alt=Das 1612 erbaute ehemalige Wohnhaus des städtischen Zimmer- und Baumeisters, mit markantem Treppengiebel, und der Innenhof des "Stadstimmerwerf" (ehemaliger städtischer Bauhof) am Kort Galgewater sind für Besucher geöffnet.|mini|Das 1612 erbaute ehemalige Wohnhaus des städtischen Zimmer- und Baumeisters am Kort Galgewater. Es ist für Besucher geöffnet. Leiden () (früher auch Leyden, ) ist eine Universitätsstadt und Gemeinde in der niederländischen Provinz Südholland. Mit Einwohnern (Stand ) ist Leiden gemessen an der Einwohnerzahl nach Rotterdam, Den Haag und Zoetermeer die viertgrößte Stadt der Provinz Südholland. Zusammen mit den Umlandgemeinden Leiderdorp, Oegstgeest, Katwijk, Voorschoten und Zoeterwoude zählt Leiden mehr als 254.000 Einwohner. Damit ist Leiden in Südholland nach Rotterdam und Den Haag die drittgrößte Agglomeration. Leiden hat die älteste Universität der Niederlande. Daneben ist die Stadt bekannt durch ihre Altstadt und die Grachten. Der Künstler Rembrandt wurde in der Stadt geboren.

Lage Leiden liegt im Norden der niederländischen Provinz Südholland, ungefähr 45 km südwestlich von Amsterdam und ungefähr 18 km nordöstlich von Den Haag. Durch Leiden fließt der Oude Rijn. Im Bereich der Innenstadt spaltet sich der Nieuwe Rijn ab, welcher aber im Westen der Innenstadt wieder mit dem Oude Rijn zusammenfließt. Auch der Rijn-Schiekanal und die Zijl spalten sich in Leiden in Richtung Norden und Süden ab. Im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend, grenzt Leiden an Teylingen, Leiderdorp, Zoeterwoude, Leidschendam-Voorburg, Voorschoten, Wassenaar, Katwijk und Oegstgeest.

Geschichte

Obwohl Leiden sich bis in die frühe Neuzeit des lateinischen Namens Lugdunum Batavorum bediente, ist es nicht identisch mit der gleichnamigen römischen Siedlung, die näher bei Katwijk als bei Leiden lag. Im Gebiet des Leidener Wohnbezirks Roomburg stand aber zwischen 47 n. Chr. und spätestens 275 n. Chr. das römische Kastell Matilo. Auch die dort vom Oude Rijn nach Südwesten zur Maas hin abzweigende Fossa Corbulonis, ein in derselben Zeit künstlich angelegter Wasserweg, zeugt von der massiven Präsenz der Römer auf dem heutigen Leidener Stadtgebiet.

Um die Jahrtausendwende wurde auf einer Motte am Zusammenfluss zweier Rheinarme, des Oude Rijn und des Nieuwe Rijn, eine Burg (niederländisch: Burcht) errichtet.Hans Vandermissen: Maritiem. Nederlanders en de zee. Uniboek, Bussum 1983, ISBN 90-228-1874-8, S. 13. Auf dem gegenüberliegenden südlichen Ufer des Rijn entstand im frühen 11. Jahrhundert eine Siedlung, aus der sich das heutige Leiden entwickelte. Der holländische Graf Floris V. verlieh Leiden 1266 das Stadtrecht. Der Wollhandel mit England und Flandern brachte Leiden im 13. und 14. Jahrhundert Wohlstand und Blüte. Das 15. Jahrhundert war, wegen der Wirren des Haken-und-Kabeljau-Kriegs, eines Bürgerkriegs, eine Epoche von Wirtschaftskrisen.

Im Achtzigjährigen Krieg schloss sich Leiden dem Aufstand gegen die Spanier an. Nach einer seit dem 25. Mai 1574 währenden Belagerung gelang es den Geusen, unter anderem durch Fluten der umliegenden Polder, am 3. Oktober 1574 die Stadt zu befreien. Die Legende will, dass nach der Vertreibung der spanischen Belagerer in deren Lager eine Pfanne mit Möhren-Eintopf (hutspot) gefunden wurde. Damit konnte die ausgehungerte Stadtbevölkerung erstmals wieder eine ordentliche Mahlzeit haben. Darum wird dieses Gericht jedes Jahr bei den Feiern von Leidens ontzet am 3. Oktober in allen Restaurants serviert. Als Dank für den von den Leidenern gezeigten Mut bekam die Stadt kurz darauf, kraft Beschluss der Regierung unter der Führung Wilhelms von Oranien, die erste Universität der Republik der Niederlande.

Danach flohen viele Protestanten aus Antwerpen, Brüssel und anderen von den Spaniern eroberten Gebieten nach Leiden, so dass die Stadt zwischen 1575 und 1650 mehrmals ihre Stadtmauern erweitern musste. In dieser Epoche erlebte Leiden eine große kulturelle und wissenschaftliche Entwicklung: Maler wie Rembrandt und seine Schüler und Wissenschaftler wie Antoni van Leeuwenhoek, der Entdecker der Bakterien, lebten und wirkten in Leiden.

Etwa ab 1700 trat jedoch wieder ein Niedergang ein. Bis heute ist jedoch die Universität Leiden, an der auch die zur Königswürde bestimmten Mitglieder des niederländischen Königshauses studieren, eine Hochburg der Wissenschaft in den Niederlanden geblieben. So entdeckte der Physiker Pieter van Musschenbroek 1746 in Leiden das Prinzip der Leidener Flasche, als er bei Laborversuchen mit entsprechenden Anordnungen von Gläsern und Metallteilen elektrische Stromschläge erhielt.

Von etwa 1795 bis 1813 war Leiden von französischen Truppen besetzt („Franzosenzeit“). Am 12. Januar 1807 explodierte mitten in der Stadt ein mit 17.400 Kilogramm Schießpulver beladenes Schiff. 151 Personen starben, über 2000 wurden verletzt und etwa 220 Häuser zerstört.Johann Peter Hebel: Unglück der Stadt Leiden. In: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes. Cotta, Tübingen 1811, S. 108–110 (digital.ub.uni-duesseldorf.de, Exemplar der ULB Düsseldorf bzw. als Volltext auf [Wikisource]).

Politik

Gemeinderat Das Ergebnis der Kommunalwahl 2026 wird in den Diagrammen dargestellt.

Der Gemeinderat von Leiden hat 39 Sitze. Die folgende Tabelle zeigt die jeweilige Zusammensetzung des Gemeinderats ab 1982: Partei Sitze 1982 1986 1990 1994 1998 2002 2006 2010 2014 2018 2022 2026 GroenLinks – – 4 5 6 6 4 4 4 8 10 12 PvdA 13 16 11 8 9 8 10 6 5 4 4 D66 2 2 8 7 4 5 2 10 12 9 6 6 Partij Sleutelstad – – – – – – – 0 0 2 3 6 VVD 10 8 6 8 9 7 6 6 5 6 5 3 PvdD – – – – – – – 1 1 3 4 3 CDA 9 8 8 5 4 5 5 4 4 3 2 2 SVL – – – – – – – – – – 2 2 FvD – – – – – – – – – – – 2 SP 1 1 2 3 5 3 7 4 5 3 2 1 Volt – – – – – – – – – – – 1 ChristenUnie – – – – – 1 2 1 1 1 1 1 Leefbaar Leiden – – – – – 3 2 1 2 – – – Stadspartij Leiden Ontzet – – – – – – 1 2 0 – – – Leiden Weer Gezellig – 1 0 1 1 1 0 – – – – – De Groenen – – – – – – – – SGP 0 0 0 – 1 – – – – – – – RPF – – – – – – – – GPV – – – – – – – – Centrum Democraten – – – 2 0 – – – – – – – Links Leiden – 3 – – – – – – – – – – PSP 2 – – – – – – – – – – – CPN 1 – – – – – – – – – – – PPR 1 – – – – – – – – – – – Gesamt 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39 39

Anmerkungen

Stadträte Das Kabinett der Stadt zählt für den Zeitraum 2018–2022 folgende fünf StadträteCollege van burgemeester en wethouders Gemeente Leiden, abgerufen am 3. Juni 2018 (niederländisch): FunktionNameParteiStadtrat der Bildung, Jugend und FinanzenPaul DirkseD66Stadträtin der Arbeit, Wirtschaft und KulturYvonne van DelftGroenLinksStadträtin der Gesundheit und des WohlbefindensMarleen DamenPvdAStadträtin der nachhaltigen UrbanisierungFleur SpijkerD66Stadträtin der Nachhaltigkeit und MobilitätMartine LeewisGroenLinks

Städtepartnerschaften , Polen , Nicaragua , Südafrika , Deutschland , Vereinigtes Königreich

Wirtschaft Die Stadt ist Sitz der Airbus SE und der Stiftung Eurotransplant. Der europäische Sitz von IKEA, die Stiftung INGKA, befindet sich ebenfalls in Leiden. Ebenso hat der Rüstungsbetrieb KNDS und die Heerema Marine Contractors den Sitz in Leiden.

Die einst wichtige Textilindustrie ist mittlerweile nicht mehr von Bedeutung. Leiden hatte aber auch andere Industrien, zum Beispiel die Herstellung von Feuerzeugen sowie Stahlverarbeitung. Heute hat der tertiäre Sektor (Dienstleistungssektor) aber einen großen Marktanteil. In Leiden sind u. a. Achmea, ein Versicherungsunternehmen, und viele Schulungsinstitute ansässig. Größter Arbeitgeber der Region Leiden ist das Krankenhaus, das im Bio Science Park Leiden angesiedelt ist, wo sich auch mehrere Betriebe der pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie angesiedelt haben.

Die Janssen-Cilag International NV, die zur Unternehmensgruppe des US Konzerns Johnson & Johnson gehört, entwickelte während der Coronapandemie in Leiden den vierten von der EU-Arzneimittel-Agentur EMA zugelassenen Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen®.

Ansässige Druckerei- und Verlagsunternehmen wie Elsevier und Brill sind schon seit Jahrhunderten bekannt für Drucke lateinischer, asiatischer und arabischer Werke und gelten weltweit mit als bedeutendste Herausgeber wissenschaftlicher Publikationen.

Verkehr mini|Bahnhof Leiden Centraal im Jahr 2017 Direkte Eisenbahnverbindungen gibt es vom Bahnhof Leiden Centraal nach Rotterdam über Den Haag, nach Amsterdam über den Bahnhof Schiphol Airport oder Haarlem sowie nach Utrecht über Woerden. Zu Spitzenlastzeiten fahren auch direkte Züge nach Gouda. Weitere Bahnhöfe sind De Vink (an der Strecke nach Den Haag) und Leiden Lammenschans (an der Strecke nach Utrecht).

Über zwei Autobahnen ist die Stadt mit dem Fernstraßennetz verbunden: Östlich der Stadt verläuft die A 4 und westlich die A 44. Geplant sind zwei Verbindungswege zwischen der A 4 und der A 44. Der internationale Amsterdamer Flughafen Schiphol liegt etwa 30 km nordöstlich der Stadt und ist mit der Bahn direkt zu erreichen.

Stadtteile mini|Blick auf die Straße im Merenwijk Die Gemeinde Leiden gliedert sich in vier Stadtteile, zehn Distrikte und 54 sogenannte Nachbarschaften.

Districtnr. District 350px|Bezirks- und Vierteleinteilung gemäß CBS 0 Binnenstad-Zuid 1 Binnenstad-Noord 2 Stationsdistrict 3 Leiden-Noord 4 Roodenburgerdistrict 5 Bos- en Gasthuisdistrict 6 Morsdistrict 7 Boerhaavedistrict 8 Merenwijkdistrict 9 Stevenshofdistrict Bezirks- und Vierteleinteilung gemäß CBS

Wasser und Natur mini|Polderpark Cronesteyn Vor allem in der Innenstadt ist Wasser ein wichtiger Bestandteil des Straßenbildes. Neben den Flüssen Oude und Nieuwe Rijn hat die Stadt verschiedene Grachten und Singels. Die bekannteste Gracht heißt der Rapenburg. Außerhalb des Zentrums verbinden neben Oude und Nieuwe Rijn Flüsse, Kanäle, der Zijl, der Haarlemmertrekvaart und der Trekvliet die Stadt und die Erholungsgebiete außerhalb der Stadt mit Wasser.

An der Südostseite der Stadt liegt der 'Polderpark Cronesteyn' auf dem Gelände der vormaligen Burg Cronesteyn. Dieser Park besteht aus unterschiedlichen Kulturlandschaften und hat einen Reiherwald. Außerdem gibt es ein Besucherzentrum und einen Campingplatz. Dieser Park bildet die Verbindung der Stadt mit dem Groene Hart.

Bildung mini|Das Academiegebouw der Universität Leiden am Rapenburg Zwei Hochschulen haben ihren Hauptsitz in Leiden. Die Universität Leiden wurde 1575 gegründet und ist damit die älteste Universität der Niederlande. Dazu gibt es viele Einrichtungen und Betriebe, die mit dieser Universität in Verbindung stehen u. a. die Universitätsbibliothek Leiden, die Sternwarte Leiden und das Universitätsklinikum Leids Universitair Medisch Centrum. Die Universität hat sieben Fakultäten und mehr als 30.000 Studenten. Das Kernstück der Universität liegt im Akademiegebäude. Die Universität Leiden hat außerdem auch einen eigenen Botanischen Garten, ein Observatorium und eine eigene Universitätsbibliothek. Die Hogeschool Leiden ist eine Fachhochschule mit ungefähr 6000 Studenten und steht im Leiden Bio Science Park. In diesem Bio Science Park befinden sich auch Abteilungen von biotechnologische Betriebe. Seit 1983 hat auch die US-amerikanische Webster University eine Abteilung in Leiden.

Auch für Berufsausbildungen gibt es in Leiden verschiedene Institutionen. Das ROC Leiden, mit mehr als 10.000 Schülern, das ROC Mondriaan und das ID College. Die Leidse Instrumentmakersschool ist eine bekannte Schule für Feinmechanik. In Leiden gibt es auch eine Volksuniversität.

Übersicht der Oberschulen in Leiden: Da Vinci College (3 Abteilungen) (off) Bonaventura College (3 Abteilungen) (römisch-katholisch) Vlietland College Marecollege Visser ’t Hooft Lyceum Leonardo College Stedelijk Gymnasium Leiden (2 Abteilungen) (off) nur Gymnasium Driestar College (reformiert)

Privatschulen: Luzac college Instituut R. R. Vrijbergen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|hochkant|Wappen von Leiden Leiden besitzt einige Museen von internationaler Bedeutung: