Der Kritikerpreis Spiel des Jahres ist ein vom Verein Spiel des Jahres e. V. seit 1979 vergebener Spielepreis für deutschsprachige Brett- und Kartenspiel-Neuheiten. Er gilt als die weltweit bedeutendste Auszeichnung für nicht-elektronische Spiele, als „Oscar für Brettspiele“. Die Siedler von Catan und Carcassonne sind mit ihren Millionenauflagen die beiden populärsten Titel, die diesen Preis erhalten haben. Seit 2001 wird auch das Kinderspiel des Jahres ausgezeichnet. Seit 2011 vergibt die Jury einen dritten Hauptpreis Kennerspiel des Jahres. Er richtet sich an Spieler, „die schon längere Zeit spielen und Erfahrung beim Erlernen neuer Spiele mitbringen“. Seit 2019 richtet der Verein den Tag der Brettspielkritik aus.
mini|Spiel des Jahres 2026: Martin Ang, Autor von Dito!, präsentiert den Siegerpöppel
Jury Der Preis wird vom Spiel des Jahres e. V. vergeben, dessen Mitglieder als Spielekritiker für deutschsprachige Medien tätig sind. 14 der zur Zeit 15 stimmberechtigten Vereinsmitglieder gehören der Jury für das Spiel und das Kennerspiel des Jahres an, drei sind Mitglieder der Kinderspiel-Jury. Außerdem gibt es drei beratende Vereinsmitglieder. Über neue Jurymitglieder entscheidet die Vereinsversammlung. Vorsitzender des Vereins ist seit 2018 der Duisburger Fachjournalist Harald Schrapers, freier Mitarbeiter der Spielbox. Sprecherin ist seit 2024 die Spiegel-Redakteurin Maren Hoffmann, die ebenfalls für das Fachmagazin Spielbox schreibt. Gründungssitz des Vereins ist Nürnberg, die Geschäftsstelle befindet sich in Kerpen bei Köln.
mini|hochkant=1.1|Hisashi Hayashi, Autor von Bomb Busters, dem Spiel des Jahres 2025 mini|hochkant=1.1|Michael Palm und Lukas Zach, Autoren des Spiels des Jahres 2023 Dorfromantik mini|hochkant=1.1|Randy Flynn, Autor von Cascadia, dem Spiel des Jahres 2022 mini|hochkant=1.1|Johannes Sich, Autor von MicroMacro, dem Spiel des Jahres 2021 mini|hochkant=1.1|Bruno Sautter, Autor von Just One, dem Spiel des Jahres 2019
Die Geschichte des Spiels des Jahres geht auf 1978 zurück, als der WDR-Journalist Jürgen Herz gemeinsam mit weiteren Spielekritikern die Initiative für die Vereinsgründung ergriff. „Eine Legitimation hatten die Acht der ersten Stunde nicht: ein klassischer Selbstschöpfungsakt. Es brauchte ein Jahr, um den Gedanken in eine konkrete Form zu gießen“, schreibt die Spielbox.Erfolgreicher Selbstschöpfungsakt. In: spielbox, Nr. 4/2019, S. 20 Die erste Preisverleihung fand 1979 mit finanzieller Unterstützung des Bundesfamilienministeriums unter Schirmherrschaft der Ministerin Antje Huber im „Haus der Erwachsenenbildung“ der Volkshochschule Essen statt. Damit sei das Spiel des Jahres indirekt für die Gründung der Essener Spiel verantwortlich, schreibt der britische Journalist James Wallis. Denn es seien immer mehr Leute gekommen und blieben ein oder zwei Tage, um Spiele zu spielen und sich mit Freunden zu treffen. 1983 sei aus dem jährlichen Treffen ein formales Event geworden, so Wallis. Damals fanden erstmals die Deutschen Spielertage in der Essener Volkshochschule als Lesertreffen der im Courir-Verlag erscheinenden Spielbox statt, dem Vorläufer der heutigen Spiel Essen als weltgrößter Publikumsmesse für Brett- und Kartenspiele.
Seit 1996 wird das Gewinnerspiel jeweils im Juli eines Jahres auf einer Preisverleihung in Berlin verkündet und dort die Auszeichnung an den Autor und die Verlagsverantwortlichen überreicht.spiel-des-jahres.org:
mini|Preisverleihung in der nhow Berlin Music Hall: Die zweimalige Fußball-Weltmeisterin Kerstin Garefrekes öffnet den Umschlag und verkündet das Spiel des Jahres 2026
In eine Krise geriet der Verein 2001, als drei Mitglieder der Jury zurücktraten, weil sie die enge Kooperation zwischen der Jury und dem von einem Jurymitglied geleiteten Deutschen Spiele-Archiv als problematisch ansahen.meome.de: Sie befürchteten, dass die Arbeit des Archivs zwingend darauf angewiesen sei, dass die Jury jährlich sechsstellige Lizenzeinnahmen erwirtschafte. Darüber hinaus gab es inhaltliche Differenzen: Die drei Mitglieder waren mit dem Kurs der Jurymehrheit, die Spieleverlage dazu aufzurufen, eine „neue Art von Publikumsnähe“ zu suchen und Spiele mit einfachen Regeln und einfachem Einstieg zu entwickeln, nicht einverstanden. Außerdem äußerten die ausgetretenen Juroren den Verdacht, dass den zumeist älteren Jurymitgliedern die Kompetenz fehle, die aktuellen Neuheiten sachkundig zu bewerten.meome.de: In den Folgejahren hat die Jury eine Erneuerung durchgemacht, die – nach dem plötzlichen Rücktritt des damaligen Vorsitzenden Uwe Petersen – in der Wahl von Stefan Ducksch zum Jury-Sprecher im Jahr 2006 gipfelte.
Die Entscheidungen der Jury haben einen großen Einfluss auf den Brettspielemarkt. Die Bekanntheit der Auszeichnung führe dazu, dass sich vom prämierten Spiel innerhalb eines Jahres zumeist mehr als 300.000 Exemplare verkaufen lassen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Das bedeutet jeweils mindestens eine Verzehnfachung der ursprünglichen Auflage des Spiels. Es gebe wohl keinen anderen Preis, „der eine derart durchschlagende wirtschaftliche Wirkung hat“, so die FAS.
Die ausgezeichneten Spiele dürfen einen roten Pöppel (der auch als Halmakegel bezeichnet wird) tragen, das Kinderspiel einen blauen Pöppel und das Kennerspiel einen anthrazitfarbenen Pöppel. Für die Verwendung dieses Logos erhebt der Spiel des Jahres e. V. eine Lizenzgebühr, die sich an der Zahl der verkauften Spiele bemisst. Nominierte Spiele, für die der halbe Satz gilt, dürfen maximal drei Jahre das Logo tragen, Hauptpreisträger unbegrenzt.
Die Mitglieder des Spiel des Jahres e. V. arbeiten ehrenamtlich. Die Vereinseinnahmen kommen in erster Linie der Öffentlichkeitsarbeit für das Spiel im Allgemeinen und für die ausgezeichneten Spiele im Besonderen zugute. Dazu gehören Messestände, bei denen Besucher firmenunabhängig beraten werden, ein jährliches Spieleautorenstipendium, die Initiative Spielend gesund werden an Kinderkliniken sowie die Initiative Spielend für Toleranz. Auch das Deutsche Spielearchiv profitierte viele Jahre von den Lizenzeinnahmen. Seit 2012 gibt es ein Förderprogramm für „Projekte, die die Stellung des Spiels als Kulturgut in der Gesellschaft stärken“, in dessen Rahmen bis einschließlich 2025 insgesamt 947 Projekte mit etwa 787.000 Euro gefördert wurden. Außerdem finanziert der Verein an der Universität Konstanz Wissenschafterstellen, die sich mit Spielen beschäftigen, und fördert gemeinsam mit den Museen der Stadt Nürnberg ein Projekt, das die Entwicklung des Brettspiels zum weltweit anerkannten deutschen Autorenspiel erforscht und nachzeichnet.
Wahlverfahren mini|hochkant=1.1|Auswahlverfahren Bis 1998 stellte die Jury zunächst eine Nominierungsliste auf, die zwischen fünf und zwölf Titel umfasste. Aus diesen Spielen wurde dann ein Spiel als Spiel des Jahres ausgewählt, die übrigen nominierten Spiele wurden mit einem Platz auf der Auswahlliste Spiel des Jahres ausgezeichnet. Zwischen 1999 und 2003 wurde als erstes eine Auswahlliste mit bis zu 13 Spielen erstellt, die Liste für das Kinderspiel (seit 2001) umfasste bis zu acht Spiele. Jeweils drei dieser Titel wurden für den Hauptpreis nominiert, einer davon zum Sieger gekürt. Seit 2004 gibt es keine Auswahllisten mehr. Stattdessen gibt es eine Nominierungsliste, die je fünf Titel für das Spiel und das Kinderspiel umfasste. Seit 2011 gibt es jeweils drei nominierte Spiele für das Spiel des Jahres, Kinderspiel des Jahres und das neu eingeführte Kennerspiel des Jahres. Zusätzlich werden seit 2004 Empfehlungslisten veröffentlicht.
Prämiert werden Spiele des aktuellen Jahrgangs, das heißt in der Regel Titel, die zwischen April des Vorjahres und März des laufenden Jahres erschienen sind. Die Spiele müssen deutschsprachig und im Einzelhandel erhältlich sein. Maßgebend für die Bewertung sind Spielidee, Spielregel sowie Aufmachung und Funktionalität des Spieles und des Materials. „Am Ende zählt immer der gesamte Eindruck, das Spielgefühl, das kaum zerlegt werden kann in einzelne, messbare Teile.“ „Die Spiel des Jahres-Jury zeichnet das beste Spiel aus. Wohlwissend, dass es das objektiv beste Spiel gar nicht gibt, weil das morgens nach dem Sonntagsfrühstück und abends nach dem zweiten Bier ein anderes wäre. Mal habe ich drei Leute am Tisch, mal fünf, mal eher Spiel-Erfahrene, mal sind Kinder dabei“, schreibt Harald Schrapers. Neben den Hauptpreisen kann die Jury Sonderpreise vergeben.
Über das Spiel und das Kennerspiel des Jahres entscheidet eine Jury, der seit August 2024 14 Spielekritiker angehören. Die Kinderspiel-Jury setzt sich aus drei Vereinsmitgliedern, die als Spielekritiker tätig sind, und vier Beiräten zusammen, die im Rahmen ihres beruflichen Engagements in Kitas, Krippen und Schulen oder als Ludothekar mit Brettspielen beschäftigt sind. Die Beiratstätigkeit wird seit 2019 öffentlich ausgeschrieben.
Aktuelle Jurymitglieder mini|hochkant=1.5|Vereinsmitglieder 2023: Stefan Gohlisch, Udo Bartsch, Maren Hoffmann, Jo France, Manuel Fritsch, Harald Schrapers (Vorsitzender), Stephan Kessler, Julia Zerlik, Tim Koch, Martina Fuchs, Christoph Schlewinski (stv. Vorsitzender), Michaela Poignée, Nico Wagner, Tobias Franke, Karsten Grosser
Der Jury für das Kinderspiel des Jahres gehören zudem vier Beiräte an.
Ehemalige Mitglieder der Jury (Auswahl) Immer wieder waren bekannte (Fach-)Journalisten Mitglieder der Jury, so unter anderem:
Jochen Corts, 1979–2004 Stefan Ducksch, 2003–10 und 2013–15 Synes Ernst, 1982–2007 Tom Felber, 2000–08 und 2010–18 Andreas Haaß, 2008–2013 Walter Luc Haas, 1978–1982 Dieter Hasselblatt, 1979–1988 Wieland Herold, 1995–2019 Jürgen Herz, 1979–1988 Dorothee Heß, 1989–2008 Michael Knopf, 1997–2001 Sandra Lemberger, 2010–2020 Bernhard Löhlein, 2003–2023 Birgit Nößler, 2004–2013 Gilbert Obermair, 1979–1980 Edwin Ruschitzka, 1998–2001 Bernward Thole, 1979–2004 Tom Werneck, 1979–83 und 1987–2009
Vorsitzende des Vereins mini|hochkant=0.6|Harald Schrapers 1979–1994: Bernward Thole 1994–2004: Synes Ernst 2004–2006: Uwe Petersen 2006–2008: Stefan Ducksch 2008–2011: Bernhard Löhlein 2011–2018: Tom Felber seit 2018: Harald Schrapers
Preisträger Zur zwischen 1979 und 2003 veröffentlichten Auswahlliste siehe Spiel des Jahres – Auswahlliste, zur seit 2004 veröffentlichten Empfehlungsliste siehe Spiel des Jahres – Empfehlungsliste.
Kritikerpreis Spiel des Jahres 1979 • 1980 • 1981 • 1982 • 1983 • 1984 • 1985 • 1986 • 1987 • 1988 • 1989 • 1990 • 1991 • 1992 • 1993 • 1994 • 1995 • 1996 • 1997 • 1998 • 1999 • 2000 • 2001 • 2002 • 2003 • 2004 • 2005 • 2006 • 2007 • 2008 • 2009 • 2010 • 2011 • 2012 • 2013 • 2014 • 2015 • 2016 • 2017 • 2018 • 2019 • 2020 • 2021 • 2022 • 2023 • 2024 • 2025 • 2026