mini|hochkant|Wappen des Saarlandes mit dem silbernen Löwen der Grafschaft Saarbrücken, dem Georgskreuz des Erzstiftes und Kurfürstentums Trier, den silbernen Adlern des Herzogtums Lothringen sowie dem goldenen Löwen des wittelsbachischen Herzogtums Pfalz-Zweibrücken; Entwurf des Landesarchivs Saarbrücken aus dem Jahr 1956 unter Bezugnahme auf die wichtigsten historischen Territorien des heutigen Saarlandes

Die Geschichte des Saarlandes umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des deutschen Landes Saarland von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Das Saarland (von 1920 bis 1935 meist Saargebiet genannt) ist seit 1957 ein Land im Südwesten der Bundesrepublik Deutschland, an der mittleren Saar gelegen. Die Landeshauptstadt ist Saarbrücken.

Hinsichtlich der Antike, der Völkerwanderungszeit und des beginnenden Mittelalters geben reiche archäologische Funde Zeugnisse für die keltische, römische sowie fränkische Besiedelung der Saarregion.

Das Gebiet des heutigen Saarlandes kam im Jahr 925 mit dem fränkischen Lotharingien zum Ostreich, aus dem sich das spätere Heilige Römische Reich entwickelte. In der Zeit des Feudalismus waren das Erzstift und Kurfürstentum Trier, das Herzogtum Lothringen, das wittelsbachische Herzogtum Pfalz-Zweibrücken sowie die Grafschaft Saarbrücken die wichtigsten Territorialherren auf dem Gebiet des heutigen Saarlandes.

Mit dem Vertrag von Nürnberg im Jahr 1542, in dem das Reich dem Herzogtum Lothringen eine staatsrechtliche Sonderstellung als freies und unabhängiges Herzogtum zuerkannte, verwandelte sich das Land an der Saar zunehmend in ein umkämpftes Grenzgebiet. Es stand im Laufe seiner jüngeren Geschichte zeitweise unter dem Einfluss Frankreichs oder dessen staatlicher Hoheit.Walter Mohr: Das Herzogtum Lothringen zwischen Frankreich und Deutschland (14.–17. Jahrhundert). Teil IV, Trier 1986, S. 163ff.Klaus Geiben: Verfassung und Verwaltung des Herzogtums Lothringen unter seinem letzten Herzog und einstigen König der Polen Stanislaus Leszczysnki. Saarbrücken 1989, S. 8ff.

So kam es im Zuge der Reunionspolitik unter König Ludwig XIV. (Province de la Sarre, 1680 bis 1697), infolge der Französischen Revolution bzw. unter Napoleon Bonaparte (Département de la Sarre, 1794/98 bis 1815), als Saargebiet (Territoire du Bassin de la Sarre, 1920 bis 1935) und als autonomer Saarstaat (État Sarrois, 1947 bis 1956) zu einer Abtrennung von Deutschland.

Eine vollständige Annexion des Gebietes an der Saar durch Frankreich nach den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts verhinderten insbesondere die Regierungen der Vereinigten Staaten von Amerika sowie des Vereinigten Königreiches Großbritannien und Nordirland – in letzterem Fall zusätzlich die Regierung der Sowjetunion.Gabriele B. Clemens: Mandatsgebiet des Völkerbundes, in: Hans-Christian Herrmann. In: Johannes Schmitt (Hrsg.): Das Saarland – Geschichte einer Region. Historischer Verein für die Saargegend, St. Ingbert 2012, S. 219–261, hier S. 221.Rainer Hudemann, Armin Heinen (Hrsg.): Das Saarland zwischen Frankreich, Deutschland und Europa 1945–1957, Ein Quellen- und Arbeitsbuch. Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-939150-02-2, S. 46.

Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gehörte das Gebiet nach dem Wiener Kongress größtenteils zum Preußischen Staat sowie zum Königreich Bayern (1815/16 bis 1918) bzw. nach dem Sturz der Monarchie durch die Novemberrevolution zum Freistaat Preußen und zum Volksstaat Bayern (1918).

Eine wesentliche Grundlage für die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Landes waren bzw. sind seine reichen Bodenschätze (Steinkohle, Erze), sein Waldreichtum sowie die sich daraus entwickelnde Industrie und die damit zusammenhängende hohe Bevölkerungskonzentration.

Vor- und Frühgeschichte mini|hochkant|Faustkeil von Ludweiler, ca. 120.000 v. Chr., maximale Stärke: 4,6 cm, Breite: 10 cm, Länge: 22,1 cm Zeugnisse menschlicher Besiedlung des heutigen Saarlandes reichen bis in die Altsteinzeit vor rund 100.000 Jahren zurück. Während dieser Zeit zogen Großwildjäger durch das Saartal und hinterließen Faustkeile und Überreste von Lagerplätzen.Marco Reuther: Wo wir herkommen – Die Geschichte der „ersten Saarländer“. In: Saarbrücker Zeitung. 12. Mai 2019, saarbruecker-zeitung.de abgerufen am 26. März 2021. Der aus Feuerstein gefertigte Faustkeil von Ludweiler zählt zu den ältesten Spuren menschlicher Besiedlung im Saarland. Anhand seiner typologischen Gestaltung wird er ans Ende des frühen Mittelpaläolithikums in die Kultur des Jungacheuléen eingeordnet (ca. 120.000 v. Chr.). Mit dem Beginn des Mittelpaläolithikums vor ca. 200.000 Jahren verbreitete sich in Europa die neue Menschenform des Homo sapiens praeneanderthalensis, die im späten Mittelpaläolithikum vom Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis) abgelöst wurde. Ab dieser Zeit ist mit einer durchgehenden Besiedlung des Saar-Mosel-Raumes zu rechnen. Neben Siedlungsplätzen unter Felsüberhängen bzw. im Vorderbereich von Höhlen wurden Lagerplätze an Gewässern oder auf Terrassen und Bergkuppen angelegt, die dem Jäger den Ausblick auf die offenen Steppen- und Graslandschaften erlaubten. Gejagt wurden bevorzugt Elefanten, Nashörner, Pferde, Auerochsen, Riesenhirsche sowie Hirsche und Rehe.Pierre Ziesaire: Paläolithikum und Mesolithikum im Saar-Mosel-Raum, Der Kreis Merzig-Wadern und die Obermosel zwischen Nennig und Metz (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. 24), Stuttgart 1992, S. 22–30.Andrei Miron, Auguste Schäfer: Verborgen – Entdeckt, Ein Streifzug durch die Vor- und Frühgeschichte des Saarlandes. Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarbrücken 1993, S. 10–11.

Funde von Feuersteinmessern sowie steinernen Spitzen von Lanzen und Pfeilen können der jüngeren Altsteinzeit zugeordnet werden. Für die Zeit des letzten Maximums der Eiszeit können keine menschlichen Besiedlunghinterlassenschaften nachgewiesen werden. Mit der Klimaerwärmung des Holozäns vor etwa 10.000 Jahren begannen sich die Flora und Fauna des Saarlandes stark zu verändern, was nicht ohne Auswirkungen auf die Lebensweise der dort lebenden Menschen blieb. Wälder breiteten sich über das Land aus und ersetzten die eiszeitliche Fauna. Da die neu eingewanderten Jagdtiere ortsfest blieben, ermöglichten sie den Menschen an der Saar und ihren Nebenflüssen in der Mittelsteinzeit bessere Ansiedlungen. mini|hochkant|Gollenstein bei Blieskastel, ein etwa 4000 Jahre alter Menhir Mit der weiteren Erwärmung des Klimas in der Jungsteinzeit entwickelten die Menschen anspruchsvollere Steinwerkzeuge und die Landwirtschaft verbreitete sich. Durch Ackerbau und Viehzucht wurde eine ganzjährige Sesshaftigkeit ermöglicht und die Bevölkerungszahl stieg an. Zeugnisse der neolithischen Revolution im Saarland sind bei archäologischen Grabungen gefundene Getreidemahlsteine in der Nähe von Neunkirchen, Merzig und zahlreichen anderen Orten. Ebenso künden geschliffene und polierte Steingeräte und präzis durchbohrte Beilklingen zur Aufnahme von hölzernen Stielen vom handwerklichen Fortschritt. Die große Zahl von aufgefundenen Steinbeilen lässt auf eine dichte Besiedelung zu dieser Zeit schließen. Hinsichtlich der Bodenbearbeitung wurde in Überherrn ein großer durchbohrter Pflugkeil aus Stein gefunden. Große Menhire wie der sieben Meter hohe Gollenstein bei Blieskastel, der größte Menhir Mitteleuropas, oder der fünf Meter hohe Spellenstein bei Rentrisch sind schwer datierbar. Ihre Herstellung und Aufrichtung könnte dem Zeitraum von der Jungsteinzeit bis zur Bronzezeit zuzuordnen sein.Kurt Hoppstädter: Von der Naturlandschaft zur Kulturlandschaft – Die vorgeschichtliche Zeit. In: Kurt Hoppstädter, Hans-Walter Herrmann (Hrsg.): Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes – Vom Faustkeil zum Förderturm. Band 1 (unter Mitwirkung von Erhard Dehnke), Saarbrücken 1960, S. 29–44.

Im 2. Jahrtausend v. Chr. entwickelte sich im Saarland eine Kultur der Metallbearbeitung. Davon zeugen Depotfunde mit Bronzeäxten, Beilen, Schwertern, Trensen und Schmuck, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts bei Straßenbauarbeiten an der mittleren Saar entdeckt wurden. Bei St. Barbara fand man eine Kupfermine. Im Jahr 2007 entdeckte man in Erfweiler-Ehlingen einen spätbronzezeitlichen Schatz, der wohl wegen einer kriegerischen Bedrohung im Boden versteckt worden war. Mehrere Grabhügel im Saarland geben Zeugnis von der sozialen Herausgehobenheit der Bestatteten und deuten auf eine Elite in der Region hin. Durch die Verteilung von Grabfunden zeigen sich Siedlungsschwerpunkte an der Saar und an der Blies, die einen günstigen Ackerbau ermöglichten. Namen und Sprache der damaligen Bewohner des Saarlandes sind bisher unbekannt.Wolfgang Behringer, Gabriele Clemens: Geschichte des Saarlandes. München 2009, S. 8–10.

Keltische Zeit mini|links|Rekonstruierte Grabhügel in Reinheim (Europäischer Kulturpark Bliesbruck-Reinheim) mini|hochkant|Reinheimer Kanne, Replikat des stark korrodierten Originals mini|links|Goldschmuck einer keltischen Adeligen aus einem Grabhügel bei Reinheim mini|Keltischer Ringwall bei Otzenhausen

Schon zu Anfang der Eisenzeit entdeckten Erzschürfer im Saartal Eisenvorkommen, die sie für die Herstellung von Werkzeugen und Waffen ausbeuteten. Im Vergleich zur Bronzezeit muss die Bevölkerung des Saarlandes ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. stark angewachsen sein, was archäologische Funde und Bestattungsplätze bestätigen. Die saarländischen Grabhügel aus der Epoche der Hallstattzeit befinden sich meist auf Höhenzügen, wohin auch die Siedlungen aus den überschwemmungsgefährdeten Talgründen der Saar verlegt werden. In dieser Zeit werden auch erstmals die bewaldeten Mittelgebirgszonen des Saarlandes besiedelt. Eine erste regionale Kulturgruppe stellt die Hunsrück-Eifel-Kultur in der Zeit zwischen dem sechsten und dritten vorchristlichen Jahrhundert dar. Sie zeichnet sich durch Grabhügelfelder mit Körperbestattungen und Beigaben aus. Der Übergang von der Hunsrück-Eifel-Kultur in die Zeit der keltischen Treverer verlief bruchlos.