Angermund ist der nördlichste Stadtteil von Düsseldorf und liegt auf halber Strecke zwischen den Stadtzentren von Düsseldorf und Duisburg (jeweils zwölf Kilometer entfernt). Angermund umfasst eine Fläche von 13,29 Quadratkilometern und liegt im Düsseldorfer Stadtbezirk 5. Die vormals selbstständige Gemeinde im Amt Angerland, die 1188 erstmals im Verzeichnis des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg urkundlich erwähnt wurde, wurde am 1. Januar 1975 nach Düsseldorf eingemeindet. Angermund ist telefonisch dem Duisburger Ortsnetz zugeordnet und hat mit 0203 als einziger Stadtteil eine andere Vorwahl als der Rest des Düsseldorfer Stadtgebietes.

Angermund ist einer der reichsten Stadtteile Düsseldorfs. Der jährliche Einkommensdurchschnitt liegt hier bei 66.491 Euro (Stand 31. Dezember 2007). (PDF; 8,29 MB).

Wappen Blasonierung: In Schwarz ein Bischof im goldenen (gelben) Ornat und goldener (gelber) Mitra mit goldenem (gelbem) Bischofsstab in der Linken, einem silbernen (weißen) Heiligenschein und rotem Pallium. In der Rechten das Wappen der Grafen und Herzöge von Berg; ein blaubewehrter, roter, doppelschwänziger (ein geteilter und gekreuzter Schwanz), steigender Löwe.

Bedeutung: Das Wappen basiert auf dem Siegel der alten Stadt und Freyheit Angermund aus dem Jahre 1521; es wird vermutet, dass es noch älter ist. Es zeigt Bischof Engelbert I. von Köln, der vorher Graf Engelbert II. von Berg (nach Bergischer Zählung, aber auch einfach Graf Engelbert von Berg) war. Er hält das Wappen des Herzogtums Berg in seiner rechten Hand, zu dem Angermund lange Zeit gehörte.

Archäologie mini|hochkant|Stichel aus dem Fundinventar des spätaltsteinzeitlichen Lagerplatzes von Düsseldorf-Angermund In der Zeit des Alleröd-Interstadial des ausgehenden Eiszeitalters (zwischen 11.950 - 10.850 v. Chr.) errichtete eine Gruppe von Jägern und Sammlern der Federmesserkultur auf einem leicht erhöhten Plateau an einem Altarm des Rheinlaufs bei Angermund einen Lagerplatz.

Das Fundinventar des vor über 20 Jahren entdeckten Platzes umfasst, neben vielen Überresten der Feuersteinbearbeitung, die Gerätetypen Kratzer, Stichel, Bohrer und Rückenmesser sowie verschiedene Typen von Pfeilspitzen, darunter auch Belege der namengebenden "Federmesser". Der Anteil der Stichel, die insbesondere zur Bearbeitung von Geweih und Knochen zur Herstellung von Geweihharpunen, Knochenspitzen, Nähnadeln, aber auch zur Bearbeitung von Hölzern verwendet wurden, ist mit 36 Exemplaren unter den bislang ca. 700 gefundenen Überresten dieser Zeitstellung, weit überdurchschnittlich hoch. Die Menschen dieser Zeit jagten Elche, Edelhirsche, Wildschweine, Pferde, Biber, Vögel und fischten im Fluss. Sie sammelten Nüsse, Früchte, Beeren und versorgten sich mit Pflanzenmaterialien, die sie zur Herstellung ihrer Gerätschaften verwenden konnten.

Eine Steinperle, ein beidseitig als Amboss zur Feuersteinbearbeitung genutztes Flussgeröll, ein Schlagstein aus Quarzit sowie ein verkieseltes Tonschiefergeröll mit wenigen Retuschiernarben und der Besonderheit von zwei gegenständig eingeschliffenen Facetten an einem Schmalende runden das Fundinventar ab.

mini|hochkant|Spätpaläolithische Rückenspitze („Sophienspitze“) mit abgesetzter Basis (Länge 3,7 cm) und Beleg eines rezent beschädigten Federmessers aus Düsseldorf-Angermund

Unter den Pfeilspitzen ist der Typ einer Rückenspitze mit umlaufender Basisretusche bemerkenswert, denn vergleichbare Pfeilbewehrungen waren bislang nur aus Frankreich bekannt (Varenne le Macon).Jean Combier, Harald Floss: Nouvelles recherches sur le site Paléolithique final de Varennes-lès-Mâcon (Saône-et-Loire). Mâcon, 1994. und stehen den in England verbreiteten „penknifepoints“ nahe. Zurzeit der Federmesserkulturen war England durch das Doggerland mit dem europäischen Festland verbunden. Infolge des Abschmelzens des nordamerikanischen Eisschildes versank das Doggerland durch den beständig ansteigenden Meeresspiegel in der Nordsee und die britischen Inseln wurden vom Festland abgetrennt. Es ist gut möglich, dass die Menschen auf ihren hunderte Kilometer weiten Wanderungen auch kulturelle Anregungen aus England oder Frankreich aufgenommen hatten.

Im Oktober 2023 wurde unter der wissenschaftlichen Leitung von Renate Gerlach (Geologisches Institut der Universität Köln) die geologische Beprobung des Altarms des Rheins auf Höhe des Lagerplatzes durchgeführt. Die ermittelte Schichtenfolge reichte bis das Eiszeitalter hinein. Die an der Universität Köln durchgeführte Pollenanalyse ergab keine Befunde, sodass das direkte Lebensumfeld der Jäger- und Sammlergruppe auf diesem Platz nicht rekonstruiert werden konnte. Weiterhin interessant und offen ist die Frage, in welcher zeitlichen Beziehung der Platz zu den Bestattungen eines älteren Mannes und einer jungen Frau aus der Zeit der Federmesserkultur bei Bonn-Oberkassel steht (siehe Doppelgrab von Oberkassel).

Der Fundplatz von Angermund überliefert innerhalb der Rheinlande das bislang einzige komplexe Fundinventar der spätaltsteinzeitlichen Federmesserkultur rechts des Rheinlaufs und dokumentiert zugleich den bislang ältesten Nachweis für Siedlungstätigkeit im heutigen Düsseldorfer Stadtgebiet.

Bis heute sind im Rheinland über 80 Fundplätze der Federmesserkultur gesichert erfasst und in den zentral geführten Index aufgenommen worden. Der Angermunder Fundplatz erhielt die Registraturnummer 80.Martin Heinen: Der Federmesser-Horizont am Niederrhein und im angrenzenden Mittelgebirgsraum – Regionale und interne Organisation. In: Michael Baales, Clemens Pasda (Hrsg.): Festschrift zum 65. Geburtstag von Claus-Joachim Kind. Habelt Verlag, Bonn 2019, S. 359–380. Die erste Veröffentlichung der an diesem Platz erfassten Funde erfolgte 2018.Thomas van Lohuizen: Neue Spuren auf alten Wegen – Archäologische Funde im frühen 21. Jh. In: Die Quecke – Ratinger und Angerländer Heimatblätter. Hrsg. Verein Lintorfer Heimatfreunde e. V., Nr. 88, Dezember 2018, S. 35–42.

Am 22. April 2024 wurde der aktuelle wissenschaftliche Forschungsstand zu Fundplatz und Fundinventar im Rahmen eines Vortrages der Stadtarchäologie Düsseldorf während der Jahrestagung der Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland in Bonn und im Jahr 2025 im Rahmen der Jahresausstellung des Landesamtes für Bodendenkmalpflege im Rheinischen Landesmuseum Bonn vorgestellt. Dazu erschienen verschiedene Presseartikel.rp-online.denrz.de

Geschichte Angermund und der dortige befestigte Hof wurden 1188 erstmals in einem Verzeichnis des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg urkundlich erwähnt und dort als castrum Angermund et curiam (lat. für „Burg Angermund und Rathaus“) bezeichnet. Der Name Angermund leitet sich vermutlich zwar von der Angermund durchfließenden Anger ab, aber nicht, wie man zunächst annehmen könnte, von deren nahe gelegenen Mündung in den Rhein, sondern von der Verbindung mit dem altdeutschen Wort Munt (= „Schutz“, „Burg“).Christian F. Seidler: Stadt & Freyheit Angermund Unter Erzbischof Engelbert I. von Köln wurde der möglicherweise bereits seit fränkischer Zeit bewohnte Hof zur Burg Angermund ausgebaut. So wurden die Mauern verstärkt, ein mächtiger Turm errichtet und ein Graben um die Burg gezogen. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts erwarben die Grafen von Berg den Ort. Ab 1247 war die Burg Angermund ein „Dauerlehn“ von den Bergern. Die Witwe des Grafen Adolf VI. von Berg, Agnes von Kleve, wählte die Burg nach dem Tod 1348 des Ehemanns als ihren Witwensitz.Albrecht Brendler: Die Entwicklung des Bergischen Amtes Angermund. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. Jahrgang 63 (1999), S. 147.

Zwischen den Reichsstädten Kaiserswerth und Duisburg gelegen, markierte Angermund die nördliche Grenze des Bergischen Territoriums. Die strategische Bedeutung des Ortes zeigt sich auch darin, dass Angermund in einer Urkunde von 1423 erstmals als Freiheit bezeichnet wird. Der genaue Zeitpunkt der Verleihung dieses Privilegs ist nicht bekannt. 1504 wurde Schloss Heltorf durch einen Brand vernichtet. Im Truchsessischen Krieg wurde das Amt Angermund 1586 von spanischen Truppen schwer heimgesucht. Zu Beginn der frühen Neuzeit hatte Angermund seine strategische Bedeutung verloren, blieb aber weiter Verwaltungssitz des Amtes.

Im Jahr 1637 wurde der Grundstein zur heute katholischen Kirche St. Agnes gelegt. Der Bau dauerte über zwanzig Jahre. Im Düsseldorfer Kuhkrieg wurde Angermund 1651 von brandenburgischen Landschützen eingenommen und kurzzeitig besetzt.Barbara Beuys: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-498-00456-5, S. 148. In den Jahren 1665 und 1666 fielen zahlreiche Angermunder der Pest zum Opfer. Zu jener Zeit begann Friedrich Christian von Spee den Neubau des Heltorfer Schlosses. Der Ort wurde während des Siebenjährigen Krieges von französischen Truppen heimgesucht, die in der Schlacht bei Krefeld 1758 von Ferdinand von Braunschweig geschlagen wurden. In der Franzosenzeit wurde Angermund 1796 Munizipalität. Im gleichen Jahr wurde der Friedhof eingeweiht.

Nachdem das Rheinland 1815 an Preußen gefallen war, wurde Angermund als Bürgermeisterei dem 1816 geschaffenen Kreis Düsseldorf zugeordnet und der Ort selbst als Titularstadt eingeordnet. 1846 erfolgte die Grundsteinlegung zum Neubau der durch einen Brand zerstörten katholischen Kirche. Der Anschluss an fließendes Wasser und die Ausstattung mit elektrischer Straßenbeleuchtung erfolgte 1909.

Im Ersten Weltkrieg wurden Soldaten des in Angermund stationierten 2. Rekruten-Depot durch Spartakisten entwaffnet. (Das Depot gehörte zum 1. und 2. Ersatz-Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 135 in Düsseldorf-Derendorf.) 1929 wurde die Bürgermeisterei Angermund im Rahmen einer Neugliederung des Regierungsbezirkes Düsseldorf aufgelöst. Bis auf die nördlichen Ortsteile Großenbaum und Rahm, die dem neu gegründeten Stadtkreis Duisburg-Hamborn (ab 1935 nur noch Duisburg genannt) zugeordnet wurden, gehörte Angermund nun zum ebenfalls neu gegründeten Kreis Düsseldorf-Mettmann und wurde 1930 dem Amt Ratingen-Land zugeschlagen. 1938 wurde der neue Bahnhof eingeweiht. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Angermund 1941/42 mehrmals von alliierten Bombern angegriffen. Die Schäden blieben glücklicherweise gering. Bei Kriegsende wurde Angermund von englischen Soldaten besetzt und gehörte bis 1949 zur britischen Besatzungszone. 1952 wurde das evangelische Gemeindehaus eingeweiht. 1963 genehmigte das NRW-Innenministerium das neue Stadtwappen.

Im Rahmen der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens verlor Angermund am 1. Januar 1975 seinen Status einer selbstständigen Gemeinde und ist seitdem ein Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf.

1998 erfolgte die Einweihung der neuen evangelischen Kirche.

Angermund hat sich auch nach der Eingemeindung viel an Eigenständigkeit bewahrt. Dafür sorgen nicht zuletzt die ortsansässigen Vereine, vor allem die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, der Angermunder Kulturkreis,Website des Angermunder Kulturkreis, abgerufen am 9. Februar 2024. der Turnverein Angermund von 1909 e. V. (TVA), das Reitercorps und die Karnevalsgesellschaft. Angermund veranstaltet einen Karneval und ein Schützenfest nach alter Tradition.

Verkehr mini|S-Bahn-Haltepunkt Angermund

Angermund ist über die Anschlussstelle Duisburg-Rahm der Bundesautobahn 524 und von Düsseldorf über die Bundesstraße 8n erreichbar. Der Haltepunkt Angermund wird von der S-Bahn Linie S1 bedient. Alle anderen Züge fahren in Angermund durch. Bemerkenswert ist, dass die Benennung des Haltepunktes Angermund aus der sonst in Düsseldorf üblichen Systematik mit Nennung des Stadtnamens vor dem Ortsteil abweicht. Darüber hinaus ist Angermund mit der Buslinie 728 aus Düsseldorf-Kaiserswerth und mit der Buslinie 751 aus Ratingen-Hösel und Ratingen-Lintorf erreichbar.