mini|hochkant|Kupferstichportrait Wolfgang Carl Briegels von Cornelius Nicolaus Schurtz mit gestochener Widmung von Johann Tacke Wolfgang Carl Briegel (* Mai 1626Das in manchen Nachschlagewerken angegebene Geburtsdatum 21. Mai 1626 beruht auf Spekulation. Der Tauftag ist nicht mehr feststellbar, da das Kirchbuch im Dreißigjährigen Krieg verbrannte, vgl. Elisabeth Noack: Wolfgang Carl Briegel: ein Barockkomponist in seiner Zeit. Merseburger Verlag, Berlin 1963, S. 9; . Das Begräbnisprotokoll vom 21. November 1712 verzeichnet das Alter von 86½ Jahren, woraus das ansonsten nicht nachweisbare Geburtsdatum 21. Mai errechnet wurde, siehe: Johann Heinrich Fölsing: Biographisches über Wolfgang Carl Briegel. Kichler, Darmstadt 1853, auch in: Allgemeine Schulzeitung. Jg. 30, Nr. 11, 25. Januar 1853, Sp. 89–95 und Nr. 12, 27. Januar 1853, Sp. 97–103, hier Sp. 93; . Vgl. . in Königsberg, Sachsen-Weimar, heute Unterfranken; † 19. November 1712 in Darmstadt) war ein deutscher Komponist.

Leben mini|Geburtshaus von Wolfgang Carl Briegel in Königsberg (Unterfranken) Wolfgang Carl Briegel war Sohn eines Apothekers. Die Familie floh infolge der Besetzung seines Geburtsortes durch die Truppen von Tilly im März 1632 nach Nürnberg. Er wurde dort 1636 wegen seiner schönen Sopranstimme in den Hauptchor der Frauenkirche aufgenommen. Er studierte vier Semester in Altdorf bei Nürnberg und war Schüler von Johann Staden und Johann Erasmus Kindermann. 1645 wurde Briegel Organist an der Johanniskirche in Schweinfurt und schrieb bereits seine ersten Kompositionen. 1651 wurde er von Herzog Ernst dem Frommen als Hofkantor in Gotha berufen und wurde später Hofkapellmeister und Musiklehrer der Kinder des Herzogs. 1671 berief ihn Elisabeth Dorothea, seine beste Schülerin und älteste Tochter des Herzogs, als Hofkapellmeister nach Darmstadt. Briegel bewohnte ab 1680 ein Haus in der Vorstadt im Birngarten.

Er schuf neben umfangreich besetzten Werken zahlreiche einfache Gebrauchsmusiken für die kirchenmusikalischen Praxis. Mit seinem Schwiegersohn Henning Müller gab er Das grosse Cantional heraus, mit dem der Kirchengesang in Hessen auf eine verbindliche Grundlage gestellt wurde. Er wurde 1709 nach erfolgreichem Wirken durch Christoph Graupner ersetzt und trat in den Ruhestand. Er starb im November 1712 und wurde neben der Stadtkapelle begraben. Briegel schrieb etliche Werke geistlicher Chormusik, Singspiele und Instrumentalsuiten.

mini|Gedenkplatte an der Stätte des Wohnhauses von Wolfgang Carl Briegel, Georg Joseph Vogler und Giacomo Meyerbeer in Darmstadt, Karolinenplatz

Ehrungen In seinem Geburtsort Königsberg in Bayern (Landkreis Haßberge) wurde die Briegelstraße nach ihm benannt. 1963 wurde in Darmstadt der Briegelweg nach ihm benannt. Am nordöstlichen Rand des Karolinenplatzes in Darmstadt zwischen dem früheren Staatstheater und der Technischen Universität befindet sich eine Gedenkplatte.

Werke Bühnenwerke Von den freien Künsten, Ballett, 2. Juli 1661, Gotha Musikalischer Freudenwunsch, Ballett, 1. Oktober 1665, Gotha Wedding ballet, 5. Dezember 1666, Gotha Das verliebte Gespenst, Oper, 1673, Darmstadt Triumphierendes Siegespiel der wahren Liebe (Comédie, J. Mylius), 8. Juni 1673, Darmstadt Das verbesserte Parisurteil, Opéra-Ballet, 6. Januar 1674, Darmstadt Die beglückwünschte Majorennität des Fürsten, 22. Juni 1676, Darmstadt Quadriga activa, festival piece, 25. Januar 1677 Bewillkommende Frühlingsfreude, Ballett, 6. Mai 1683 Das Band der beständigen Freundschaft, Singspiel, 8. Mai 1683, Darmstadt Die siegende Weisheit, 8. Januar 1686 Die wahren Seelenruhe oder gekrönte Eustathia, Tragikomödie, Mai 1686, Darmstadt Die triumphierende Tugend, Opéra-Ballet, 29. Juli 1686, Darmstadt L’enchantement de Medée, Ballett, 11. November 1688, Darmstadt Tugendgespräch, allegorische Komödie, 19. November 1700 weitere Ballette und Bühnenmusik, 1683, 1687, 1700, 1705

Kantaten mini|hochkant|Musicalischer Lebens-Brunn (1680), Titelblatt Evangelische Gespräch. I–III, 5–10 Stimmen (Mühlhausen und Darmstadt 1660–1681) Evangelischer Blumengarten. I–IV, 4 Stimmen, B. c. (Gotha, 1660–69) J. S. Kriegmanns Evangelisches Hosianna, 1–5 Stimmen, Instrumente, B. c. (Frankfurt am Main 1677) Musicalische Trostquelle, 4 Stimmen, 2/4 Violinen, B. c. (Darmstadt 1679) Musicalischer Lebensbrunn, 4 Stimmen, 4 Instrumente, B. c. (Darmstadt 1680) Christian Rehefelds evangelischer Palmenzweig, 1–5 Stimmen, 2–5 Instrumente, B. c. (Frankfurt am Main 1684) J.G. Braunens, Cithara Davido-Evangelica, 4 Stimmen, 2 Violinen, B. c. (Gießen 1685) Concentus apostolico-musicus, 3/4 Stimmen, 2 Violinen, B. c. (Gießen 1697) weitere unveröffentlichte Werke

Geistliche Vokalmusik Psalter Davids, Teil I, 4 Stimmen (Gotha 1654) Geistlicher musikalischer Rosengarten, 1–5 Stimmen, Instrumente (Gotha 1658) Geistlicher Arien, Teil I, 1, 2 Stimmen, 2 und mehr Violinen, B. c. (Gotha 1660) Geistlicher Arien, Teil II, 1, 2 Stimmen, 2 und mehr Violinen, B. c. (Mühlhausen 1661) Die Verschmähete Eitelkeit (Lieder nach Johann Rist) (Gotha 1669), verloren Geistliche Oden Andreae Gryphii, 1/2 Violinen, B. c. (Gotha 1670) Zwölf madrigalische Trostgesänge, 5/6 Violinen (Gotha 1670–1671) Geistliche Gespräche und Psalmen, 6 Stimmen, B. c. (Gotha 1674) Das große Cantional oder Kirchen-Gesangbuch (Darmstadt 1687) Des Königs und Propheten Davids sieben Bußpsalmen, 6/4 Stimmen, 2 Violinen, B. c. (Gotha 1692) Letzter Schwanen-Gesang, 4/5 Stimmen, B. c. ad Libitum (Gießen 1709) Ten wedding and funeral songs, 2–6 Stimmen, Instrumente (Gotha 1653–1670) One funeral song, 4 Stimmen (Darmstadt, 1678) Three funeral songs, 5 Stimmen (nicht gedruckt, 1664–1679) weitere Gelegenheitskompositionen in Sammlungen

Instrumentalwerke 10 Paduanen, 10 Galliarden, 10 Balletten, 10 Couranten, a 3, 4 (Erfurt 1652) Intraden, Sonaten, a 4, 5 (Leipzig/Erfurt 1669) Allemanden und Couranten (Jena, 1664) Musikalisches Tafelkonfekt, 4 Stimmen, 2 Violinen, B. c. (Frankfurt am Main 1672) Musikalischer Erquickstunden, 4 Stimmen, Streichinstrumente, B. c. (Darmstadt 1679); verloren Orgelwerke im Manuskript, D-Dl; Acht Fugen durch die Kirchentöne

Literatur

Friedrich Noack: Wolfgang Carl Briegel als Liedkomponist. In: Die Musikforschung. 2. Jahrgang, 1949, Heft 2/4, S. 180–187; .

Elisabeth Noack: Wolfgang Carl Briegel: ein Barockkomponist in seiner Zeit. Merseburger Verlag, Berlin 1963.

Helmut Fleinghaus: Briegel, Wolfgang Carl. In: Wolfgang Herbst (Hrsg.): Wer ist wer im Gesangbuch? 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2001, ISBN 3-525-50323-7.

Oswald Bill: Briegel, Wolfgang Carl. In: Roland Dotzert et al.: Stadtlexikon Darmstadt. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-1930-3, S. 107 (Online-Version). Helmut Roob, Günter Scheffler: Briegel, Carl Wolfgang. In: Dies.: Gothaer Persönlichkeiten. Taschenlexikon. 2. Auflage. RhinoVerlag, Ilmenau 2006, ISBN 3-932081-37-4, S. 26.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Komponist (Barock) Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Komponist (Oper) Kategorie:Komponist (Ballett) Kategorie:Komponist (Kirchenmusik) Kategorie:Christlicher Kantor Kategorie:Hofkapellmeister Kategorie:Musiker (Darmstadt) Kategorie:Person (Königsberg in Bayern) Kategorie:Geboren 1626 Kategorie:Gestorben 1712 Kategorie:Mann