Inzigkofen ist eine Gemeinde im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Zu Inzigkofen gehören zwei Teilorte (Vilsingen und Engelswies) und zwei Weiler (Dietfurt und Pault). Das 1975 zu Inzigkofen eingemeindete Thiergarten gehört seit 1977 zur Gemeinde Beuron.

Geographie mini|300px|Inzigkofen über dem Donautal

Lage und Nachbargemeinden Inzigkofen liegt am südwestlichen Rand der Schwäbischen Alb an der Donau im Naturpark Obere Donau, etwa drei Kilometer westlich der Kreisstadt Sigmaringen. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 2876 Hektar (Stand: 31. Dezember 2010).Angaben nach Sonja Köser, Bürgerbüro der Gemeinde Inzigkofen, vom 18. Januar 2011.

Inzigkofen grenzt im Westen, Norden und Osten an Sigmaringen, im Süden an Meßkirch.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem namensgebenden Inzigkofen (mit Weiler Pault) und den Ortsteilen Engelswies und Vilsingen (mit Weiler Dietfurt).

Wappen Teilort Einwohner(Stand: 11. Juni 2015)WIR - Gemeinde Inzigkofen, S. 7 Fläche(Stand: 11. Juni 2015) 30px|Inzigkofen Inzigkofen (Hauptort)mit Nickhofund Pault 1335 931 hadavon 172 ha Nickhofund 398 ha Pault 30px|Engelswies Engelswies 604 749 ha 30px|Vilsingen Vilsingenmit Dietfurt 850 1196 ha

Schutzgebiete

In Inzigkofen liegt das Naturschutzgebiet Morgenweide. Die Inzigkofener Donauaue gehört zum Landschaftsschutzgebiet Donau- und Schmeiental, zum FFH-Gebiet Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen sowie zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.

Inzigkofen liegt außerdem im Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|Das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen Frühe Geschichte Das Gebiet von Inzigkofen und seinen Ortsteilen war bereits in ur- und frühgeschichtlicher Zeit Siedlungsraum. So fanden sich unter anderem menschliche Spuren in den prähistorischen Fundschichten der Burghöhle Dietfurt (Urnenfeldzeitlicher Estrich mit Kreisverzierungen), ein bronzezeitlicher Hortfund von der Eremitage bei Inzigkofen (Bronzesicheln, Wellhornschnecke und Eberzahn), ein hallstattzeitlicher Grabhügel bei VilsingenSiegwalt Schiek: Das Hallstattgrab von Vilsingen. Zur Chronologie der späthallstattzeitlichen Fürstengräber Südwestdeutschlands. In: Tübinger Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte. Festschrift für P. Goessler. Tübingen 1954, S. 150ff. mit bronzenen Gefäßen. Eine sogenannte „rhodisch-milesische“, wahrscheinlich etruskische Kleeblattkanne aus Bronze, die ein Landwirt ausgegraben hatte, könnte auf Handelsbeziehungen hindeuten.Paul Reinecke: Altgriechische Bronzekanne von Vilsingen bei Sigmaringen. Des Weiteren fanden sich zwischen Inzigkofen und Laiz Überreste eines römischen Gutshofs (siehe Villa Rustica (Inzigkofen)) und ein alamannisches Grab auf der Eremitage (drei beigesetzte Personen mit deutlichen Kampfverletzungen, wie zum Beispiel einem gespaltenen Schädel).Edwin Ernst Weber: Die Vor- und Frühgeschichte im Landkreis Sigmaringen. Hrsg. vom Landkreis Sigmaringen, Stabsbereich Kultur und Archiv, und Kulturforum Landkreis Sigmaringen e. V. 2009.

Die heutigen Ortsteile Engelswies und Vilsingen wurden nach der Eingliederung Alemanniens in das Fränkische Reich in einer Schenkungsurkunde des Grafen Berthold an das Benediktinerkloster St. Gallen aus dem Jahre 793 genannt.Angela Vielstich, Edwin Ernst Weber: Der »Dreiländerkreis« Sigmaringen im geschichtlichen Überblick. In: Dirk Gaerte (Hrsg.), Edwin Ernst Weber (Konzeption): Der Dreiländerkreis Sigmaringen. Ein Führer zu Natur, Wirtschaft, Geschichte und Kultur. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2007, ISBN 978-3-89977-512-9, S. 25. mini|Klosterkirche Inzigkofen Im 13. Jahrhundert befand sich in der Fürstlichen Domäne Nickhof bei Inzigkofen die Burg Utkoven. Die erste Nennung des Ortes erfolgt in einer Urkunde aus dem Jahr 1263, in der Truchsess Berthold von Waldburg-Rohrdorf den Zisterzienserinnen im Kloster Wald das Anwesen des damaligen Inzigkofens und des Nickhofs schenkt. 1306 erscheint die nächste Nennung des Ortes „Ünzkowen“ im Habsburger Urbar.

Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich über die Jahre in „Untzkoven“ und später in „Inzigkofen“. Die Ableitung des Ortsnamens von „Einziger Hof“ ist der Volksmeinung zuzuschreiben. Wahrscheinlicher ist die Deutung, dass der Ortsname aus einem nach einer Person namens „Unzo“ bezeichneten Hof hervorging.Max Beck: Inzigkofen. Kurzchronik.

1354 wurde das Kloster Inzigkofen gegründet.

18. bis 20. Jahrhundert Am 6. Oktober 1796 zerstörten die sich im Rückzug befindlichen französischen Truppen des Generals Jean-Victor Moreau einen Großteil von Engelswies. Grund war die Ermordung eines französischen Soldaten, der das Pfarrhaus plündern wollte.

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Inzigkofen eines von fünf Lagern des weiblichen Reichsarbeitsdienstes (RAD) im damaligen preußisch-hohenzollerischen Landkreis Sigmaringen.Edwin Ernst Weber: Sophie Scholl im Reichsarbeitsdienstlager Schloss Krauchenwies. In: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben (Hrsg.): Denkorte an oberschwäbischen Erinnerungswegen in den Landkreisen Bodenseekreis und Sigmaringen. 2012, S. 30 Hierzu erfuhr das Konvent von 1939 bis 1944 eine Umnutzung. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Auffanglager.

Im Jahre 1950 hielt die Literaturvereinigung Gruppe 47 im Kloster Inzigkofen eine Tagung ab.

Eingemeindungen Am 1. April 1901 wurden die beiden fürstlichen Domänen Pault und Nickhof nach Inzigkofen eingemeindet. Bereits ab 1854 war Pault dem Gemeindeverband Inzigkofen zugeordnet. Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg folgten am 1. Januar 1975 die bis dahin selbständigen Gemeinden Engelswies und Vilsingen (mit der Teilgemeinde Dietfurt) und dem ehemals hohenzollerischen Teil Thiergartens. Nach Anhörung der dortigen Einwohner wurde am 1. Januar 1977 Thiergarten in die Gemeinde Beuron umgegliedert.

Politik Gemeinderat

Der Gemeinderat von Inzigkofen besteht aus derzeit 14 gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie dem Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigtem Vorsitzenden. Er wird nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt, die den einzelnen Ortsteilen von Inzigkofen jeweils eine bestimmte Anzahl an Vertretern im Gemeinderat garantiert, wodurch sich die Gesamtzahl der Sitze jedoch durch Ausgleichsmandate verändern kann. Die letzte Wahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,4 % zu folgendem amtlichen Endergebnis:

+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wähler 45,3 % 6 CDU 41,8 % 6 Grüne 12,9 % 2 Gesamt 100 % 14

Darüber hinaus besteht in den Ortsteilen Engelswies und Vilsingen jeweils ein eigener Ortschaftsrat.

Bürgermeister Am 28. November 2004 wurde der aus Inzigkofen stammende Bernd Gombold,Sebastian Pantel (sep): Vom Lausbub zum Stadtvater. In: Südkurier vom 4. Dezember 2010. damaliger Haupt- und Personalamtsleiter beim Landratsamt Sigmaringen, als einziger ernstzunehmender Kandidat mit absoluter Mehrheit von 96,8 Prozent im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt.Hermann-Peter Steinmüller (hps): Kompliment vom Landrat. In: Südkurier vom 30. November 2004. Am 1. Februar 2005 trat er sein Amt als Nachfolger von Pius Widmer an, der nach 32 Jahren nicht mehr kandidiert hatte. Auf sein Amt vereidigt wurde er am 18. Februar 2005, seine Amtszeit endet am 17. Februar 2013.Manfred Dieterle-Jöchle (dim): Zur Person. In: Südkurier vom 28. Mai 2005. Im November 2012 wurde Gombold mit 97,7 % der Stimmen wiedergewählt.

1862–1871: Lorenz Steinhart 1871–1876: Johann Oswald 1877–1915: Anton Henselmann 1915–1920: Anton Steinhart 1920–1923: Fidelis Schönbucher 1923–1938: Emil Henselmann 1938–1946: Johann Scherer 1946–1949: Fridolin Oswald 1949–1966: Johann Scherer 1967–1972: Manfred Sailer 1973–2005: Pius Widmer seit 2005: Bernd Gombold

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Inzigkofen liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße,Ferienstraßen. In: Schwäbische Alb! hin-reisend natürlich the nature place to go. hrsg. von Schwäbische Alb Tourismusverband. Bad Urach 2010, S. 10f. dem Donauradweg und dem Schwäbische-Alb-Südrand-Weg. Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ angeschlossen.

Museen Das vom Schwäbischen Albverein Inzigkofen betreute Bauernmuseum in der Inzigkofer Zehntscheuer bietet Einblicke in das bäuerliche Leben und Arbeiten. Es zeigt auf über 700 Quadratmetern mehr als 500 landwirtschaftliche Arbeitsgeräte und Maschinen, teils aus dem 19. Jahrhundert. Es besteht seit 1983, als die Gemeinde Inzigkofen zu diesem Zweck das Dachgeschoss anmietete.Jennifer Kuhlmann (jek): Wie das Museum in die Zehntscheuer kam. In: Ders.: Erinnerung: Als Oma die Butter noch selbst machte. Erich Beck und Raimund Rieder zeigen im Bauernmuseum alte Schätze. In: Schwäbische Zeitung vom 21. Oktober 2011. Daneben befindet sich der als Schaugarten angelegte Klosterkräutergarten.

Bauwerke mini|Der Kräutergarten auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Inzigkofen mini|Teufelsbrücke (ehemals Holzbrücke) über eine 20 m breite Seitenschlucht der Donau Das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen wurde 1354 gegründet. Der heutige Bau stammt aus den Jahren 1659–63 und weist Kreuzgang, Prälatensaal und Stuckdecken auf. Die ehemaligen Stiftskirche St. Johannes Baptist hat einen Turm von 1484, wurde aber im Jahr 1780 nach Plänen des Haigerlocher Baumeisters Christian Großbayer umgebaut. Sie erhielt dabei ihre heute weitestgehend klassizistische Form. Das Gebäude weist einen beeindruckenden Hochaltar auf. Die Nonnenempore zeigt ein kunstvolles Gitter aus Zweigen und Pappmaché. Die Zehntscheuer des Klosters wurde 1510 erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Scheuer etwa 1636 von durchziehenden schwedischen Soldaten abgebrannt. Sie wurde 1645/46 wieder aufgebaut. Insgesamt gibt es in Inzigkofen fünf Kapellen von kunstgeschichtlicher und frömmigkeitsgeschichtlicher Bedeutung. Die Kapellen sind ein Spiegel der Inzigkofer Ortsgeschichte mit der bäuerlichen Dorfgemeinde, dem ehemaligen Kloster sowie dem Fürstenhaus Hohenzollern als Einflussfaktoren:Wanderung zu den fünf Kapellen. In: Südkurier vom 25. März 2011. Die Leonhardskapelle und die Totenkapelle, beide am Rande der ehemaligen Dorfsiedlung gelegen, gehen auf Stiftungen aus der bäuerlichen Gemeinde zurück und haben mit dem Heiligen Leonhard und dem Heiligen Isidor typische „Bauernheilige“ als Patrone, die bei Krankheiten des Viehs oder mit der Bitte um eine gute Ernte als Mittler angerufen wurden. Der marianischen Frömmigkeit der Barockzeit verpflichtet sind die Josefskapelle und die Einsiedlerkapelle auf dem Gelände des früheren Augustinerchorfrauenstifts. Die mit einem flachen Gewölbe mit Stichkappen und einer zarten Deckenbemalung mit Blumen ausgestattete Josefskapelle befindet sich im Westflügel der frühbarocken Dreiflügelanlage des Klosters und geht auf eine Stiftung des Sigmaringer Fürsten Meinrad I. um 1660 zurück. Die nach der Schwarzen Madonna von Einsiedeln benannte Einsiedlerkapelle entstand 1729 bei der Erweiterung der klösterlichen Klausurmauer als Bauelement im inneren Mauerring und wurde 1740 gleichfalls von dem Riedlinger Maler Josef Ignaz Wegscheider unter anderem mit einer qualitätsvollen Verkündigung als Deckenfresko ausgemalt. Eine herrschaftliche Gründung ist die auf dem höchsten Punkt der Eremitage im Fürstlichen Park stehende Kapelle St. Meinrad. Sie stammt aus dem Jahr 1840 und ist mit einer Kreuzigungsgruppe, das heißt vier Gemälden aus Öl auf Kupfer, ausgestattet.