Saterland (veraltet und inoffiziell auch Sagterland, saterfriesisch: Seelterlound) ist eine Gemeinde im Landkreis Cloppenburg, Niedersachsen. Hier lebt die kleinste anerkannte Sprachminderheit Deutschlands, die Saterfriesen.

Geografie Geografische Lage Das Saterland liegt im Nordwesten des Oldenburger Münsterlandes, im Dreieck Leer, Cloppenburg und Oldenburg. Im Süden wird das Saterland vom Küstenkanal begrenzt, im Norden und Nordwesten schließt es an die historische Landschaft Ostfriesland an. Im Wesentlichen begrenzt im Norden die von Ost nach West fließende Leda das Saterland zu Ostfriesland. Im Westen wird das Saterland von der zur Gemeinde Ostrhauderfehn gehörigen Ortschaft Idafehn abgegrenzt. Diese Fehn-Dörfer liegen in dem Gebiet, das früher das schwer passierbare Moor um das Saterland darstellte. Im Osten wird das Saterland durch den Elisabethfehnkanal abgeschlossen, der über die gesamte Länge des Saterlandes eine geographische Grenze bildet. Die bis zum Bürgerentscheid von 1949 (1951) zum Saterland gehörige frühere Fehn-Gemeinde Elisabethfehn am Elisabethfehnkanal gehört nun zur Gemeinde Barßel.

Das Saterland wird von der Sagter Ems von Süd nach Nord durchflossen, die es in die zwei beherrschenden Moore Wester-Moor und Oster-Moor teilt.

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden des Saterlandes im Uhrzeigersinn:

Detern Barßel Friesoythe Esterwegen Bockhorst Ostrhauderfehn

Gemeindegliederung Die bis dahin selbstständigen Gemeinden Strücklingen, Ramsloh und Scharrel wurden bei der Gebietsreform 1974 zur Gemeinde Saterland zusammengefasst. Die frühere Gemeinde Scharrel bestand aus den heutigen Gemeindeteilen Scharrel und Sedelsberg.

Die Gemeinde Saterland besteht heute aus vier Gemeindeteilen (in Klammern die saterfriesischen Bezeichnungen, die sich auch auf den Ortsschildern befinden): Ramsloh (Roomelse) mit den Ortschaften Ramsloh-Ort, Ramsloh-Nord, Ramsloh-Ost, Hoheberg, Raake, Hollen, Hollen-Brand und Hollenermoor. Im März 2021 hatte Ramsloh 5281 Einwohner. Ramsloh ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung des Saterlandes. Scharrel (Skäddel oder Schäddel) mit den Ortschaften Scharrel-Ort, Bätholt, Langhorst, Neuwall und Heselberg. Im März 2021 hatte Scharrel 2624 Einwohner. Sedelsberg (Seedelsbierich) mit den Ortschaften Sedelsberg-Ort, Kolonie, Hüllen I, Hüllen II, Fermesand und Heselberg. Im März 2021 hatte Sedelsberg 3040 Einwohner. Sedelsberg gehört sprachgeschichtlich nicht zum Saterland und war bis zur Gebietsreform Ortsteil von Scharrel. Strücklingen (Strukelje) mit den Ortschaften Strücklingen-Ort, Bollingen I, Bollingen II, Utende, Wittensand und Bokelesch. Im März 2021 hatte Strücklingen 3287 Einwohner.

Scharrel und Sedelsberg haben die Telefonvorwahl 04492, Ramsloh und Strücklingen sind über die Vorwahl 04498 zu erreichen.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Gemeinde Saterland gehört zum Flusssystem der Ems und ist durch ein dichtes Netz aus Fließgewässern, Kanälen sowie Moor- und Feuchtgebieten geprägt.

Das wichtigste natürliche Oberflächengewässer ist die Sagter Ems, die das Gemeindegebiet von Süden nach Norden durchfließt und das Saterland in die beiden Hochmoorbereiche Westermoor und Ostermoor gliedert. Sie entsteht bei Neuscharrel aus dem Zusammenfluss von Marka und Ohe, unterquert den Küstenkanal, durchfließt die Ortsteile Sedelsberg, Scharrel, Ramsloh und Strücklingen und geht am Nordrand des Gemeindegebiets nach dem Zusammentreffen mit dem Dreyschloot in die Leda über. Die Leda bildet als rechter Nebenfluss der Ems im Norden die natürliche Grenze zu Ostfriesland und ist Teil des Leda-Jümme-Wasserraums.

Zu den bedeutenden künstlichen Gewässern zählen der Küstenkanal, der das Saterland im Süden begrenzt, sowie der Elisabethfehnkanal, der im Osten die Grenze zur Gemeinde Barßel bildet. Der Elisabethfehnkanal wurde als Teil des ehemaligen Hunte-Ems-Kanals angelegt und mündet bei Roggenberg in die Sagter Ems.

Zahlreiche Entwässerungsgräben, kleinere Moor- und Fehnkanäle sowie wasserreiche Niederungsbereiche ergänzen dieses Gewässersystem und sind für Wasserhaushalt und landwirtschaftliche Nutzung von zentraler Bedeutung.

Die Moorlandschaft prägte das Saterland über Jahrhunderte als schwer passierbares Feuchtgebiet und trug zur relativen Isolation des Siedlungsraums bei. Das Saterländer Westermoor gehört historisch zu den bedeutenden Restflächen des ehemaligen Bourtanger-Moor-Komplexes und war Teil eines rund 11.000 Hektar umfassenden Hochmoorgebietes, zu dem auch die Esterweger Dose, das Ostrhauderfehner Moor und das Timpermoor zählten.

Heute sind große Teile entwässert, kultiviert oder durch Torfabbau verändert; in Teilbereichen erfolgen Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen.

Ein Teil des Gemeindegebiets liegt im Naturschutzgebiet Esterweger Dose (NSG WE 245), einer der größten zusammenhängenden Hochmoorrestflächen Nordwestdeutschlands. Es umfasst Hochmoorflächen, Moorwälder, Übergangs- und Schwingrasenmoore sowie feuchte Grünland- und Hochstaudenbereiche. Ein weiteres grenzüberschreitendes Feuchtgebiet ist das Potshausener Moor, von dem rund 77 Hektar auf das Gemeindegebiet entfallen. Es besteht überwiegend aus Grünland mit Resten von Hoch- und Niedermoorstrukturen und ist Teil des regionalen Moorverbundes.

Geschichte mini|Zweisprachiges Ortsschild der Saterländer Ortschaft Strücklingen mini|Zweisprachiges Ortsschild der Ortschaft Scharrel mit der alten Schreibweise Schäddel für „Skäddel“. Das Saterland liegt auf einer 15 Kilometer langen und ein bis vier Kilometer breiten Sandinsel inmitten von Mooren. Dadurch war es lange Zeit sehr isoliert und bis ins 19. Jahrhundert hinein nur per Schiff über die Sagter Ems zu erreichen. Zwischen 1100 und 1400 wurde die Tecklenburger Grafschaft Sögel, die das heutige Saterland und Teile des Hümmlings umfasste, von Friesen aus dem heutigen Ostfriesland besiedelt. Ob zuvor bereits einige wenige Siedler sächsischen Ursprungs in dem Gebiet lebten, ist umstritten. Von der Grafschaft Sögel (Comitia Sygeltra) hat das Saterland („Sagelter Land“) auch seinen Namen.

Aufgrund der Isolation hat sich die eigene Sprache des Saterlandes entwickelt bzw. erhalten. Die saterfriesische Sprache ist ein Dialekt der friesischen Sprache, der ansonsten im östlichen Friesland schon seit Jahrhunderten ausgestorben ist.

Das Saterland verfügte im Mittelalter über eine eigene Verfassung und eine eigene Gerichtsbarkeit. Eine schriftliche Landgerichtsordnung ist beispielsweise aus dem Jahr 1587 erhalten geblieben, deren Ursprung oder Vorgänger aber deutlich älter waren. Möglich wurde dies durch Karl den Großen, der den Friesen der Legende nach einige Privilegien zusicherte (siehe: Friesische Freiheit). Das Saterland wurde zu den symbolischen Sieben Seelanden gezählt und hatte eine den anderen friesischen Landesgemeinden ähnliche nahezu demokratische Verwaltung: Einmal im Jahr wurde der Zwölferrat gewählt, der dann Verwaltung und Rechtsprechung leitete.

Da die Landnahme der Friesen im Saterland erst spät erfolgte, war das Gebiet nicht herrschaftsfrei. Zuerst waren die Grafen von Tecklenburg die Landesherren, später das Niederstift Münster, dann der Fürstbischof von Münster. Das Saterland verfügte trotzdem über weitgehende Freiheiten und war somit auch unter fremder Oberhoheit ein sehr unabhängiges Gebiet. Die Friesen wussten ihre angestammten Freiheitsrechte sehr lange zu bewahren. Auch hier tat die isolierte Lage ihr Übriges.

1803 wurde das Saterland im Zuge der Säkularisation des Hochstifts Münster dem Herzogtum Oldenburg zugeschlagen. Wenig später gab es unter Napoleon ein kurzes französisches Intermezzo. Im Jahr 1934 wurde erstmals eine Gemeinde Saterland eingerichtet, zu der allerdings neben Ramsloh und Scharrel auch das heute zu Friesoythe zählende Neuscharrel gehörte. Am 1. März 1974 schließlich wurde im Zuge der kommunalen Gebietsreform die Gemeinde Saterland in ihrer heutigen Form geschaffen.

Die drei bis zur Gebietsreform 1974 selbstständigen Gemeinden waren Strücklingen, Ramsloh und Scharrel. Das Koloniegebiet Sedelsberg war Ortsteil von Scharrel und gehörte von der Sprache her nicht zum Saterland.

Bei der Zusammenlegung der drei Gemeinden ging es um die Verteilung der Schwerpunkte. Strücklingen sollte Geschäftsschwerpunkt werden, Ramsloh erhielt die Real- und Hauptschule mit Orientierungsstufe und in Scharrel blieb die Gemeindeverwaltung. Heute haben sich die Prioritäten etwas gedreht; Strücklingen und Scharrel haben alle wichtigen Institutionen an Ramsloh abgegeben.

Das Ortsbild der Dörfer hat sich im Laufe der Zeit verändert. Im Jahr 1821 wütete zum Beispiel in Scharrel ein Großbrand, der 27 Häuser zerstörte, von denen nur zwölf wiederaufgebaut werden durften. Im April 1945 wurden 17 Häuser durch Bomben vernichtet, von denen nur wenige am alten Standort wiedererrichtet wurden.

Durch die größte Flurbereinigung Deutschlands (12.500 ha) und Aussiedlung der landwirtschaftlichen Gehöfte aus dem Ortskern wurde es möglich, die frei gewordenen Grundstücke zur Verbesserung der Infrastruktur zu nutzen. Die aus dem Ortskern ausgesiedelten Gehöfte erhielten in den Bauerschaften neue Standorte. Das bis etwa 1945 vorhandene Dorfbild ist heute kaum noch vorzufinden. In den letzten Jahrzehnten sind zudem neue Wohnsiedlungen entstanden.

Kulturlandschaftsraum Der Kulturlandschaftsraum Saterland umfasst ein 122 km² großes Gebiet. Diese Zuordnung zu den Kulturlandschaften in Niedersachsen hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) 2018 getroffen. Ein besonderer, rechtlich verbindlicher Schutzstatus ist mit der Klassifizierung nicht verbunden.Christian Wiegang: K05 Saterland in: Kulturlandschaftsräume und historische Kulturlandschaften landesweiter Bedeutung in Niedersachsen. Landesweite Erfassung, Darstellung und Bewertung, Hannover, 2019, S. 56–59

Politik Rat Der Rat der Gemeinde Saterland besteht aktuell aus 25 Ratsmitgliedern. Sie werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Thomas Otto (parteilos).

Die Kommunalwahl am 12. September 2021 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der vorigen Wahl):Wahl des Rates am 12. September 2021, Gemeinde Saterland, Amtliches Endergebnis, abgerufen am 16. Juni 2022

Partei 12. September 2021 11. September 2016 Stimmenanteil Sitze Anteil Stimmen Sitze CDU 52,25 % 14 69,36 % 10.522 18 SPD 22,41 % 6 14,00 % 2.125 4 Grüne 12,65 % 3 5,02 % 762 1 FDP 5,69 % 1 – – – AfD 4,76 % 1 7,34 % 1.114 1 Linke 2,25 % 1 – – – UWG Saterland – – 4,26 % 647 1 Wahlbeteiligung 47,57 % 5.289 von 10.585 = 49,96 %

Bürgermeister Bürgermeister: Thomas Otto (parteilos), seit 2018 Repräsentative Vertretung des Bürgermeisters: Stellv. Bürgermeisterin: Monika Knelangen (ehrenamtlich) Stellv. Bürgermeisterin: Dagmar Lammers (ehrenamtlich) Stellv. Bürgermeister: Rainer Fugel (ehrenamtlich) Verwaltungsvertretung des Bürgermeisters: 1. Gemeinderat Jens Gralheer

Ehemalige Bürgermeister 1999–2017: Hubert Frye (CDU) mini|hochkant|Altes Siegel des Saterlandes um 1400 mit Wappen mini|hochkant|Flagge Saterlands

Wappen Blasonierung: „In Rot auf einem goldenen Thronsessel eine sitzende, jugendlich gelockte Königsfigur (Karolus Rex) in blauem Gewand mit goldenem Saum, goldenem Überwurf und goldenen Schuhen, in der Linken ein goldenes Zepter, in der erhobenen Rechten ein goldener Reichsapfel. An den Thron gelehnt ist der Reichsschild, ein schwarzer Doppeladler in Gold.“

Das Wappen zeigt Karl den Großen (carolus magnus), der den Friesen der Legende nach ihre weitreichenden Freiheitsrechte zugesichert hatte.

Flagge