Mörlenbach ist eine Gemeinde im südhessischen Landkreis Bergstraße.

Geografie Die Gemeinde liegt im Odenwald etwa 25 km nördlich von Heidelberg und rund 30 km nordöstlich von Mannheim. Sie befindet sich an der B 38 und wird von der Weschnitz und dem namensgebenden Mörlenbach durchflossen. mini|400px|ohne|Panorama von Mörlenbach

Geologie → Siehe auch: Geologie des Odenwaldes

Die nachweisbare geologische Geschichte Mörlenbachs beginnt mit der Bildung des Bergsträßer Odenwalds, der sich als westlicher Teil des Kristallinen Odenwalds von Darmstadt bis Heidelberg erstreckt. In weiterer Eingrenzung liegt Mörlenbach im Gebiet des sogenannten Weschnitzplutons (ein Granodiorit). Daran grenzen (im östlichen Teil der Kerngemeinde und in den Ortsteilen Weiher und Ober-Mumbach) der Trommgranit sowie (v. a. um Vöckelsbach) eine Mischzone aus metamorphen Gesteinschollen an, von Granitoiden durchdrungen bzw. umgeben. Diese Formationen wurden verursacht durch große Bewegungen der Erdkruste in zwei verschiedenen Erdzeitaltern.Erwin Nickel: Odenwald – Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. (= Sammlung geologischer Führer.) 2. Aufl., 65, Borntraeger, Berlin 1985. Die Granodiorite und Biotitgranite sind im Erdaltertum (Paläozoikum) entstanden bzw. aus Altbeständen umgeformt worden. Die Größe und Verteilung der Kontinente war zu dieser Zeit ganz anders als heute:Wolfgang Franke: The mid-European segment of the Variscides: tectono-stratigraphic units, terrane boundaries and plate tectonic evolution. Geol. Soc. London Spec. Publ., 179, S. 35–61, 2000. „Mitteleuropa“ lag in einem Ozean-Gebiet südlich des Äquators und bestand aus kleinen Kontinenten. Damals driftete durch die Kontinentalverschiebung ein Südkontinent auf einen Nordkontinent zu. Dadurch kollidiertenR. Altherr u. a.: Plutonism in the Variscan Odenwald (Germany): from subduction to collision. Int. J. Earth Sci. 88, S. 422–443, 1999. die dazwischen liegenden „mitteleuropäischen“ Zwerg-Kontinente und in der Devon- und Karbon-Zeit (vor etwa 380–320 Mio. Jahren) erhob sich auf und zwischen ihnen das variszische Gebirge, zu dem der Odenwald zählt:Eckardt Stein u. a.: Geologie des kristallinen Odenwalds – seine magmatische und metamorphe Entwicklung. In: Jahresberichte und Mitteilungen Oberrheinischer Geologischer Verein. N. F. 83, S. 89–111, 2001. Infolge der Zusammenschiebungen (Subduktion) wurden einmal die alten Gesteine tief in die Erdkruste versenkt und in dem oberen Erdmantel in ca. 15 Kilometer Tiefe aufgeschmolzen, zum Zweiten langsam – zusammen mit Magmagesteinen – zurück in die Erdkruste hochgedrückt, wo sie im Laufe von 60 Mio. Jahren allmählich abkühlten und auskristallisierten. Heute stecken im Bergsträßer Odenwald die Granite und Diorite als mächtige Intrusionskörper zwischen den Altbeständen, die zu Schiefern und Gneisen metamorph überformt wurden. Der Weschnitzpluton als größter einheitlicher Granodiorit-Verband des Bergsträßer Odenwalds entstand im Unterkarbon vor etwa 333 bis 329 Mio. Jahren. Der vor ca. 320 Mio. Jahren nachdringende Trommgranit verschweißte den Bergsträßer mit dem 50 Mio. Jahre älteren östlichen Böllsteiner-Gneis-Odenwald. Im Gebiet Weiher-Vöckelsbach entwickelte sich eine Mischzone mit granitischen Gesteinen und umgewandelten Altbeständen, z. B. Biotit-Plagioklas-Gneis-Schollen – früher als Amphibolit bezeichnet. Bei diesen tektonischen Prozessen rissen immer wieder in den Gesteinsmassen Spalten auf, in welche Schmelzen eindrangen und dort zu Ganggesteinen auskristallisierten, beispielsweise die Kersantit-Gänge auf der Juhöhe. Ältere Granodioritbestände wurden durch jüngere aplitartige Granite durchtrümmert (Bonsweiher – Ober-Liebersbach). mini|Blick von Klein-Breitenbach über das Mörlenbacher Weschnitztal zum Götzenstein und Kisselbusch bei Vöckelsbach, Rohrbach und Geisenbach: Die beckenartige und hügelig-zertalte Landschaft zwischen dem Tromm- und dem Bergsträßer Gebirgszug, die durch die unterschiedlichen Verwitterungsprozesse in Tetiär- und Eiszeit entstand, prägt das eindrucksvolle Mittelgebirgsbild des kristallinen Odenwaldes. Viele Millionen Jahre später – das variszische Gebirge war durch Verwitterung bereits bis zu seinem Rumpf abgetragen – kam es in Mitteleuropa wieder zu starken Bewegungen in der Erdkruste: In Verbindung mit einer Rift-Zone vom Mittelmeer bis an die Nordsee brach – im Tertiär vor ca. 45 Mio. Jahren – der Oberrheingraben ein. In der Folge zerlegten viele Kreuz- und Querklüfte das Gebiet des heutigen Odenwaldes in Gebirgsblöcke und Gräben. Im Weschnitztal führten Scherbewegungen der sich gegeneinander verschiebenden Gesteinsmassen – in den sogenannten Mylonitzonen – zu einer Zertrümmerung der Granitgesteine – wie im östlichen Teil Mörlenbachs in Richtung Nieder-Mumbach. Einige Spalten im Mörlenbacher Raum füllten sich mit Quarz- und Schwerspatlösungen, z. B. an der Panoramastraße in Richtung Nieder-Mumbach oder am Steinböhl in Klein-Breitenbach. Durch ein, die Verwitterung und Abtragung begünstigendes, warmfeuchtes Tertiär-Klima und fluviatile Ausräumung des Hangschutts schnitt sich die Weschnitz tief ins Gelände ein, ebenso zersägten die Bäche der Seitentäler bei Mörlenbach die Bergmassive, deren obere Partien sich durch Risse in Blöcke teilten, die anschließend durch Chemische Verwitterung kugelförmige Felsburgen und -meere bildeten (Wollsackverwitterung), z. B. auf der Juhöhe. In der nachfolgenden Eiszeit herrschte im Odenwald ein Permafrost-Klima. D. h. der Boden war ständig tief gefroren. Bei Erwärmung (Ende der Eiszeit) taute die obere Schicht auf, die vom Schutt befreiten Gesteine rutschten auf dem noch gefrorenen Untergrund hangabwärts. So bildete sich aus dem Rumpf des variszischen Gebirges das heutige typische Mittelgebirgs-Landschaftsbild des weiträumigen – wie ein transmontanes Becken wirkenden – Weschnitztals und seiner Bergketten.

Zeugen der geologischen Vergangenheit sindMichael Fettel: Mineralogie und Bergbau. In: Heimatbuch Mörlenbach. Mörlenbach 1983, S. 8.:

historisch: Schwerspatabbau (Baryt) Nieder-Mumbach (um 1900) Amphibolitsteinbruch (s. o.: Biotit-Plagioklas-Gneis-Schollen) bei Mackenheim in Richtung Vöckelsbach ehemalige Granodiorit-Steinbrüche z. B. bei Bonsweiher in Richtung Juhöhe Ansammlungen großer Granodioritblöcke auf der Juhöhe – durch Wollsackverwitterung und Abtragung des Verwitterungsschuttes entstanden Quarz-Baryt-Blöcke am Steinböhl in Klein-Breitenbach

Nachbargemeinden Mörlenbach grenzt im Norden an die Gemeinde Rimbach, im Osten an die Gemeinden Wald-Michelbach und Abtsteinach, im Süden an die Gemeinde Birkenau, im Westen an die Stadt Hemsbach und die Gemeinde Laudenbach (beide Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg) sowie im Nordwesten an die Stadt Heppenheim.

Gemeindegliederung Mörlenbach besteht zunächst aus dem gleichnamigen Hauptort, in dessen Gemarkung sich die Weiler Klein-Breitenbach, Groß-Breitenbach, Bettenbach und Nieder-Mumbach befinden. Ferner gehören zur Gemeinde die im Nordwesten gelegenen Ortsteile Ober-Liebersbach und Bonsweiher mit der Siedlung Juhöhe, im Südosten die Ortsteile Weiher, Vöckelsbach und Ober-Mumbach mit den Weilern Geisenbach und ganz im Süden Rohrbach.

Leicht im Gegensatz dazu sind die Ortsbezirke mit zu wählenden Ortsbeiräten wie folgt abgegrenzt (in Klammern die Anzahl der Mitglieder des Ortsbeirates): §6, S. 3 (PDF-Dokument, 79,5 kB); abgerufen am 19. Mai 2016 Bonsweiher: ehemalige Gemeinde Bonsweiher (7) Mörlenbach-Mitte: Gemeindegebiet Mörlenbach ohne „Nieder-Mumbach“ (7) Ober-Liebersbach: ehemalige Gemeinde Ober-Liebersbach (5) Ober-Mumbach: Gebiet der ehemaligen Gemeinde Ober-Mumbach und Wohnplatz „Nieder-Mumbach“ der Gemarkung Mörlenbach (7) Vöckelsbach: ehemalige Gemeinde Vöckelsbach (5) Weiher: ehemalige Gemeinde Weiher (7)

Klima Durch die Lage nahe an der Bergstraße herrscht in Mörlenbach ein mildes Klima, das häufig in einer für Deutschland sehr frühen Mandelbaumblüte sichtbar wird.

Geschichte Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert Mörlenbach entstand im Gebiet der ehemaligen „Mark Heppenheim“, die einen Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete. Wie im Lorscher Codex beurkundet, schenkte Karl der Große am 20. Januar 773 die Stadt Heppenheim einschließlich „Mark Heppenheim“ dem Reichskloster Lorsch. Von dort wurde die Urbarmachung und Besiedlung des Gebietes betrieben, dazu gehörte auch das Weschnitztal mit seinen Seitentälern. Der Blütezeit des Klosters Lorsch folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 wurde Lorsch dem Erzbistum Mainz unterstellt. 1461 verpfändete Kurmainz diese Besitzungen an die Kurpfalz. Diese wechselte 1556 zum protestantischen Glauben und hob 1564 das Kloster auf.

Die erste Erwähnung des Ortes findet sich 795 als Morlenbach in der Urkunde einer Grenzbereinigung zum Besitz des Klosters Lorsch in der „Mark Heppenheim“. In der Grenzbeschreibung von 773 wird Mörlenbach noch nicht erwähnt. Im Zusammenhang mit der Schenkung Karls des Großen entwickelten sich Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Lorsch und der Diözese Worms, die 795 zur Einberufung eines Schiedsgerichtes auf dem Kahlberg bei Weschnitz führten, einer alten Versammlungs- und Gerichtsstätte unweit der heutigen Walburgiskapelle. Als Ergebnis dieses Schiedsgerichtes wurde eine neue Grenzbeschreibung festgelegt, die nun auch die wichtigsten Orte innerhalb der Grenzen der Mark Heppenheim benannte, nämlich Furte (Fürth), Rintbach (Rimbach), Morlenbach (Mörlenbach), Birkenowa (Birkenau), Winenheim (Weinheim), Heppenheim, Besinsheim (Bensheim), Urbach (Auerbach), Lauresham (Lorsch) und Bisestat (Bürstadt).

mini|Verlauf der ehemaligen Stadtmauer auf einer Karte von 1860 Das Dorf entstand als geschlossenes Haufendorf bei einseitiger Tallage und bestand nach 900 aus sechs Huben. 1812 wurden 38 Hubengüter gezählt. Im Lorscher Codex aus dem 12. Jahrhundert werden 6 Freihuben und 28 dienstbare Huben genannt und 1812 wurden 38 Hubengüter, 59 Wohngebäude mit 391 Seelen gezählt.Konrad Dahl, S. 243 () Aus dem Jahr 1648 wurde von vier Mühlen in Mörlenbach berichtet, und 1927 sind noch die Brehms-, Juden-, Schützen-, Stein- und Weschnitzmühle dokumentiert. Zeitweise besaß Mörlenbach Stadtrechte. So befreite Erzbischof Diether von Mainz 1459 die Einwohner von Mörlenbach von Weidgeld, Fron und Atzung, unter der Bedingung, dass sie mit der unter seinem Vorgänger begonnenen Befestigung des Fleckens fortführen.

1267 wird erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das „Amt Starkenburg“, zu dem Mörlenbach zählte, verwaltete.

Aus dem Mittelalter sind eine Anzahl Grundherren namentlich überliefert. So Ludwig der Strenge, Pfalzgraf und Herzog von Bayern (1273). Heinrich von Mörlenbach schenkte 1294 Güter dem Kloster Lorsch. Dessen Familie wurde als Burgmannen der ehemaligen Wasserburg Mörlenbach erwähnt. Aus dem Jahr 1308 ist ein Vergleich zwischen Kurmainz und Kurpfalz überliefert, in dem bestimmt wurde, dass die Güter der unteren Abtei Mörlenbach des Klosters Lorsch dem Stift Mainz gehörten, was 1344 bestätigt wurde. Dieter von Hattenkeim wurde 1357 ein Wittum für seine Ehefrau aus dem Zehnten und der Fruchtgült zu Mörlenbach durch Pfalzgraf Ruprecht bewilligt. Über weitere zeitweise Rechte an Mörlenbach verfügten Henne von Bensheim, Anna von Frankenstein, Hans von Hirschhorn, Junker Heinrich von Schwanheim, Konrad von Frankenstein und der Propst von Lorsch. Mörlenbach besaß zeitweise die Stadtrechte und die Ersterwähnung der Stadtbefestigung stammt von 1454.

Seit 1426 urkundlich belegt, existierte bis ins 19. Jahrhundert eine Burg Mörlenbach im Ort, die später als Landgut benutzt wurde, bis sie unter der Kurpfalz ihre Bedeutung verlor und verfiel.