mini|Der Tetraeder ist das Wahrzeichen der Stadt Bottrop. (2022) Die kreisfreie Großstadt Bottrop [] liegt im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Mit rund 118.000 Einwohnern (Stand 2022) ist sie nach Remscheid die kleinste kreisfreie Stadt in Nordrhein-Westfalen. Verwaltungsmäßig gehört sie zum Regierungsbezirk Münster. Sie ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe und im Regionalverband Ruhr.
Geographie mini|hochkant=1.5|Karte des Deutschen Reiches 1 : 100.000 des heutigen Bottroper Gebietes Ende des 19. Jahrhunderts;Kirchhellen (nebst Feldhausen) im Norden gehört erst seit 1975 zum Stadtgebiet.
Lage Die Stadt Bottrop liegt auf den welligen südwestlichen Ausläufern des Recklinghäuser Landrückens unmittelbar nördlich der Emscher am Südrand des Naturparks Hohe Mark. Der Rhein-Herne-Kanal bildet im Süden die Stadtgrenze zu Essen. Parallel dazu fließt 100 Meter weiter nördlich die Emscher von Ost nach West. Die Boye entspringt nördlich von Grafenwald, bildet auf einem längeren Stück die Stadtgrenze zu Gladbeck und wendet sich schließlich nach Süden, um an der Essener Stadtgrenze in die Emscher hochgepumpt zu werden; ein Großteil der Boye und ihrer Zuflüsse wurden einst als offene Abwassergräben in Betonschalen geführt. Durch eine aufwändige Renaturierung des Boye-Systems durch die Emschergenossenschaft wurde ein einstiger Abwasserkanal in einen natürlichen Bach zurückverwandelt. In der Landesplanung ist Bottrop als Mittelzentrum ausgewiesen, es befindet sich im nördlichen Bereich der Metropolregion Rhein-Ruhr.
Kohlebergbau und Entwässerung Jahrzehntelang hat der Steinkohlenbergbau die Wirtschaft im Ruhrgebiet vorangetrieben. Auch in Bottrop gab es einige Zechen, die mittlerweile alle geschlossen sind. Der Kohlebergbau hat aber auch erhebliche Schäden verursacht, u. a. durch Bergsenkungen.Bergbaubedingte Höhenänderungen im Ruhrgebiet Studie von Stefan Harnischmacher, Philipps-Universität Marburg und Harald Zepp, Ruhr-Universität Bochum, veröffentlicht im Jahr 2016, abgerufen am 7. Mai 2021. An einigen Stellen liegt der Boden mittlerweile niedriger als die umliegenden Gewässer. Ohne Deiche und Pumpwerke würden sich hier Grundwasserseen bilden, in denen Häuser und Stadtteile versinken würden. Daher kommt die Stadt Bottrop nicht ohne Pumpwerke aus.Nach dem Ende der Steinkohle: Land unter im Ruhrgebiet? National Geographic, veröffentlicht am 14. Dezember 2018, abgerufen am 7. Mai 2021. Ständiges Pumpen, damit kein Land untergeht, kostet für das ganze Ruhrgebiet etwa 220 Millionen Euro im Jahr, bezahlt von der RAG-Stiftung. Noch unklar ist, wer auf Dauer für diese hinterlassenen Ewigkeitslasten bezahlen wird, wenn sich die Bergbaugesellschaften zurückziehen würden.
Geologie Große Teile des Stadtgebietes sind von eiszeitlichen Ablagerungen des Quartär (Geologie) geprägt. Hier dominieren unter anderem Sande der eiszeitlichen Flussterrasse des Rheins und pleistozäne Endmoränen des Saale-Komplex, die diskordant mit unterschiedlicher Mächtigkeit die Ablagerungen der oberen Kreide überdecken. Zahlreiche Fossilien zeugen vom Wirken der Eiszeit, wie zum Beispiel Knochen von Mammuts, Wollnashörnern, Höhlenbären und Neandertalern. Bei den kreidezeitlichen Gesteinen ist der sogenannte Bottroper Mergel vorherrschend, der für seinen Reichtum an Fossilien, wie Ammoniten, Belemniten, Knochenfragmenten von Mosasauriern und Muscheln überregional bekannt ist.
Unterhalb der Kreideschichten finden sich die kohlenführenden Gesteine des Karbons.
Stadtgebiet Die Gesamtfläche des Stadtgebietes beträgt rund 101 Quadratkilometer. Die maximale Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung liegt bei 17 Kilometern, in West-Ost-Richtung bei 9 Kilometern. Der höchste Punkt des Stadtgebiets befindet sich bei („In der Schanze“), der tiefste Punkt („Haverkamp“).
Das Stadtgebiet Bottrops besteht aus den drei Stadtbezirken Bottrop-Mitte, Bottrop-Süd und Bottrop-Kirchhellen. In jedem Stadtbezirk gibt es eine Bezirksvertretung. Vorsitzender der Bezirksvertretung ist der Bezirksbürgermeister.
Gliederung in Stadtteile
Zu Alt-Bottrop gehörten von alters her die Bauerschaften Fuhlenbrock im Nordwesten, Eigen im Norden, Batenbrock im Osten, Boy im äußersten Ostnordosten, Lehmkuhle im Süden und Vonderort im Südwesten. Das Marktviertel im Stadtzentrum liegt rund um die Kirche St. Cyriakus.
Zu Kirchhellen gehörten die Bauerschaften Holthausen im Süden und Westen, Hardinghausen im Nordwesten, Ekel im äußersten Norden, Overhagen im Osten und Feldhausen im äußersten Osten,Rudolf Schetter: Um Grenzfragen zwischen Bottrop und Kirchhellen. In: Vestischer Kalender, Jg. 1975, S. 40–45. von denen Feldhausen bereits früh einen dörflichen Charakter aufwies.
Die Namen dieser Bauerschaften leben in der heutigen Stadtgliederung weiter, jedoch haben sich weitere Stadtteile ausgeprägt.
Folgendermaßen gliedert sich die Stadt Bottrop in Stadtteile (FlächenangabenFlächen der Stadtteile, sofern nicht Summe von statistischen Bezirken, per Polygonmessung im Kartendienst auf gis.bottrop.de – es muss der Layer Gebietseinteilung_Allgemein geladen werden und Ortsteile (nicht: Stadtteile) aktiviert sein. Mit dem Layer Bezirke können, neben den Stadtteilgrenzen, auch die Grenzen der statistischen Bezirke geladen werden, die jedoch nur in grobem Maßstab (bis 1:40.000) sichtbar sind; der Layer Gebietseinteilung_Statistik zeigt die statistischen Bezirke bis 1:20.000 an. sowie Einwohnerzahlen vom 31. Dezember 2014 in Klammern): mini|Detailkarte der Stadtteile Alt-Bottrops (Detailkarte Gesamt-Bottrops) mini|Stadtteile von Bottrop Alt-Bottrop (Summe 42,15 km²; insgesamt 95.304 EW) Stadtmitte (5,29 km²; 25.009 EW) Fuhlenbrock (5,68 km²; 13.667 EW) Eigen (11,72 km²; 16.029 EW) Batenbrock (5,61 km²; 19.541 EW) Boy (3,54 km²; 8.454 EW) Welheim (2,81 km²; 4.379 EW) Welheimer Mark (3,5 km²; 1.367 EW) Ebel (1,1 km²; 1.520 EW) Lehmkuhle (1,6 km²; 2.605 EW) Vonderort (1,2 km²; 2.733 EW) Bottrop-Kirchhellen (58,46 km²; insgesamt 20.416 EW) Kirchhellen-Mitte (3,53 km²; stat. Bezirk: 4,73 km², 10.700 EW) Grafenwald (13,95 km²; stat. Bezirk: 16,59 km², 5.736 EW) Holthausen (11,74 km²; Baublockgruppen: 11,29 km², 658 EW) Hardinghausen (9,68 km²; Baublöcke: 9,05 km², 686 EW) Ekel (5,49 km²; Baublöcke: 5,13 km², 163 EW) Feldhausen (5,64 km²; Baublockgruppen: 5,47 km², 1.716 EW) Overhagen (8,43 km²; Baublockgruppen: 6,20 km², 785 EW)
Die Stadtteile Stadtmitte, Fuhlenbrock und Eigen bilden in etwa, jedoch nicht genau deckungsgleich (vgl. Abschnitt im Artikel zur Stadtgliederung) den Stadtbezirk Bottrop-Mitte, die folgenden sieben den Stadtbezirk Bottrop-Süd.
Neben den 17 Stadtteilen gliedert sich Bottrop in ebenfalls 17 statistische Bezirke. Dabei zerfallen die dichter besiedelten Stadtteile in bis zu drei statistische Bezirke, während in den dünner besiedelten Gebieten Kirchhellens und im Süden Alt-Bottrops mehrere Stadtteile zusammen einen statistischen Bezirk bilden – siehe Listenartikel zur Gliederung. Es gibt einzelne Abweichungen in der Grenzziehung; insbesondere in Kirchhellen sind diese zum Teil erheblich.
Alternative Stadtteile bilden die 7 statistischen Über-Bezirke Kirchhellen (gesamt), Stadtmitte, Fuhlenbrock, Eigen, Batenbrock, Boy (mit Welheim und dem Osten der Welheimer Mark; 7,90 km²; 12.946 EW) und Süd (restliche Stadtteile; 5,76 km²; 8.112 EW).Der Kartendienst gis.bottrop.de zeigt unter dem Layer Stadtteile die einstelligen statistischen Über-Bezirke an und benennt 5 mit „Boy“ sowie 6 mit „Süd“.
Nachbargemeinden/-städte Die Stadt Bottrop grenzt im Norden an die Gemeinde Schermbeck im Kreis Wesel sowie die Stadt Dorsten und im Osten an die Stadt Gladbeck, beide im Kreis Recklinghausen, im Süden an die kreisfreie Stadt Essen, im Westen an die kreisfreie Stadt Oberhausen, die Stadt Dinslaken sowie die Gemeinde Hünxe, beide im Kreis Wesel.
Geschichte mini|Altmarkt in der Innenstadt (2013) Der Name der Stadt leitet sich aus dem mittelalterlichen Namen Borthorpe her, was so viel wie „Dorf am Hügel“ bedeutet.
Mittelalter und Frühe Neuzeit 1092 wurde die Siedlung erstmals in den Besitzregistern des Klosters Werden erwähnt. 1253 wurde die Kommende Welheim des Deutschen Ordens gegründet. Um 1340 wurde die Knippenburg errichtet. 1432 erhielt Bottrop das Marktrecht.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 83.
Die Siedlung gehörte zum Vest Recklinghausen des Kurfürstentums Köln. Das gesamte Kirchspiel Bottrop unterstand dem kurkölnischen Statthalter des Vestes Recklinghausen. In Bottrop kreuzte der „Vestische Hellweg“, eine historische Verbindung zwischen Recklinghausen und dem Rheinland, die Straße nach Dorsten. Dank dieser Lage erlangte Bottrop eine gewisse Bedeutung als Marktort, unter anderem als Viehmarkt. 1796 wurde die Baumwollspinnerei Lichtenhagen gegründet.
19. Jahrhundert Mit dem Vest Recklinghausen wurde Bottrop im Zuge der Säkularisation 1803 dem Herzogtum Arenberg-Meppen zugeschlagen und nach dessen Auflösung am 22. Januar 1811 dem Großherzogtum Berg, in dem Bottrop zusammen mit Osterfeld eine Mairie bildete. Kirchhellen war damals eine eigene Mairie. Die Befreiungskriege beendeten 1813 die französische Herrschaft; Bottrop wurde im selben Jahr preußisch.
Am 23. April 1816 wurde Bottrop dem Kreis Recklinghausen in der Provinz Westfalen zugeordnet. Ab 1821 bildete Bottrop zusammen mit Osterfeld, heute zu Oberhausen gehörig, die Bürgermeisterei Bottrop, die mit Kirchhellen einen gemeinsamen Amtsverband bildete. 1844 wurde dann im Rahmen der Einführung der Westfälischen Landgemeindeordnung aus der Bürgermeisterei Bottrop das Amt Bottrop gebildet.Amtsblatt der Regierung Münster 1844: Bildung des Amtes Bottrop
Bürgermeister und Amtmann von Bottrop war von 1821 bis 1851 Wilhelm Tourneau. Der wirtschaftliche Aufschwung Bottrops während seiner langen Amtszeit und danach ist nicht zuletzt seiner Weitsicht und Tatkraft zu verdanken. Während der großen Teuerung und Hungersnot 1846/1847 nahm er Kredite auf, um Getreide anzukaufen und die bedürftigen Familien mit Brot und Mehl versorgen zu können.Aloys Dickmann: Wie es 1847 und 48 in Bottrop zuging. In: Vestischer Kalender, Jg. 4 (1926), S. 30–33, hier S. 30–31. Im unruhigen Revolutionsjahr 1848 bildeten die Bottroper Bauern und Bürger einen Schutzverein mit vier Kompanien, um insbesondere die Bauerschaften Batenbrock und Boy (1. Kompanie), Eigen (2. Kompanie), Fuhlenbrock (3. Kompanie) und Lehmkuhle (4. Kompanie) vor Plünderern zu schützen.Aloys Dickmann: Wie es 1847 und 48 in Bottrop zuging. In: Vestischer Kalender, Jg. 4 (1926), S. 30–33, hier S. 32–33.
Mit der Abteufung der Zeche Prosper I begann 1856 die Zeit des Steinkohlenbergbaus in Bottrop. Osterfeld schied 1891 aus dem Amt Bottrop aus und bildete ein eigenes Amt.
20. und 21. Jahrhundert