Wersten ist ein Stadtteil der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Geographie Lage Der Stadtteil Wersten liegt im Düsseldorfer Süden etwa auf halbem Wege zwischen der Stadtmitte und Benrath Luftlinie Johanneskirche–Kirche St. Maria Rosenkranz: 4,85 km; Luftlinie Kirche St. Maria Rosenkranz–Schloss Benrath: 4,58 km; Messungen am 1. April 2018 mittels Google Maps durchgeführt. und gehört zum Stadtbezirk 9. Im Westen grenzt er an den Campus der Heinrich-Heine-Universität, der zu Bilk gehört, im Norden an den Stadtteil Oberbilk, im Nordosten an Eller, im Südosten an Holthausen, im Süden an Itter und im Südwesten an Himmelgeist. Der nächstgelegene Punkt der Stadtteilgrenze zum Rhein ist etwa 460 Meter vom Rheinufer entfernt.Abstand Brücke der Münchener Straße über den Brückerbach zum Rheinufer gemessen am 1. April 2018 mittels Google Maps. Die größte Ausdehnung des Stadtteilgebietes beträgt ca. drei Kilometer und erstreckt sich entlang einer Linie zwischen Ostnordost und Westsüdwest.Luftlinie zwischen den Brücken der A 46 über die Straße Am Dammsteg und der Münchener Straße über den Brückerbach, gemessen am 1. April 2018 mittels Google Maps.
Landschaft Rheinauen, die sich vor der Regulierung des Rheins Mitte des 19. Jahrhunderts bis an die Gerresheimer Terrasse und nach Unterbach und Hilden erstreckten, haben auch die Landschaft von Wersten geprägt. Seit der letzten Eiszeit durchzieht das Stadtteilgebiet ein Sandrücken vom nordwestlichen bis zum südöstlichen Rand also im Verlauf der heutigen Kölner Landstraße. und überragt das Umland in Wersten um einige Meter. Der Vorplatz der heutigen Stephanuskirche an der Wiesdorfer Straße, die früher Am Sandberg hieß, ist auch der höchste Punkt in Wersten.Dr. Karl Dross: Rheinseitig fällt das Gelände stärker als nach Osten ab und wurde von Seitenarmen des Rheins durchzogen. Deshalb war dieses Gebiet ursprünglich von Feuchtwiesen geprägt und wird heute noch Benden – einer im Rheinland dafür geläufigen Flurbezeichnung – genannt. Aus dem gleichen Grund ist das Profil des Geländes auch nicht ganz flach, sondern es sind heute noch einerseits Mulden und Gräben und andererseits leichte Anhöhen erkennbar.
Im Norden des Stadtteils verläuft der südliche Arm der Düssel. Am sogenannten Werstener Kreuz (Kreuzung Kölner Landstraße/A 46 mit Anschlussstelle Düsseldorf-Wersten) zweigt mit dem Brückerbach ein weiterer Mündungsarm in südwestlicher Richtung ab. Vor 1908 begann er weiter nördlich an der Stelle, wo sich heute die Franz-von-Sales-Kirche befindet. Von dort aus floss das bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts „Ikt-Bach“ genannte Gewässer durch Stoffeln und somit nordwestlich um das heutige Stadtteilgebiet herum. Bis zum Bau des Benrather Schlosses 1756 bis 1768 floss am südwestlichen Rand des heutigen Stadtteilgebietes auch die Itter, deren Verlauf anhand von Gräben insbesondere zwischen der Bebauung Am Haferkamp und dem Kleingärtnerverein Ickesward noch teilweise nachvollziehbar ist.
Bis in die 1970er Jahre wurde in Wersten Kiesabbau betrieben. Während die Baggerseen im Osten des Stadtteils verschwunden sind, sind zwei Grundwasserseen am nordwestlichen Rand bei Stoffeln erhalten geblieben: Ein See befindet sich im Besitz des örtlichen Anglervereins, liegt aber bereits auf Bilker Gebiet unweit der Sportanlagen der Heinrich-Heine-Universität und wird deshalb Unisee genannt. Der zweite nördlich davon gelegene See liegt dagegen ganz in Wersten, wurde zur Bundesgartenschau 1987 in den Südpark integriert und heißt seitdem Deichsee.
Bevölkerung Am 31. Dezember 2016 hatte Wersten 27.232 Einwohner. Zwei Jahre zuvor gab es 14.263 Privathaushalte, wovon 7.126 Singlehaushalte waren. Zum gleichen Zeitpunkt waren von den insgesamt 3.846 Wohngebäuden 2.325 Ein- und Zweifamilienhäuser und lag die Arbeitslosenquote bei 7,0 Prozent.Offizielle Webseite der Stadt Düsseldorf, In: Amt für Statistik und Wahlen Landeshauptstadt Düsseldorf. Wersten ist ein traditionelles Arbeiterwohnviertel, das allerdings nicht zuletzt durch den Bau des Werstener Autobahntunnels Ende der 1980er Jahre eine deutliche Aufwertung erfahren hat.
Bebauung mini|Haus Kölner Landstraße 190 / Ecke Opladener Straße, neugotischer Stil, Bauzeit 1898–1911
Eine Blockrandbebauung teilweise mit Jugendstilhäusern herrscht an der von Nordwesten nach Südosten als Hauptstraße verlaufenden Kölner Landstraße, der weiter östlich parallel verlaufenden Burscheider Straße und den verbindenden Querstraßen vor. In den Erdgeschossen befinden sich an der Kölner Landstraße überwiegend und sonst vereinzelt Läden oder ähnlich genutzte Räume. In den Höfen sind auch Handwerks- und sonstige Dienstleistungsbetriebe angesiedelt.
Darüber hinaus kommen Siedlungshäuser (Einzel- und Doppelhäuser, Baujahr 1930–60, im Rahmen der Nachverdichtung auch 1985–2005), Reihen-Einfamilienhäuser (Baujahr 1960 oder jünger) und Mehrfamilien- bzw. Mietshäuser in offener Bauweise und je nach Gebiet unterschiedlich hohen Anteilen vor.
Seit dem Mittelalter entwickelte sich ein Reihendorf links der Südlichen Düssel zwischen der heutigen Straße Am Dammsteg im Osten und der heutigen Franz-von-Sales-Kirche im Norden. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand Wersten fast nur aus Bauernhöfen. Erst mit der Ansiedlung industrieller Betriebe in Oberbilk und Lierenfeld Ende des 19. Jahrhunderts und nur wenige Jahrzehnte später auch in Holthausen und Reisholz wurden zunehmend Wohnungen für Arbeiter und Angestellte benötigt, weshalb auch in Wersten die Bautätigkeit zunahm. Im Bereich der Werstener Dorfstraße als ursprünglicher Hauptstraße und an der westlich davon verlaufenden Kölner Landstraße und damaligen Provinzialstraße von Düsseldorf über Oberbilk und Benrath nach Köln wurden zunächst ohne eine Planung im städtebaulichen Sinne sowohl Mietshäuser als auch Siedlungshäuser mit größeren Nutzgärten gebaut. Beispiele für diese Art der Bebauung sind die Zehn Hüser von 1903 an der Kölner Landstraße vor der Kreuzung mit der Straße Werstener Feld404 und die Lammers Hüser an der Werstener Dorfstraße.Die Lammers Häuser hatten ihren Namen vom gleichnamigen Bauernhof an der Werstener Dorfstraße Nr. 122 und lagen westlich vom Hof. In den 1920er Jahren und besonders nach dem Ersten Weltkrieg wurden die ersten nun planmäßigen Siedlungen angelegt. Neben kleineren Häusergruppen wie beispielsweise die 1927 gebauten Kriegsbeschädigten Häuser Nummern 1 bis 19 an der Burscheider Straße zwischen der Kamp- und Liebfrauenstraße und 1930 gebauten Henkelhäuser Nummern 204 bis 214 am östlichen Ende der Werstener Dorfstraße entstanden auch größere Viertel.
Trotz dieser verstärkten Bautätigkeit waren bis 1960 noch viele Bereiche kaum oder nur wenig bebaut. Der Bau der KAB-Siedlung im Westen der Benden, die Bebauung freier Flächen zwischen der Burscheider Straße und dem Kärntner Weg und das Wachstum und die Verdichtung des Viertels Wersten Süd-Ost, verbunden mit dem späteren Abriss der Stahlhäuser, läutete einen zweiten „Bauboom“ ein, der sich mit der Ausdehnung der Grünen Siedlung nach Westen und Osten um 1970, dem Bau des Viertels Wersten West in der ersten Hälfte der 1980er Jahre, der Kanalisation und Umgestaltung der Straßen und dem Beginn der Nachverdichtung in den Benden, der Errichtung des Düsseldörfchen anlässlich der Bundesgartenschau 1987, der Bebauung der Fläche zwischen Werstener Kreuz, Kölner Landstraße, Rheindorfer Weg und dem Brückerbach, dem 1992 fertiggestellten Geschäftszentrum in Verbindung der Verlängerung des Guerickeweges bis zur Kölner Landstraße und der Bebauung der letzten Ackerfläche des Stadtteils zwischen Mendelweg und Wersten West in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre fortsetzte. Durch zwei der genannten Baumaßnahmen entstand auch Raum für neue Geschäfte und Gastronomie, wodurch auch ein Discounter-Markt einer weiteren Handelskette nach Wersten kam und zwei bereits langjährig ansässige Supermarkt- bzw. Discounter-Ketten durch Umzug in größere Räume ihren Standort in zentraler Lage erhalten konnten.
Unter anderem der Bau des Wohnparks Guerickeweg an der Kölner Landstraße und die Bebauung freier Flächen südöstlich der Ickeswarder Straße zwischen Dechen- und Scheideweg (Ernst-Abbe-Weg), am östlichen Ende der Werstener Dorfstraße (Tiroler Weg) bis 2003Wohnparks/Bauträgermaßnahmen der Ferox Projektentwicklung GmbH & Co. KG, nördlich der Straße Am Gansbruch (Brassertweg und Nöggerathweg) bis 2005 und hinter der Kirche St. Maria in den Benden (Flemingweg) bis 2006 mit Einfamilienhäusern setzten nach der Jahrtausendwende weitere städtebaulichen Akzente in Wersten.
Grüne Siedlung Bereits im November 1917 erwarb der Siedlungsverein Gemeinnütziger Verein für Landhaussiedlungen damals noch zum Stadtteil Eller gehörende Grundstücke nördlich der Düssel. Am 31. Dezember 1919 fand hier der erste Spatenstich zum Bau einer größeren Siedlung statt. Bis 1927 wurden 357 Häuser mit 573 Wohnungen auf einem Gebiet, das sich bis zur heutigen Harffstraße erstreckt, gebaut. 1927 wurde auch die Gaststätte Düsselheim, deren Saal noch bei ihrer Schließung am 30. Juni 2001 zu den größten Veranstaltungsräumen gehörte und somit eine zentrale Rolle im Werstener Vereinsleben spielte, eröffnet. Die Grüne Siedlung wurde 1932 aus der katholischen Pfarrei St. Gertrud aus- und in die Pfarrei St. Maria Rosenkranz eingegliedert und gehört seitdem auch politisch zu Wersten. Um 1970 wurden weitere Flächen westlich der ursprünglichen Siedlung an der Wipperfürther und Lenneper Straße, östlich von ihr bis zum Friedhof Eller – die Bruchhausenstraße – und an der Harffstraße mit Ein- und Mehrfamilienhäuser bebaut. Inzwischen ist eine Erhaltungssatzung für das Gebiet, welches die ursprüngliche Siedlung und weiter südlich die Werstener Dorfstraße umfasst, in Kraft getreten.
Siedlungen an der Halbuschstraße An der Halbuschstraße entstand ab 1922 die Spiegelglassiedlung und ab 1935 die Hermannstadt-Siedlung.
Wersten Süd-Ost Südöstlich der Straße Werstener Feld entstand bis 1929 eine von zwei Düsseldorfer Stahlhaus-Siedlungen mit 246 Wohnungen für Flüchtlinge und Ausgewiesene mit zum Teil kinderreichen Familien. Auch nach dem Abriss der Stahlhäuser zwischen 1967 und 1972 und der anschließenden Neubebauung unter anderem mit mehreren Hochhäusern ist dieses Viertel ein sozialer Brennpunkt geblieben.
In den Benden 1923 wurde in diesem Gebiet das erste Wohnhaus gebaut. Ungefähr da, wo sich heute der Parkplatz des Sportplatzes befindet, gab es zuvor schon eine Ziegelei mit einem Ringofen. Darüber hinaus wurden dieses Gebiet ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. 1934 begann die flächendeckende Bebauung der Benden mit Siedlungshäusern und es entstanden die ersten nach Naturwissenschaftler(inne)n benannten Straßen. Am Scheideweg wurde 1949 der neue Sportplatz des SV Wersten 04 angelegt. Neun Jahre später begann in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Ziegelei der Bau der katholischen Kirche St. Maria in den Benden, die nach nur eineinhalbjähriger Bauzeit im September 1959 eingeweiht wurde.Seelsorgeeinheit Düsseldorfer Rheinbogen: St. Maria in den Benden, Wersten
Ende der 1950er Jahre war der südwestliche Teil der Benden außer entlang der Straße Auf'm Rott noch unbebaut. Auf einer leichten Anhöhe zwischen dem Brückerbach und Auf'm Rott baute um 1961 die Wohnungsbaugesellschaft der KAB Düsseldorf eine Siedlung mit Reihen-Einfamilienhäusern und Sozialwohnungen in Mehrfamilienhäusern, weshalb sie bis heute auch KAB-Siedlung genannt wird. Diese Siedlung war natürlich auch an die Kanalisation angeschlossen. Auf diesen Komfort mussten viele alteingesessene Anwohner der Benden noch bis in die 1980er Jahre warten. Auch waren die Straßen bis zu diesem Zeitpunkt zwar asphaltiert aber nicht befestigt und besaßen keine Bürgersteige. In den 1980er Jahren begann in den Benden eine Nachverdichtung, die in der ersten 2000er-Dekade weitestgehend abgeschlossen wurde.