mini|350px|Stadtzentrum aus der Vogelschau Kołobrzeg ([] ) – deutsch Kolberg ([]), früher Colberg, plattdeutsch Kolbarg ([]) bzw. Kolberg ([]), kaschubisch Kòlbrzég – ist eine Hafenstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt ist ein Sol- und Kurbad an der Ostsee. Wirtschaftlich prägen die Stadt mit rund 46.200 Einwohnern (2020) vor allem der Tourismus und die Hafen- und Fischereiwirtschaft.

Geographie Lage Die Stadt liegt in Hinterpommern an der Mündung der Persante (poln. Parsęta) in die Ostsee, 41 Kilometer westlich von Koszalin (Köslin), etwa 90 Kilometer östlich von Świnoujście (Swinemünde) und etwa 230 Kilometer nordöstlich von Berlin.Kolberg, Kreisstadt und Ostseebad, an der Persante, drei Kilometer vor deren Mündung in die Ostsee, Kreis Kolberg-Körlin, Regierungsbezirk Köslin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Kolberg (meyersgaz.org).

Die Ostseeküste hat hier den Charakter einer Ausgleichsküste. Hier mündet die Persante nach 127 km Flusslauf. Östlich liegt Ustronie Morskie (Henkenhagen), westlich und südlich die Landgemeinde Kołobrzeg, die nicht zum Stadtgebiet gehört.

Das Stadtgebiet selbst erstreckt sich über ca. 1800 Hektar und beinhaltet neben den stadttypisch bebauten Flächen ein Fluss-, Kanal- und Hafenareal, einen Küstenbereich und ein abwechslungsreiches Mosaik städtischer Parkanlagen, Naturparkflächen und Brach- und Wiesenflächen, die teilweise Feuchtbiotopcharakter (z. B. Solne Bagno) haben.

Klima + Durchschnittliche Temperatur der letzten 20 Jahre (1990–2010) Monat Jan Feb Mar Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Mittelwert Höchstwerte (tagsüber) [°C] 1 2 6 8 13 17 21 20 16 11 6 3 11 °C (tagsüber) Tiefstwerte (nachts) [°C] −1 −1 1 3 7 11 13 13 10 6 2 0 5 °C (nachts) Anzahl der Tage mit Niederschlag 20 15 15 13 12 12 14 11 14 15 18 19 178 Quelle: Weatherbase.com

Geschichte Slawische Vorgängersiedlung

(Altstadt) mini|130px|Wappen von Kolberg im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig

Vom 9. Jahrhundert an bestand eine pomoranische Siedlung, die der Ausbeutung der Salzquellen an der Mündung der Persante diente. Sie wurde zuerst in der Chronik Thietmar von Merseburgs unter dem Namen salsa Cholbergiensis – also etwa: Salz-Kolberg – erwähnt, und zwar als Sitz des Bischofs Reinbern im Jahre 1000. Mit dessen Vertreibung ging einige Jahre später das Bistum wieder unter. Im Jahre 1124 verkündete Bischof Otto von Bamberg in Kolberg das Christentum und weihte 1125 die Marienkirche ein. Mit der Gründung einer deutschen Stadt in der Mitte des 13. Jahrhunderts ging der Name Kolberg auf diese über. Die alte Siedlung bestand unter dem Namen Altstadt (polnisch Budzistowo) weiter.

Von der Gründung der deutschen Stadt bis zum Übergang an Brandenburg-Preußen Im Zuge der deutschen Ostsiedlung ließen sich deutsche Siedler etwa zwei Kilometer nördlich der bestehenden slawischen Siedlung nieder. Es entstand ein Ort mit regelmäßigem Grundriss und einer umlaufenden Mauer. Im Jahre 1248 tauschten Herzog Barnim I. und Bischof Wilhelm Kolberg und Stargard, das 1255 durch die Brandenburger Markgrafen Johann und Otto bestätigt wurde. 1255 erhielt die „neue“ Siedlung Kolberg von Herzog Wartislaw III. von Pommern und Bischof Hermann von Gleichen von Cammin das Stadtrecht nach Lübischem Recht. Die weiter bestehende wendische Stadt verlor nach Verlegung des Domkapitels 1287 und der Marienkirche, des späteren Kolberger Doms, in die neue Stadt 1282 ihre Bedeutung. Später Altstadt Kolberg genannt, blieb sie als Dorf erhalten und ist heute als Budzistowo eingemeindet. 1277 wurde Kolberg Teil des Stifts Cammin, des weltlichen Herrschaftsgebiets des Bischofs. Der Hanse gehörte Kolberg wohl bereits vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Zugehörigkeit im Jahr 1361 (Hanserecesse Band 1, Nr. 259) an und blieb bis 1610 in diesem Städteverbund. In dieser Blütezeit der Stadt waren die Salzproduktion, der Salzhandel und der Fischfang ihre Haupteinnahmequellen und brachten großen Wohlstand. Seit Anfang des 14. Jahrhunderts als Hansestadt besaß Kolberg ein eigenes Münzrecht, das 1548 Kaiser Karl V. bestätigte, als die Stadt ihm huldigte.

Für das Jahr 1261 lassen sich erste Spuren von jüdischen Bewohnern nachweisen, ab dem 14. Jahrhundert siedelten einige jüdische Familien in der ul. Brzozowa (ehemalig: Judenstraße).Lage der von Juden bewohnten ul. Brzozowa auf Openstreetmap 1492/93 wurde der größte Teil der jüdischen Bevölkerung nach dem Sternberger Hostienschänderprozess vertrieben. Juden, die sich taufen ließen, durften vorübergehend bleiben, mussten aber im jüdischen Viertel zwischen der ul. Gierczak und der ul. Narutowicza (ehemalig: Linden- und Schlieffenstraße) wohnen und letztlich 1510 die Stadt ebenfalls verlassen. An diese Ghettoisierung erinnerte die deutsche Bezeichnung Enge Judengasse., veröffentlicht am 6. Dezember 2012; abgerufen am 3. März 2015.

mini|Kolberg auf der Lubinschen Karte von 1618 mini|hochkant|Karte von Kolberg (1650) 1442 belagerte der Bischof von Cammin Siegfried II. Bock in einem Bündnis mit dem Herzog Bogislaw IX. Siegfried II. die Stadt. Ihr hatte der Bischof verschiedene Hebungen, Pachten und andere Einnahmequellen verpfändet. Als er Ansprüche auf die Saline und den Hafen erhob, kam es zum offenen Konflikt, der bis 1468 in die Amtszeit von Siegfrieds Nachfolger Henning Iven fortgesetzt wurde. Kolberg wehrte alle Angriffe erfolgreich ab.Hellmuth Heyden: Kirchengeschichte von Pommern. Band 1, 1937, S. 258–259.

Ab 1530 wurde in Kolberg die Reformation eingeführt, 1534 wurden die katholischen Einrichtungen in der Stadt durch Beschluss des Stadtrates aufgehoben.

Im 17. Jahrhundert entvölkerte sich Kolberg durch die Pest und den Dreißigjährigen Krieg mit seinen Auswirkungen. 1627 besetzten kaiserliche Truppen die Stadt und befestigten sie. 1631 eroberten schwedische Truppen Kolberg nach fünfmonatiger Belagerung.

mini|Kolberg 1652, Kupferstich von Matthäus Merian mini|Festung Kolberg 1776 Panorama mini|Altes Rathaus von 1832 (Aufnahme 2019) mini|Kolberg Ende des 19. Jahrhunderts mini|Kolberg (Colberg) an der Mündung der Persante in die Ostsee, westlich von Köslin (Cöslin), auf einer Landkarte von 1905 mini|ohne|hochkant=2|Plan des Seebads Kolberg um 1910 mini|Altes Kurhaus im Juli 1930, von der Seebrücke (Landesteg) aus gesehenSiehe auch: Kolorierte Postkarte

Kolberg vom 17. bis ins 19. Jahrhundert Hinterpommern und damit auch die Stadt Kolberg kamen mit dem Westfälischen Frieden 1648 an Brandenburg-Preußen, wurden aber erst 1653 nach Vereinbarung des Stettiner Grenzrezesses vom Königreich Schweden herausgegeben. Noch im Jahre 1653 wurden in Kolberg die obersten Landesbehörden für das nun brandenburgisch gewordene Hinterpommern eingerichtet, darunter die neue Pommersche Regierung, die Kammer, das Hofgericht und das Pommersche und Camminsche geistliche Konsistorium.Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 2. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1921, S. 169. (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6). Ebenfalls 1653, also relativ spät, erhielt Kolberg seine erste Buchdruckerei. 1669 wurden die Landesbehörden aus Kolberg nach Stargard in Pommern verlegt.Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 2. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1921, S. 182. (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6).

Im Siebenjährigen Krieg, in dem Pommern ein Nebenkriegsschauplatz war,Karl von Sulicki: Der Siebenjährige Krieg in Pommern und in den benachbarten Marken. Studie des Detaschements- und des Kleinen Krieges. Mittler, Berlin 1869 (books.google.de). wurde die Festung Kolberg 1758Vgl. z. B. Johann Gottlieb Tielke: Beiträge zur Kriegskunst und Geschichte des Krieges von 1756–1763. II. Teil: Der Feldzug der kaiserlich-russischen und königlich-preußischen Völker im Jahr 1758. Wien 1786 (Volltext, ohne gefaltete Tafeln books.google.de). und 1760 von preußischen Truppen unter Oberst Heinrich Sigismund von der Heyde gegen die Russen erfolgreich verteidigt. Als während der viermonatigen dritten Belagerung eine schützende Besatzungsarmee unter Friedrich Eugen von Württemberg infolge einer Hungersnot abgezogen war, musste von der Heyde die Festung im Dezember 1761 dem russischen General Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunaiski übergeben.Hans von Held: Geschichte der drei Belagerungen Kolbergs im siebenjährigen Kriege. Berlin 1847, books.google.de Von den schweren Zerstörungen, dem Rückgang der Einwohnerzahl von über 5000 auf unter 4000 und dem Verlust aller 40 Handelsschiffe erholte sich Kolberg erst nach 1800.

Während des Vierten Koalitionskrieges ereignete sich die Belagerung Kolbergs 1807 durch die Truppen Napoleons. Verteidigt vom Kommandanten Gneisenau, dem Freikorpsführer Schill und den Bürgern um den Bürgerrepräsentanten Nettelbeck hielt sich die Festung bis zum Friedensschluss. Dieser Erfolg wurde kurz darauf zur Legende, die im politischen Kräftespiel des 19. und 20. Jahrhunderts verschiedene Formen annahm. Zuletzt diente sie 1944 als Vorlage für den nationalsozialistischen Propagandafilm Kolberg.

König Friedrich Wilhelm III. erließ der Stadt den Umlageanteil an der Kriegskontribution und erlaubte ihr, den 2. Juni jährlich als „Friedenstag“ zu feiern.Illustrirte Zeitung, Nr. 735 (Band 29) vom 1. August 1857, S. 77 f. 1812 wurde hier das Festungswachtschiff Colberg in Dienst genommen, das bis zu seiner Außerdienststellung im Dezember 1813 das einzige seiner Art blieb.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat lag Kolberg ab 1816 im Kreis Fürstenthum im Regierungsbezirk Köslin in der Provinz Pommern. Um 1831 hatte Kolberg drei Vorstädte, einen verschanzten Hafen, Münde genannt, drei Tore, fünf Kirchen, ein weltliches Nonnenkloster, eine Höhere Bürgerschule, ein Waisenhaus, ein Altenheim, vier Hospitäler, 724 Häuser und war Garnisonsstandort sowie Sitz eines Land- und Stadtgerichts, eines Postamts, eines Untersteueramts und eines Salzamts.

Mit Auflösung des Kreises Fürstenthum zum 1. September 1872 wurde Kolberg Kreisstadt des neugeschaffenen Kreises Kolberg-Körlin. Landrat war Robert von Schröder.

Bis 1812 war Kolberg neben Tempelburg die einzige Stadt in Hinterpommern gewesen, in der die feste Ansiedlung von Juden vom Magistrat und nach Protesten von christlichen Kaufleuten verhindert wurde. Juden war zwar ein konzessionierter Handel erlaubt, sie mussten aber jeweils nach spätestens 24 Stunden die Stadt wieder verlassen.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum; abgerufen am 4. März 2015.

Mit dem Judenedikt von 1812 haben sich die Lebensbedingungen der Juden in Kolberg verbessert, ihnen wurde die Ansiedlung wieder erlaubt. Nachdem 1844 in der Baustraße 28 (nach 1945: ul. Budowlana) der Grundstein für die Synagoge gelegt worden war, wurde diese ein Jahr später eingeweiht. Das Gebäude wurde um 1900 durch einen Neubau ersetzt., Beschreibung auf sztetl.org.pl; abgerufen am 4. März 2015. Von ca. 1865 bis 1925 war Salomon Goldschmidt Rabbiner von Kolberg.Aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum; abgerufen am 4. März 2015.

In Kolberg verbüßten bekannte Persönlichkeiten wie Adam Heinrich Dietrich Freiherr von Bülow (von Oktober 1806 bis Mai 1807), Friedrich Ludwig Jahn (Turnvater Jahn), Arnold Ruge und Martin von Dunin ihre Festungshaft. Kolberg war bis 1872 Festung und blieb auch danach Garnisonstadt.