mini|hochkant=1.5|Lage von Norderney innerhalb der Ostfriesischen Inseln mini|hochkant=1.5|

Norderney (ostfriesisches Plattdeutsch: Nördernee []) ist eine der Ostfriesischen Inseln in der Nordsee, die dem Festland des Landes Niedersachsen zwischen der Ems- und Wesermündung in der Deutschen Bucht vorgelagert sind. Mit einer Fläche von 26,31 Quadratkilometern ist die Düneninsel Norderney nach Borkum die zweitgrößte Insel dieser Inselgruppe.

Die Stadt Norderney umfasst die gesamte Insel Norderney. Sie gehört nach der Gebietsreform in Niedersachsen von 1978 zum Landkreis Aurich und ist mit Einwohnern die der Bevölkerung nach größte Gemeinde der Ostfriesischen Inseln. Norderney ist eine Einheitsgemeinde und besteht neben der Kernstadt aus den drei Stadtteilen Fischerhafen (der Hafen und das angrenzende Gewerbegebiet), Nordhelm, eine ehemalige Kasernensiedlung und seit 2019 Ostende. Die drei Stadtteile liegen in enger Nachbarschaft im äußersten Westen der Insel. Die restliche Fläche der Insel ist kaum bewohnt und bebaut. Ausnahmen bilden wenige Gebäude um den in der Inselmitte stehenden Leuchtturm Norderney sowie der Inselgolfplatz mit den angrenzenden Siedlungen Am Leuchtturm und Grohde im Zentrum der Insel und der nahe gelegene Flugplatz Norderney, die westlich davon gelegene Jugendherberge Norderney Dünensender sowie die östlich davon gelegenen ehemaligen Gebäude der Staatsdomänen Eiland und Tünnbak.

Der Hauptwirtschaftszweig des am 3. Oktober 1797 zur ersten Königlich-Preußischen Seebadeanstalt an der deutschen Nordseeküste ernannten heutigen Staatsbades und Luftkurortes ist der Fremdenverkehr. Das Nordseeheilbad verfügt über vier Badestrände. 2007 wurden mehr als 400.000 Tages- und Kurgäste gezählt, in den Jahren 2008 und 2009 wurden insgesamt über drei Millionen Übernachtungen registriert; davon in größeren Beherbergungsbetrieben rund 1,6 Millionen Übernachtungen (2019).

Östlich der Stadtgrenze gehören insgesamt 85 Prozent der Inselfläche zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Geographie + Fläche in ha nach NutzungsartStand: 1. Januar 2005 Gebiet Fläche Bebaute Fläche 152 davon Wohnbaufläche 65 davon gewerbliche Baufläche 60 davon Erholungsfläche 27 Gemeinbedarfsfläche 24 Verkehrsfläche 91 davon Straßenverkehr 73 davon ruhender Verkehr 20 davon Luftverkehr 18 Flächen für die Ver- und Entsorgung 1 Grünflächen 60 davon Parkanlagen 19 davon Kleingärten 8 davon Sportplätze 12 davon Friedhöfe 2 davon sonstige Grünflächen 19 Landwirtschaftliche Fläche 405 Wasserfläche 11 davon Süßwassergewässer 3 Sonstige Fläche 1886 davon Unland 877 Gesamtfläche ohne Küstengewässer 2629

Lage und Umgebung mini|links|Luftbild der Insel Norderney mit der Stadt aus westlicher Richtung mini|links|Luftbild der Insel Norderney aus östlicher Richtung

Norderney ist eine der Ostfriesischen Inseln, die im Nordwesten Deutschlands in der Deutschen Bucht einige Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die sieben bewohnten Inseln und die fünf unbewohnten größeren Sandbänke, Sandplaten und Hochsände sind dem Festland des Landes Niedersachsen vor der Küste der Region Ostfriesland vorgelagert. Die Insel gehört zum Landkreis Aurich. Von Westen aus gesehen ist Norderney die dritte der bewohnten Ostfriesischen Inseln. Norderney erstreckt sich bei einer Gesamtfläche von 26,29 Quadratkilometern in einer Länge von rund 14 Kilometern in Ost-West-Richtung. An den breitesten Stellen am Westkopf und in der Inselmitte dehnt sich die Insel bis zu 2½ Kilometer in Nord-Süd-Richtung aus. Sie ist damit nach der Fläche die neuntgrößte der deutschen Inseln und nach Borkum die zweitgrößte der Ostfriesischen Inseln. Auf der gesamten Nordseite der Insel erstreckt sich ein Sandstrand von rund 14 Kilometern Länge, der im Stadtgebiet von einem Inseldeckwerk gesäumt ist, das zum Schutz der Insel vor Hochwasser und Sturmfluten und als Fußgängerpromenade dient.

Der bebaute Siedlungsbereich liegt im westlichen Teil der Insel. Dieser besiedelte Kern hat zusammen mit dem Gewerbegebiet eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von etwa 2½ Kilometern und in Nord-Süd-Richtung von bis zu 2 Kilometern. Die bebaute Fläche beträgt insgesamt 152 Hektar, was etwa sechs Prozent der Inselfläche entspricht. Das Gebiet der Stadt Norderney umfasst die gesamte Insel.

Von der östlichen Nachbarinsel Baltrum ist Norderney durch das schmale Seegatt der Wichter Ee getrennt. Vom Zentrum der Stadt Norderney bis zum Inselort Baltrum sind es etwa 15 Kilometer. In Richtung Westen ist die Insel Juist rund 3 Kilometer entfernt, bis zum Zentrum der Gemeinde Juist sind es etwa 11 Kilometer Luftlinie. Zwischen Norderney und Juist erstreckt sich das breite Norderneyer Seegatt. Der westlichste Teil wird Spaniergat genannt, der nördlich in der Mitte liegende Bereich heißt der Schluchter, östlich davon zieht sich das Dovetief mit dem Hauptfahrwasser des Seegatts zwischen den Inseln entlang.

In der Osthälfte der Insel erstreckt sich im dortigen Dünengebiet eine breite Legde, auch Schlopp genannt, die vom Strand im Norden bis zum Heller im Süden reicht. Das Gebiet rund um diesen Dünendurchbruch wird bei höheren Sturmfluten vollständig überflutet. Die gesamte Osthälfte Norderneys sowie das südlich der Insel angrenzende Wattenmeer mit den Platen Hohe Plate, Hohes Riff und Lütetsburger Plate sowie den Rinnen Busetief, Wagengat, und Ostbalje gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Das Festland ist zwischen drei (von der Wattseite östlich des Grohdepolders bis Hagermarsch und Neßmersiel) und sechs Kilometer (vom Hafen Norderney bis zum Norder Stadtteil Ostermarsch) entfernt. Benachbarte Kommunen auf dem Festland sind die Stadt Norden, die Gemeinde Hagermarsch in der Samtgemeinde Hage sowie ein kurzer Abschnitt der Gemeinde Dornum (alle im Landkreis Aurich). Im Norder Stadtteil Norddeich befinden sich an der Mole der Fähranleger und etwas außerhalb, in Richtung Osten gelegen, ein Flugplatz, von dem aus Flüge nach Norderney möglich sind.

Geologie

mini|links|Übersichtskarte der Insel Norderney

Norderney ist, wie die Ostfriesischen Inseln insgesamt, kein Fragment früheren Festlands und unterscheidet sich insofern etwa von den Nordfriesischen Inseln. Norderney liegt auf einem im Pleistozän und im folgenden Holozän gebildeten Sockel. Die pleistozänen Schichten aus Schmelzwassersanden, punktuell Lauenburger Ton, Geschiebelehm sowie Flug- und Flusssanden befinden sich heute etwa zehn bis zwanzig Meter unter dem Meeresspiegel, und die darüber abgelagerten basalen Torfe und Brackwasser-Sedimente des Holozäns sind deutlich untermeerisch. Oberflächennah, in der Mitte der Insel, beispielsweise in Höhe des Leuchtturms, besteht der Untergrund noch bis in 30 Metern Tiefe vielmehr aus Watt- und Rinnensanden, also rein marinen Ablagerungen.

Vor etwa 10.000 Jahren erstreckte sich das Festland noch weit in die heutige Nordsee hinein bis zur Doggerbank und zur englischen Küste. Als Folge der Eisschmelze nach der letzten Kaltzeit und des dadurch bedingten Anstiegs des Meeresspiegels begann vor etwa 7500 Jahren eine Überflutung der heutigen Deutschen Bucht. Durch die Interaktion von aus Westen kommender Strömung und Wind lagerten sich Sandmassen ab, die sich zu Sandbänken und inselähnlichen Platen entwickelten. Die Sandakkumulationen, die bei Flut nicht mehr überschwemmt wurden (siehe Kachelotplate), bildeten die Grundlage für die Ansiedlung von Pionierpflanzen, die mit ihren Wurzeln den Sandboden verstärkten, was wiederum die Bildung von Dünen und das Wachstum der Insel ermöglichte.Torsten Schlurmann: (PDF; 6,5 MB), S. 23–27.

Infolge der zum Teil starken Gezeitenströmung aus nördlicher und westlicher Richtung driftet Norderney wie die anderen Ostfriesischen Inseln in östliche Richtung ab. Das Fundament der Insel besteht am Westkopf aus verschiedenen Ton-, Klei- und Lehmschichten, wodurch Inselschutzmaßnahmen nötig wurden. Durch das im Jahr 1858 erstmals angelegte Inseldeckwerk konnte der westliche Inselkopf gegen die Gezeitenkräfte und die damit verbundene Küstenerosion gesichert werden. Der östliche Teil der Insel gewann dagegen seit 1650 durch Anspülung von Sand und Sedimenten rund 5 bis 6 Kilometer Länge dazu. Der natürlich gebildete Strand hat an einigen Abschnitten eine Breite von über 200 Metern.

Der höchste natürliche Punkt der Insel und der gesamten ostfriesischen Inselkette ist die nach dem aus der Stadt Norden in Ostfriesland stammenden ehemaligen SA-Sturmführer und Geodäten Walter Großmann benannte Walter-Großmann-Düne. Es handelt sich um eine im Bereich der Weißen Düne in der Inselmitte gelegene Sanddüne mit einer Höhe von über NHN. Die Düne ist damit auch der höchstgelegene Punkt Ostfrieslands überhaupt. Die Insel ist durchschnittlich bis über NHN hoch, der Inselsockel ragt durchschnittlich aus dem Meer heraus. Auf einigen der höheren Dünen, die zwischen und über NHN hoch liegen, wurden Aussichtsplattformen, zum Teil mit Informationstafeln zur Insel und dem Nationalpark, eingerichtet. Einige der markanten Dünen haben im Laufe der Zeit Namen erhalten wie Georgshöhe () und Marienhöhe () im Stadtgebiet sowie Mövendüne (), Senderdüne () und Rattendüne () im Ostteil der Insel.

Bedingt durch die geologischen Verhältnisse auf der Insel konnte sich darunter eine Süßwasserlinse herausbilden. Diese entstand durch versickerndes Regenwasser, das im sandigen Boden das schwerere Salzwasser bis zu einer Tiefe von maximal 80 Metern verdrängte. Die Größe der Linse unterliegt klimatischen Schwankungen, dennoch können auf der Insel jährlich rund 900.000 Kubikmeter Trinkwasser vom Wasserwerk Ort und von dem 1958 in der Inselmitte erbauten Pumpwerk Weiße Düne gefördert werden. Das Norderneyer Trinkwasser gilt als besonders rein, da es aufgrund der Lage unterhalb des Inselsockels im Gegensatz zum Grundwasser am Festland nicht durch versickernde Dünger und Abwässer verunreinigt wird. Das Grundwasser hat eine leicht gelbliche Färbung, die auf abgelösten Torfablagerungen und Lehm beruht, wodurch sich Huminstoffe bilden. Um bei Sturmfluten ein Eindringen von Salzwasser und damit eine Zerstörung der Linse zu verhindern, wurden im Laufe der Zeit die Randdünen der Insel verstärkt.

Klima mini|Blick von der Georgshöhe auf die Strandpromenade am Nordstrand im Winter

Die Insel Norderney liegt im Bereich des gemäßigten, sommerkühlen und vom Golfstrom beeinflussten Seeklimas und damit im direkten Einfluss der Nordsee. Bei geringen Temperaturschwankungen herrscht hohe Luftfeuchtigkeit. Im Durchschnitt liegen die Temperaturen im Sommer unterhalb und im Winter oberhalb der auf dem Festland gemessenen Werte. In der Gesamtheit wird das Norderneyer Klima durch den vorherrschenden Wind aus Süd und Südwest geprägt, der durch Tiefdruckgebiete über Island und Grönland entsteht. Im Frühjahr und Herbst sind Stürme mit Orkanstärke recht häufig; diese treten oftmals mit einer Sturmflut auf. Dabei entstehen Wellen, die sich vor der Insel auf bis zu Höhe auftürmen können.