mini|hochkant|Der spätere Kaiser Wilhelm II. als Conkneipant des Corps Borussia Bonn, 1877. Als Mitglied des Königshauses durfte Wilhelm keine Mensuren fechten, aber auch sein verkrüppelter linker Arm stand dagegen. mini|hochkant|Karl Prinz von Ratibor und Corvey als Conkneipant des Corps Saxonia Göttingen, 1879 Ein Konkneipant (oder Conkneipant, veraltet Mitkneipant; auch in der weiblichen Form Konkneipantin) ist ein zeitweiliges oder dauerhaftes Mitglied einer Studentenverbindung mit eingeschränkten Rechten und Pflichten. Die Bezeichnung bringt zum Ausdruck, dass die Person regelmäßig an den Kneipen der Verbindung teilnimmt. Der Status wird üblicherweise an Personen verliehen, die aus Satzungsgründen kein Vollmitglied sein können. So sollen diese dennoch an der Verbindung interessierten und oft verdienten Personen in die Gemeinschaft integriert werden.

Konkneipanten kommen in allen gängigen Verbindungsarten vor. In farbentragenden Verbindungen trägt der Konkneipant üblicherweise die Studentenmütze der Verbindung ohne das Burschenband – mitunter statt letzterem eine Schleife in Verbindungsfarben am Revers oder ein eigenes, etwas abweichendes Band. Prominente Beispiele für Konkneipanten waren etwa Theodor Storm, der spätere Kaiser Wilhelm II., Max Weber, Herbert von Karajan oder in neuerer Zeit der Hamburger Bürgermeister Christoph Ahlhaus. Literarische Erwähnung fand der Status unter anderem in Romanen der Brüder Heinrich und Thomas Mann.

In begrenztem Umfang ging der Begriff auch in den Sprachgebrauch außerhalb von Studentenverbindungen ein – in erweitertem Sinne zur Benennung einer außerordentlichen Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft oder eines Zechkumpans.

Beschreibung Motivation für eigenen Status Mögliche satzungsgemäße Ausschlussgründe für eine Person als Vollmitglied einer Verbindung, die den Bedarf für einen gesonderten Status eröffnen, sind unter anderem: kein Studium zu bestreiten, bzw. im Falle von Schülerverbindungen keine höhere Schule zu besuchen, zeitlich begrenzter Aufenthalt an einem Hochschulort, der nicht für eine normale Aktivenzeit reicht (etwa für ein Studienjahr), im Falle von konfessionell gebundenen Korporationen zu einem abweichenden Glaubensbekenntnis zu gehören, bei Mensur schlagenden Verbindungen, aus medizinischen oder von der Verbindung akzeptierten gesellschaftlichen Gründen nicht zum Fechten in der Lage zu sein, bereits Vollmitglied einer anderen Verbindung zu sein, die eine doppelte Vollmitgliedschaft ausschließt.

Äußere Zeichen Bei farbentragenden Verbindungen sind Konkneipanten zumeist an der Couleur erkennbar. So trägt der Konkneipant meistens kein Band, sondern nur die Studentenmütze; bei manchen Verbindungen, vor allem Burschenschaften und Landsmannschaften, zusätzlich zur Mütze eine Schleife mit den Verbindungsfarben am Revers oder über der Brusttasche. Einige Verbindungen vergeben anstatt der Schleife ein Konkneipantenband, das die Burschenfarben zeigt, aber ein deutlich schmaleres Format (Weinband) aufweist.

Es gibt auch Verbindungen, bei denen der Konkneipant ein abgewandeltes Band trägt. Beispielsweise tragen die Konkneipantinnen der Damenverbindung Kybelia zu St. Gallen ein schmaleres Sektband. Alternativ können die Verbindungsfarben am Band leicht abgewandelt werden, beispielsweise durch umgekehrte Reihenfolge oder abweichende Perkussion, oder die Farbenzahl reduziert (gleich oder ähnlich wie das bei vielen Verbindungen verwendete Fuchsenband). Auch die Mütze kann abweichen und beispielsweise einen Rand mit nur zwei statt drei Farben aufweisen. Solche Varianten kommen unter anderem bei Verbindungen im Wingolfsbund vor.

Rechte und Pflichten Die genauen Rechte und Pflichten eines Konkneipanten werden von der jeweiligen Verbindung festgelegt und sind dementsprechend nicht einheitlich, aber im Großen und Ganzen ähnlich.

Konkneipanten haben das Recht, und es wird von ihnen erwartet, dass sie an den Kneipen und den gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen. Sie dürfen die Verbindungsinfrastruktur nutzen (Bibliothek, Lesezimmer etc.). Auf den Conventen haben Konkneipanten kein Stimmrecht, manchmal aber Sitzrecht und beratende Stimme; sie können auch keine Chargen übernehmen. In schlagenden Verbindungen müssen sie keine Mensuren fechten und dementsprechend auch nicht pauken, dürfen es aber üblicherweise, wenn sie es wünschen.

Sprachliche Einordnung Der Begriff ist ein typisches Beispiel für die deutsche Studentensprache des 19. Jahrhunderts und ihrer Sprachvermischung des „makkaronischen Latein“.Eva Neuland: Jugendsprache in der Diskussion: Meinungen, Ergebnisse, Folgerungen, in: Karin Eichhoff-Cyrus, Rudolf Hoberg (Hrsg.): Die deutsche Sprache zur Jahrtausendwende: Sprachkultur oder Sprachverfall? Dudenverlag, Mannheim 2000. S. 107–124, hier S. 111. So weist er als typisches antikisierendes Element die lateinische Vorsilbe con- (dt.: mit-) auf.Friedrich Kluge: Deutsche Studentensprache, Trübner, Straßburg 1895, S. 34. Ursprünglich wurde als Conkneipant ein „Mitkneipender“ (oder auch „Kneipschwanz“) bezeichnet, das heißt ein regelmäßiger Gast auf Kneipen einer Verbindung, der nicht deren Mitglied ist. Dies entwickelte sich zu „Mitkneipant“ und schließlich „Konkneipant“.

Die Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins tadelte 1890 im Artikel Deutsche Wörter, undeutsche Endungen auch den Einfluss der Studentensprache und erwähnte hier Konkneipant gleich zweifach:Karl Scheffler: Deutsche Wörter, undeutsche Endungen. Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, Bände 5–8, 1. August 1890. ()

Eine neutralere Beschreibung liefert der Sprachwissenschaftler Friedrich Kluge in seinem 1895 erschienenen Buch Deutsche Studentensprache, Kapitel „Antike Elemente“:

Kunst und Literatur Darstellungen des Konkneipanten als Verbindungsmitglied Romane Literarisch wird die Stellung des Konkneipanten im Unterschied zum Vollmitglied durch Heinrich Mann in seinem Roman Der Untertan aufgegriffen.Sebastian Zilles: Die Schulen der Männlichkeit. Männerbünde in Wissenschaft und Literatur um 1900. Köln/Weimar 2018, S. 241. Dort dient der Status – nicht dem eigentlichen Sinn entsprechend – der fiktiven Korporation Neuteutonia dazu, den Protagonisten Diederich Heßling an die Verbindung zu binden, nachfolgend als Fuchs zu keilen und schließlich als Vollmitglied zur Verbindung zu bringen.

Beispiele für andere Autoren, die den Konkneipanten in ihren Romanen erwähnen, sind unter anderem: Julius Meier-Graefe, Der VaterJulius Meier-Graefe: Der Vater, Verlag S. Fischer, 1932, S. 104 () Erik Reger, Der verbotene SommerErik Reger: Der verbotene Sommer, Druckhaus Tempelhof 1949, S. 56 () Richard Seewald, Die rollende KugelRichard Seewald: Die rollende Kugel, Hegner Verlag 1957, S. 141 () Rudolph Stratz, Das Schiff ohne SteuerDas Schiff ohne Steuer bei Projekt Gutenberg-DE Ingeborg Wendt, Die GartenzwergeIngeborg Wendt: Die Gartenzwerge, Rowohlt Verlag 1960, S. 308 ()

Memoiren Der Philosoph und Schriftsteller Fritz Mauthner erwähnt in seinen Memoiren eine kurze Mitgliedschaft als Konkneipant in einer Burschenschaft:

Der Indologe Paul Deussen erinnerte sich, dass sein Vater Konkneipant eines Corps war:

Der an einer Psychose erkrankte Schriftsteller Daniel Paul Schreber schildert in seinen 1903 erschienenen Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken unter anderem, „von der im Wege des Nervenanhangs mit mir redenden Stimme erfahren“ zu haben, dass der ihn behandelnde Psychiater Paul Flechsig einst Konkneipant des Corps Saxonia Leipzig gewesen sei. Tatsächlich war Flechsig Vollmitglied der Alten Leipziger Landsmannschaft Afrania.

Der britische Schriftsteller Maurice Baring schildert in seinem 1922 erschienenen Buch The Puppet Show of Memory unter anderem eine Reise zusammen mit seinem Vater nach Deutschland. In Heidelberg wollten sie Studenten kennenlernen, wonach ihnen Kontakt zur Burschenschaft Burschenschaft Frankonia Heidelberg hergestellt wurde.

Film Im Jahr 1916 erschien der deutsche Kurz-Stummfilm Der Konkneipant, produziert von Wanda Treumann und Viggo Larsen. Drehbuch und Regie erstellten Franz Eckstein und Rosa Porten, die Hauptdarsteller waren Else Eckersberg und Arthur Schröder.Der Konkneipant auf IMDBDer Konkneipant auf filmportal.de

Erweiterte Bedeutungen des Wortes Im erweiterten Sinne diente Konkneipant außerhalb der Studentenverbindungen als Bezeichnung für einen Zechkumpan oder eine außerordentliche Vereinsmitgliedschaft. Im ersteren Sinne benutzte etwa der Chemiker Emil Fischer den Begriff:

In Thomas Manns Roman Der Zauberberg bildet eine Gruppe von Patienten, die an einem Pneumothorax leiden und denen zur Heilung vorübergehend ein Lungenflügel deaktiviert wurde, ironisch den „Verein Halbe Lunge“. Als der Protagonist Hans Castorp davon hört, interessiert er sich scherzhaft für eine außerordentliche Mitgliedschaft: „Sind sie auch eingetragen? […] Haben sie Statuten? Schade, daß du nicht Mitglied bist, du, dann könnten sie mich als Ehrengast zulassen oder als… Konkneipant…“

Dieser Benennung außerordentlicher Mitglieder als Konkneipanten rief wegen der allzu offensichtlichen Konnotation mit Alkoholkonsum auch Kritik hervor. Beispielsweise schlug der Germanist und Dramaturg Karl Zeiss 1896 genauere Bestimmungen für die Aufnahme von Ausländern in die deutschen philologischen Vereine vor. Er führte aus: „Solche ausserordentliche Mitglieder bezeichneten wir bisher mit dem abscheulichen Titel ‚Konkneipant‘, auch wenn sie sich lebhaft an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligten.“ Es sollten aber offiziell „ausserordentliche Mitglieder“ unter dieser Bezeichnung eingeführt werden. „Der Titel Konkneipant kann ja dann solchen Vereinsbrüdern verliehen werden, die ihre Teilnahme am Vereinsleben wesentlich durch Biervertilgung dokumentieren“.Neuphilologische Blätter

Bekannte Konkneipanten (Auswahl) Theodor Storm, Corps Holsatia Kiel, 1837 Emil Ferdinand Fehling, Corps Vandalia Heidelberg, 1866 Ferdinand Braun, Corps Teutonia zu Marburg, 1868/69 Kaiser Wilhelm II., Corps Borussia Bonn, 1877 Max Weber, Burschenschaft Allemannia Heidelberg, 1882 August Musger, KÖHV Carolina Graz, 1893 Ferdinand Sauerbruch, Turnerschaft Borussia Jena, um 1900 Egon Erwin Kisch, paritätische Burschenschaft Saxonia Prag, 1903 Ludwig Mathar, Unitas-Alania Bonn, 1905Wanderung im Kreise - Ludwig Mathars Weg in die Heimat Herbert von Karajan, Alldeutsche Gymnasialverbindung Rugia Salzburg im ÖPR, 1925Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,2 MB), S. 144ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013 Max Riccabona, katholische Mittelschulverbindung Clunia Feldkirch, ca. 1930 Fritz von Weizsäcker, Bonner Kreis, 1986–1989 Christoph Ahlhaus, Turnerschaft Ghibellinia zu Heidelberg (Austritt 2010 kurz vor seiner Wahl zum Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg) Elmar Podgorschek, Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien Bernhard Cürten, Burschenschaft Thessalia zu Prag in Bayreuth, bis 2010 Damian Lohr, Burschenschaft Germania Halle zu Mainz Paul Backmund, Halle-Leobener Burschenschaft Germania

Abgrenzung von ähnlichen Status

Inhaber der Corpsschleife (IdC) Speziell bei Corps gibt es vor allem für ursprünglich normal aufgenommene Mitglieder, die nicht alle für Aktive vorgeschriebenen Verpflichtungen erfüllen konnten – etwa nicht die geforderte Anzahl an Mensuren fechten – den lebenslangen Status des Corpsschleifenträgers (IdC) mit eingeschränkten Rechten. Aber auch Conkneipanten wird der Status des Corpsschleifenträgers verliehen, wie etwa im Falle von Ferdinand Braun, August Wilhelm von Preußen und Friedrich zu Schleswig-Holstein.

Weitere abzugrenzende Begriffe Nicht als Konkneipanten bezeichnet werden aktive Mitglieder einer Studentenverbindung, die zeitweilig zu einem neuen Hochschulort wechseln und sich dort den Aktivitäten einer anderen Verbindung desselben Dachverbandes anschließen.

Verkehrsgast (VG) / Mitkneipender Corpsstudent (MC)