mini|hochkant=1.2|Sogenanntes Selbstbildnis Leonardo da Vincis (Rötelzeichnung, Biblioteca Reale, Turin, um 1512) rechts|rahmenlos|da Vincis Signatur

Leonardo da Vinci [] (* 15. April 1452,Staatsarchiv Florenz (ASFI), Notariele Antecosimiano 16912, f. 105v. Geburts- und Taufeintrag durch Leonardos Großvater Antonio di Ser Piero da Vinci. „1452 Es wurde mir ein Enkel geboren, Sohn meines Sohnes Ser Piero, Samstag den 15. April, um 3 Uhr nachts (wäre ca. 21.42 MEZ). Er bekam den Namen Lionardo.“ Foto des Originaleintrages mit Übersetzung nach Emil Möller und Kommentierung siehe: Philipp Jedelhauser: Die Geschichte der Madonna mit der Nelke von Leonardo da Vinci, Günzburg 2021, ISBN 978-3-00-067873-8, S. 32f. vermutlich in Vinci (Toskana);Für eine Geburt Leonardos in dem heute den Touristen gezeigten Haus in Anchiano (ca. 3 km vom Hauptort Vinci) gibt es keinen stichhaltigen Beleg. Es handelt sich um eine lokale Legende, die erstmals 1843 in Emanuele Repettis Toskanabeschreibung erwähnt wurde (Band V, S. 787 f.). Emil Möller entdeckte 1931 Leonardos Geburts- und Taufeintrag im Notariatsarchiv von Florenz. Da der Großvater die genaue Stunde der Geburt angibt (In sabato a ore 3 di notte) und alle genannten Taufpaten/Nachbarn nach Möller aus Vinci selbst kommen, ist das Haus des Großvaters, in dem auch Leonardos Vater wohnte, der wahrscheinliche Geburtsort. Möller fand dies im Kataster von 1430 nahe am südlichen Ende des Burghügels von Vinci, 1495 bereits als verfallen beschrieben. Siehe dazu: Emil Möller, Der Geburtstag des Lionardo da Vinci, in: Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen, 60. Band, Berlin 1939, S. 71–75. † 2. Mai 1519 auf Schloss Clos Lucé, Amboise; eigentlich Lionardo di ser Piero da VinciThe Notebooks of Leonardo Da Vinci, übersetzt ins Englische von Jean Paul Richter, Band 1, 1888, Nachdruck 1970, Seite 720 books.google. Der toskanische originale Geburtsname Lionardo, der in allen früheren Quellen steht, wurde später und in praktisch der gesamten Literatur durch den lombardischen Leonardo abgelöst. [Sohn des (Mes)ser Piero aus Vinci]) war ein italienischer Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph. Er gilt als einer der berühmtesten Universalgelehrten aller Zeiten.

Der Namenszusatz da Vinci ist kein Familienname, sondern ein Verweis auf den Geburtsort Vinci in der Nähe der Stadt Empoli in der heutigen Provinz Florenz. Der Künstler hat den Herkunftsnamen selber in Form der Unterschrift „di Leonardo de Vinci“ verwendet.

Herkunft, Lehre und Studien (1452–1481) Herkunft Leonardo war der Sohn des damals 25-jährigen Notars Piero da Vinci (1427–1504) und der 22-jährigen Magd Caterina. Sie stammte vermutlich aus einer angesehenen, aber verarmten kleinbäuerlichen Familie (vermutlicher Familienname: Lippi), wie in der ersten Biografie über Leonardo (1540) berichtet wird (Era per madre nato di bon sangue, italienisch für „Er wurde von seiner Mutter aus gutem Blut geboren“). Es wird aber auch darüber diskutiert, sie sei eine von Leonardos Vater befreite und dann getaufte arabische oder zirkassische (kaukasische) Sklavin gewesen, da mehrere solcher Personen zu dessen Haushalt gehörten.Nach einem von Carlo Vecce gefundenen Dokument im Archiv von Florenz „war die Mutter von Leonardo da Vinci eine junge Frau aus dem alten Zirkassien im Kaukasus, die am 2. November 1452 als Sklavin nach Florenz kam und später durch eine schriftliche Urkunde des Notars Piero da Vinci, Leonardos Vater, befreit wurde … [die] mehrmals als Sklavin verkauft wurde, bis sie von Konstantinopel nach Venedig und dann nach Florenz kam, wo sie den Vater von Leonardo da Vinci kennenlernte.“ Vgl. Ein Geheimnis über die Mutter von Leonardo da Vinci wurde enthüllt: die Wahrheit ist in einem gefundenen Akt in Florenz. Artikel von stylemania.it vom 12. April 2023 (abgerufen am 13. April 2023).Im Jahr 2002 veröffentlichte Alessandro Vezzosi, der Direktor des Museo Ideale Leonardo Da Vinci, nach 25-jährigen Forschungen die These, Leonardo stamme nicht wie bisher geglaubt von einem örtlichen Bauernmädchen ab, sondern von einer Sklavin aus dem Nahen Osten namens Caterina. Burhan Wazir: Old master’s mother was a slave, reveal Da Vinci researchers, in: The Guardian vom 13. Oktober 2002, abgerufen am 7. August 2013 (englisch).Von 2002 bis 2006 verglich der Anthropologe Luigi Capasso mit seinen Kollegen an der Universität von Chieti einen Fingerabdruck auf dem Gemälde Dame mit dem Hermelin mit denen in Leonardos Manuskripten. Dabei kam er zu dem Schluss, dass dessen Form typisch sei für den Nahen Osten. Marta Falconi: Experts Reconstruct Leonardo Fingerprint, in: The Washington Post vom 1. Dezember 2006, abgerufen am 7. August 2013 (englisch).Im April 2008 publizierten die Leonardo-Forscher Agnese Sabato und Alessandro Vezzosi, Gründer des Museo Ideale Leonardo da Vinci, das Ergebnis ihrer Nachforschungen von Leonardos Familiengeschichte und untermauerten Capassos These mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer Abkunft Leonardos von einer getauften Sklavin namens Caterina. John Hooper: Da Vinci’s mother was a slave, Italian study claims, in: The Guardian vom 12. April 2008, abgerufen am 7. August 2013 (englisch). Die Hypothese ist jedoch umstritten und wird kontrovers diskutiert.Dietrich Seybold: Leonardo da Vinci im Orient: Geschichte eines europäischen Mythos. Böhlau, Köln u. a. m. 2011, ISBN 978-3-412-20526-3, S. 208f. Leonardos Eltern konnten nicht heiraten, da Caterina nicht standesgemäß war und keine Mitgift hatte.

Caterina heiratete auf Vermittlung von Leonardos Großvater väterlicherseits, Antonio, ein Jahr später den Töpfereibesitzer Accattabriga di Piero del Vacca aus Vinci und bekam fünf weitere Kinder. Im Anwesen des Großvaters in Vinci wuchs Leonardo in einer angesehenen Familie auf. Nach dem Tod ihres Mannes ist die Mutter (um die 60 Jahre alt) vermutlich in den Haushalt ihres Sohnes Leonardo in Mailand gezogen und dort gestorben.

Der Vater Piero heiratete noch im Jahr von Leonardos Geburt die 16-jährige Notarstochter Albiera und zog nach Florenz. Seine Frau starb wenige Jahre danach im Kindbett. Er war danach noch dreimal verheiratet und hatte von seinen beiden letzten Frauen neun Söhne und zwei Töchter. Leonardo nahm er als leiblichen Sohn an. Als erfolgreicher Notar konnte er die Familie de’ Medici zu seinen Klienten zählen wie auch Mitglieder der regierenden Signoria, des Rats des Stadtstaates Florenz.

Leonardo, der ab 1457 bei der Familie seines Vaters lebte, verbrachte den größten Teil seiner Jugend in Florenz. Schon früh interessierte er sich für Musik, Zeichnen und Modellieren. Durch Vermittlung seines Vaters, mit dem Leonardo nach Florenz umgezogen war, nahm ihn 1469, eventuell schon früher, der Künstler Andrea del Verrocchio (1435–1488) in seine Werkstatt auf. Verrocchio erkannte schnell die überragende Begabung Leonardos.

Lehrjahre bei Verrocchio Verrocchio war einer der bedeutendsten Bildhauer im damaligen Florenz, der auch als Maler und Goldschmied tätig war. In seinem Atelier lernte und arbeitete Leonardo, etwa von 1469 bis 1477,Staatsarchiv Florenz: Catasto 909, cc. 497–498, 1469 (aktuelle Signatur); teilweise Transkription: Gustavo Uzielli: Ricerche intorno a Leonardo da Vinci. G. Pellas, Firenze 1872, S. 145–147.Es gibt keinen Beleg, wann Leonardo genau nach Florenz umzog und seine Lehre bei Andrea del Verrocchio begann. Nach der obigen Steuererklärung seines Vaters wohnte er 1469 mit der Familie in Florenz. Da er bereits 1472 in den Matrikeln der dortigen Malergilde gelistet ist (siehe Anmerkung 11), seine Lehrzeit also beendet hatte, dürfte er spätestens 1469 bei Verrocchio angefangen haben. Als unehelich Geborenem, ohne einflussreiche Familie, waren Leonardo eine Reihe gehobener Berufslaufbahnen nicht möglich. Sein Vater ließ ihm deshalb nur eine schulische Grundausbildung, ohne Weiterführung mit Lateinschule, zukommen. Deshalb hat er vermutlich vor 1469 (seinem 17. Lebensjahr) bei Verrocchio angefangen. Der wissenschaftlich vielseitig interessierte Leonardo bedauerte später wiederholt seine lediglich autodidaktisch erworbenen, mangelhaften Lateinkenntnisse. in Gesellschaft von weiteren Schülern wie Perugino (um 1445/1448–1523), Domenico Ghirlandaio (1449–1494), Lorenzo di Credi (um 1459–1537) und vermutlich Sandro Botticelli.

mini|hochkant|Tobias und der Engel, Atelier von Andrea del Verrocchio, um 1470–1475 mini|hochkant|Madonna mit der Nelke (1475)

In den Künstlerwerkstätten des 15. und 16. Jahrhunderts war es üblich, dass der Meister die Anfertigung eines Werkes nicht allein vornahm, sondern Teile der Ausführung seinen Gesellen und Schülern übertrug. Das vermutlich früheste erhaltene Zeugnis eines Gemäldes aus der Werkstatt Verrocchios unter Beteiligung Leonardo da Vincis ist Tobias und der Engel (datiert um 1470–1475).David Alan Brown: Leonardo da Vinci: Origins of a Genius. Yale University Press, New Haven 1998, S. 47. Kunsthistoriker nehmen an, dass Leonardo den FischMartin Kemp: Leonardo. Beck, München 2005, S. 288. in der linken Hand des Tobias, den HundDavid Alan Brown: Leonardo da Vinci: Origins of a Genius. Yale University Press, New Haven 1998, S. 51. zu Füßen des Engels und auch den HaarschopfCharles Nicholl: Leonardo da Vinci. Die Biographie. Fischer, Frankfurt/M. 2009, S. 122 ff. des Tobias gemalt haben könnte. Diese Bildobjekte, so behauptet der Leonardo-Biograf Charles Nicholl, zeigten eine Virtuosität und Perfektion, zu der Verrocchio nicht in der Lage gewesen sei.

mini|hochkant|Taufe Christi, aus dem Atelier Verrocchios, um 1472–1475

Nach dem Abschluss seiner Lehrzeit, im Alter von etwa 20 Jahren, arbeitete Leonardo weiter in Verrocchios Werkstatt. Laut dem Maler, Architekten und Künstlerbiographen Giorgio Vasari (1511–1574) malte Leonardo auf dem Bild Die Taufe Christi den auf der linken Seite knienden Engel. Verrocchio fertigte das Gemälde für die Mönche von Vallombrosa an. Heute befindet es sich in der Sammlung der Uffizien in Florenz. Das ursprünglich in Tempera gemalte Bild wurde später zum Teil in Öl übermalt (eventuell von Leonardo), so dass ein fundiertes Urteil über die Urheberanteile schwierig ist. Leonardos Beitrag wird nicht nur im Gesicht des Engels, sondern auch in Teilen der Bekleidung und des landschaftlichen Hintergrunds vermutet. Im linken Teil des Landschaftshintergrundes ist bereits Leonardos Sfumato-Technik zu erkennen, seine charakteristische Weichzeichnung von Motiven. Das Bild wird um das Jahr 1475 datiert, in dem auch die Verkündigung an Maria und Leonardos Studien für Faltenwürfe von Gewändern und das Profil eines Kriegers entstanden. Auch die Madonna mit der Nelke, das einzige Bild Leonardos in einem deutschen Museum (Alte Pinakothek, München), wird um 1475 datiert.

Seit 1472 findet sich Leonardos Name in den Listen der Sankt-Lukas-Gilde (Compagnia di San Luca), der Malergilde von Florenz.Florenz, Accademia di Belle Arti, Libro Rosso A, 1472–1520, f. 93v: Anno domini 1472; es handelt sich um eine Anmerkung zu Geldbeträgen, die Leonardo der Malergilde ab Juni 1472 schuldig ist. In Florenz lebte und arbeitete er weitere zehn Jahre und arbeitete gemeinsam unter anderen mit den Malern Sandro Botticelli und Perugino. Im Gegensatz zum später geborenen Michelangelo (1475–1564) wurde Leonardo als offen und freundlich geschildert.