Wingst () ist eine Gemeinde in der Samtgemeinde Land Hadeln im Landkreis Cuxhaven in Niedersachsen.

Geografie Lage Die Gemeinde Wingst liegt rund 35 km südlich der Mündung der Elbe in die Nordsee und nur etwas westlich des Unterlaufs der Oste. Die Ortsteile der Gemeinde befinden sich rund um den Höhenzug Wingst. Sie liegen nordwestlich von Hemmoor an der Bundesstraße B 73 und an der Grünen Küstenstraße.

Im Südwesten der Gemeinde Wingst befindet sich der Balksee. In Altkehdingen befindet sich ein ehemaliges Naturschutzgebiet, der Forst Altkehdingen.

Der Artikel Wingst (Höhenzug) beschreibt die geographischen und geologischen Gegebenheiten der Wingst.

Gemeindegliederung Altkehdingen Bargkamp Dobrock Ellerbruch Geestberg Grift Höden Höftgrube Oppeln Seemoor Süderbusch Voigtding Westerhamm Wassermühle Weißenmoor Zollbaum

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Geschichte Hinweis: Sofern in den folgenden Abschnitten die Schreibweise für Begriffe und Namen von der heutigen Schreibweise abweicht, wurde die Schreibweise aus den Originaldokumenten übernommen.

Der Artikel Geschichte von Hadeln und Wursten hilft, das Folgende einzuordnen.

Besiedlung mini|hochkant=1.3|Großsteingrab in der Wingst aus der Jungsteinzeit Auf dem Gebiet der Wingst haben in der Jungsteinzeit schon viele Menschen gelebt, wie aus vielen Funden und Grabstätten hervorgeht. Die Steingräber und Hügelgräber sind heute noch zu sehen. Durch ihren Schutz vor Überflutungen war die Wingst im Weser-Elbe Dreieck ein idealer Siedlungsplatz. Um Christi Geburt bewohnten die Chauken den Raum beidseitig der Weser und ihre Friedhöfe und Siedlungen konnten auch in der Wingst nachgewiesen werden. Funde römischer Münzen deuten auf einen regen Handel mit römischen Kaufleuten zu dieser Zeit hin. Etwa 300 n. Chr. übernahmen die Sachsen das Land. Im 8. Jahrhundert fiel das Gebiet dann an Karl den Großen und wurde dem Fränkischen Reich eingegliedert. Um die Jahrtausendwende überfielen Wikinger das Land. Die ältesten Siedlungen im Gebiet der Wingst sind vermutlich Cadenberge, Dobrock und Westerhamm.

Erste Erwähnung der Wingst Die Bezeichnung Winx, heute Wingst, wurde erstmals in der Verkaufsurkunde vom 19. März 1301 erwähnt, in der die ehemalige Remperburg am Balksee vom Erzbischof Giselbert von Brunkhorst an die Ritter Erpo von Luneberg und Augustin von Osten überlassen wurde. Der Forst Wingst gehörte zu den bei dem Verkauf inbegriffenen Besitzungen. Hier werden auch die Ortsteile Westerhamm, Oppeln und Kadewisch erwähnt.

In den folgenden Jahren wurde die Wingst allerdings Stück für Stück wieder zurückgekauft und war 1507 wieder vollständig in Besitz des Erzbistums Bremen. Im Dreißigjährigen Krieg musste die Bevölkerung vor allem unter den Schweden leiden. Sie beherrschten das Gebiet noch bis 1712 Hieran erinnert noch heute das Schwedenfeld, auf dem sie ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Ab 17. Jahrhundert bis Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Gut Dobrock (heute Gästehaus des Forsthauses Dobrock) im Besitz des Geschlechtes Bremer, die während dieser Zeit die Entwicklung der Wingst maßgeblich mitgestalteten. Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts hatten schon andere Mitglieder dieser Familie ihren Sitz in Cadenberge mit Besitz in der Wingst.

Bildung der Gemeindestruktur mini|Historische Ortsteile der Wingst seit 1657 Unter dem Begriff Wingst wurden zunächst vor allem die zentral gelegenen Wingsthöhen bezeichnet. Diese waren bis Anfang des 19. Jahrhunderts nur zum kleineren Teil bewaldet vor allem im Bereich der herrschaftlichen bzw. staatlichen Besitzungen auf den Höhen. Der übrige Bereich bestand vor allem im nördlichen Bereich aus Stühbusch im Übrigen aber aus sandigem Boden mit kurzer Heide bewachsen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts begann dann eine Aufforstung.

Im 15. Jahrhundert etablierten die Bremer Erzbischöfe Neuhaus als Verwaltungssitz des östlichen Gebiets des Erzstifts Bremen. Es war damit zuständig für die Kirchspiele Neuhaus, Geversdorf, Oberndorf, Belum, Kehdingbruch, Bülkau, Oppeln und Cadenberge. Neuhaus behielt seine Rolle als Verwaltungszentrum bis 1932 zuletzt als Kreisstadt und bis 1973 noch als Sitz des Amtsgerichts. Die Hauptaufgaben zur erzbischöflichen Zeit waren Gerichtsbarkeit und Eintreiben der Abgaben. Mit der Ausbildung der hierfür nötigen Verwaltungsstrukturen manifestierte sich der Distrikt Wingst, der wechselnde Teile der um die Wingst liegenden etwa 30 Ortschaften zusammenfasste immer mit Ausnahme des am nördlichen Rand liegenden Cadenberge. Die Klammer war hierbei die Gemeinheit. Hierbei handelt es sich um die Wiesen, die dem ganzen Dorf gehörten und vom Vieh des Dorfes gemeinsam abgegrast wurde. Die Wiesen am Rande des Wingster Höhenzugs bildeten die Gemeinheit der um die Wingst liegenden Siedlungen. Die Größe der Wingster Ortschaften wurde wie zu dieser Zeit üblich durch die Anzahl der Feuerstätten (Haushalte) erfasst und bewegte sich dabei zwischen 1 und 30 Feuerstätten. Je Feuerstätte rechnete man dabei mit 4–5 Personen. Eine Aufstellung aus dem Jahr 1657 wies unter anderem folgende Ortsgrößen aus: Grift 27 Feuerstädte, Dobrock 20, Westerhamm 12, Weißenmohr 20, Ellerbruch 4. Das gesamte Kirchspiel Cadenberge hatte zu dieser Zeit 381 Feuerstellen.

mini|Herzogthum Bremen noerdliche Aemter 1791, Wingster Ortsteile werden noch nicht als politische Einheit dargestellt Erste Erwähnung des Distrikt Wingst als organisatorische Einheit findet sich in Aufzeichnungen zur Struktur des Kirchspiels Cadenberge. Wie etwa 1770 nachzulesen bestand das Kirchspiel Cadenberge geographisch aus Kirchspiel Cadenberge Cadenberger District Voigtding Westercadewisch Wingster District bestehend aus den Unterdistrikten Neuendeich Westerhamm Grift Westermoor Die Unterdistrikte bestanden dabei jeweils aus einer größeren Ortschaft mit den umliegenden kleineren Ortschaften und wurde in den Versammlungen durch einen Gevollmächtigten repräsentiert.

1822–1846 fand basierend auf einer Verordnung der Regierung die Wingst-Teilung statt. Ziel war es, die Gemeinheit also den bis dahin der Allgemeinheit gehörenden Besitz in Privateigentum zu überführen. Man war der Überzeugung, dass die Flächen im Privatbesitz effektiver genutzt würden. In der Wingst führte die Teilung zu klaren Besitzverhältnisse zwischen der Forstherrschaft (staatlich), dem Graf Bremer und den Höfen. Da es um die Teilung viele Auseinandersetzungen gab, konnte sie erst nach 24 Jahren abgeschlossen werden. Der staatliche Anteil wurde im Zuge der Teilung mit der Durchsetzung von Ansprüchen und Käufen auch wegen Gebührenforderungen im Zusammenhang mit der Teilung deutlich vergrößert.

Das Gesetz über die Landgemeinde von 1852 trennte die politische Gemeindeverwaltung von der kirchlichen. Die Ortsvorsteher wurden beamtet und folgende Gemeindestruktur für eine Samtgemeinde Cadenberge in Anlehnung an das bestehende Kirchspiel festgelegt: Samtgemeinde Cadenberge bestehend aus drei größeren Gemeinden Cadenberge Voigtding Wingst (eine größere Gemeinde) bestehend aus den Gemeinden Neuendeich Dobrock Weißenmoor Westerhamm Grift Westermoor

Die Gemeinden der Wingst auch Abteilungen genannt setzten sich wiederum aus mehreren Ortsteilen zusammen. Jeder Abteilung stand ein Gemeindebeamter vor. Die Leitung der Samtgemeinde war zunächst strittig, sodass erst 1854 die Leitung der Samtgemeinde durch ein rollierendes Verfahren für den Vorsteher der Samtgemeinde festgelegt wurde.

1874 veranlasste eine neue Verfügung des königlichen Amtes die Gemeindeversammlung der Wingst, einen Standesbeamten auf Samtgemeindeebene abzulehnen und einen eigenen Standesamtsbezirk zu bilden. Dies konnte gegen anfängliche Widerstände durchgesetzt werden. Damit fielen der Wingst wesentliche Verwaltungsbefugnisse zu und sie löste sich damit faktisch aus dem Samtgemeindeverbund mit Cadenberge. Johann Kröncke wurde jetzt zum Hauptvorsteher der Wingst gewählt und ihm das Amt des Standesbeamten der Gemeinde Wingst übertragen. Damit wurde Johann Kröncke der erste Bürgermeister der Wingst.

1936 wurde Ernst-August von der Wense die in Staatsbesitz befindlichen Forstgebiete sowie die ehemals gräflich Bremersche Forste der Wingst übertragen im Tausch gegen die für den Truppenübungsplatz Bergen von der Wehrmacht übernommenen Güter in Wense im Heidekreis. Durch sein Wirken konnte gegen Ende des 2. Weltkriegs größere Zerstörungen der Wingst verhindert werden. Als Bürgermeister ab 1945 nahm er sich der Flüchtlings- und sozialen Probleme nach dem Krieg an. So mussten nach dem Krieg vorübergehend über 1000 Heimatvertriebene versorgt werden (siehe nächsten Abschnitt).

Am 1. Juni 1965 wurde für eine effizientere Verwaltung erneut eine Samtgemeinde gebildet zunächst aus den Mitgliedsgemeinden Cadenberge, Oppeln und Wingst mit dem Namen Samtgemeinde Am Dobrock. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen von 1972 wurde Oppeln und ein Teil von Voigting in die Mitgliedsgemeinde Wingst eingegliedert.

Die Ortsteile der Wingst haben heute keine eigenständigen Strukturen mehr und keine dedizierten Vertreter im Gemeinderat der Wingst. Nur die verschiedenen Schützenvereine und von einigen Ortsteilen betriebene Friedhöfe in der Wingst weisen noch auf die frühere Eigenständigkeit der Ortsteile hin. Dieser Zusammenschluss blieb auch nicht immer ganz spannungsfrei und führte in den 1950er Jahren im Gemeinderat zu Diskussionen, die Wingst in einen Westteil und einen Ostteil zu teilen.

Am 1. November 2016 wurden die Samtgemeinden Land Hadeln und Am Dobrock einschließlich der Mitgliedsgemeinde Wingst zu der Samtgemeinde Land Hadeln zusammengeschlossen.

Zeittafel Zeit Ereignis Jungsteinzeit Grabstätten zeugen von Besiedlung um Christi Geburt bewohnt durch Chauken um 300 Sachsen Übernahmen das Land 8. Jh. Teil des Fränkischen Reichs um 1000 überfielen Wikinger das Land 19.3.1301 erste Erwähnung der Bezeichnung Winx (später Wingst) 1507 wieder im Besitz des Erzbistums Bremen Dreißigjähriger Krieg bis 1712 Schwedenherrschaft 17. Jh. bis Anfang des 20. Jh. Sitz des Geschlechtes Bremer um 1770 erste Erwähnung eines Distrikts Wingst als Zusammenschluss von Gemeinden um den Wingster Wald 1822–1846 Aufteilung des der Allgemeinheit gehörenden Landes an Privatbesitzer und Staat 1847 Postweg von Stade nach Ritzebüttel durch die Marsch mit dem Verlauf der heutigen B73 1852 Trennung von politischer und kirchlicher Gemeindeverwaltung mit einer Gemeinde Wingst 1874 Wingst wird eigenständige Gemeinde mit erstem Bürgermeister Johann Kröncke 1881 Inbetriebnahme der Unterelbebahn mit Bahnhof in Höftgrube 1936 staatliches Forstgebiet der Wingst wird an Ernst August von der Wense übertragen Zweiter Weltkrieg vorübergehender Zuwachs der Bevölkerung von 2000 auf über 3000 Bewohner durch Flüchtlinge und Heimatvertriebene 1.6.1965 Bildung der Samtgemeinde Am Dobrock 1.11.2016 Bildung der Samtgemeinde Land Hadeln

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1848 1367 1910 1900 1925 1866 1933 1891 1939 2077 1950 3232 1956 2767 1973 3369 Jahr Einwohner Quelle 1975 3350 1980 3397 1985 3460 1990 3503 1995 3670 2000 3653 2005 3630 2010 3426 Jahr Einwohner Quelle 2015 3414 2020 3366 2025 3307 2030 2035 2040 2045 2050

mini|zentriert|550px|Einwohnerentwicklung der Wingst von 1848 bis 2020

Die auffälligen Bevölkerungsschwankungen zwischen 1939 und 1973 erklären sich im und nach dem Krieg durch die Heimatvertriebenen und Flüchtlinge. So stieg die Einwohnerzahl im Landkreis Hadeln von 1939 mit 42.482 Einwohnern bis 1950 auf 75.814 Einwohner also um über 33 Tausend und fiel dann wieder bis 1960 auf 61.500 Einwohner um etwa 14 Tausend. Im Jahr 1972 erhöhte sich die Einwohnerzahl wieder durch die oben beschriebene Eingliederung von Oppeln (Einwohnerzahl 408 im Jahr 1956) und einem Teil von Voigting (Einwohnerzahl 313 im Jahr 1956).

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