mini|300px|Luftbild (2008) Wald ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Sigmaringen.
Geographie Geographische Lage Wald liegt 20 Kilometer nördlich des Bodensees in der südlich der Schwäbischen Alb vorgelagerten Endmoränenlandschaft der letzten Eiszeiten, jeweils etwa acht Kilometer von den Städten Meßkirch und Pfullendorf entfernt. Der niedrigste Punkt des Gemeindegebietes liegt nördlich des Ortsteils Walbertsweiler bei 628 Meter ü. NN, der höchste mit 689 Metern ü. NN im Ortsteil Rothenlachen. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 4385 Hektar (Stand: 31. Dezember 2025).Die Ortsteile und Zahlen, Daten, Fakten auf der Internetseite der Gemeinde Wald Das Gemeindegebiet wird hauptsächlich durch den Ringgenbach, den Kehlbach, den Lindenbach, den Riedlebach und den Burraubach entwässert. Der gestaute Riedlebach speist den zum Kloster gehörenden Weiher in der Ortsmitte.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem Kernort Wald und den Ortsteilen Glashütte, Hippetsweiler, Kappel, Reischach, Riedetsweiler, Rothenlachen, Ruhestetten, Sentenhart und Walbertsweiler.
Zu einigen Teilgemeinden gehören noch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben. Dies sind Allmannshofen, Binderhöfe, Bohlerhöfe, Burraumühle, Löcherberg, Oberkappel und Steckeln.
Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 31. Dez. 2025) Fläche(Stand: 31. Dez. 2025) 30px|Wald Wald (Kernort) 946 827,47 ha 30px|Glashütte Glashütte 87 178,66 ha 30px|Hippetsweiler Hippetsweiler 177 348,73 ha 30px|Kappel Kappel 107 334,66 ha 30px|Reischach Reischach 72 217,61 ha 30px|Riedetsweiler Riedetsweiler 87 203,61 ha 30px|Rothenlachen Rothenlachen 40 217,26 ha 30px|Ruhestetten Ruhestetten 172 643,29 ha 30px|Sentenhart Sentenhart 408 575,80 ha 30px|Walbertsweiler Walbertsweiler 701 839,57 ha Schutzgebiete
In Wald gibt es mit den Gebieten Ruhestetter Ried und Egelseewiesen zwei Naturschutzgebiete. Um das Naturschutzgebiet Ruhestetter Ried liegt zudem das Landschaftsschutzgebiet Ruhestettener Ried. Beide gehören zum FFH-Gebiet Riede und Gewässer bei Mengen und Pfullendorf.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Südansicht des Klosters Wald mit Klosterweiher mini|Klosteranlage (Bild um 1685) Bereits aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit fanden sich in der Gegend Siedlungsspuren. So fanden sich im Egelseemoor beim Ortsteil Ruhestetten Reste von Pfahlbauten aus dem Neolithikum. Funde von Steinbeilen und Gefäßen beim Ortsteil Glashütte lassen ebenfalls vermuten, dass bereits gegen Ende des dritten Jahrtausends v. Chr. und in der Spätjungsteinzeit in dieser Gegend Menschen gelebt haben. Frühkeltische Grabhügel in der Umgebung von Rothenlachen, die bereits im 19. Jahrhundert ausgegraben wurden, stammen aus der späten Hallstattzeit.
Der Ort lag im Frühmittelalter im Bereich der Goldineshuntare, dann im Gau Ratoldesbuch, später in der Grafschaft Sigmaringen.
Die erste urkundliche Erwähnung erfuhr das Dorf, als der Stauferkönig Philipp von Schwaben die Vogtei Wald für 30 Mark und die Vogtei Hippetsweiler an die Brüder von Fronhofen verkaufte. Dieser undatierte Verkauf muss spätestens im Jahr 1208 stattgefunden haben, denn das war das Todesjahr des Königs. Bald darauf haben die Brüder dann Wald an die Herren von Balbe verkauft, die es wiederum zum Preis von 55 Mark an den kaiserlichen Ministerialen Burkhard von Weckenstein verkauften. Dieser gründete hier im Jahre 1212 für seine beiden Schwestern Judinta und Ita das Kloster Wald.Südkurier vom 9. Februar 2008
1783 wurde Wald vorderösterreichische Provinz.
Die Geschichte des Dorfes lief parallel zu der des Klosters. Zur klösterlichen Herrschaft, die unter der Ägide der Reichsabtei Salem stand, zählten bis zu jenem Jahr auch die Orte Walbertsweiler, Kappel, Glashütte, Otterswang, Reischach, Gaisweiler, Weihwang, Tautenbronn, Hippetsweiler, Riedetsweiler, Rothenlachen und Ruhestetten.Alfred Th. Heim: Leben mit geistlichen und weltlichen Herren. In: Südkurier vom 27. August 2005 Bei der Säkularisation aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde das Kloster 1806 aufgelöst und sein Territorium fiel an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen. Die klösterliche Gemeinschaft bestand noch bis Anfang der 1850er Jahre, sie lebte von Pensionen des Fürsten.Wald (Altgemeinde/Teilort) auf den Seiten von www.leo-bw.de (landeskundliches Informationssystem für Baden-Württemberg)
Unmittelbar nach der Inbesitznahme der Klosterherrschaft Wald durch das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen wurde in Wald ein fürstliches Oberamt mit Sitz in den Klostergebäuden errichtet. Als das Fürstentum als Hohenzollernsche Lande 1850 an Preußen fiel, wurde das hohenzollerische Oberamt Wald bis zu seiner Aufhebung 1861 preußisch, auch wurde das Dorf Sitz eines eigenen Amtsgerichts, auch im Klostergebäude untergebracht. 1862 wurde das Oberamt dem Oberamt Sigmaringen eingegliedert, das 1925 zum Kreis Sigmaringen wurde.
In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Wald eines von fünf Lagern des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen preußisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen.Edwin Ernst Weber: Sophie Scholl im Reichsarbeitsdienstlager Schloss Krauchenwies. In: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben (Hrsg.): Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen. 2012. S. 30 Hierzu wurde ab 1938 ein Teil des Klostergebäudes zur Verfügung gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten dort die französischen Besatzungstruppen 1945 ein Lager für verschleppte Personen ein.
Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden neun umliegende Gemeinden nach Wald eingemeindet. So kamen zum 1. Januar 1971 Hippetsweiler, Riedetsweiler und Rothenlachen zur Gemeinde. Zum 1. Juni 1972 folgte Reischach und zum 1. Januar 1973 das früher badische Sentenhart. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Januar 1975 mit der Eingliederung von Glashütte, Kappel, Ruhestetten und Walbertsweiler abgeschlossen.
Religion mini|hochkant|Friedhof Wald Der Großteil der Bevölkerung der Gemeinde ist römisch-katholisch, wie in allen ehemals zu Hohenzollern gehörenden Orten.
Evangelische Christen in Wald gehören der Evangelischen Kirchengemeinde Ostrach-Wald im Kirchenbezirk Balingen an. Ein Kuriosum, denn zwischen der politischen Gemeinde Wald und Ostrach liegt die Gemeinde Pfullendorf. In der Struktur der Evangelischen Kirchengemeinde spiegelt sich die Zerrissenheit der politischen Landschaft des süddeutschen Raums vor der Gründung des Deutschen Reichs wider. Die freie Reichsstadt Pfullendorf wurde 1805 Baden zugeschlagen und gehört deshalb heute zur Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Evangelische Landeskirche in Hohenzollern schloss sich 1950 der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an. Die Struktur neuer evangelischer Kirchengemeinden in Oberschwaben in den 1950er-Jahren wie in Ostrach folgte diesem Muster. Bedingt durch die Flüchtlinge aus dem Osten wurde die Zahl der evangelischen Christen in kleinen Gemeinden groß genug, um eigene Kirchengemeinden zu bilden. Ostrach und Wald, historisch zu Hohenzollern gehörend, kamen deshalb als eine Kirchengemeinde zusammen. In Wald gibt es kein eigenes evangelisches Kirchengebäude. Gottesdienst wird im Kapitelsaal der katholischen Klosterkirche St. Bernhard gefeiert.Volker Knab: Die Gemeinschaft ist klein und trotzdem lebendig. Evangelische Christen in Ostrach und Wald bilden eine Einheit. In: Schwäbische Zeitung vom 9. September 2011
Politik mini|Rathaus von Wald (ehemaliges Schulgebäude) Gemeinderat Der Gemeinderat von Wald umfasst zwölf ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Bis einschließlich 2004 wurde er nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, die zur Wahl 2009 abgeschafft wurde. Die letzte Wahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,4 Prozent zu folgendem Ergebnis:
+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil(2024) Sitze(2024) Ergebnis 2019 Ergebnis 2014 CDU 37,0 % 4 32,8 %, 4 Sitze 37,2 %, 5 Sitze Unabhängige Liste 63,0 % 8 49,8 %, 6 Sitze 51,7 %, 7 Sitze Bürgergemeinschaft Freie Wähler/Grüne Initiative – – 17,4 %, 2 Sitze 11,1 %, 2 Sitze
Darüber hinaus besteht für die Ortsteile Glashütte/Kappel und Sentenhart jeweils ein eigener Ortschaftsrat.
Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist seit 1. Juni 2020 Joachim Grüner. Er setzte sich im ersten Wahlgang mit 87,2 % der Stimmen gegen zwei Mitbewerber durch und trat die Nachfolge von Werner Müller an, der davor 27 Jahre lang Bürgermeister gewesen war.
Georg Koch (Kreiswahlgemeinschaft Sigmaringen-Gammertingen) Franz Sales Koch (Hohenzollerischer Bauernbund/Kampffront Schwarz-weiß-rot) bis 1969: Josef Kaiser 1969–1993: Arthur Zeh 1993–2020: Werner Müller (CDU) seit 2020: Joachim Grüner
Wappen
Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Wald unterhält partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Wald im Landkreis Cham, Bayern, und zur Gemeinde Wald im Kanton Zürich, in der Schweiz.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Gemeinde Wald bildet zusammen mit der Stadt Pfullendorf und den Gemeinden Illmensee, Ostrach und Wilhelmsdorf die 1999 gegründete Ferienregion „Nördlicher Bodensee“.Gemeinsam für den Tourismus. In: Südkurier vom 5. Dezember 2011
Wald ist Zielort des Beuroner Jakobsweges, der in Tübingen beginnt. Das Dorf liegt außerdem an den Ferienstraßen Oberschwäbische Barockstraße und Hohenzollernstraße.
Bauwerke Sakrale Bauwerke Kloster Wald: Das Zisterzienserinnenkloster wurde im Jahre 1212 durch den staufischen Reichsministerialen Burkard von Weckenstein für seine Schwestern Judintha und Ita gegründet, jedoch im Dreißigjährigen Krieg beinahe völlig zerstört. Das heutige Gebäude und die Klosterkirche sind Barockbauten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Heute ist an das Benediktinerinnenkloster der Heiligen Lioba die Heimschule Kloster Wald angeschlossen, die Mädcheninternat, Gymnasium und Lehrwerkstätten vereint. Eine Besichtigung ist deshalb nicht möglich.Auf dem Jakobsweg von Gammertingen nach Pfullendorf. S. 52–59. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. Der Konventsaal trägt eine Stuckdecke und Deckenfresken. mini|Klosterkirche St. Bernhard Pfarrkirche St. Bernhard: Die ehemalige Klosterkirche, die im 13. Jahrhundert als dreischiffige gotische Kirche gebaut wurde, ist 1696 bis 1698 von Vorarlberger Jos Beer als einschiffige Barock-Rokokokirche mit weit in das Schiff hineinreichender Nonnenempore umgestaltet worden. Äbtissin Maria Dioskora von Thurn und Valsassina ließ die Kirche mit dem luftig-leichten Rokoko und dem von Putten umspielten Barockstil ausschmücken.Karl-Heinz Fahlbusch: Juwel des Barock. Renovierung der Aichgasserorgel in der Klosterkirche. In: Südkurier vom 24. April 2009 Die Stuckarbeiten sind Ausführungen von Johann Jakob Schwarzmann. Sie kann besichtigt werden. Weiterhin gibt es in Wald die Friedhofskapelle und die Wegekapelle mit Kreuzigungsgruppe. Im Ortsteil Kappel steht die Kapelle St. Martin aus dem Jahr 1716. Ihr Renaissancealtar ist bereits ins Jahr 1568 zu datieren. Zur Ausstattung gehören weiterhin wertvolle Figuren. In Reischach befindet sich die Kapelle St. Agatha aus dem 18. Jahrhundert. Die Sentenharter Kirche St. Remigius mit ihrem staffelförmigen Kirchturm dürfte bereits um 1300 als Wehrkirche entstanden sein. Das Kirchenschiff ist ein späterer Neubau. Die Kirche St. Gallus in Walbertsweiler ist ein moderner zweckmäßiger Bau mit schlichter Innenausstattung von 1961, errichtet, nachdem der Turm der Vorgängerkirche eingestürzt war.