mini|Schloss Eller
Eller ist ein Stadtteil Düsseldorfs, der bis 1909 eine selbstständige Gemeinde war und heute zum Stadtbezirk 8 gehört. Die Bezirksverwaltung hat ihren Sitz im historischen Rathaus Eller. Der Stadtteil hat mit Stand vom 31. Dezember 2016 rund 31.500 Einwohner und eine Fläche von 5,91 Quadratkilometern.
Lage Eller liegt im Südosten Düsseldorfs in der inneren Peripherie. Benachbarte Stadtteile sind – im Uhrzeigersinn – im Südwesten Oberbilk, im Nordwesten Lierenfeld, im Nordosten Vennhausen, im Südosten Unterbach, im Süden Hassels, Holthausen und Wersten. Durch Eller fließt der südliche Arm der Düssel, die der Stadt Düsseldorf den Namen gab.
Geschichte Mittelalter und frühe Neuzeit Archäologische Funde lassen auf eine kontinuierliche Besiedlung des Gebietes seit dem 2. Jahrhundert nach Christus schließen. Die Meinung der Historiker, ob dort eine germanische, romanisierte germanische oder gar römische Siedlung bestanden hat, gehen jedoch auseinander. Es dürfte sich um einzelne Solstätten mit kleinen Gehöften gehandelt haben, die nach germanischer Sitte zerstreut auf trockenen Höhenpunkten lagen.Düsseldorf-Eller in der Geschichte in: Die Heimat. Heimatzeitschrift für Düsseldorf und Umgebung, September 1955, S. 195 Die erste urkundliche Erwähnung als Flecken erfolgte 1218, danach 1231, in der Heberolle des Stiftes Gerresheim unter dem Namen Elnere, was „Weide am Sumpf“ bedeutet.In: Stadtarchiv Düsseldorf, Band Q–S, S. 196. Sowohl 1247 wurden ein Adolphum de Elnere in einer Urkunde zur Besitzverteilung zwischen Gräfin Irmgard von Berg und ihrem Sohn Adolf IV. als auch 1288 Ludwig von Elnere als Zeuge bei der Stadterhebung von Düsseldorf angeführt.Christoph Jakob Kremers, in: Akademische Beiträge zur gülisch-bergischen Geschichte, 1781, Bd. 3, Urkunde LXXV, S. 94. 1309 gibt es den ersten urkundlichen Hinweis auf eine Burg Eller (castrum Elnere), die jedoch weit älter gewesen sein dürfte, da sich bereits 1151 ein Gumpert von Elnere als Untervogt eines Hofes bei Hitdorf fand.cL historia; in: Düsseldorfer Stadtgeschichte, 1. Vom Dorf zur Residenzstadt. 1362 folgte ein Konrad von Elner als Amtmann in Monheim.In: Benrath historisch, Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; 1986, Nachdruck von Heft 5, S. 29. 1368 wurde ein Urteil des Landgerichtes Himmelgeist mit den Siegeln von Everadum pastorem in Rayde (Benrath) et Rutgerum domicellum (Herr) de Elnere bekräftigt.In: Benrath historisch, Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; Band 15, S. 15. Zu dieser Zeit dürfte der Besitz noch ein Allod gewesen sein, da die Herren von Elnere erst 1424 die Herzöge von Berg als ihre Lehensherren akzeptierten.cL historia; in: Düsseldorfer Stadtgeschichte/Chronik. In einer Urkunde von 1447 teilten die Brüder Heinrich und Johann Elner ihren Besitz auf. Heinrich von Elner erhielt Haus Eller mit einem Erbwaldgrafenamt in der Bilker und Reisholzer Gemark und Johann von Elner Haus Elbroich mit dem Erbwaldgrafenamt in der Reisholzer Gemark.In: Benrath historisch, Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; Heft 9, S. 44.
Kurz nach der Aufteilung des Besitzes verkaufte Heinrich von Elner bereits 1448 das Haus Eller an Adolph Quad, der vermutlich sein Schwiegersohn war und der die Burg bis 1469 als Wasserburg neu errichten ließ.Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Band 3, Köln 1836, S. 104. Als Kunkellehen wechselte das Rittergut dann bis Anfang des 18. Jahrhunderts häufig den Besitzer. Urkundlich nachweisbare Besitzer waren: 1490 Johann von Einenberg zu Trimborn, der Adolph Quads Tochter Johanna geheiratet hatte. 1535 Robert von Plettenberg, der ebenfalls mit der Tochter des letzten Eigentümers verheiratet war. Es folgte 1572 Herrmann Quad von Wickrath, der Ehemann von Catharina von Plettenberg,Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Band 3, Köln 1836, S. 105. und 1600 der Sohn Bertram Quad. Als dieser ohne Nachkommen starb, wurde 1621 Johann von Harff, der Ehemann von Irmgard von Plettenberg, nächster Lehensnehmer.Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Band 3, Köln 1836, S. 106. Es folgte 1637 deren Sohn Werner von Harff. 1711 erwirbt Kurfürst Jan Wellem Haus Eller von den Erben des letzten Lehensnehmers Freiherr von Wrange. Es verbleibt nun als landesherrliche Domäne im Besitz der jeweiligen amtierenden Herzöge von Berg bis zur Übergabe des Herzogtums an die Franzosen 1806.Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Band 3, Köln 1836, S. 107.
Der jeweilige Besitzer von Haus Eller war als Mark- oder Waldgraf Vorsitzender des Markengerichtes für das Waldgebiet der Reisholzer Gemark. Dieses Gericht war zuständig für die Überwachung der Nutzung des Waldes für Holzeinschlag und Vieheintrieb. Gleichzeitig war der Markgraf im Besitz des Wildbannes (Jagdrecht).
Gerichtsort war das „Thinghaus an der Aldebrück“, heute Altenbrückstraße, im heutigen Stadtteil Hassels, da dieser Bereich seinerzeit zur Gemark Eller gehörte. Die angeführten Rechte bestanden bis zur Einführung einer neuen Gerichtsorganisation am 17. Dezember 1811 durch die damalige französische Verwaltung.In: Benrath historisch, Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath, Heft Nr. 7, S. 37.
Zu einer geschlossenen Siedlung entwickelte sich Eller um 1300. Siedlungskern des Dorfes waren die heutige Straße Alt-Eller und deren Kreuzungsbereich mit der Gumbertstraße bis zur Düssel, wo sich noch heute das Gebäude der früheren Wassermühle aus dem 18. Jahrhundert befindet. Der Gasthof Holländisches Haus in der Gumbertstraße 188 zwischen Alt-Eller und der Düssel wurde 1648 nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges errichtet und 1813 umgebaut. Es ist nach dem, im Bau des Schlosses erhaltenen, Turm der Wasserburg das älteste, erhaltene Baudenkmal Ellers.
Seit dem 19. Jahrhundert Am 15. März 1806 wurde das Herzogtum Berg an Napoleon I. abgetreten. Dieser übertrug die Regierungsgewalt für das Großherzogtum Berg an seinen Schwager Joachim Murat. Mit dem Dekret vom 13. Oktober 1807 wurden die kommunalen Zuständigkeiten geändert und festgelegt. Zum neuen Kanton Richrath, Nachfolger des Amtes Monheim, gehörte neben vielen weiteren Ortschaften auch Eller. Nach Ende der französischen Herrschaft übernahm 1814 Preußen die Herrschaft über das ehemalige Herzogtum Berg. Am 15. April 1814 wurde per Verfügung des preußischen Generalgouverneurs Eller der Samtgemeinde Benrath zugeordnet.
1842 wurden Eller und Hilden von der Samtgemeinde Benrath wieder getrennt, blieben aber noch vereint. Erst ab 1861 wurde auch diese Gemeinschaft aufgelöst und beide wieder zu eigenständigen Gemeinden.Johann Georg von Viebahn; In: Statistik und Topographie des Reg.Bezirks Düsseldorf; 1836, Zweiter Theil, S. 70+71.In: Benrath historisch, Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; Band 15, S. 25+28.Zeitung Groß-Benrather, in: Die Samtgemeinde Hilden-Eller-Benrath, 65. Ausgabe, November 2013.
Am 17. Januar 1823 wurde die Wasserburg Eller öffentlich versteigert. Erwerber war Carl Franz von Plessen.Friedrich Everhard von Mering: Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Band 3, Köln 1836, S. 108. Aufgrund fortschreitenden Verfalls wurde sie 1826 bis auf den Turm abgetragen und als Schloss Eller neu erbaut. Nachdem seit etwa 1230 lediglich eine Burgkapelle als einziges Gotteshaus in Eller bestanden hatte, wurde von 1829 die katholische Pfarrkirche von Eller an der Ecke Alt-Eller/Gumbertstraße nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Dieses Gotteshaus wurde wegen eines größeren Neubaus 1901 wieder abgebrochen; die Ellerkirchstraße erinnert noch an den einstigen Standort.
Das Gebiet der Gemeinde Eller, damals Teil der Bürgermeisterei Hilden, war zu Beginn des 19. Jahrhunderts wesentlich größer als aktuell. Es entsprach noch weitgehend der historischen Gemarkung Eller im späten Mittelalter. Im Südosten grenzte es Anfang des 20. Jahrhunderts noch an Benrath, Hilden und Erkrath.Hugo Weidenhaupt, in: Düsseldorf Geschichte von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, 1989, Schwann in Patmos Verlag, Band 3, Abb. 34/S. 172. In einer amtlichen Auflistung für den damaligen Regierungsbezirk Düsseldorf wurden für 1817 noch folgende Siedlungen und Weiler unter Eller angeführt: Elb, Eller, Haus (Schloss) Eller, Kamp, Klein-Eller, Oersch, Reisholz (als Bauerschaft), Wilkesfurt und Ziegelkamp.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung, Stahl, 1817, S. 14. Das heutige Gebiet Altenbrück in Hassels, ursprünglich ebenfalls zu der Gemarkung Eller gehörend, ist allerdings bereits 1817 unter Benrath aufgelistet.Digitalisierte Ausgabe der ULB Düsseldorf Beschreibung des Regierungsbezirkes Düsseldorf nach seinem Umfange, seiner Verwaltungs-Eintheilung und Bevölkerung, Stahl, 1817, S. 13.
Im Jahr 1832 wohnten in Eller 308 Personen, 287 katholischen und 21 evangelischen Glaubens. Das Dorf hatte ein kirchliches und ein öffentliches Gebäude, 50 Wohnhäuser, eine Mühle und 37 landwirtschaftliche Gebäude. Im Rittergut lebten 19 Personen.Johann Georg von Viebahn (Hrsg.): Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirks Düsseldorf. Düsseldorf 1836
Prominente Schlossbewohnerin von 1843 bis zu ihrem Tod 1882 war Prinzessin Luise von Preußen, die mit ihrem sonst in Berlin lebenden Mann Friedrich Wilhelm Ludwig von Preußen den gemeinsamen Geburtstag des Paares, den 30. Oktober, in Eller feierte, an dem die Einwohner des Dorfes ihre Verehrung für das beliebte Prinzenpaar durch festlich geschmückte Straßen, Illumination und Musik zum Ausdruck brachten. In dieser Zeit begann die Industrialisierung, die das Gesicht des Ortes nachhaltig verändert.
mini|Eller Rathaus
Im Jahre 1870 hatte Eller 1000 Einwohner. Seit 1872 verlaufen zwei Bahntrassen durch den Ort, der einen eigenen Bahnhof erhielt. 1895 wurde die Landbürgermeisterei Hilden, deren einzige Gemeinde Eller war, in Bürgermeisterei Eller umbenannt und der Amtssitz des Bürgermeisters von Hilden nach Eller verlegt.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1895, S. 433
Die beständig wachsende Bevölkerung erforderte größere öffentliche Bauten und so entstanden mit dem Neubau der katholischen Gertrudiskirche (1901) und dem Rathaus (1901) am neugeschaffenen zentralen Gertrudisplatz (seinerzeit Kaiser-Wilhelm-Platz) sowie der evangelischen Schlosskirche (1905) Anfang des 20. Jahrhunderts Bauten, die heute noch das Bild Ellers prägen. Zugleich entwickelt sich die Gumbertstraße zur Hauptgeschäftsstraße der Gemeinde. Im Jahr 1907 wurde der Friedhof Eller südlich der Gemeinde am Werstener Feld eingerichtet.