Gloggnitz ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neunkirchen im südlichen Niederösterreich. Die Gemeinde liegt auf in der Gloggnitzer Bucht im südwestlichen Zipfel des Wiener Beckens. Wegen der Lage am Fuße des Semmerings und da umgeben von einem Kranz dunkelgrüner Berge trägt Gloggnitz den Beinamen Gloggnitz, Stadt in den Bergen.
Geografie Gloggnitz liegt im so genannten Industrieviertel, an der Einmündung des Weissenbaches in die Schwarza im oberen Schwarzatal.
Die Entfernung von Wien beträgt über die Bundesstraße 73 km und über die Autobahn 75 km.
Berge in und um Gloggnitz Wie Kulissen türmen sich die Berge um die Stadt – hier eine vollständige Auflistung nach ihrer Höhe geordnet: Weinberg (Harter Wald, 504 m) Tachenberg (692 m) Goflitzberg (645 m) Silbersberg (Heinrichshöhe, 716 m)Jungberg Weißjackl (805 m) Eichberg (818 m)HundsbergSchafkogel HaidenkogelSechterbergKahlenberg (Marienhöhe, 578 m)Gföhlriegl (Theresienhöhe, 580 m)Gottschakogel (Taferlberg, 760 m) Raachberg (908 m)Weitblickshöhe Grasberg () Otter ()Mitter-Otter ()Kleiner Otter ()Großer Otter () Gahns () Sonnwendstein ()Alpkogel ()Dürrkogel ()Erzkogel () Raxalpe () Schneeberg ()
Gräben Die Gräben um Gloggnitz haben alle eigene größere oder kleinere Wasserläufe, die in die beiden Haupttäler, das Auetal und das Schwarzatal fließen. der Duft- oder Kaltbachgraben (in das Auetal in Weißenbach mündend) der Kahofer- oder Sommerergraben (in das Auetal in Weißenbach mündend) der Graben mit der gleichnamigen Rotte; Grabl heißt die Fortsetzung gegen Raach zu der Abfaltersbachgraben die Wolfsschlucht oder der Tiefenbachgraben der Stuppachgraben der Buchbachgraben der Syhrngraben (erreicht mit den ihm vorgelagerten Rieden „Worrein“ und „Oberes Sirningfeld“ das Gloggnitzer Gemeindegebiet) der Hochgraben
Geschützte Naturobjekte in Gloggnitz Objekt ID geschützt seit Ort Johannesfelsen NK-008 1929 Schlossfelsen – Ostseite Edelkastanie NK-041 1934 Graben 8 (Dinhobl) Zwei Eiben NK-028 1938 Gloggnitz, Schlosspark Eibe 1938 Obere Silbersbergstraße 24 (vor dem Haus Apfler), nicht mehr als ND ausgewiesen Schwarzföhre NK-070 1942 Eichberg, ÖBB Station 2 Mammutbäume NK-139 1978 Gloggnitz, Schlosspark Hainbuchen-Mischwald NK-154 1981 Stuppacher Au Sommerlinde NK-158 1982 Hauptstraße 52 (im Garten des Wohnhauses), nicht mehr als ND ausgewiesen kleine Eibengruppe NK-172 1986 Gloggnitz, Schlosspark schlitzblättrige Rotbuche NK-179 1991 Stuppacherstraße 6 (Wohnhaus)
Gemeindegliederung Ortschaften Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): mini|Ostansicht von Gloggnitz mit dem Raxmassiv im Hintergrund mini|Südansicht von Stuppach mit dem Schloss Stuppach im Vordergrund Abfaltersbach () Aue () Berglach () Eichberg () Gloggnitz () Graben () Heufeld () Saloder () Stuppach () Weißenbach ()
Katastralgemeinden Gloggnitz gliedert sich in zehn Katastralgemeinden. Sie entsprechen zumeist den einzelnen Ämtern der ehemaligen Propsteiherrschaft und waren von dieser die Steuergemeinden. Abfaltersbach: Ein in einem Graben liegender Weiler. Der Name kommt von mhd. apfalter, affalter = wilder Apfelbaum. Aue: Ort und Bach haben den gleichen Namen. Die Au bezeichnete früher ein wasserumflossenes Land, eine Insel oder auch das Flussufer. Berglach: Ein Weiler am Hang des Weißjackls. Der Name ist zu deuten mit „bei den Berg(l)ern“, bei den Leuten auf dem Berg. Eichberg: 1343 wird unterschieden zwischen einem „Aichperchsuperior“ und einem „Aichperchinferior“, heute Vorder- und Hintereichberg. Nicht nur die zerstreut liegenden Häuser bzw. Weiler hießen Eichberg, auch der 4 km lange Gebirgsstock, der in mehrere Kogel, Hügel und Riegel aussteht. Gloggnitz (Furth und Gföhl): Gloggnitz ist schon eine alte Siedlung. Als die ersten Benediktinermönche 1084 kamen und zehn Jahre hernach schon ein kleines Kloster errichtet hatten, soll es schon längst bestanden haben. Der Kern des Ortes liegt um den Hauptplatz (seit 1970 Dr.-Karl-Renner-Platz), der 1879 noch Anger war. Mehrmals wurde der Ortskern umgebildet. Graben: Eine Rotte in einer Falte des Raachberges, auch als „Grabl“ bekannt. Heufeld: Die Rotte schrieb sich 1343 Heveld später auch Häfeld. Salloder: Eine Rotte von neun Häusern hieß 1347 Saloter. Die Straße von Stuppach hinauf wurde 1963 angelegt. Stuppach: Nach Gloggnitz ist sie die größte und bedeutendste Katastralgemeinde der Ortsgemeinde Gloggnitz, sowohl bevölkerungsmäßig als auch wirtschaftlich. In vier Teile könnte man die KG gliedern: ins Dorf mit dem Schloss, die ehemalige Fabrik mit den Wohnhäusern, in den Buchbachgraben und den Stuppachgraben. Weißenbach: Bach und Dorf haben den gleichen Namen.
Geschichte mini|Schloss Gloggnitz
Die Besiedlung des Raumes um Gloggnitz dürfte in der Altsteinzeit erfolgt sein, wie einige Funde der Umgebung vermuten lassen. Der Name Gloggnitz lässt aufgrund seiner Endung mit -itz auf slawischen Ursprung schließen. Die Bedeutung des Namens Gloggnitz könnte mit Glocniza (Bach aus slaw. Klokotnica, bedeutet „glucksender Bach“ oder auch von glognica, SchlehdornAnton Stalzer: Burg Seebenstein, Eigenverlag, 2. Auflage, Wien 1985, S. 15.) angenommen werden.
Urkundlich wird Gloggnitz erstmals 1094 in einer Schenkungsurkunde des Grafen Ekbert I. von Formbach erwähnt. Von der Gründung des Klosters Gloggnitz bis zur Aufhebung des Klosters im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 prägt dieses die Geschichte von Gloggnitz.
Während dieser Zeit taucht 1556 die Bezeichnung Markt Gloggnitz erstmals in einem Dokument auf, nachweisbar ist die Bezeichnung Markt erst mit einer Urkunde von 1622.
Im Jahre 1819 verleiht Kaiser Franz I. das Privileg zur zweimaligen Abhaltung von Jahrmärkten. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts erfährt Gloggnitz durch die Industrialisierung einen Aufschwung. Es entstehen Fabriken für die Textilindustrie und die holzverarbeitende Industrie. 1842 wird die Bahnverbindung von Wien bis Gloggnitz (heute Teil der Südbahn) fertiggestellt, seitdem ist Wien schnell und leicht erreichbar.
Mit der Fertigstellung der Semmeringbahn (Erbauer: Carl Ritter von Ghega) im Jahr 1854 ist auch die Überwindung des Semmerings schneller möglich.
Die Erhebung zur Stadt erfolgte am 20. Oktober 1926.
Im Jahr 1948 erhielt Gloggnitz mit Kreszentia „Zenzi“ Hölzl – für 10 Jahre, bis 1958 – eine der ersten Bürgermeisterinnen Österreichs.Gelegentlich wird sie fälschlich als erste Bürgermeisterin Österreichs bezeichnet (so in Zenzi Hölzl, die erste Bürgermeisterin Österreichs im Standard vom 24. Februar 2014; abgerufen am 2. April 2018), doch hatte beispielsweise die steirische Gemeinde Oberhaag schon ab Juni 1946 eine Bürgermeisterin, die jedoch schon nach 2 Monaten ihr Amt wieder zurücklegte.
In Gloggnitz war die erste Kommandantur der Sowjetischen Truppen bei Kriegsende. Bereits am 3. April 1945 nahm hier der spätere Bundespräsident Karl Renner, der zu der Zeit in Gloggnitz wohnte, Kontakt mit der Besatzungsmacht zur Gründung der Zweiten Republik auf.
Im Jahr 1992 fand im Schloss Gloggnitz die NÖ-Landesausstellung „Die Eroberung der Landschaft Semmering – Rax – Schneeberg“ statt.
Bevölkerungsentwicklung
Religion Nach den Daten der Volkszählung 2001 waren 71,1 % der Einwohner römisch-katholisch, 7,2 % evangelisch und 4,3 % Muslime. 0,9 % gehörten orthodoxen Kirchen an, 13,9 % der Bevölkerung hatten kein religiöses Bekenntnis.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Hochaltar der Schlosskirche
Denkmalgebäude Schloss Gloggnitz mit der Schlosskirche Schloss Stuppach mit der Schlosskapelle St. Florian Renner-Villa Gloggnitz als Karl-Renner-Museum Altes Rathaus, ehemalige Schule, ehemaliges Rathaus, mit Dr.-Karl-Renner-Bücherei
Katholische Pfarrkirche Gloggnitz Evangelische Dreieinigkeitskirche Katholische Filialkirche Stuppach hl. Florian St.-Othmar-Kapelle Kapelle Maria Taferl
Dr.-Karl-Renner-Brücke Kraftwerk Gloggnitz
Denkmäler Den barocken Johannes-Nepomuk-Bildstock auf dem Johannesfelsen unterhalb des Schlosses ließ Propst Franz Langpartner bei der Barockisierung des Klosters errichten. Der seit längerem arg beschädigte Bildstock wurde 1976 restauriert, die künstlerischen Arbeiten führte der Bildhauer Kessler aus. Das Kriegerdenkmal an der Nordwand der St.-Othmars-Kapelle, errichtet 1928, fertigte der Bildhauer Richard Ruepp aus dem Pustertal aus einem Kalkmonolithen von St. Margarethen (Burgenland) nach dem Entwurf des heimischen, zuletzt in Perchtoldsdorf lebenden Architekten Baurat Julius Bergmann an. Das Theodor-Maria-Vogel-Denkmal wurde 1962 in einer Grünanlage neben der Einbindung der Reichenauer Straße von der Sängerschaft des Schwarzatales zu Ehren des Ersten Obmannes und Mundartdichters Theodor Maria Vogel aufgestellt, aber 1976 vor die evangelische Dreieinigkeitskirche in die Hoffeldstraße verlagert. Die Bronzebüste stammt von dem bekannten Markenstecher Georg Wimmer aus Haßbach. Renner-Gedenkstein: Anlässlich des 100. Geburtstages von Österreichs erstem Bundespräsidenten der 2. Republik Karl Renner wurde auf dem alten Hauptplatz, der in Dr.-Karl-Renner-Platz umbenannt wurde, am 14. Dezember 1970 ein geschliffener Granitblock gesetzt. Er würdigt Renners Verdienste in der Ersten und zweiten Republik. Der spätere Ehrenbürger der Stadt Gloggnitz trat 1945 von hier aus mit den russischen Truppen in Kontakt und wurde danach als provisorischer Regierungschef nach Wien berufen. Ghega-Gedenkstein: Anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Semmeringbahn wurde 1954 der Gedenkstein für Karl Ritter von Ghega, den Planer und Erbauer der Semmeringbahn, von der Stadtgemeinde Gloggnitz in einer eigens geschaffenen Grünanlage auf der Zeile errichtet.
In der Umgebung Burg Wartenstein (Privatbesitz) Burg Kranichberg Beim Nordwestabhang des Schafkogels, in Eichberg, liegt die Familiengruft der Familie Hainisch. Dort ist der erste gewählte Bundespräsident der Republik Österreich begraben. Michael Hainisch war von 1920 bis 1924 und von 1924 bis 1928 Bundespräsident Österreichs.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gloggnitz präsentiert sich heute als Einkaufsstadt mini|Verkaufsraum der Firma Lindt & Sprüngli Die ursprüngliche Wirtschaft von Gloggnitz bestand aus der Pecherei, Land-, Forst- und Weinwirtschaft, wobei letztere in Gloggnitz auf Grund ungeeigneter klimatischer Bedingungen und der Lage nicht mehr existent ist.
Mit dem Kloster Gloggnitz entwickelten sich die ersten herrschaftlichen Gewerbebetriebe und mit der Industriellen Revolution einige Fabriken.
Die gravierenden Veränderungen in allen Wirtschaftsbereichen sind in Gloggnitz mit Riesenschritten vonstattengegangen. War noch vor wenigen Jahrzehnten der kleinstrukturierte Gewerbebetrieb für das Wirtschaftsgeschehen verantwortlich, so hat sich in den letzten 30 Jahren Gloggnitz von einer fast reinen Gewerbe- und Eisenbahnerstadt zu einem wirtschaftlich pulsierenden Städtchen in fast allen unternehmerischen Bereichen entwickelt.
Heute gibt es in Gloggnitz mehrere Industriebetriebe, wie z. B. die Firma Huyck Austria, die Firma Karasek Anlagen- und Behälterbau und die Firma Lindt & Sprüngli, die es verstanden haben, in ihrer Sparte zur internationalen Spitze vorzustoßen.
Viele der Mittel- und Kleinbetriebe haben sich durch den persönlichen Einsatz der Firmeninhaber und durch das hohe fachliche Können ihrer Mitarbeiter zu Unternehmen entwickelt, die im In- und Ausland hohe Wertschätzung genießen. An vorderer Stelle seien hier die Firmen Koss, Pusiol und Wiedner genannt.
Zwei schlagkräftige Transportunternehmen stehen den Gloggnitzer Firmen auch für ihre Auslandsgeschäfte zur Verfügung, die Firma Sperrer in der Wiener Straße in Gloggnitz und die Firma Palka in Aue.
In einem speziellen Bereich, nämlich der Zucht- und Aufzucht von Junghühnern, hat sich die Firma Schropper durch Innovation und hohe fachliche Kompetenz zu einem der führenden Musterbetriebe dieser Sparte entwickelt.