Birkmannsweiler ist ein Kirchdorf und seit 1974 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Winnenden im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt in der Metropolregion Stuttgart.

Lage und Verkehrsanbindung Birkmannsweiler liegt im Tal des Buchenbachs südöstlich der Kernstadt Winnenden. Am südwestlichen Ortsrand verläuft die Landesstraße L 1140.

Umliegende Ortschaften sind Baach im Norden, Bürg und Rettersburg im Nordosten, Oppelsbohm im Osten, Bretzenacker und Lehnenberg im Südosten, Breuningsweiler im Südwesten, Winnenden im Westen sowie Höfen im Nordwesten.

Geschichte Birkmannsweiler wurde 1304 als Berkamswiler erstmals erwähnt. Wahrscheinlich geht der Ortsname auf den germanischen Personennamen Bergan zurück.Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, S. 52. Ursprünglich gehörte das Dorf zur Herrschaft Winnenden. Der Ort kam vermutlich 1325 an Württemberg (Amt Winnenden), doch hatte der Deutschorden auch hier Besitz. Im Jahr 1545 umfasste der Ort bereits 42 Haushalte. 1665 veräußerte der finanziell angeschlagene Orden unter Johann Caspar von Ampringen seinen Besitz in der Region an Herzog Eberhard III. von Württemberg. Im 17. Jahrhundert lebte der Amtmann Hans Jacob Breuning in Birkmannsweiler. 1612 veröffentlichte Breuning erstmals seine Reiseberichte aus dem Orient.

Im Rahmen der Gebietsreform wurde Birkmannsweiler am 1. Januar 1974 als letzte Nachbargemeinde zur Stadt Winnenden eingegliedert.

Einwohnerentwicklung

1808: 504 EinwohnerKöniglich Württembergisches Staatshandbuch. Verlag J.F. Steinkopf, Stuttgart 1808, S. 703. 1824: 576Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J. F. Steinkopf, Stuttgart 1824, S. 190. 1828: 564Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1828, S. 202. 1850: 710 (alle evangelischer Konfession)Beschreibung des Oberamts Waiblingen, S. 118. 1873: 457Königlich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. Carl Grüninger, Stuttgart 1873, S. 414. 1894: 524 (506 evangelisch, 1 katholisch, 17 mit anderem Bekenntnis)Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1894, S. 398. 1961: 1.033 1970: 1.610

Religion Bereits im Mittelalter existierte in Birkmannsweiler eine nach dem Heiligen Ulrich von Augsburg benannte Kapelle. Seit der Einführung der Reformation 1535 durch Herzog Ulrich ist Birkmannsweiler wie ganz Altwürttemberg evangelisch geprägt. Eine eigene Pfarrei Birkmannsweiler wurde 1840 errichtet. Römisch-katholische Christen zogen erst nach dem Zweiten Weltkrieg in nennenswerter Zahl zu; sie besuchen die Messe in Winnenden.

Politik

Schultheißen und Bürgermeister Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultheiß) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß durch Bürgermeister ersetzt.

Liste der Schultheißen und Bürgermeister (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):

1809: Johannes BühlmaierKöniglich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch auf die Jahre 1809 und 1810. Verlag J. F. Steinkopf, Stuttgart 1810, S. 239. 1824: Klöpfer 1894: Bihlmaier 1913: Johannes MögelKöniglich Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1913, S. 319.

Wappen und Flagge links|mini|146x146px|Ehemaliges Wappen von Birkmannsweiler Die Altgemeinde Birkmannsweiler führte ein Wappen und eine Fahne.

Die Blasonierung des redenden Wappens lautet: In silbernem (weißem) Wappenschild auf grünem Boden eine natürliche Birke.

Wappenbegründung: Die Birke war schon auf den frühesten Dienstsiegeln der Gemeinde dargestellt. Im Jahr 1930 erschien die Birke erstmals in einem Wappenschild auf Stempeln der Gemeinde.

Die Farben der Gemeinde waren Weiß-Grün.

Mit der Auflösung der Gemeinde Birkmannsweiler ist das Wappen 1974 erloschen. Es kann jedoch von lokalen Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege verwendet werden, etwa als Abzeichen, Autoaufkleber oder als Wimpel.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke In der Liste der Kulturdenkmale in Winnenden sind für Birkmannsweiler zwei Kulturdenkmale aufgeführt: die evangelische Pfarrkirche St. Ulrich (Kirchweg 16). Die nach dem Heiligen Ulrich von Augsburg benannte Kirche wurde mehrmals (1697, 1851) umgebaut. Der Turm wurde 1870 angebaut. Das Altarkreuz von 1697 wurde wahrscheinlich von Johann Leßle geschaffen. mini|Birkmannsweiler im 17. Jahrhundertdas Herrenhaus Buchenbachhof (heute Forsthaus) in der Flur Baurenwiesen ist der Siedlungsrest eines 1442 erwähnten ritterschaftlichen Hofguts das als Buchenbachhof mit Schloss und Kapelle, Wirtschaftsgebäuden, Umwehrung und Stausee in den Kieserschen Forstlagerbüchern aufgeführt wurde.

Gedenkstätten In Birkmannsweiler wurden zwei Stolpersteine durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Die im Oktober 2016 verlegte Gedenktafel vor dem Haus Hauptstraße 103 erinnert an Hermann Grünspan, der 1941 als Jude im KZ Jungfernhof bei Riga ermordet wurde. Für den blinden Karl Christoph Kögel, der im Giebelweg 5 seinen letzten frei gewählten Wohnsitz hatte, wurde am 1. Juli 2019 ein Stolperstein verlegt. Er wurde im Februar 1943 in die Staatliche Heil- und Pflegeanstalt Zwiefalten eingewiesen und dort ein Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde.

Vereinsleben

Sport VfR Birkmannsweiler e. V. 1938 Tennisverein Birkmannsweiler e. V.

Obst und Gartenbau Obst- und Gartenbauverein Birkmannsweiler e. V.

Ortsneckname In früheren Zeiten wurden die Einwohner von Birkmannsweiler scherzhaft Hirschkühe genannt. Der Grund für die Bezeichnung ist nicht mehr bekannt.Kennzeichen WN, S. 223.

Persönlichkeiten

Mit Birkmannsweiler verbundene Personen

Melchior Jäger von Gärtringen (1544–1611), Jurist und Geheimrat unter Herzog Ludwig von Württemberg, Eigentümer des Buchenbachhofs Hans Jacob Breuning von Buchenbach (1552–1617), Amtmann, Orientreisender und Schriftsteller Carl Alexander von Württemberg (1684–1737), elfter regierende Herzog von Württemberg, von 1728 bis 1737 Eigentümer des Buchenbachhofs.

Literatur Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen, S. 118 f. Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag, Stuttgart 1990. ISBN 3-12-258290-2, S. 222.

Weblinks

Einzelnachweise

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