. Große Teile der Wehrmauern um Vor- und Kernburg sind noch vorhanden. mini|Luftbild: hier sichtbar ist der schmale (grün bewachsene) Zwinger zwischen Kernburg und Vorburg
Die heute noch anzutreffenden älteren Bauten und Bauteile der Schönburg wurden vor allem im 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Da die Anlage nach der Verbreitung der Feuerwaffen nicht mehr den militärischen Erfordernissen angepasst oder zum Schloss umgebaut wurde, blieb ein erheblicher Teil aus dieser Bauzeit erhalten. Das Gebäude neben dem Tor zur Vorburg ist die ehemalige Försterei und wurde 1539/40 im Stil der Renaissance erbaut. Es wird heute für eine Gaststätte genutzt.
Geschichte Die Frühgeschichte der Schönburg liegt im Dunkel der Geschichte, da es dazu keine Urkunden gibt. Jedoch weist Otto Posse darauf hin, dass die edelfreien Herren von Schönburg die Burg offenbar vor der Übertragung des Reichsbesitzes an das Bistum Naumburg als Reichslehen besaßen. Diese Übertragung des Burgwards Schönburg vom Reich ans Bistum dürfte nach Posse wohl um 1060–1065, jedenfalls nicht viel später, erfolgt sein, da das Bistum von Kaiser Heinrich IV. im Jahre 1064 fünfzig Hufen Land im Burgward Schrebitz erhielt sowie den ganzen Burgward Gröba und schon 1060 hatte das Bistum den Burgward Langenberg (bei Gera) erhalten und 1065 noch die Burgwarde Strehla und Boritz.Otto Posse: Die Urahnen des Fürstlichen und Gräflichen Hauses Schönburg. Dresden 1914, Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch-Stiftung, Burgwarde des Bistums Naumburg, S. 18
In zwei Urkunden des Bischofs Berthold I. von Naumburg (Berthold I. von Boblas) treten in den Jahren 1157 und am 1. Mai 1161 als Zeugen die schönburgischen Edelherren Ulricus und „Sigifridus de Sconenberc“ auf. Nicht 1137Otto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. R. Piper & Co., München 19123; Neuauflage Weltbild-Verlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7 (Ersterwähnung der Schönburg in Thüringen an der Saale, S. 480). (wie ältere Literatur, insbesondere DDR-Literatur behauptete), sondern erst 1157 Heimatverein Schönburg e. V., abgerufen am 19. Juni 2024 findet die Schönburg erstmals Erwähnung in einer Urkunde. Es handelte sich um einen Urkunden-Lesefehler. Aus dem Jahre 1278 existiert eine Beschreibung des Burgwardes Schönburg.
Der Sage nach soll die Schönburg bereits durch Ludwig den Springer gegründet worden sein. Vor dem 12. Jahrhundert war Besitzer der Burg offenbar die edelfreie Familie von Schönburg. Seit 1174 sind auch bischöflich-naumburgische Ministeriale mit dem Namen Schönburg genannt. Die uradelige (niederadelige) Familie von Schönberg soll auch von dieser Burg stammen. Demnach waren sie Burgmannen des Edelgeschlechts von Schönburg. Der Bischof von Naumburg nennt seine Ministerialen „castellani“ oder „castrenses“ in den Urkunden. Im Jahr 1217 erhält der Ritter Albert von Gröbzig als Burgmanne der Schönburg vom Bischof Güter „pro custodia castri nostri Sconenberg“ („für die Bewachung unserer Burg Sconenberg“). Von etwa dem 13. Jahrhundert bis zur Reformation war die Burg im unmittelbaren und lehnfreien Besitz der Bischöfe von Naumburg/Zeitz und diente ihnen auch als Sommerresidenz. 1355 wurde die Burg Schönburg für kurze Zeit an das Naumburger Domkapitel verpfändet.Die Schönburg im Buch Germania Sacra, S. 67 Im Sächsischen Bruderkrieg eroberte Apel von Vitzthum im Dienste des Landgrafen Wilhelm III. die Burg, wobei diese ausbrannte.
In der Zeit des Bistums Naumburg als Burgbesitzer sind auf der Schönburg u. a. die Familien von Bünau von Gröbitz (an anderer Stelle von Gröbzig genannt) von Geisa von Lichtenhain von Würchhausen von Portzig (wohl auch Porzig?) von Schütz (Sagittarius) von Hagenist bzw. Hagenest von Ostrau
als naumburgische Burgmannen belegtOtto Posse: Die Urahnen des Fürstlichen und Gräflichen Hauses Schönburg, Dresden 1914, Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch-Stiftung, S. 23.
Carl Peter Lepsius publizierte (Kleine Schriften 2, 1854/55; zitiert bei O. Posse S. 23, Nr. 2) bereits im 19. Jahrhundert, dass laut einer Urkunde vom 30. Januar 1334 der Bruder des Bischofs Heinrich von Naumburg (Heinrich von Grünberg), Johannes von Grünberg, auf der Schönburg als Kastellan/Burgmanne seinen Dienst für das Bistum verrichtete. Er nennt sich hier „Johannes de Schonenburg“, wird als „unser Bruder“ (frater noster) vom Bischof betitelt. Bestätigend fand sich in Naumburg ein Anniversarium für einen „Johannes de Gruneberg, miles“ (also Ritter Johannes).
Der Burgward Schönburg östlich von Naumburg bildete mit zwölf umliegenden Dörfern seit dem 12. Jahrhundert einen größeren zum Hochstift Naumburg/Zeitz gehörigen Güterbezirk,Germania Sacra, S. 678f.Kleine Geschichten zur sächsisch-thüringischen Geschichte, Band 2, Umfang des Burgwards Schönburg S. 89 aus dem im Spätmittelalter das stiftische Amt Schönburg mit den Orten Schönburg, Possenhain und anteilig Gröbitz und Plotha entstand. Der Streubesitz der Naumburger Bischöfe um ihre Bischofskirche an der Saale wurde 1544 im Amt Naumburg zusammengefasst, in dem somit die älteren Ämter Schönburg und Saaleck, der Besitz der säkularisierten Klöster St. Georg und St. Moritz sowie das städtische Weichbild aufgingen.Das Amt Naumburg im Landesarchiv Sachsen-Anhalt
Mit der Reformation wurde das Bistum aufgelöst, die Burg ging im Jahr 1564 in das Eigentum der albertinischen Kurfürsten von Sachsen über, welches ein kursächsischer Amtmann verwaltete. 1570 wurde die Burg von den Kurfürsten verpachtet – zunächst wiederum an das Domkapitel von Naumburg. Im Renaissancebau der Vorburg wurde um etwa 1650 die Försterei eingerichtet, die für einige Jahrhunderte dort verblieb. An den ungenutzten Gebäuden begann der Verfall. 1668 wurden die zur Burg gehörenden Amtsgüter an die Bauern von Schönburg und Possenhain verkauft. Diese holten sich dann immer wieder die gut behauenen Steine der Gebäude für ihre Höfe. Aus dem 16./17. Jh. sind etliche Inventare und Baurechnungen überliefert, die den teilweise schlechten Zustand der Bausubstanz, aber auch Reparaturarbeiten belegen. mini|links| 1815 ging die Burg durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses in den Besitz des preußischen Staates über. Die Zeit der Romantik brachte wieder mehr Aufmerksamkeit für die Schönburg. Bereits um 1800 wurden Restaurierungen an der Burg durchgeführt, die auf den Erhalt der reizvollen Ansicht der Burg im Saaletal gerichtet waren. Ebenso wurde der Bergfried 1825 repariert, um ihn als Aussichtspunkt zu nutzen.
Am 25. Juli 1860 gründete der junge Friedrich Nietzsche mit seinen Freunden Wilhelm Pinder und Gustav Krug auf der Burgruine die künstlerisch-literarische Vereinigung „Germania“, in der an diesem Ort vierteljährlich über Literatur, Philosophie, Musik und Sprache diskutiert wurde. Die Vereinigung bestand bis 1863.Wolfgang Deninger: Zu Friedrich Nietzsches Leben. Nachwort zu: Friedrich Nietzsche: Gesammelte Werke. Bindlach 2005.
Über das gesamte 19. Jahrhundert erfolgten zur Bestandssicherung Reparaturarbeiten an den Ringmauern. Nach größeren Restaurierungsarbeiten 1884 wurde in der Kernburg eine Gastwirtschaft eröffnet, die nach 1927 in die Vorburg verlegt wurde. 1924 übernahm die Stadt Naumburg gemeinsam mit dem Naumburger Delegierten-Convent die Burg vom preußischen Staat. Der Convent hielt nun hier seine jährlichen Tagungen ab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das traditionsreiche kulturelle Leben im Dorf Schönburg wieder aufgenommen. Das „Dorfensemble Schönburg“ mit Chor, Tanzgruppe und Bläsergruppe bezog die Burg mit ein. 1952 fand das erste große Sängertreffen auf der Schönburg statt. Es folgten dann regelmäßig bis heute sogenannte Schönburgfeste. Erfinder der Schönburgfeste war der Heimatdichter Hartwig Stützer (1924–2002). Drei Gedenktafeln in der Mauer der Vorburg (beim Portal zum Altan) erinnern an ihn und zwei andere Persönlichkeiten der Gemeinde Schönburg.
1991 begann eine umfangreiche Rekonstruktion der Burganlage, sodass die Burg bis 1994 für den Besucherverkehr geschlossen war. Am 29. Juni 1994 gründeten Schönburger Bürger den Heimatverein Schönburg/Saale der sich der Erhaltung der Burg und der Förderung der Kulturveranstaltungen (Schönburgfeste) verschrieben hat Heimatverein Schönburg e. V., abgerufen am 19. Juni 2024.
Ministerialenfamilie von Schönburg und von Rudelsburg (erloschenes Adelsgeschlecht, Thüringen) 1846 hatte Carl Peter Lepsius bereits publiziert, dass eine Adelsfamilie von Schönburg auf dieser Burg gesessen hatte, die zeitweise in Urkunden als edelfrei (Nobiles) aufgeführt wurde in den Zeugenreihen, zeitweise als Ministeriale.Geschichte der Bischöfe des Hochstifts Naumburg vor der Reformation: ein Beitrag zur Geschichte des Osterlandes nach den Quellen bearbeitet| Geschichte der Bischöfe des Hochstifts Naumburg vor der Reformation: ein Beitrag zur Geschichte des Osterlandes nach den Quellen bearbeitet, Naumburg 1846, Nr. 1 S. 352, Digitalisat; zitiert bei O. Posse S. 3 Im Jahre 1914 gelang dem Archivar und Historiker Otto Posse die Sortierung der urkundlich genannten „Schönburger“ in zwei nicht miteinander verwandte Familien. Die uradeligen Edelherren (nobiles) von Schönburg und ein bischöflich-naumburgisches Ministerialengeschlecht „von Schönburg (und von Rudelsburg)“. Letzteres nannte sich nach der Schönburg und zeitweise nach der Rudelsburg bei Kösen, auf der sie auch Dienst für das Bistum taten. Noch im 14. Jahrhundert scheint die Ministerialenfamilie erloschen zu sein. Ihr Wappen ist überliefert. Es zeigte ein Andreaskreuz im Schild. In den Urkunden von 10. März 1166, 1171 (zwei Urkunden), 24. Mai 1182, 1184, 29. Juni 1185 werden jeweils als Zeugen Edelherren und Ministeriale von Schönburg gleichzeitig – aber streng nach Stand getrennt – genannt.
Während etliche Vertreter der naumburgischen Ministerialenfamilie urkundlich belegt sind (Stammtafel bei Posse) sind nur drei Personen der thüringischen Linie der Edelherren (nobiles) von Schönburg (etliche Male) urkundlich belegt.Otto Posse: Die Urahnen des Fürstlichen und Gräflichen Hauses Schönburg, Dresden 1914, Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch-Stiftung, Stammtafel des naumburgischen Ministerialengeschlechts der Schönburg S. 24, deren Wappen Anhang 1/Bild 5 und S. 23 (keine Verwandtschaft) und 25 (Info zum Wappen)
Im Jahre 1166 werden aus der Ministerialenfamilie folgende Personen erwähnt: Hartmud (1166) Hugo I. (1166, 1171), Gemahlin Walburg vor 1186 Gotfrid (1166) Hermann I. (1166) Johann (1166, 1171, 1182), Gemahlin Jutta 1182 Volkmar (1166) Sowie 1171 Günther I.