mini|297x297px|Das für Öffentlichkeitsarbeit verwendete Logo der Stadt Villingen-Schwenningen mini|hochkant=1.5|Villingen aus der Luft Villingen-Schwenningen (IPA: [], ) ist eine Stadt im Südwesten Baden-Württembergs. Mit fast 90.000 Einwohnernvillingen-schwenningen.de ist die aus der Gemeindereform 1972 hervorgegangene badisch-württembergische Doppelstadt ein Oberzentrum und Hochschulstandort sowie die Kreisstadt und größte Stadt des Schwarzwald-Baar-Kreises. Außerdem ist sie der Verwaltungssitz der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg.
Der Stadtteil Villingen war von 1218 bis 1283 eine selbstständige Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich und führte seitdem den Reichsadler als Wappen. Dieser fand als heraldischer Bestandteil Eingang in das heutige Stadtwappen der Doppelstadt.
Villingen-Schwenningen ist die bevölkerungsreichste Gemeinde in Deutschland mit einem Doppelnamen.
Geographie Geographische Lage Villingen liegt zwischen dem Ostrand des Schwarzwaldes und der Hochmulde der Baar an der Brigach. Die Brigach ist einer der beiden Quellflüsse der Donau – der andere ist die Breg –, die in Donaueschingen zusammenfließen. Weiter östlich, bereits auf der Baar, liegt Schwenningen. Die Fläche des Schwenninger Mooses ist zugleich auch das Quellgebiet des Neckars (Neckarursprung). Die Stadtregion erstreckt sich über Höhenlagen von 658 bis 969 Metern.
Die Entfernung zwischen den beiden Zentren der Doppelstadt Villingen-Schwenningen beträgt etwa acht Kilometer. Zwischen den beiden Stadtteilen verlaufen die Europäische Hauptwasserscheide und die Grenze zwischen den ehemaligen Ländern Württemberg und Baden.
Klima mini|Klimadiagramm
Am 29. Juni 2006 ging über Villingen-Schwenningen sowie dem benachbarten Trossingen ab 19:30 Uhr ein Hagel-Unwetter nieder. Dabei wurden Hagelkörner mit bis zu 12 cm Durchmesser berichtet, etwa 120 Menschen wurden verletzt. Innerhalb von 20 Minuten entstand ein geschätzter Sachschaden von 150–200 Millionen Euro. Ungefähr 18.000 Dächer sowie zahllose Autos wurden schwer beschädigt, die Reparaturen dauerten mehrere Jahre an. Damit war das Hagel-Unwetter eines der bis dahin teuersten Hagel-Ereignisse. Als Reaktion auf das Hagel-Unwetter wurde auf private Initiative ein Verein zur Hagelabwehr gegründet, der einen „Hagelflieger“ betreibt. Dieser soll durch in den Wolken ausgebrachtes Silberiodid das Hagelrisiko minimieren.
Nachbargemeinden Etliche Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Villingen-Schwenningen. Beginnend im Nordwesten der Stadtregion, werden sie geografisch dem Uhrzeigersinn folgend genannt:
Unterkirnach, St. Georgen im Schwarzwald, Mönchweiler, Königsfeld im Schwarzwald, Niedereschach, Dauchingen (alle Schwarzwald-Baar-Kreis), Deißlingen (Landkreis Rottweil), Trossingen (Landkreis Tuttlingen) sowie Tuningen, Bad Dürrheim, Brigachtal, Donaueschingen und Vöhrenbach (alle Schwarzwald-Baar-Kreis).
Stadtgliederung mini|400px|Stadtbezirke von Villingen-Schwenningen
Das Stadtgebiet Villingen-Schwenningens besteht aus den Stadtbezirken Villingen, Schwenningen und Mühlhausen sowie den im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden und heutigen Ortschaften Herzogenweiler, Marbach, Obereschach, Pfaffenweiler, Rietheim, Tannheim, Weigheim und Weilersbach. Im Dezember 2025 zählten die Stadtbezirke folgende Einwohnerzahlen:
Name des Bezirks Einwohner Stadtbezirk Villingen 40.992 Pfaffenweiler2.144 Marbach 2.047 Tannheim 1.213 Rietheim 1.024 Herzogenweiler 199 Stadtbezirk Schwenningen 36.940 Obereschach 1.680 Weigheim 1.444 Weilersbach 1.228 Mühlhausen770
Zu einigen Stadtteilen gehören weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben; auch gibt es Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Gebiete:
zu Herzogenweiler: Glaserhof, Glasermühle zu Marbach: Marbach-Ost zu Mühlhausen: Roter Berg zu Obereschach: Aubenmühle, Oberer Guggenbühl, Öle, Schlietenhof, Sommertshausen, Unterer Guggenbühl, Waldhummelhof zu Pfaffenweiler: Häringshöfe, Säge, Spitalhöfe zu Rietheim: Mühlenhof zu Tannheim: Forsthaus, Sägewerk, Untermühle zu Villingen: Bertholdshöfe, Feldnermühle, Nordstetten, Salvest, Viehhof, Volkertsweiler und Zollhaus
Die Gemarkung der Stadt – mit über 16.500 ha eine der flächengrößten im Land Baden-Württemberg – weist einen für Baden-Württemberg untypischen Verlauf auf. So sind die Gemarkungen von Unterkirnach und dem Stadtbezirk Villingen eng miteinander verzahnt. Während die meisten Waldflächen rund um Unterkirnach auf der Gemarkung Villingen liegen, befinden sich die offenen Flächen überwiegend auf Unterkirnacher Gemarkung. Allein der Grenzverlauf Villingen–Unterkirnach ist rund 60 km lang und bildet zahlreiche En- bzw. Exklaven. Beispiele hierfür sind die Gewanne im Stockwald, Groppertal, Hippengehr, Salvest, Viehhof und Neuhäusle.
alt=Schwenningen – Kaufhaus Merkur|mini|Schwenningen – Kaufhaus Merkur Grund für den markanten Grenzverlauf ist die Tatsache, dass Unterkirnach bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein abhängiger, unselbstständiger Ort der Stadt Villingen war. Im Zuge der Loslösung des Ortes von der Stadt wurden die offenen Flächen im Kirnach- und Brigachtal der neuen selbständigen Gemeinde Unterkirnach zugeschlagen, während der Wald als einer der größten kommunalen Wälder in Baden-Württemberg (7.559 ha) – bis heute – bei der Stadt Villingen, ab 1972 Villingen-Schwenningen, verblieb. Der Waldrand und somit die Gemarkungsgrenze bildet die örtlichen geologischen Verhältnisse ab: Der Wald stockt auf dem unfruchtbaren Buntsandstein, während die Wiesen im fruchtbareren Granit/Gneis angelegt wurden. mini|hochkant|Innenstadt von Villingen mini|Rietstraße in Villingen
Raumplanung Villingen-Schwenningen ist das Oberzentrum der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, dem die Mittelzentren Donaueschingen, Rottweil, Schramberg und Tuttlingen zugeordnet sind. Für die meisten Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis übernimmt Villingen-Schwenningen auch die Funktion des Mittelbereichs. Lediglich die Stadt Donaueschingen und die Gemeinden Blumberg, Bräunlingen und Hüfingen gehören zum Mittelbereich Donaueschingen.
Schutzgebiete
In Villingen-Schwenningen gibt es mit den Gebieten Tannhörnle, Schwenninger Moos und Mühlhauser Halde, Plattenmoos und dem Natur- und Landschaftsschutzgebiet Mönchsee-Weiherwiesen insgesamt fünf Naturschutzgebiete.
Daneben hat Villingen-Schwenningen Anteil an vier weiteren Landschaftsschutzgebieten: dem Groppertal, der Landschaft um das Naturschutzgebiet Schwenninger Moos, dem Mönchsee-Weiherwiesen und dem Landschaftsschutzgebiet Villingen Süd.
Auf dem Stadtgebiet liegen zudem mehrere Teilgebiete des FFH-Gebietes Baar, Eschach und Südostschwarzwald. Auch die Vogelschutzgebiete Baar und Mittlerer Schwarzwald liegen teilweise in Villingen-Schwenningen.
Die Fläche von Villingen-Schwenningen gehört größtenteils zum Naturpark Südschwarzwald.Daten- und Kartendienst der LUBW So gehören vor allem die beiden Kernstädte Villingen und Schwenningen zum Naturpark, außerdem Obereschach, Herzogenweiler, Rietheim und Tannheim, während Mühlhausen, Weigheim, Weilersbach und Marbach außerhalb des Naturparks liegen.
Doppelstädtische Besonderheiten Dass Villingen bis zur Kreis- und Gemeindereform 1972 dem badischen und Schwenningen dem württembergischen Landesteil angehörte, wirkt bis heute nach. Vieles gibt es angesichts zweier großer Stadtteile doppelt und in etwas unterschiedlicher Ausprägung. Villingen-Schwenningen wird deshalb auch als „Doppelstadt“ bezeichnet.
Einige Beispiele: Villingen (07721) hat eine andere Telefonvorwahl als Schwenningen (07720). Die Institutionen und Vereine der gemeinsamen Stadt gehören verschiedenen Landesverbänden an, so dass etwa die badischen Sportvereine bis auf wenige Ausnahmen im sportlichen Wettkampf nicht gegen die württembergischen antreten können. Die Kirchengemeinden gehören unterschiedlichen Landeskirchen (Evangelische Landeskirche in Baden/Evangelische Landeskirche in Württemberg) beziehungsweise Bistümern (Erzbistum Freiburg/Diözese Rottenburg-Stuttgart) an. In jedem der beiden Stadtbezirke gibt es ein Rathaus (Sitz des Oberbürgermeisters ist Villingen).
Bis zum 31. Dezember 2017 existierte in Villingen das badische Richternotariat mit Volljuristen, während man in Schwenningen auf das württembergische Bezirksnotariat traf. Diese Besonderheit wurde mit der baden-württembergischen Notariatreform zum 1. Januar 2018 abgeschafft, seither gibt es im ganzen Bundesland nur noch freiberufliche Notare (siehe Amtsnotar#Deutschland).
Solche größtenteils historisch gewachsenen Eigenheiten sind in der Doppelstadt trotz langjähriger gemeinsamer Geschichte noch nicht in allen Punkten überwunden. Die Stadtverwaltung versucht, diese doppelstädtische Besonderheit touristisch zu vermarkten, indem sie Villingen-Schwenningen als „Baden-Württemberg-Stadt“ bezeichnet.alt=Janusz-Korczak-Schule Schwenningen|mini|Janusz-Korczak-Schule Schwenningen Den Status der Region als Doppelstadt weisen zwei zunächst historisch auffallend heterogen gewachsene Städte aus: Das badische Villingen (westlicher Teil der Doppelstadt) und das württembergische Schwenningen sind ehemals selbstständige Städte, die zwar nur wenige Kilometer voneinander entfernt, aber durch eine Verwaltungsgrenze getrennt lagen. Beide Flächen fungieren heute als zwei große Stadtteile. Villingen-Schwenningen ist seit der Gründung 1972 eine Große Kreisstadt: Diesen Namenszusatz trugen die beiden einstigen Städte „Villingen im Schwarzwald“ (vormals Große Kreisstadt Villingen) und „Schwenningen am Neckar“ (vormals Große Kreisstadt innerhalb des damaligen Kreises Rottweil) jedoch jeweils unabhängig voneinander bereits seit 1. April 1956.
Zu den weiteren Besonderheiten gehört, dass Villingen-Schwenningen die größte der Gemeinden Deutschlands ist, die über 700 m NHN liegen. Aus verwaltungstechnischer Sicht ist Villingen-Schwenningen als Oberzentrum der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bis dato auch das höchstgelegene Oberzentrum in Deutschland.
Geschichte mini|hochkant|Statue von Graf Bertold, dem Villinger Stadtgründer, aus dem Jahr 1907 Die Geschichte der ehemaligen Stadt Villingen einerseits und der ehemaligen Stadt Schwenningen andererseits ist jeweils sehr unterschiedlich. Die bürgerlich geprägte Stadtgeschichte Villingens reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Knapp 500 Jahre lang war für Villingen die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich maßgebend. Erst ab 1806 bis 1918 gehörte Villingen zum Großherzogtum Baden. Das württembergische Schwenningen hingegen bewahrte lange Zeit einen eher dörflichen Charakter mit einer ausgeprägten bäuerlich-handwerklichen Tradition. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert stieg die Einwohnerzahl schnell. Schwenningen entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der Uhrenindustrie. Erst 1907 wurde das mit rund 13.000 Einwohnern „größte Dorf“ im Königreich Württemberg (1806 bis 1918) zur Stadt erhoben.
In der Zwischenkriegszeit 1918 bis 1933, der Zeit der Weimarer Republik, gehörte Villingen der Republik Baden an, Schwenningen hingegen war dem Volksstaat Württemberg zugeordnet. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden Baden und Württemberg gleichgeschaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte Villingen vorübergehend zu Südbaden, Schwenningen zu Württemberg-Hohenzollern. Mit dem Zusammenschluss der Länder Württemberg-Baden, Baden (Südbaden) und Württemberg-Hohenzollern gingen Villingen und Schwenningen im neuen Bundesland Baden-Württemberg auf. Villingen war Kreisstadt des südbadischen Kreises Villingen, während Schwenningen als „Große Kreisstadt“ Teil des Kreises Rottweil war.