Plessa (Filip Rězak, Deutsch-wendisches encyklopädisches Wörterbuch der Oberlausitzer Sprache, Bautzen 1920. Siehe auch: Arnošt Muka, Niedersorbische Namen der Städte und Dörfer, 1911–1928. (Sorbisches Institut)) ist eine Gemeinde im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster und Sitz des Amtes Plessa. Sie befindet sich etwa acht Kilometer östlich der Stadt Elsterwerda im Norden des Schradens, eines Niederungsgebiets der Schwarzen Elster.
Geografie Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Döllingen () und Kahla () sowie der Wohnplatz Plessa-Süd. Döllingen und Kahla wurden am 31. Dezember 2001 eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
Klima Plessa liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar. Die nächsten Wetterstationen befinden sich in Richtung Norden in Doberlug-Kirchhain, westlich des Ortes in Torgau sowie südlich in Oschatz und Dresden.
Geschichte Ursprung und erste urkundliche Erwähnung Plessa wurde erstmals 1406 in der „Landbethe zu Hayn“ein Steuerverzeichnis mit einer Größe von 24 Hufen sowie zwei wüsten Hufen erwähnt. Der Ortsname stammt vom altsorbischen Ples(o), was See bedeutet und vermutlich auf ein Altwasser der Schwarzen Elster hindeutet, die einst mit zahlreichen Nebenarmen die Landschaft des den Ort umgebenden Schradens durchfloss. Der Ort gehörte zur Herrschaft Elsterwerda, und die Einwohner hatten dorthin ihre Abgaben zu leisten.
Frühe Neuzeit Im Jahre 1540 erfolgte die erste Erwähnung einer ledigen hölzernen Kapelle ohne Altargerät und -schmuck. Gepredigt wurde zu dieser Zeit noch in sorbischer (wendischer) Sprache. 1792 errichtete man in Plessa schließlich eine steinerne Kirche, die allerdings wenige Jahre später am 25. Oktober 1811 einem verheerenden Dorfbrand zum Opfer fiel. Nur vier Gehöfte entgingen dem Großbrand. Neben der Kirche trug auch das Schulhaus große Schäden davon. 1814 wurde schließlich der bis in die Gegenwart erhalten gebliebene Kirchenbau errichtet, der 1818 eine Orgel erhielt.
Vom Wiener Kongress bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs mini|Plessa (1910)
Nach dem Bau der Oberlausitzer Eisenbahn von Kohlfurt bis Falkenberg im Jahre 1874, die den Ort durchquert, hielten die Züge zunächst nicht hier, weil die Plessaer Bauern sich geweigert hatten, Land zum Bau der ein Jahr später eröffneten Bahnstrecke Berlin–Dresden abzugeben. Trotzdem begann im Ort bald die Industrialisierung. 1885 erhielt er einen eigenen Bahnhof und 1891 ein eigenes Bahnhofs-Empfangsgebäude. Kurz darauf erfolgte schließlich 1894 die Eröffnung der Braunkohlengrube „Agnes“ und drei Jahre später 1897 die Gründung der Plessaer Braunkohlenwerke GmbH. 1901 wurde nördlich der Eisenbahnstrecke eine Brikettfabrik in Betrieb genommen. Mit der Braunkohleindustrie kam auch der industrielle Aufschwung, und das Dorf begann nun zu wachsen. Betrug die Einwohnerzahl 1890 noch 1200, so war sie im Jahre 1910 bereits auf 2063 gewachsen. In diesem Jahr versorgte die Brikettfabrik als elektrische Zentrale das fast völlig ausgebaute Ortsnetz, wobei zwölf Elektromotoren und fast 400 Glühlampen angeschlossen waren. Der Plessaer Bergwerksdirektor Friedrich von Delius ließ 1924 nach eigenen Plänen die erste Abraumförderbrücke der Welt in der Grube „Agnes“ in Plessa in Betrieb nehmen. Dieser folgte 1927 die Inbetriebnahme des unweit der Brikettfabrik gelegenen, in nur neun Monaten Bauzeit errichteten Kraftwerks.
alternativtext=Erinnerung an die "Ereignisse vom April 1945". Foto Mai 2026.|mini|links|Dieser kleine Stein erinnert an das unendliche Leid, das Menschen einander in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges einander zugefügt haben. Foto Mai 2026. Der Zweite Weltkrieg forderte in Plessa 391 Tote. Der 24. und 25. April 1945 waren die schwärzesten Tage in der Geschichte des Ortes. Nach der Eroberung durch die Rote Armee zogen nochmals Kräfte der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ durch die Ortschaft und ermordeten eine unbekannte Anzahl von Kriegsgefangenen. Nach Abzug der SS-Division galt Plessa bei den sowjetischen Truppen als „Partisanendorf“. 724 Gebäude des Dorfes wurden niedergebrannt, zwischen dem 22. und 25. April 1945 starben 155 Einwohner.Siegfried Ressel: 3sat-Dokumentation, August 2009. An das Grauen dieser Tage erinnert ein Findling neben dem Denkmal für den 1. Weltkrieg auf dem Kirchvorplatz.
Jüngere Ortsgeschichte mini|Plessa – Kraftwerk und Brikettfabrik, 1972.
Das Kraftwerk, die Brikettfabrik und weitere Betriebe des Ortes wurden in den Nachkriegsjahren schließlich verstaatlicht, und kurz nach der Gründung der DDR war die Einwohnerzahl von Plessa im Jahre 1950 bereits auf 3453 gewachsen. In den folgenden Jahren begann auf den Bergbaufolgeflächen im Westen der Plessaer Heide die Anpflanzung von Obstgehölzen, und man versuchte, 32 Hektar der Fläche für den Obstbau nutzbar zu machen. Dabei bewährten sich vor allem die Anpflanzungen von Süßkirschen, die niedrigere Standortansprüche als andere Obstsorten haben. Am 1. Januar 1957 wurde der heutige Ortsteil Plessa-Süd (Grödener Schraden) eingemeindet.
Ein schweres Unglück ereignete sich 1983 in der Plessaer Brikettfabrik. Bei einer Kohlenstaubverpuffung gab es mehrere Tote und Verletzte. Der Betriebsleiter sowie der Hauptabteilungsleiter wurden noch im Dezember des Jahres vom Bezirksgericht Cottbus wegen der Verletzung von Bestimmungen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes jeweils zu Haftstrafen verurteilt.Schuldige an schwerer Havarie verurteilt. In: Neue Zeit. 10. Dezember 1983, S. 2.
Plessa gehörte seit 1816 zum Landkreis Liebenwerda der preußischen Provinz Sachsen, der nach der Auflösung Preußens im Jahr 1947 dem neu gegründeten Land Sachsen-Anhalt zugeordnet wurde. Nach der DDR-Verwaltungsreform von 1952 wurde der Kreis Bad Liebenwerda Teil des Bezirks Cottbus und ab 1990 des Landes Brandenburg. Er ging 1993 im Landkreis Elbe-Elster auf.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde 1992 das Amt Plessa mit sieben Gemeinden gebildet.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 000 1890 1 200 1910 2 063 1925 2 445 1933 2 779 1939 2 909 Jahr Einwohner 1946 2 939 1950 3 453 1964 3 621 1971 3 675 1981 3 315 1985 3 163 Jahr Einwohner 1990 3 009 1995 2 781 2000 2 639 2005 3 216 2010 2 887 2015 2 713 Jahr Einwohner 2020 2 579 2021 2 568 2022 2 577 2023 2 539 2024 2 500 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster, S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Plessa besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister als stimmberechtigtem Mitglied.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 6 (2) Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 70,3 % zu folgendem Ergebnis:
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 Sitze2024 CDU 33,3 % 5 23,1 % 4 AfD 20,1 % 3 19,7 % 2 Bündnis Plessa – – 14,8 % 2 Plessaer Bürgergemeinschaft 9,5 % 2 14,7 % 2 Unabhängige Wählergemeinschaft 14,6 % 2 10,1 % 2 Einzelbewerber Maximilian Schulze 4,3 % 1 4,9 % 1 Einzelbewerber Silvio Wießner – – 4,8 % 1 Einzelbewerber René Rozek 6,8 % 1 4,6 % 1 Einzelbewerber René Haupt – – 3,4 % – SPD 11,6 % 2 – – Insgesamt 100 % 16 100 % 15
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1990–1993: Hans-Joachim Weinhold (SPD)Manfred Feller: Die Besten fliegen in Plessa über die Wellenbahn. Lausitzer Rundschau, 19. Mai 2022, abgerufen am 28. Oktober 2025. 1993–2003: Jürgen Schellschmidt (SPD)39. Karnevalssaison in Plessa. Karnevalsgesellschaft des PCC, Plessa 1994, S. 2. Abgerufen am 28. Oktober 2025.Kommunalwahlen 1998. Bürgermeisterwahlen am 27. September 1998, S. 16. 2003–2024: Gottfried Heinicke (CDU)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2004, S. 24. Abgerufen am 12. August 2024. seit 2024: Siegfried Nußbeck (Bündnis Plessa)
Nußbeck wurde bei der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei einer Gegenkandidatin mit 54,2 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1) gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024
Wappen Das Wappen wurde am 20. August 1997 genehmigt.
Blasonierung: „In Silber zwei voneinander abgewandte, schränglinksgestellte, sich an den Enden kreuzende grüne Lindenzweige; begleitet oben von einem schwarzen Wasserrad, unten von einem schräggekreuzten Schlägel und Eisen.“Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
Flagge Die Flagge der Gemeinde besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus drei Längsstreifen in den Farben grün – silber (weiß) – grün im Verhältnis 1 : 3 : 1 mit dem Wappen im Mittelstreifen.
Partnerschaften Es besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Nörvenich in Nordrhein-Westfalen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur In der Liste der Baudenkmale in Plessa und in der Liste der Bodendenkmale in Plessa stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.
mini|Dorfkirche Plessa mini|Kraftwerk Plessa mini|Kulturhaus Plessa mini|Elstermühle
Sehenswürdigkeiten Dorfkirche Plessa alternativtext=Denkmal für den 1. Weltkrieg. Foto Mai 2026.|mini|Erinnerung an die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Foto Mai 2026.1814 nach einem Brand neu errichtet Kraftwerk Plessa (Technisches Denkmal) Das 1926 erbaute Kraftwerk Plessa ist ein weitgehend original erhaltenes, heute museales Braunkohlekraftwerk, das bis 1992 in Betrieb war. 1998 wurde es als Erlebnis-Kraftwerk unter dem Motto Kraftwerk im Wandel in die Projektliste der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land aufgenommen und sein Abriss verhindert. Kulturhaus Plessa Von 1955 bis 1960 wurde unter Beteiligung der Bevölkerung das Kulturhaus als neues Zentrum für die Region erbaut. Seine Fassade zieren Wandbilder in Sgraffitotechnik sowie Embleme des Bergbaus, der Elektrizität und der Landwirtschaft am weit hervortretenden Eingangsrisalit. Das Bauwerk gilt bis heute als sehr gutes Konzert- und Multifunktionshaus mit vielfältigem Raumprogramm und großzügigem Bühnenhaus. Das Kulturhaus Plessa steht seit 1985 unter Denkmalschutz., Mit dem Ende der Braunkohleindustrie im Lauchhammerrevier übernahm die kleine Kommune das Kulturhaus unsaniert. Wenige Jahre später waren die eigenen Mittel zur Sanierung des Hauses aufgebraucht. Seit 2008 setzte das bürgerschaftliche Engagement aller Generationen das Haus nach eigenen Kräften instand. Ludwig Güttler (der Cheforganisator des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche) hat seine Erfahrungen eingebracht. So konnten die Bürger den Abriss des Hauses verhindern. Sie arbeiten schrittweise die baurechtlichen Auflagen ab und haben das Haus wieder attraktiv für Veranstaltungen gemacht. Seitdem gestaltet die Bevölkerung das Programm in ihrem Kulturhaus selbst. Neben den Gastspielen großer Ensembles wie dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt ist das Kulturhaus Werkstatt für professionelle und Freizeitkreative. Das zweite im Großen Saal aufgenommene Musikalbum mit der Fünf-Nationen-Band „Rue Lascar“ hat eine Dokumentarfilmproduktion umrahmt
Elstermühle