mini|Felsritzungen des Valcamonica (Italien); von manchen Autoren als Darstellung außerirdischer Astronauten auf der Erde gedeutet Die Prä-Astronautik (auch Paläo-SETI genannt, ein Begriff, der 1989 von dem Geologen Vladimir Avinsky (UdSSR) geprägt wurde) ist eine Parawissenschaft oder vielmehr eine Pseudowissenschaft,Johann Thun: Besuch der alten Götter. Von H. P. Lovecrafts ›Cthulhu-Mythos‹ zu Erich von Dänikens ›Prä-Astronautik‹. In: Paweł Walowski (Hrsg.): Der (neue) Mensch und seine Welten: Deutschsprachige fantastische Literatur und Science-Fiction. Frank & Timme, Berlin 2017, ISBN 978-3-7329-0237-8, S. 47–60, hier S. 47. welche die Untersuchung der vermeintlichen Präsenz außerirdischer Intelligenzen auf der Erde während der Vorgeschichte und des Altertums zum Ziel hat. Von ihren Anhängern wird die Prä-Astronautik als Protowissenschaft verstanden, die Erkenntnisse aus den Altertumswissenschaften und der Astronautik verbindet. In der akademisch institutionalisierten Forschung, insbesondere in den Altertumswissenschaften, gilt sie als Pseudowissenschaft, deren Thesen nicht belegbar sind. Themen wie Ufoglaube oder Raelismus können Teil prä-astronautischer Anschauungen sein, auch bestehen Überlappungen zu Verschwörungstheorien, dem Glauben an paranormale Phänomene und Rechtsextremismus.

Die Prä-Astronautik ist nicht zu verwechseln mit der technisch-wissenschaftlich orientierten Suche nach außerirdischen Zivilisationen (Search for Extraterrestrial Intelligence).

Geschichte der Prä-Astronautik Als Vorläufer der Prä-Astronautik gelten die in der Literatur des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts diskutierten Vorstellungen über die Existenz antiker Zivilisationen wie Atlantis, Lemuria oder Mu, denen man eine fortgeschrittene Technologie zuschrieb. Charles Fort spekulierte 1919 in seiner Sammlung unerklärlicher Phänomene (The Book of the Damned), dass die Menschheit ein „Besitztum“ von Außerirdischen sei. In den 1920er Jahren setzten sich die sowjetischen Raumfahrtpioniere Konstantin Ziolkowski und Nikolai Rynin mit der Idee interplanetarer Kontakte in der Vergangenheit auseinander.Nicolas Benzin: Grundlagen der Paläo-SETI. Band I: Der Hypothesenrahmen. 2006, S. 13f.

In den 1950er und 1960er Jahren beschäftigten sich infolge der Aufmerksamkeit, die UFOs in der weltweiten Öffentlichkeit erregten, mehrere Wissenschaftler, Journalisten und Autoren mit der Theorie. Dazu zählen unter anderem der sowjetische Mathematiker Matest M. Agrest, der italienische Journalist Peter Kolosimo, Forts Schüler W. Raymond Drake, der von Fort und Helena Blavatsky beeinflusste britische Journalist Harold T. Wilkins, der französisch-polnische Okkultist Jacques Bergier und sein Co-Autor Louis Pauwels sowie der Science-Fiction-Autor Robert Charroux.Nicolas Benzin: Grundlagen der Paläo-SETI. Band I: Der Hypothesenrahmen. 2006, S. 14–20.paleocontact hypothesis. In: daviddarling.info. Abgerufen am 2. Oktober 2019 (englisch). Bei diesen steht allerdings die These im Vordergrund, die Menschheit habe bereits in der Vergangenheit ein hohes zivilisatorisches Niveau erreicht, dieses aber durch einen Atomkrieg verloren. In Esoterik und Geheimwissenschaften habe sich das im Kern technische Wissen der Vorfahren überliefert. Dass dieses von „interplanetarischen Reisenden“ (so Pauwels und Bergier) stamme, steht nur am Rande ihrer kulturkritischen Spekulationen.Ingbert Jüdt: Aliens im kulturellen Gedächtnis? Die projektive Rekonstruktion der Vergangenheit im Diskurs der Präastronautik. In: Michael Schetsche, Martin Engelbrecht (Hrsg.): Von Menschen und Außerirdischen. Transterrestrische Begegnungen im Spiegel der Kulturwissenschaft. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-0855-1, S. 82–85. William Dudley Pelley, der ehemalige Führer der antisemitischen Silver Shirts, verbreitete von 1950 an eine rassistisch aufgeladene Umdeutung der Stammesgeschichte des Menschen: Vor 17 Millionen Jahren seien Außerirdische vom Sirius auf der Erde gelandet, einige von ihnen hätte sich mit den dort lebenden Affen gepaart, und eine weitere außerirdische Gruppe, die „Christ People“, seien bereits unter uns, um den durch diese Rassenmischung angeblich entstandenen Schaden zu beheben.Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. University of California Press, Berkeley 2013, ISBN 978-0-520-27682-6, S. 154 f.

1960 spekulierte der amerikanische Astrophysiker Thomas Gold in einem Artikel mit dem Titel Cosmic Garbage (‚Kosmischer Abfall‘) über die Möglichkeit, extraterrestrische Weltraumreisende hätten die Erde vor langer Zeit besucht. Die Wesen hätten ihren Müll zurückgelassen und so unbeabsichtigt Leben auf die Erde gebracht.Thomas Gold: Cosmic Garbage in: Air Force and Space Digest Nr. 43, Mai 1960, S. 65; zit. nach George Basalla: Civilized life in the universe. Scientists on intelligent extraterrestrials Oxford University Press, New York 2006, ISBN 0-19-517181-0, S. 145 1963 brachte der amerikanische Astronom Carl Sagan die Frage auf, ob es in der Vergangenheit Kontakt zwischen Menschen und extraterrestrischen Besuchern gegeben haben könnte und der Umstand aus vielerlei Gründen verfälscht worden ist.Carl Sagan: Direct contact among galactic civilizations by relativistic interstellar spaceflight. Planetary and Space Science, Vol. 11, S. 485, 05/1963, doi:10.1016/0032-0633(63)90072-2, [email protected], abgerufen am 3. August 2011Michael Michaud: Contact with Alien Civilizations – Our Hopes and Fears about Encountering Extraterrestrials. Springer, Berlin 2006, ISBN 0-387-28598-9, Ancient Visitors to Earth, S. 141–142 & Astroarchaeology, S. 138–139 Sagan vermutete, Alien-Spezies könnten die Erde öfter besucht und dabei Artefakte auf dem Planeten oder im Sonnensystem zurückgelassen haben.George Basalla: Civilized life in the universe. Scientists on intelligent extraterrestrials Oxford University Press, New York 2006, ISBN 0-19-517181-0, S. 144

Große Bekanntheit erlangte die Hypothese über Astronautengötter durch den Schweizer Erich von Däniken, dessen Erstlingswerk Erinnerungen an die Zukunft (1968) sofort zum Bestseller und ein Jahr später verfilmt wurde. Im Unterschied zu seinen Vorgängern spekuliert von Däniken nicht über esoterisches Geheimwissen, sondern argumentiert rein materialistisch: Durch Einwirkung der Außerirdischen hätten die primitiven Urmenschen plötzlich und wie aus dem Nichts Hochkulturen wie die von Sumer oder dem alten Ägypten entwickelt.Ingbert Jüdt: Aliens im kulturellen Gedächtnis? Die projektive Rekonstruktion der Vergangenheit im Diskurs der Präastronautik. In: Michael Schetsche, Martin Engelbrecht (Hrsg.): Von Menschen und Außerirdischen. Transterrestrische Begegnungen im Spiegel der Kulturwissenschaft. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-0855-1, S. 85 ff. In den Folgejahren wurde der Begriff „Prä-Astronautik“ geprägt. 1973 wurde in den USA von dem Rechtsanwalt Gene Philipps die Ancient Astronaut Society (AAS) gegründet, die die Zeitschrift Ancient Skies herausgibt. Dokumentarfilme und Fernsehserien sowie viele Bücher befassten sich mit dem Thema. Von Däniken reiste um die Welt und hielt zahlreiche Vorträge. Es bildete sich ein Kanon von archäologischen Stätten und Artefakten sowie überlieferten Texten, die noch als besonders vielversprechende Indizien für die Theorie gelten.Ulrich Magin: Artikel Prä-Astronautik, In: Gerald L. Eberlein (Hg.): Kleines Lexikon der Parawissenschaften. 1995, S. 135–143 Mit Der zwölfte Planet (1976) etablierte sich Zecharia Sitchin als weiterer beliebter Buchautor auf dem Gebiet der Prä-Astronautik, ebenso wie Karl F. Kohlenberg mit Enträtselte Vorzeit (1970).

Ende der 1980er suchten Autoren der Prä-Astronautik nach einer aussagekräftigen Bezeichnung für ihr Forschungsgebiet – der Begriff „Prä-Astronautik“ wurde als unzureichend empfunden, ebenso wie gelegentlich auftretende andere Benennungen wie „Astro-Archäologie“ (eigentlich eine andere Bezeichnung für Archäoastronomie). Vladimir Avinsky schlug „Paläo-SETI“ vor, aufbauend auf der Abkürzung SETI (Search for Extraterrestrial Intelligence, „Suche nach außerirdischer Intelligenz“), die von der NASA geprägt wurde. In den Folgejahren wurde diese neue Bezeichnung im deutschsprachigen Raum vor allem von Johannes Fiebag popularisiert. Bereits 1979 erschien die erste Auflage der deutschsprachigen Ausgabe des Lexikon der Prä-Astronautik, vom Autor Ulrich Dopatka. Die zweite Auflage erschien 1981 und die dritte Auflage 1986. Das Gründungsjahr der deutschsprachigen Sektion der Ancient Astronaut Society (AAS) war 1980 mit der ersten offiziellen Tagung in Fulda, 1-Day-Meeting genannt, die von Erich von Däniken eröffnet wurde und seitdem regelmäßig jedes Jahr stattfindet. Die ersten Autoren der deutschsprachigen Ancient Skies und die ersten Referenten der deutschsprachigen AAS waren Luc Bürgin, Johannes von Buttlar, Axel Ertelt, Johannes Fiebag, Peter Fiebag, Ulrich Dopatka, Hans-Werner Sachmann und Wilfried Stevens. Im Jahr 1999 wurde die deutsche Ausgabe der Ancient Skies umbenannt in Sagenhafte Zeiten, das als Magazin alle zwei Monate erscheint.

Ende der 1990er wurde die Ancient Astronaut Society unter Beibehaltung der Abkürzung AAS in Archeology, Astronautics and SETI Research Association umbenannt. Das deutsche Pendant heißt Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI. Die Forschungsgesellschaft hat ihren Sitz in Beatenberg, in der Schweiz, und hat die Bezeichnung A.A.S. GmbH.

Themen und Methoden der Prä-Astronautik mini|Shakōki Dogū aus der Späten Jōmon-Zeit (1000–400 v. Chr.)

Zentrales Thema und Hauptgegenstand der Prä-Astronautik ist die Annahme, dass außerirdische Raumfahrer die Erde in prähistorischer oder historischer Zeit besucht und dabei Einfluss auf die Genese des Menschen (Stammesgeschichte des Menschen) oder dessen kulturelle und technologische Entwicklung genommen hätten. Hauptgrundlage sind dabei Neuinterpretationen religiöser und mythologischer Texte, die als Berichte über tatsächliche Begebenheiten der Vergangenheit verstanden werden und Begegnungen mit außerirdischen Wesen beschreiben sollen. Religiöse Aspekte werden dabei durchweg technologisiert: So wird Schöpfung des Menschen als gentechnisches Experiment gedeutet, das Erscheinen Gottes im Tanach als Landung eines UFOs oder Engel als außerirdische Raumfahrer.Ulrich Magin: Neue Mythen/Neue Mythologien. In: Metzler Lexikon Religion. Gegenwart – Alltag – Medien. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2005, Bd. 2, S. 556. Die Beschreibungen von mythischen Gegenständen oder Orten wie der Bundeslade oder der Merkaba oder die Walhall von Asgard des nordischen Sagenkreises werden dabei als nicht verstandene Verklärungen hochentwickelter Waffen-, Militär- und Raumfahrttechnik gedeutet. Mythen mit einander ähnelnden Inhalten werden ähnlich interpretiert, wie die in mehreren Kulturkreisen erwähnte Sintflut und die darauf folgende Rettung der Menschheit, die sich sowohl in der Bibel als auch im sumerisch-babylonischen Gilgamesch-Epos, in altindischen, -chinesischen oder australischen Schöpfungsmythen findet. Die Prä-Astronautik geht davon aus, dass diese Überlieferungen auf ein reales Eingreifen höher entwickelter Wesen zurückzuführen sei, das sich in den Mythen als ein ur-menschliches (im freudschen Sinne unbewusstes) Trauma ausdrücke.