Eine Aussage im Sinn der aristotelischen Logik ist ein sprachliches Gebilde, von dem es sinnvoll ist, zu fragen, ob es wahr oder falsch ist (sogenanntes aristotelisches Zweiwertigkeitsprinzip). Es ist nicht erforderlich, sagen zu können, ob das Gebilde wahr oder falsch ist. Es genügt, dass die Frage nach Wahrheit („Zutreffen“) oder Falschheit („Nichtzutreffen“) sinnvoll ist; das ist zum Beispiel bei Fragesätzen, Ausrufen und Wünschen nicht der Fall. Aussagen sind somit Sätze, die Sachverhalte beschreiben und denen man einen Wahrheitswert zuordnen kann.

Mehrdeutigkeit Die einleitend referierte Bedeutung des Ausdrucks Aussage ist die herrschende Bedeutung.

Der Terminus Aussage wird jedoch mehrdeutig verwendet.Hoyningen-Huene: Logik. 1998, S. 32 f. nennt fünf Bedeutungen:  die Äußerung der Aussage; [1.1] das Schema der Äußerung;  ein Urteilsakt; [2.1] das Schema des Urteilsakts;  der Aussagesinn.

Diese lassen sich auf vier Grundbedeutungen reduzieren: Aussage im Sinne von Aussagesatz (Satz) (oder „eine Menge von aufeinanderfolgenden Sätzen“Joseph Verguin: Aussage. In: André Martinet (Hrsg.): Linguistik. 1973, S. 60.) Aussage im Sinne der Äußerung(shandlung) eines Satzes; Aussage im Sinne von Urteilsakt (Urteil)Urteil ist ein älterer Ausdruck für Aussage, vgl. Strobach: Einführung in die Logik. 2005, S. 49. Aussage im Sinne von Proposition (Aussagesinn, „das Ausgesagte, der (von der Aussage) gemeinte Sachverhalt, der Urteilssinn, der Gedanke, das Gedachte, die Proposition“), „objektiver Satz“.Bochenski: Die zeitgenössischen Denkmethoden. 10. Auflage. 1993, S. 13.

Von der Bedeutung des Ausdrucks ‚Aussage‘ hängt ab, „was eigentlich genau der Gegenstand der Logik“Hoyningen-Huene: Logik. 1998, S. 34. und was eigentlich „Träger“ von Wahrheit oder Falschheit ist. Für einen technischen Gebrauch der Logik bedarf es einer Klärung dieser Frage allerdings nicht.

Aussagesatz und Aussage

Nach verbreiteter, aber umstrittener Auffassung sind Aussagen nicht Sätze, sondern sind Aussagesätze (nur) der sprachliche Ausdruck von Aussagen.Urteil. In: Regenbogen, Meyer: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 2005. Ein Aussagesatz steht stellvertretend für eine Aussage, ist lediglich ein Zeichen für eine Aussage (Proposition) und nur „das sprachliche Korrelat der Aussage“.

Gegen eine Gleichsetzung von Aussage und Aussagesatz wird eingewendet, dass vom Satztyp und seiner Äußerung die Aussage zu unterscheiden ist, „die mit dieser Äußerung gemacht wird“.Beckermann: Einführung in die Logik, 2. Auflage. 2003, S. 17.

Beispiel 1 (gleichbedeutende Sätze): „Das Haus ist dreistöckig.“ – „Dieses Wohngebäude hat drei Geschosse.“ – “This house has three floors.”: drei Sätze mit einer Aussage für einen Sachverhalt.Aussage, Satz. In: Seiffert: Wissenschaftstheorie IV. 1997.

Beispiel 2: Wenn Hans und Ina sagen: „Ich bin krank“, dann äußern beide denselben Satz (i. S. v. Satztyp) und erzeugen unterschiedliche Satzvorkommnisse und machen mit ihren Äußerungen unterschiedliche Aussagen.

Nach Quine soll es der Annahme von Propositionen nicht bedürfen, sodass sich der Terminus „Aussage“ nicht auf Ausgesagtes, sondern nur auf Aussagesätze beziehen können soll.Strobach: Einführung in die Logik. 2005, S. 49 f.

Satz – Urteil – Aussage Tugendhat spricht in einer Grobeinteilung von einer sprachlichen, psychologischen und ontologischen Grundauffassung der Logik: Der sprachliche Aussagesatz korrespondiert dem Urteil als psychischem Akt und ontologisch der Aussage, dem Gedanken (Frege), dem Sachverhalt (Husserl: Wittgenstein I) oder der Proposition (englische Philosophie).Tugendhat, Wolf: Logisch-semantische Propädeutik. 1983, S. 17.

Zwischen „Satz“ – „Urteil“ – „Aussage“ besteht ein proportionalitäts- und attributionsanaloges Verhältnis.Weingartner: Wissenschaftstheorie I: Einführung in die Hauptprobleme. 2. Auflage. 1978, S. 28 Fn. 1: „Man kann zeigen, dass bei geeigneten Definitionen für die Ausdrücke ‚Aussage‘, ‚Urteil‘ (dabei bezeichnet ‚Urteil‘ einen psychischen Akt, in dem etwas anerkannt oder verworfen wird) und ‚Proposition‘ die Ausdrücke ‚wahr‘ in den Meta-Aussagen ‚Aussagen sind wahr‘, ‚Urteile sind wahr‘ und ‚Propositionen sind wahr‘ zueinander in einem proportionalitätsanalogen und attributionsanalogen Zusammenhang stehen.“ D. h., der objektive Gedanke (die Aussage, Proposition) wird im Denken (psychischer Urteilsakt) erfasst und in einem Aussagesatz zur Sprache gebracht. Aussagen über den Aussagesatz betreffen daher in einem analogen Sinn auch den objektiven Aussageinhalt bzw. den psychischen Aussageakt, und umgekehrt. In den meisten Zusammenhängen kommt es daher auf eine nähere Unterscheidung nicht an. Je nach erkenntnistheoretischer Orientierung kann eine entsprechende Terminologie bevorzugt werden. Für den Rezipienten bedeutet dies, dass sachlich über das Gleiche geredet wird, mit welchen erkenntnistheoretischen Voraussetzungen auch immer. War früher der Terminus „Urteil“ naiv (Aristoteles) oder psychologistisch (Empirismus, Kant) herrschend, dominiert nach dem Linguistic Turn der Ausdruck „Satz“, mit dem der Terminus „Aussage“ konkurriert bzw. vermischt wird. Will man die schillernde Bedeutung des Ausdrucks „Aussage“ vermeiden, empfiehlt es sich, terminologisch zwischen Aussagesatz und Proposition zu unterscheiden. Dies ist im deutschen Sprachraum aber nicht üblich.

Abgrenzungen Behauptung Mit Frege ist die Aussage von der Behauptung einer Aussage zu unterscheiden:Brandt, Dietrich, Schön: Sprachwissenschaft. 2. Auflage. 2006, S. 292 Fn. 16. „In einem Behauptungssatz ist also zweierlei zu unterscheiden: der Inhalt, den er mit der entsprechenden Satzfrage gemein hat, und die Behauptung. Jener ist der Gedanke oder enthält wenigstens den Gedanken. Es ist also möglich, einen Gedanken auszudrücken, ohne ihn als wahr hinzustellen. In einem Behauptungssatze ist beides so verbunden, dass man die Zerlegbarkeit leicht übersieht. Wir unterscheiden demnach das Fassen des Gedankens – das Denken, die Anerkennung der Wahrheit eines Gedankens – das Urteilen, die Kundgebung dieses Urteils – das Behaupten.“Gottlob Frege: Der Gedanke. S. 34 f., zitiert nach Patzig, dieser nach Tugendhat/Wolf: Logisch-semantische Propädeutik. 1983, S. 27.

Werturteil Für die Aussagenlogik ist es unerheblich, ob die Eigenschaft eine Wertung enthält, d. h., die Aussage ein Werturteil ist.Herberger, Simon: Wissenschaftstheorie für Juristen. 1980, S. 34.

Aussageform

Die Aussage (der Aussagesatz) ist zu unterscheiden von der Aussageform. Eine Aussageform ist „ein Ausdruck, der eine (oder mehrere) freie Variable (Leerstellen) enthält und durch die Belegung aller freien Variablen in eine (wahre oder falsche) Aussage übergeht“.Thomas Zoglauer: Einführung in die formale Logik für Philosophen. 1999, S. 24 (Bsp.: „Alle S sind P“.) Die Aussageform geht in eine Aussage über, sobald alle Variablen ersetzt werden.Bucher: Logik. 1987, S. 43. Menne: Logik. 6. Auflage. 2001, S. 59 (oder quantifiziert wird).

In der mathematischen Logik wird der syntaktische Aufbau einer Aussage basierend auf den Zeichen einer Sprache L formal spezifiziert. Je nach Sprache sind verschiedene atomare Aussageformen erlaubt, aus denen durch Junktoren zusammengesetzte Aussageformen gebildet werden. Bei der Prädikatenlogik kommt die Möglichkeit hinzu, in den atomaren Aussageformen enthaltene Variablen durch Quantoren („es gibt ein x, für das gilt“, „für alle x gilt“) zu binden. Eine durch keinen Quantor gebundene Variable heißt freie Variable.

Eine logische Aussage ist formal definiert als eine Aussageform (Definition siehe dort) über der Sprache L, in der keine (freien) Variablen vorkommen.

Wort Ein einzelnes Wort, das nicht für eine Aussage steht, „teilt nichts mit“, „ist nicht wahr oder falsch“. „Nur wenn ein Wort als Abkürzung für einen Satz steht, können wir von seiner Wahrheit oder Falschheit sprechen[.]“

Begriff Das zur Abgrenzung vom Wort Gesagte gilt entsprechend (eigentlich) für den Begriff.

Hinter jedem Begriff stehen eine oder mehrere Aussagen, welche seinen Inhalt definieren und diesen Begriff in eine Relation zu anderen bringen. „Deshalb führt die Feststellung, dass der Begriff in seinem Inhalt eine Einheit von Merkmalen ist, zu der Idee, dass jeder Begriff einen Zusammenhang von Aussagen darstellt.“ Dies wurde insbesondere von Cohn vertreten und klingt auch bei Frege an, wenn dieser sagte, dass das Wort nur im Satz eine Bedeutung habe.Tatievskaya: Aussagenlogik. 2003, S. 66.

Schluss „Jede Aussage, in der einem Gegenstand etwas zugesprochen wird, kann man als eine Art Schlusses betrachten, dessen Prämissen das Subjekt der fraglichen Aussage definieren und dem es definierenden Begriff eine Eigenschaft zu- oder absprechen.“

Arten von Aussagen Einfach – zusammengesetzt Aussagen können in einfache Aussagen und zusammengesetzte Aussagen eingeteilt werden. Einteilungsgrund ist dabei, ob Aussagen aus voneinander unterscheidbaren „separierbaren“Hoyningen-Huene: Logik. 1998, S. 35. Teilaussagen zusammengesetzt sind oder nicht.

Beispiel: „Berlin ist eine Stadt“ (einfache Aussage); „Berlin ist eine Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern“ (logisch eine zusammengesetzte Aussage mit den Teilaussagen „Berlin ist eine Stadt“ und „Berlin hat mehr als drei Millionen Einwohner“).

Die Terminologie variiert: Statt von „einfacher Aussage“ spricht man auch von „unzusammengesetzter Aussage“, „atomarer Aussage“, „elementarer Aussage“, „Elementaraussage“ oder „Elementarsatz“ (Wittgenstein). Statt von zusammengesetzter Aussage ist auch die Rede von „Aussagenverknüpfung“ oder „molekulare Aussage“. Als atomare Aussagen werden in der mathematischen oder formalen Logik Aussagen bezeichnet, die nicht aus anderen Aussagen zusammengesetzt sind. Sie enthalten daher keine aussagenverknüpfenden logischen Operatoren (Junktoren) wie ∧ (und), ∨ (oder) und ¬ (nicht). Der Gegenbegriff ist die zusammengesetzte Aussage oder Aussagenverknüpfung.

Während z. B. die Aussage „Die Straße ist nass und es regnet“ in zwei Aussagen zu trennen ist, die durch das und zu einer Aussage verknüpft sind, ist eine solche Trennung bei den einzelnen Aussagen „Die Straße ist nass“ und „Es regnet“ nicht mehr möglich. Somit handelt es sich bei diesen Aussagen um atomare Aussagen. Bei einer aussagenlogischen Analyse von Argumenten ist es zentral, die Formulierungen in atomare Aussagen zu untergliedern, da nur so die für die Argumentstruktur wichtigen Junktoren formalisiert werden können.

Beispiele für atomare Aussagen (Prädikatenlogik) für beliebige Terme , für jede n-stellige Relation und beliebige Terme bis In einer einfachen Aussage wird einem Gegenstand ein einziges Prädikat zu- oder abgesprochen.

Wenn es heißt, eine einfache Aussage sei nicht weiter strukturiert, so ist dies dahingehend zu verstehen, dass die innere Struktur einer Aussage nicht weiter präzisiert wird.

Die Interpretation der atomaren Aussagen erfolgt durch Zuordnung von Wahrheitswerten.

Die Symbole für einfache Aussagen sind eine Frage der Konvention. Gebräuchlich ist zum Beispiel die Kennzeichnung durch Großbuchstaben A, B, C, ggf. durch indizierte Buchstaben.

Eine zusammengesetzte Aussage ist eine Aussage, die durch Verbindung mehrerer einfacher Aussagen entsteht.

Eine Aussagenverknüpfung kann extensional (extensionale Aussagenverknüpfung) oder intensional (intensionale Aussageverknüpfung) erfolgen.Hoyningen-Huene: Logik. 1998, S. 37 f.

Extensionale Aussagenverknüpfungen sind zusammengesetzte Aussagen, deren Wahrheitswert vom Wahrheitswert ihrer Teilaussagen bestimmt ist. Der Wahrheitswert der Gesamtaussage ist daher eine Funktion der Wahrheitswerte der Teilaussagen (Wahrheitsfunktionalität).

Logische Konstanten, die eine wahrheitsfunktionale Aussagenverbindung bewirken, werden Junktoren genannt.

Die klassische Aussagenlogik ist eine Junktorenlogik (Lorenzen), eine „Logik der Wahrheitsfunktionen“ (Quine) von Aussagen. Sie gründet auf dem Extensionalitätsprinzip.