mini|300px|Ortsteile von Pfronten (mit Beschriftungen) Pfronten ist eine Gemeinde im bayerisch-schwäbischen Landkreis Ostallgäu. Sie liegt im Südwesten von Bayern direkt an der Grenze zu Tirol in Österreich. Pfronten wird auch als „13-Dörfer-Gemeinde“ bezeichnet. Alle diese Orte bildeten sicher schon seit dem Spätmittelalter eine einzige Pfarrgemeinde.

Geografie

Lage mini|200px|Kienberg über den Dächern Pfrontens, gesehen von Burgruine Falkenstein

Die Gemeinde liegt am Nordrand der Allgäuer Alpen im Pfrontener Tal. Das Gemeindegebiet wird von der Vils durchflossen. Es liegt auf einer Höhe von am Fuß von Edelsberg, Kienberg, Breitenberg und Falkenstein. Den höchsten Punkt des Gemeindegebiets bildet ganz im Süden der Gipfel des Aggensteins () auf der Tiroler Grenze, der zu den Tannheimer Bergen gehört. Der Tiefpunkt in der Gemeinde liegt an der Vils an der Grenze zu Österreich bei ca. .

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind auf deutscher Seite die Stadt Füssen, die Gemeinde Eisenberg und der Markt Nesselwang. In Österreich liegen benachbart die Landstadt Vils sowie das Tannheimer Tal mit den Gemeinden Grän, Tannheim, Schattwald, Zöblen und Jungholz.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Bergpfronten und Steinachpfronten.

Die Gemeinde hat 15 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Verwaltungsrechtlich gibt es keine gleichnamige Siedlung.

Die Fallmühle (Achtalstraße 62) gehört zum Gemeindeteil Dorf, der Falkenstein (Hotel und Burgruine) zum Gemeindeteil Meilingen.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Durch Pfronten führte von Süden her eine römische Nachschubstraße nach Cambodunum (dem heutigen Kempten).Richard Knussert, Das Füssener Land in früher Zeit, S. 40 (Abbildung nach S. 48) Eine römerzeitliche Besiedelung des Tales ist aber nicht gesichert.

Allerdings ist der Name Pfronten aus der deutschen Sprache nicht erklärbar. Der bisher beste DeutungsvorschlagAlbrecht Greule: Beiträge zur Namenforschung. Bd. 41, 2006, S. 477 geht von einem romanischen Namen frontone aus, was „große, gewaltige Stirn“ oder „Front“ bedeutet und wohl die „Stirne der Alpen“ bezeichnen sollte. Man könnte es auch als Entsprechung des heutigen Namens Breitenberg verstehen.

Bei den im Ostallgäu (Römersiedlung Tegelberg) verbliebenen, christlichen Provinzialrömern siedelten sich nach und nach heidnische Alamannen an. Um das Jahr 800 war die „römische“ Sprache in der Gegend erloschen. In dem nun fränkisch-karolingischen Gebiet war die Bevölkerung zu einer Einheit mit deutscher Sprache und christlichem Glauben verschmolzen.

Ab dem frühen 14. Jahrhundert gehörte ganz Pfronten zum Hochstift Augsburg, dem weltlichen Territorium der Augsburger Bischöfe. Bei der Säkularisation des Hochstifts fiel auch Pfronten 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Im Jahr 1818 wurde die Gemeinde gebildet.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1865 wurde die Pfarrgemeinde Pfronten in Pfronten-Berg (Bergpfronten) und Pfronten-Steinach (Steinachpfronten) aufgeteilt. Jede der beiden neuen Gemeinden hatte eine eigene Verwaltung und Rechnungsführung.Gemeindearchiv Pfronten, Gemeinderechnungen Am 31. März 1935 wurden beide Gemeinden wieder zur Gemeinde Pfronten zusammengeschlossen.

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand: 1987).

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2017 2020 Einwohner 2506 2746 4404 6553 6127 6595 7058 7722 7699 7546 7874 7933 8221 8235 8358Bayernportal: Gemeinde Pfronten, Landkreis Ostallgäu

Pfronten wuchs von 1988 bis 2008 um 768 Einwohner bzw. um ca. 11 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 7121 auf 8267 um 1146 Einwohner bzw. um 16,1 %.

Politik Gemeinderat + Gemeinderat Pfronten SitzverteilungWahlCSUSPDFWPfrontner ListeAktiv für PfrontenUnser PfrontenSitze insgesamt08.03.202681 -8212015.03.202051 -11212016.03.2014offizielle Homepage der Gemeinde62263120 Zusätzlich gehört dem Gemeinderat der Erste Bürgermeister Karl-Heinz Wagner an. Er ist seit Mai 2026 im Amt.

Bürgermeister +Bürgermeister der Gemeinde PfrontenAmtszeitBürgermeisterPartei2026–Karl-Heinz WagnerCSU2020–2026Alfons HafPfrontner Liste2013–2020Michaela WaldmannCSU (zur Bürgermeisterkandidatin von allen im Gemeinderat vertretenen Parteien nominiert)1995–2013Josef ZeislmeierSPD1978–1995Franz Berktold1967–1978Josef Kiefl1948–1967Franz Keller1946–1948Johann Schneider1945–1948Anton Schneider1935–1945Martin Haff

Wappen

Gemeindepartnerschaften Seit 2002 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit der Gemeinde Thoiry in Frankreich und seit 2020 mit der Gemeinde La Val in Südtirol.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfronten-Ried und Pfronten-Berg mit der Pfarrkirche St. Nikolaus. Ansicht von Osten

Museen Das Heimathaus Pfronten beherbergt eine heimatkundliche Ausstellung. Schwerpunkt der Sammlung sind Werkzeuge und Hausrat im 19./20. Jahrhundert. Im Haus des Gastes sind im ehemaligen Karzer Werke von Pfrontener Künstlern ausgestellt und das Heumuseum zeigt Geräte zur Gewinnung von Bergheu. Im Alpengarten können über 450 Pflanzenarten besichtigt werden

Bauwerke

mini|Blick auf Pfronten vom Friedhof in Pfronten-Berg Die auf dem Berg Falkenstein in 1268 Metern Höhe gelegene Burgruine Falkenstein ist die höchstgelegene Burgruine Deutschlands. Ein Bauvorhaben von König Ludwig II. scheiterte an dessen frühem Tod. Sehr sehenswert ist die im Gemeindeteil Berg stehende Pfarrkirche St. Nikolaus mit einem markanten Turm und einer prächtigen Ausstattung mit Fresken und Altären. Auch die übrigen historischen Sakralbauten des Pfrontener Tals wurden überwiegend von einheimischen Künstlern und Handwerkern ausgestattet. In Pfronten-Heitlern birgt St. Leonhard zahlreiche Werke der Künstlerfamilie Heel. In Pfronten-Ösch steht die Kapelle St. Koloman mit Fresken von Bartholomäus Stapf. St. Michael in Pfronten-Steinach besitzt einen bemerkenswerten Rokoko-Hochaltar, der ursprünglich aus Immenstadt im Allgäu stammt. Auch Pfronten-Kappel (St. Martin) und Pfronten-Meilingen (Kapelle Maria Heimsuchung) bieten dem Besucher kunstgeschichtlich interessante Gotteshäuser. Weitere Kapellen mit Arbeiten Pfrontener Künstler haben die Ortsteile Rehbichel (St. Anna), Kreuzegg (Hl. Kreuz und Bruder-Georg-Kapelle), Weißbach (St. Sebastian) und Röfleuten (St. Johannes Evangelist). Die Auferstehungskirche in Pfronten-Heitlern ist die Hauptkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Die Kapelle am Friedhof in Pfronten-Berg ist eine ehemalige Friedhofskapelle. Zahlreiche Bauernhöfe prägen die Dörfer, so zum Beispiel die unter Denkmalschutz stehende Villa Goldonkel und das Heimathaus Pfronten. Unter Denkmalschutz gestellt wurde auch die Alte Schule Ried, nun Haus des Gastes. Etwa vier Kilometer nordöstlich ermöglicht die landschaftsbeherrschende Burgengruppe Hohenfreyberg-Eisenberg eine umfassende Rundumsicht auf Pfronten, die Burg Falkenstein, die Tannheimer und Nesselwanger Berge, das Ammergebirge und das hügelige Alpenvorland.

Sport Es gibt in Pfronten ein Eisstadion mit einer Eisfläche von 1800 m².www.pfronten.de Außerdem gibt es zahlreiche Skilifte, zum Beispiel in Röfleuten und Steinach sowie auf dem Breitenberg.

Vereine Es finden sich zahlreiche Sportvereine mit den zugehörigen Sportstätten. Unter anderem spielt hier auch der Eishockeyverein EV Pfronten. Ebenso finden sich in Pfronten zwei Trachtenvereine. Für die Erforschung der Heimatgeschichte und die Pflege von Natur und Kultur setzt sich der Heimatverein PfrontenWebsite des Heimatvereins Pfronten, abgerufen am 28. Januar 2014 ein.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Gemeinde liegt an der Außerfernbahn, die Kempten (Allgäu) mit Garmisch-Partenkirchen verbindet. Im Ort liegen der Bahnhof Pfronten-Steinach, der Bahnhof Pfronten-Ried sowie der Haltepunkt Pfronten-Weißbach. Aufgelassen wurde der Haltepunkt Pfronten-Kappel.

Wirtschaft (Geschichte) In der beginnenden Neuzeit war die Wirtschaft Pfrontens stark durch die Landwirtschaft geprägt. Die tragende Rolle spielte dabei die Viehzucht und der Flachsanbau. Auch der Handel mit Holz aus der waldreichen Region brachte der Bevölkerung ein zusätzliches Einkommen. Der Holzeinschlag war zeitweise so groß, dass Wälder in den Bann gelegt werden mussten und damit geschützt wurden.

Ein weiteres Standbein war der Salzhandel. Die Pfrontener Rodleute durften, zusammen mit ihren Nachbarn in Vils, Salzfässer in Reutte abholen und mussten sie bis nach Oy transportieren, wo die nächste Salzniederlage war. Einige wenige Einwohner hatten als Fuhrleute auch Anteil am einträglichen Fernhandel. Zeitweise waren alle vier Konzessionen der sogenannten Kemptener Staffel an Pfrontener vergeben. Sie bedienten die Strecke von Venedig über die obere Straße nach Ulm. Nach einem alten BerichtBerichte des Grafen Zinzendorf über seine handelspolitischen Studienreisen durch die Schweiz, 1764, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde, Basel 1936 hatten sie 30 bis 40 Pferde. Ein Fuhrmann mit drei Pferden lud 50 bis 60 Zentner auf.

Am Ende des 18. Jahrhunderts entstanden entlang der Flüsse nach und nach elf Gipsmühlen, in denen durch die Wasserkraft gebrannte Kalksteine zerkleinert wurden. Der Gips, den man damals vor allem als Baumaterial und Dünger brauchte, wurde in Fässern bis nach Kempten und Augsburg transportiert.

Mit Carl Hirnbein, der in der Schweiz die Herstellung von Emmentaler gelernt hatte, änderte sich im 19. Jahrhundert das Allgäuer Landschaftsbild. Durch die Einführung der Milchwirtschaft wurde der blau blühende Flachs durch grüne Wiesen verdrängt.

Gleichzeitig hielt mit dem Pfrontener Uhrmacher Thomas Haff (1775–1859) schließlich auch die Industrialisierung hier ihren Einzug.siehe auch Haff hat in Napoleonischer Zeit Vermessungsinstrumente für die bayerischen Geometer justiert und repariert und dabei die Herstellung von mathematischen Instrumenten kennengelernt. Seine Söhne gründeten dann 1835 die Firma Gebrüder HAFF. Hier wurden viele Feinmechaniker ausgebildet, die selbst wieder hier Unternehmen gründeten150 Jahre Haff, Geschichte des Hauses Gebrüder Haff, Festschrift und dadurch Pfronten zu einem Zentrum der feinmechanischen Industrie und des Maschinenbaus werden ließen.

Hermann Wetzer (1847–1914), der sein Handwerk bei Haff erlernte, gründete 1872 in Pfronten-Steinach eine Firma zur Herstellung von Telegraphen. Die Telegraphenfabrik belieferte zuerst die Bayerische Post und ab 1878 die Preußischen Staatseisenbahnen und zahlreiche ausländische Eisenbahngesellschaften. Wetzer baute eigene Versionen einer von Eduard Selling 1906 entwickelten RechenmaschineBruderer, Herbert (2021): Milestones in Analog and Digital Computing (3. Aufl.) Springer. S. 104. ISBN 978-3-03040973-9., wobei er sie dahingehend verbesserte, dass das Resultat auf einem Papierstreifen ausgedruckt wurdeFranz Maria Feldhaus: Die Technik der Vorzeit, der geschichtlichen Zeit, und der Naturvoelker. Ein Handbuch für Archaeologen und Historiker, Museen und Sammler, Kunsthändler und Antiquare. Leipzig und Berlin 1914, S. 863. 1941 erfolgte die Änderung der Gesellschaftsform von der Einzelfirma „Hermann Wetzer Telegraphenfabrik“ in die Kommanditgesellschaft „Hermann Wetzer KG“.Fritz Wetzer: Hundert Jahre Wetzer 1872–1972 (Festschrift) Auf Grund der Wirtschaftskrise wurde Wetzer 1973 durch die Endress+Hauser-Gruppe übernommen.Von der Firmengründung bis Heute, Endress+Hauser Wetzer