mini|hochkant|Erich von Däniken (2009)
Erich Anton Paul von Däniken (* 14. April 1935 in Zofingen AG; † 10. Januar 2026 in Unterseen BE) war ein Schweizer Buchautor, der die parawissenschaftliche Prä-Astronautik einem breiten Lesepublikum bekannt machte. Seine Bücher wurden zu Bestsellern und in zahlreiche Sprachen übersetzt; zwei wurden verfilmt, weitere Filme sind an von Dänikens Ideen angelehnt.
Leben Erich von Däniken wurde als viertes von fünf Kindern des Kleiderfabrikanten Otto von Däniken und dessen Frau Magdalena «Lena» von Däniken, geborene Weiss, in Zofingen (Kanton Aargau) geboren.Who’s who in Literature? 1st Edition, Vol. 1: A–S, Wörthsee 1978, S. 87. Seine Schulzeit verbrachte er in Niedererlinsbach (Kanton Solothurn), Rabius (Kanton Graubünden), in Schaffhausen – wo er am 1. April 1944 die Bombardierung miterlebte – und in Freiburg im Üechtland. Dort besuchte er seit dem dreizehnten Lebensjahr das Kollegium St. Michael des Jesuitenordens. Dabei interessierte er sich insbesondere für Philosophie, Theologie und Archäologie. Anschliessend absolvierte er eine Lehre als Koch.
Während von Däniken als Hotelfachlehrling im Berner Schweizerhof arbeitete, machte er 1954 seine erste Ägyptenreise und begann, nach Übersetzungen von Keilschrifttexten zu suchen. Es folgten Anstellungen in verschiedenen Hotels. Nach einem Abstecher in die Suppenfabrik Knorr wurde von Däniken Geschäftsführer des Restaurants Mirabeau in Bern. 1964 übernahm er das Hotel Rosenhügel, ein Wintersaison-Hotel in Davos.
Ende 1968 wurde von Däniken in Wien auf Betreiben der Graubündner Staatsanwaltschaft festgenommen, angeklagt und am 13. Februar 1970 wegen Betrugs und Urkundenfälschung zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, da er angeblich als Hotelier 8000 Franken Kurtaxe nicht bezahlt hatte. Er hatte zuvor bereits vier Vorstrafen. Über den langwierigen Prozess gegen den Bestsellerautor wurde auch in den Medien ausserhalb der Schweiz berichtet; das Gerichtsverfahren, insbesondere die Vorgehensweise des psychiatrischen Gutachters Erich Weber, wurde dabei Gegenstand von Kritik. – wiederabgedruckt in: Derselbe: Das Spiel von Schuld und Sühne. Die Zukunft der Strafjustiz. Diederichs, Düsseldorf/Köln 1975, S. 196–204. Auch Peter Rocholl und Utz Utermann alias Wilhelm Roggersdorf (1970; vgl. Literaturverzeichnis) befassen sich eingehend mit dem Prozess und den Vergehen, die Däniken vorgeworfen wurden.Dänikens Darstellung des Gerichtsverfahrens findet sich in: Peter Krassa 1976 (vgl. Literaturverzeichnis) und als Essay So war es. Eine Rückschau auf den Prozess findet sich in: Jürgen Mai: Mr. Däniken, wie haben Sie das vollbracht? Die Erkundung des ganz irdischen Erich von Däniken. Berlin 2003, S. 30–33. Von Däniken konnte nach 18 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft und wegen guter Führung das Gefängnis verlassen. 1982 wurde das Urteil vom Kantonsgericht Graubünden aufgehoben und von Däniken rehabilitiert.Hans Peter Roth: Ein Getriebener ist aufgebrochen zur nächsten Reise. In: Tages-Anzeiger, 11. Januar 2026 (Nachruf seines Biografen).
Während von Dänikens Inhaftierung wurde Erinnerungen an die Zukunft von Harald Reinl verfilmt. Der Film erhielt eine Oscar-Nominierung. 1976 folgte ein zweiter Film. Von Däniken gab das Hotel auf und widmete sich ganz der Prä-Astronautik.
Von Däniken war ab 1960 mit Elisabeth Skaja (* 1937) verheiratet und Vater einer Tochter. Ab 1995 wohnte er in Beatenberg bei Interlaken, zuvor in Feldbrunnen im Kanton Solothurn.Prix Serdang. In: Rondomagazin.de, 1. Juli 2023. Er starb am 10. Januar 2026 im Alter von 90 Jahren im Spital Interlaken in Unterseen.
Werk Von Dänikens Bücher wurden in 32 Sprachen übersetzt. Nach eigenen Angaben stieg die Gesamtauflage bis 2021 auf über 70 Millionen Exemplare,Johannes Ritter: Die Außerirdischen sind hier. Seit sechs Jahrzehnten fahndet Erich von Däniken nach Besuchern aus dem All. Doch bis heute ist ihm kein einziger begegnet. Das macht ihn «himmelstraurig», lässt ihn aber nicht zweifeln, in: Frankfurter Allgemeine Magazin, Oktober 2021, S. 26–28. 2026 nannte der Biograph 75 Millionen Auflage. Seine aus archäologischen Funden und Befunden abgeleiteten Thesen werden durch von Däniken, der sich selbst nicht als Wissenschaftler und seine Abhandlungen nicht als fachwissenschaftlich bezeichnete,Erich von Däniken: Wo meine Kritiker mich mißverstanden haben. In: Ernst von Khuon (Hrsg.): Waren die Götter Astronauten? Wissenschaftler diskutieren die Thesen Erich von Dänikens. Taschenbuchausgabe: Droemer, München/Zürich 1972, ISBN 3-426-00284-1, S. 214–226, hier: S. 214. lediglich im Stil «narrativer Sachbücher»Joachim-Felix Leonhardt et al. (Hrsg.): Medienwissenschaft: Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. 2. Teilband, De Gruyter, 2001, S. 1599–1602, ISBN 978-3-11-016326-1 präsentiert.Pössel 2000 Er behauptete seit 2006, er habe 1987 Kontakt mit einem Ausserirdischen gehabt. Er hat diese Behauptung zunächst in dem Roman Tomy und der Planet der Lüge veröffentlicht und später in Interviews bekräftigt.
Seine publizistische Karriere begann damit, dass Däniken in den 1960er Jahren erstmals präastronautische Überlegungen in Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln veröffentlichte und an seinem ersten Buch schrieb. Über Ergebnisse seiner Reisen und Untersuchungen hielt er unter anderem beim 7. Weltkongress der UFO-Forscher in Mainz 1967 einen aufsehenerregenden Vortrag mit dem Titel Erhielten unsere Vorfahren Besuch aus dem Weltall? Eine Analyse prä-historischer Unmöglichkeiten?,Deutsche UFO/IFO-Studiengesellschaft (DUIST) e.V. (Hg.): Dokumentarbericht. 7. Internationaler Weltkongress der UFO-Forscher in Mainz 1967, Wiesbaden (Ventla-Verlag) 1968, S. 94–97. in dem er eine zu allen Zeiten existente interstellare Raumfahrt postulierte.Erich von Däniken: Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit. Bearbeitung: Wilhelm Roggersdorf. Econ Verlag, Düsseldorf/Wien (Februar) 1968, Umschlagtext. Im Februar 1968 erschien dann sein Buch Erinnerungen an die Zukunft, nachdem es zuvor 20 Verlage abgelehnt hatten. Der Econ-Verlag hatte sich bereit erklärt, es nach Überarbeitung durch Wilhelm Roggersdorf (Pseudonym von Utz Utermannvgl. ) zu veröffentlichen. Es wurde ein unerwarteter Erfolg. Innerhalb kurzer Zeit war von Däniken Auflagenmillionär. Im Herbst 1969 erschien sein zweites Buch Zurück zu den Sternen – Argumente für das Unmögliche. Er veröffentlichte bis zu seinem Tod über 20 weitere Bücher, unternahm «Forschungsreisen» und hielt Vorträge auf mehreren Kontinenten. Ein Anhänger seiner Spekulationen, der US-amerikanische Rechtsanwalt Gene Phillips, gründete 1973 in den USA die Ancient Astronaut Society (AAS), die mehrere internationale Kongresse ausrichtete.
In den 1990er Jahren produzierte von Däniken die 25-teilige Fernsehserie Auf den Spuren der All-Mächtigen für Sat.1 sowie drei TV-Dokumentationen in Zusammenarbeit mit RTL Television und der American Broadcasting Company.
Mindestens seit 2003 veröffentlichte von Däniken seine Bücher im rechtsesoterischen, rechtsextremen Kopp Verlag.
Nach mehrjähriger Planung öffnete 2003 der durch von Däniken gegründete Mystery Park in Interlaken seine Tore. Der präastronautische Freizeitpark zog in den folgenden knapp dreieinhalb Jahren rund eine Million Besucher an, wurde aber Ende 2006 wegen finanzieller Probleme geschlossen. In der Sommersaison 2009 war der Park nochmals geöffnet, bevor er von den neuen Besitzern umgestaltet und 2010 als JungfrauPark neu eröffnet wurde. 2005 veröffentlichte von Däniken zusammen mit dem Musiker Norbert Reichart die CD World of Mysteries, die es bis auf Platz vier der Schweizer Hitparade schaffte.
Im November 2008 war von Däniken bei der von ProSieben produzierten Fernsehshow Uri Geller Live: Ufos und Aliens – Das unglaubliche TV-Experiment zu Gast. Aufgrund enormer Kritik an der Sendung und zahlreicher Briefe an ihn distanzierte er sich Anfang 2009 in dem Magazin Sagenhafte Zeiten im Namen seiner Forschungsgesellschaft für Archäologie, Astronautik und SETI (A.A.S.) von der Show und legte darin seinen Standpunkt dar.
Thesen Von Däniken war der bekannteste Vertreter der parawissenschaftlichen Prä-Astronautik. In seinem 1977 veröffentlichten Buch Beweise. Lokaltermin in fünf Kontinenten behauptete er, Ausserirdische hätten vor langer Zeit die Erde gelegentlich besucht und die Menschenaffen veredelt.Sabine Doering-Manteuffel: Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web. Siedler, München 2008. S. 223 ff. Zeitlebens war Däniken auf der Suche nach einer „Zeitkapsel“, einem Beweis für solche Besuche Ausserirdischer, und blieb vom baldigen Fund einer solchen Hinterlassenschaft überzeugt.
Somit habe sich die menschliche Intelligenz aus Sicht Dänikens nicht durch die Evolution gebildet, sondern durch häufigen Geschlechtsverkehr, den die von fremden Planeten angereisten Astronauten mit den weiblichen Menschenaffen der Erde solange betrieben hätten, bis dadurch Wesen gezeugt worden seien, die man mit gesellschaftlichen Gepflogenheiten vertraut machen konnte. Mit der Rassenzucht der in Höhlen wohnenden Menschen sei es schliesslich aufwärts gegangen, weil die Raumfahrer alle Missgeburten umbrachten.Sabine Doering-Manteuffel: Das Okkulte. Eine Erfolgsgeschichte im Schatten der Aufklärung. Von Gutenberg bis zum World Wide Web. Siedler, München 2008. S. 225 f. Mit diesen Behauptungen setzt sich von Däniken von den Erkenntnissen der Evolutionstheorie ab, die die Entstehung des Menschen durch Mutation und Selektion erklären, und bezieht sich auf die Argumente von christlichen Kreationisten wie Arthur Ernest Wilder-Smith. An die Stelle Gottes setzt von Däniken ausserirdische Gentechniker, weshalb der Soziologe Ingbert Jüdt seinen Standpunkt als «technologischen Kreationismus» bezeichnet.Ingbert Jüdt: Aliens im kulturellen Gedächtnis? Die projektive Rekonstruktion der Vergangenheit im Diskurs der Präastronautik. In: Michael Schetsche, Martin Engelbrecht (Hrsg.): Von Menschen und Außerirdischen. Transterrestrische Begegnungen im Spiegel der Kulturwissenschaft. transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8394-0855-1, S. 88 (abgerufen über De Gruyter Online).
Von Däniken nahm an, dass diese Astronauten wegen ihrer hohen technischen Überlegenheit von den Urmenschen für Götter gehalten wurden. Vor dem Hintergrund dieser Annahme deutete er die unterschiedlichsten Hinterlassenschaften (Bauwerke, Legenden usw.) alter Kulturen als Beweise für ausserirdische Besucher. Beispielsweise war er der Ansicht, dass Menschen der fernen Vergangenheit nicht ohne fremde Hilfe in der Lage gewesen sein konnten, kulturelle Leistungen wie den Bau der Pyramiden von Gizeh, Pumapunku, Monolithen auf der Osterinsel, Stonehenge oder die Karte des Piri Reis zu erbringen. Einige der in Religionen und Mythologien überlieferten Götter hielt er für Ausserirdische.
Das erste Kapitel des Buches Ezechiel in der Bibel interpretierte von Däniken als die Beschreibung der Landung eines Raumschiffes. Anhand der biblischen Beschreibung konstruierte der NASA-Ingenieur Josef F. Blumrich (1913–2002) ein Modell von diesem «Hesekiel-Raumschiff».J. F. Blumrich: Da tat sich der Himmel auf. Die Raumschiffe des Propheten Ezechiel und ihre Bestätigung durch modernste Technik, Econ, Düsseldorf 1973, ISBN 3-430-11353-9.
Rezeption