Leonberg (schwäbisch Leaberg ) ist eine Stadt in der Mitte des Landes Baden-Württemberg mit Einwohnern (). Sie liegt etwa 13 Kilometer westlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Hinsichtlich der Bevölkerungszahl ist Leonberg nach Sindelfingen und Böblingen die drittgrößte Stadt des Landkreises Böblingen und als Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden ausgewiesen. Leonberg ist seit 1. Oktober 1963 eine Große Kreisstadt und war bis 1973 der Sitz des gleichnamigen Landkreises, der im Zuge der Kreisreform 1973 aufgelöst wurde.

Geographie mini|Marktplatz mit Marktbrunnen

Geographische Lage Leonberg liegt über dem rechten Hang des Glemstales, auf einem Sporn, einem Ausläufer des Engelbergs, der wiederum Teil des Glemswaldes ist. Die Glems betritt im Südosten von Stuttgart kommend das Stadtgebiet, fließt dann nach Nordwesten, wendet sich beim Stadtteil Eltingen nach Nordosten, fließt anschließend durch die westliche Kernstadt (die Altstadt liegt rechts des Flusses), dann südlich am Stadtteil Höfingen vorbei und verlässt das Stadtgebiet im Nordosten in Richtung Ditzingen wieder.

Die nördlichen Stadtteile Höfingen und Gebersheim zählen zum Strohgäu.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Leonberg. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Ditzingen und Gerlingen (Landkreis Ludwigsburg), Stuttgart (Stadtkreis) sowie Sindelfingen,Die Markungen von Leonberg und Sindelfingen haben an der L 1188 einen Berührungspunkt, am „Frauenkreuz“ an der alten Solitude-Rennstrecke Magstadt, Renningen und Rutesheim (alle Landkreis Böblingen).

Stadtgliederung Leonberg besteht aus der Kernstadt, der 1938 eingemeindeten Gemeinde Eltingen, die heute mit der Kernstadt zusammengewachsen ist, sowie den im Rahmen der Gebietsreform 1975 eingegliederten Stadtteilen Gebersheim, Höfingen und Warmbronn.

Zur Kernstadt gehören auch die Stadtteile Silberberg (räumlich getrennt) und Ramtel, das Wohngebiet Gartenstadt sowie weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, wie Eichenhof, Glemseck, Hinter Ehrenberg, Mahdental und Rappenhof. Auch im Stadtteil Höfingen unterscheidet man räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, wie etwa Tilgshäusleshof und Wannenhof.

Gebersheim, Höfingen und Warmbronn sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Das heißt, sie haben jeweils einen von der Bevölkerung bei jeder Kommunalwahl alle fünf Jahre neu zu wählenden Ortschaftsrat, dessen Vorsitzender der Ortsvorsteher ist.

Raumplanung Leonberg ist ein Mittelzentrum in der Region Stuttgart, deren Oberzentrum Stuttgart ist. Zum Mittelbereich Leonberg gehören noch die Städte und Gemeinden im Norden des Landkreises Böblingen, im Einzelnen: Renningen, Rutesheim, Weil der Stadt und Weissach.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Leonberg. Statistisches Landesamt.

Schutzgebiete

Leonberg hat geringen Anteil am Naturschutzgebiet Gerlinger Heide. Der südliche Teil des Stadtgebiets gehört zum Landschaftsschutzgebiet Glemswald. Nördlich der Stadt wurde das Landschaftsschutzgebiet Leonberg ausgewiesen. Die Stadt hat überdies Anteile an den FFH-Gebieten Glemswald und Stuttgarter Bucht sowie Strohgäu und unteres Enztal.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Von der Stadtgründung bis zur Reformation mini|Ansicht von Süden (Kieser 1682) mini|Blick von Südwesten über die Stadt auf den Engelberg (F. F. Wagner in OAB 1852)Quelle: mini|Die Altstadt vom Engelberg aus gesehen mini|Schloss Leonberg mit Pomeranzengarten

Das heutige Stadtgebiet Leonbergs gehörte ursprünglich zu weiten Teilen den Grafen von Calw und den Grafen bzw. späteren Pfalzgrafen von Tübingen, die einen Teil der Besitzungen insbesondere als Hubengüter an die von ihnen gestifteten Klöster Hirsau und Bebenhausen abtraten. Auf der Gemarkung befanden sich die 1100 im „Hirschauer Schenkungsbuch“ erstmals urkundlich erwähnten Dörfer Eltingen und Höfingen, das im 12. Jahrhundert beurkundete Gebersheim sowie das 1273 erstmals erwähnte Warmbronn.

Um 1248/49 begann Graf Ulrich I. von Württemberg, auf dem strategisch vorteilhaften Gelände zwischen einer bestehenden Burg auf dem Engelberg und dem Glemsknie eine anfangs „Levinberch“ genannte Stadt am Westrand seines Herrschaftsbereichs aufzubauen. Am Südwestrand der Stadt, am Standort des späteren Leonberger Schlosses, ließ er zudem eine Burg errichten. Im Reichskrieg gegen Graf Eberhard I. von Württemberg unterstellte sich Leonberg vorübergehend (1312 bis 1316) der Reichsstadt Esslingen. Nachdem die Leonberger später nochmals die Seite wechselten, mussten sie 1383 Urfehde schwören, nicht mehr von Württemberg abzufallen. Von nun an war Leonberg endgültig württembergisch und wurde Sitz eines Amtes. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erwarb Württemberg zudem sukzessive Eltingen, Warmbronn und Höfingen, die dem Amt Leonberg zugegliedert wurden.

1457 tagte in Leonberg einer der ersten urkundlich belegten württembergischen Landtage, um die Vormundschaft des unmündigen Eberhard V. zu regeln. Dieser errichtete 1467 ein Franziskanerkloster in Leonberg. 1470 lebten etwa 900 Personen in 208 Haushalten in der Stadt. 1468 wurde ein neues Rathaus gebaut – das heutige Alte Rathaus, das anfangs Bürgerhaus hieß. Im Jahr 1485 stifteten Leonberger Bürger zum Zwecke der Altersversorgung ein Spital, in dem auch Arme aufgenommen wurden. Nach der Reformation zog es in das leerstehende Kloster um. 1498 wurden beim ersten großen Stadtbrand 46 Häuser zerstört.

Beim Aufstand des „Armen Konrads“ richteten Leonberger Bürger eine „Kanzlei des Armen Konrads“ ein und drängten die lokale Ehrbarkeit in die Defensive. Der nahe Engelberg wurde zentraler Versammlungsort für viele umliegende Gemeinden. Der Zulauf war so groß, dass Herzog Ulrich Zugeständnisse machen musste, um die nach dem Tübinger Vertrag eingeforderte Huldigung zu erlangen.Volker Trugenberger: Leonberg im Aufruhr des Armen Konrad. (1992) In: zeitreise-bb, abgerufen am 17. Juni 2023.

Während des Exils von Herzog Ulrich (1519–1534) stand Leonberg unter österreichischer Herrschaft. Nachdem Herzog Ulrich aus dem Exil zurückgekehrt war, begann er, die Reformation durchzusetzen. Die Konfession des Landesvaters hatten alle Untertanen anzunehmen. So wurden auch die Leonberger nach mehrfachem Hin und Her schließlich komplett evangelisch. 1541 wurde in Leonberg eine Lateinschule und 1580 eine Mädchenschule eingerichtet.

Witwensitz Zwischen 1560 und 1565 ließ Herzog Christoph anstelle der Burg das Schloss Leonberg erbauen. 1566 erhielt der Marktbrunnen eine von Leonhard Baumhauer geschaffene Wappnerfigur. Zwischen 1570 und 1621 schuf der Leonberger Bildhauer Jeremias Schwartz für Württemberg einmalige Grabmäler der Spätrenaissance an der evangelischen Stadtkirche, sowie die älteste Leonberger Stadtansicht von 1618. Johannes Kepler, der mit seinen Eltern 1575 von Weil der Stadt nach Leonberg zog, besuchte bis 1583 Leonberger Schulen. Von 1609 bis 1614 hatte Herzogin Sybilla ihren Witwensitz im Leonberger Schloss. Sie ließ Baumeister Heinrich Schickhardt den 1980 rekonstruierten Pomeranzengarten anlegen. 1609 erbaute Schickhardt für sie das Seehaus als Jagd- und Landsitz.

Hexenjagd Während der Zeit der Hexenverfolgung erhob der Leonberger Vogt Lutherus Einhorn während seiner Amtszeit (1613–1629) gegen 15 Frauen Anklage wegen Hexereiverdachts und ließ acht Todesurteile gegen „überführte“ Hexen vollstrecken. Er handelte in Übereinstimmung mit der Leonberger Stadtobrigkeit und weiten Teilen der Bevölkerung. Als einer der bekanntesten württembergischen Hexenprozesse wurde 1620 der Prozess gegen Katharina Kepler, Mutter des kaiserlichen Astronomen Johannes Kepler, in Leonberg eröffnet. Der bald nach Güglingen verlegte Prozess endete im Oktober 1621 mit dem Freispruch als Ergebnis des persönlichen und finanziellen Einsatzes von Johannes Kepler sowie der Standhaftigkeit der Angeklagten.Eberhard Walz, Katharina Kepler – die „Hexe von Leonberg“, in Renate Dürr u. a.: Nonne, Magd oder Ratsfrau. Frauenleben in Leonberg aus vier Jahrhunderten, Leonberg 1998, S. 82–84

Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Während des Dreißigjährigen Krieges quartierte sich von 1634 bis 1638 General Gallas mit seinem Hofstaat im Leonberger Schloss ein. 1635 dezimierte die Pest die Bevölkerung um die Hälfte. Von 1670 bis 1673 war der Schriftsteller und Komponist Daniel Speer Lehrer an der Lateinschule. 1684 fand der erste Pferdemarkt statt, der heute noch veranstaltet wird. Im Jahr 1703 bestand die Bevölkerung aus 1076 Personen.

Ab 1786 begann die Stadt, sich ihrer spätmittelalterlichen Befestigung zu entledigen. Die Stadtgräben wurden zugeschüttet, die Tore und die Stadtmauer großteils abgerissen und neu bebaut.

Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts überstand das Leonberger Oberamt im Gegensatz zum benachbarten Markgröninger Oberamt die Verwaltungsreform und blieb bis 1938 bestehen. 1869 wurde die Stadt durch die Württembergische Schwarzwaldbahn an das Netz der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen angeschlossen.

1846 wurde die Hunderasse Leonberger aus Bernhardiner, Neufundländer und Pyrenäenberghund gezüchtet.

20. Jahrhundert mini|rechts|Luftbild von Leonberg, Juli 1918 mini|rechts|Luftbild von Eltingen, August 1918 Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam es immer häufiger zu teilweise blutigen Straßenschlachten zwischen zumeist Leonberger SA-Leuten, die in Eltingen auf KPD-Anhänger losgingen. 1938 wurde die kleinbäuerlich-proletarisch geprägte KPD-Hochburg Eltingen schließlich in das eher bürgerliche Leonberg eingemeindet.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg entstand im selben Jahr der im Vergleich zum Oberamt vergrößerte Landkreis Leonberg. Zudem wurde 1938 der Engelbergtunnel als zweiter Autobahntunnel Deutschlands gebaut. In den Röhren des Engelbergtunnels wurden während des Zweiten Weltkrieges Flugzeugteile von bis zu 3.500 KZ-Häftlingen produziert, die im Außenlager Leonberg des elsässischen KZ Natzweiler-Struthof interniert waren.KZ-Friedhof innerhalb des städtischen Friedhofes Seestraße und Mahnmal Blosenberg. Alemannia-Judaica.de Am Südende der inzwischen stillgelegten Röhren befindet sich heute eine KZ-Gedenkstätte. Hier steht eine am 8. Mai 2005 eingeweihte und vom Tübinger Künstler Johannes Kares entworfene Namenswand.Renate Stäbler/Monica Mather: Schwierigkeiten des Erinnerns. Über den Umgang der Leonberger mit dem KZ nach 1945. In: Aus Schönbuch und Gäu, Heft 1, 2003.

1945 fiel Leonberg in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Die Einwohnerzahl der Stadt Leonberg überschritt 1961 die Grenze von 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die baden-württembergische Landesregierung dann mit Wirkung vom 1. Oktober 1963 beschloss. Bei der Kreisreform 1973 wurde der Landkreis Leonberg aufgelöst. Der südliche Teil und mit ihm die Stadt Leonberg kamen zum Landkreis Böblingen, nördliche Teile des Kreises wurden dem Enzkreis und dem Landkreis Ludwigsburg zugeordnet. Mit der Eingliederung der drei Nachbargemeinden Gebersheim, Höfingen und Warmbronn am 1. Januar 1975 erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung.

Die Bammesberger Maschinenfabrik bestand zwischen 1921 und 1975.

Eingemeindungen 1. Oktober 1938: EltingenWenn Stadtgeschichte neu geschrieben wird. Stuttgarter Zeitung, 4. November 2014. 1. Januar 1975: Gebersheim, Höfingen, Warmbronn

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). mini|Bevölkerungspyramide für Leonberg (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Leonberg, Alter + Geschlecht)